Die Unterhandlung eine Finte. [Diese] Zugeständnisse hatten jedoch nur den Zweck, die Lords und die Nation über die wahren Absichten des Königs zu täuschen. Im Stillen hatte er sich vorgenommen, selbst in dieser äußersten Bedrängniß nicht nachzugeben. An dem nämlichen Tage, an welchem er das Amnestiedecret erließ, sprach er seine wirklichen Gesinnungen offen gegen Barillon aus. „Diese Unterