[136.] Dartmouth’s Note zu Burnet I. 792: Citters, 26. Nov. (6. Dec.) 1688; Clarke’s Life of James, II. 226. Orig. Mem.; Clarendon’s Diary, Nov. 26.; Revolution Politics.
Jakob hält eine Berathung mit den Lords. [Noch] denselben Abend hielt er mit seinen ersten Ministern eine bis spät in die Nacht dauernde Berathung. Es wurde beschlossen, daß er alle zur Zeit in London anwesenden geistlichen und weltlichen Lords am folgenden Tage zu sich entbieten und sie feierlich um Rath fragen sollte. Demgemäß versammelten sich die Lords am Dienstag Nachmittag, den 27. November, im Speisesaale des Palastes. Die Versammlung bestand aus neun Prälaten und zwischen dreißig und vierzig weltlichen Edelleuten, sämmtlich Protestanten. Auch die beiden Staatssekretäre, Middleton und Preston, waren anwesend, obgleich sie nicht Peers des Reichs waren. Der König selbst präsidirte. Die Spuren schwerer körperlicher und geistiger Leiden waren in seinen Gesichtszügen und in seiner Haltung deutlich zu erkennen. Er eröffnete die Verhandlung mit der Erwähnung der Petition, die ihm kurz vor seiner Abreise nach Salisbury überreicht worden war. Der Inhalt dieser Petition war die Bitte um Einberufung eines freien Parlaments. In seiner damaligen Lage, sagte er, habe er es nicht für zweckmäßig gehalten, der Bitte zu willfahren. Während seiner Abwesenheit von London aber seien wichtige Veränderungen eingetreten; auch habe er bemerkt, das sein Volk überall den Zusammentritt der Kammern sehnlichst wünsche. Daher habe er seine getreuen Peers zu sich entboten, um ihren Rath zu hören.
Es trat eine Pause ein. Dann sagte Oxford, dem sein in Alter und Glanz unerreichter Stammbaum ein gewisses Übergewicht in der Versammlung gab, seiner Ansicht nach müßten die Lords, welche die von Seiner Majestät erwähnte Petition unterzeichnet hätten, ihre Meinungen jetzt aussprechen.
Diese Worte bestimmten Rochester zu reden. Er vertheidigte die Petition und erklärte, daß er noch immer nirgends eine Hoffnung für den Thron und das Land sehe, als in einem Parlament. Er wage es nicht zu behaupten, daß in einer so unheilvollen Bedrängniß selbst dieses Mittel wirksamen Erfolg haben werde; aber er wisse kein andres vorzuschlagen. Er setzte hinzu, daß es rathsam sein dürfte, Unterhandlungen mit dem Prinzen von Oranien zu eröffnen. Nach ihm sprachen Jeffreys und Godolphin, und Beide erklärten sich mit ihm einverstanden.
Jetzt stand Clarendon auf und ergoß sich zum Erstaunen Aller, die sich seiner lauten Loyalitätsversicherungen und der heftigen Äußerungen von Scham und Schmerz erinnerten, die ihm noch vor wenigen Tagen die Nachricht von dem Abfalle seines Sohnes entrissen hatte, in eine Schmährede gegen Tyrannei und Papismus. „Noch in diesem Augenblicke,“ sagte er, „errichtet Seine Majestät in London ein Regiment, in welches keine Protestanten aufgenommen werden.“ — „Das ist nicht wahr!“ rief Jakob mit Heftigkeit aus. Clarendon bestand auf seiner Behauptung und verließ dieses beleidigende Thema nur um auf ein noch beleidigenderes überzugehen. Er beschuldigte den unglücklichen König des Kleinmuths. Warum sei er nicht in Salisbury geblieben? warum habe er nicht das Glück einer Schlacht versucht? Könne man es dem Volke verargen, daß es sich dem Angreifer unterwarf, wenn es seinen König an der Spitze seiner Armee davonlaufen sehe? Jakob fühlte diese Vorwürfe tief und vergaß sie nicht so bald. In der That, selbst Whigs hielten Clarendon’s Sprache für unpassend und unedel. Halifax sprach in einem ganz andren Tone. Seit mehreren Jahren der Gefahr hatte er mit bewundernswürdigem Talent die bürgerliche und kirchliche Verfassung seines Vaterlandes gegen die Prärogative vertheidigt. Aber sein klarer, für Begeisterung durchaus unempfänglicher und Extremen entschieden abgeneigter Verstand begann sich gerade in dem Augenblicke, wo die großsprecherischen Royalisten, welche noch vor Kurzem die Trimmers als wenig besser denn Rebellen verwünscht hatten, sich überall zum Aufstande erhoben, zur Sache des Königthums hinzuneigen. Er setzte seine Ehre darein, in diesem kritischen Augenblicke der Friedensstifter zwischen dem Throne und der Nation zu werden. Seine Talente und sein Character befähigten ihn zu diesem Amte und wenn sein Versuch scheiterte, so ist dies Ursachen zuzuschreiben, gegen die keine menschliche Geschicklichkeit etwas auszurichten vermochte, ganz besonders der Thorheit, Wortbrüchigkeit und Hartnäckigkeit des Fürsten, den er zu retten versuchte.
Halifax sprach manche bittere Wahrheit aus, aber mit einer so zarten Rücksicht, daß er sich den Vorwurf der Schmeichelei von Leuten zuzog, welche viel zu niedrigdenkend waren, als daß sie hätten begreifen können, daß Worte, die mit Recht Schmeichelei genannt werden mögen, wenn man sie an einen Mächtigen richtet, einer gefallenen Größe gegenüber ein Tribut der Humanität sind. Er erklärte es unter vielen Versicherungen von Theilnahme und Ehrerbietung als seine Ansicht, daß der König sich zu großen Opfern entschließen müsse. Es sei nicht genug, daß er ein Parlament einberufe und mit dem Prinzen von Oranien in Unterhandlung trete. Wenigstens einige von den Beschwerden, über welche die Nation klage, müßten augenblicklich abgestellt werden, ohne darauf zu warten, bis die Häuser oder der Anführer des feindlichen Heeres die Abstellung verlangten. Nottingham erklärte sich in eben so ehrerbietiger Sprache mit Halifax vollkommen einverstanden. Es waren drei Hauptzugeständnisse, zu denen die Lords den König zu bewegen suchten. Er sollte, sagten sie, alle Katholiken sofort aus dem Staatsdienste entlassen, sich ganz von Frankreich lossagen und Denen, welche bewaffnet gegen ihn aufgestanden, unbedingte Amnestie zusichern. Man sollte denken, daß der letzte von diesen drei Vorschlägen keinen Einwand zugelassen hätte. Denn hatten auch Einige von Denen, die sich gegen den König zusammengeschaart, so gegen ihn gehandelt, daß er sich dadurch bitter gekränkt fühlen mußte, so war es doch viel wahrscheinlicher, daß er bald von ihrer Gnade abhängen würde, als sie je von der seinigen. Es wäre geradezu kindisch gewesen, mit Wilhelm Unterhandlungen zu eröffnen und zu gleicher Zeit Männern, welche Wilhelm nicht im Stiche lassen konnte, ohne eine Schändlichkeit gegen sie zu begehen, mit Rache zu drohen. Aber der umwölkte Verstand und der unversöhnliche Character Jakob’s sträubten sich lange gegen die Gründe der Männer, die ihn zu überzeugen suchten, daß er wohl daran thun werde, Kränkungen zu verzeihen, die er nicht bestrafen konnte. „Ich kann es nicht thun,“ rief er aus; „ich muß ein Exempel statuiren, vor Allem an Churchill, den ich so hoch erhoben habe. Er, und nur er allein hat dies Alles gethan. Er hat meine Armee verführt, er hat meine Tochter verführt und er würde mich ohne den besonderen Schutz Gottes dem Prinzen von Oranien überliefert haben. Sie sind auffallend besorgt um die Sicherheit von Verräthern, Mylords; keiner von Ihnen aber kümmert sich um meine Sicherheit.“ Als Antwort auf diesen Ausbruch ohnmächtigen Zornes stellten Diejenigen, welche zur Amnestie gerathen hatten, mit tiefster Ehrerbietung, aber mit Entschiedenheit vor, daß ein von mächtigen Feinden angegriffener Fürst nur durch einen Sieg oder durch Nachgiebigkeit gerettet werden konnte. „Wenn Eure Majestät nach Allem was geschehen ist noch von den Waffen Rettung erwartet, so sind wir fertig, wo nicht, können Sie nur dadurch gerettet werden, daß Sie die Zuneigung Ihres Volks wieder zu gewinnen suchen.“ Nach einer langen und lebhaften Debatte hob der König die Versammlung auf, indem er sagte: „Mylords, Sie haben Sich viel Freiheit herausgenommen, aber ich zürne Ihnen deshalb nicht. In einem Punkte bin ich zu einem Entschlusse gekommen. Ich werde ein Parlament einberufen. Die anderen Rathschläge, die Sie mir gegeben haben, sind von ernster Bedeutung, und Sie werden Sich nicht wundern, wenn ich mir eine Nacht zur Überlegung vorbehalte, ehe ich mich entscheide.“[137]
[137.] Clarke’s Life of James, II. 236: Orig. Mem.; Burnet I. 794; Luttrell’s Diary; Clarendon’s Diary, Nov. 27. 1688. Citters, 27. Nov. (7. Dec.) und 30. Nov. (10. Dec.). Citters schöpfte seine Angaben offenbar aus Mittheilungen von einem der anwesenden Lords. Da der Gegenstand wichtig ist, will ich einige kurze Stellen aus seinen Depeschen hier anführen. Der König sagte, „Dat het by na voor heem unmogelyck was te pardoneren persoonen wie so hoog in syn reguarde schuldig stonden, vooral seer uytvarende tegens den Lord Churchill wien hy hadde groot gemaakt, en nogtans meynde de eenigste oorsake van alle dese desertie en van de retraite van hare Coninglycke Hoogheden te wesen.“ Einer von den Lords, wahrscheinlich Halifax oder Nottingham, „seer hadde geurgeert op de securiteyt van de lords die nu met syn Hoogheyt geengageert staan. Soo hoor ick,“ sagt Citters, „dat syn Majesteyt onder anderen soude gesegt hebben: „„Men spreekt al voor de securiteyt voor andere, en niet voor de myne.““ — Waar op een der Pairs resolut dan met groot respect soude geantwoordt hebben dat, so de difficulteyt dan nog te surmonteren was, dat het den moeste geschieden door de meeste condescendance, en hoe meer die was, en hy genegen om aan de natic contentement te geven, dat syne securyteyt ook des te grooter soude wesen.“
Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit Wilhelm. [Anfangs] schien Jakob die ausbedungene Bedenkzeit vortrefflich anwenden zu wollen: der Kanzler erhielt die Weisung, Ausschreiben zur Einberufung eines Parlaments auf den 13. Januar zu erlassen. Halifax wurde ins königliche Kabinet beschieden, hatte eine lange Audienz und sprach mit mehr Freimuth, als er in Anwesenheit einer zahlreichen Versammlung zu zeigen für schicklich gehalten hatte. Es wurde ihm angekündigt, daß er zu einem der Commissare ernannt sei, welche mit dem Prinzen von Oranien unterhandeln sollten. Nottingham und Godolphin waren ihm beigegeben. Der König erklärte, daß er im Interesse des Friedens große Opfer zu bringen bereit sei. Halifax antwortete ihm darauf, daß es auch ohne Zweifel großer Opfer bedürfen werde. „Eure Majestät,“ sagte er, „darf nicht erwarten, daß Diejenigen, welche die Macht in Händen haben, auf Bedingungen eingehen werden, welche die Gesetze in die Gewalt der Prärogative geben.“ Mit dieser deutlichen Erklärung seiner Ansichten nahm er den Auftrag an, den der König ihm ertheilen wollte.[138] Jetzt wurden die vor wenigen Stunden noch hartnäckig verweigerten Zugeständnisse auf das Bereitwilligste gewährt. Es wurde eine Proklamation erlassen, durch welche der König nicht nur Allen, die sich gegen ihn empört hatten, unbedingte Verzeihung zusicherte, sondern sie sogar als wählbar für das bevorstehende Parlament erklärte. Nicht einmal die Niederlegung der Waffen wurde als Bedingung der Wählbarkeit gestellt. Dieselbe Nummer der Gazette, welche den bevorstehenden Zusammentritt der Häuser anzeigte, enthielt auch die Ankündigung, daß Sir Eduard Hales, der als Papist, als Renegat, als Hauptvorkämpfer für die Dispensationsgewalt und als der strenge Kerkermeister der Bischöfe einer der unpopulärsten Männer des ganzen Reichs war, nicht mehr Gouverneur des Tower sei und seinen kürzlichen Gefangenen Bevil Skelton, der zwar in der Achtung seiner Landsleute eben nicht hoch stand, aber wenigstens nicht gesetzlich vom Staatsdienste ausgeschlossen war, zum Nachfolger erhalten habe.[139]
[138.] Brief des Bischofs von St. Asaph an den Prinzen von Oranien vom 17. Dec. 1688.
[139.] London Gazette, Nov. 29., Dec. 3. 1688; Clarendon’s Diary, Nov. 29, 30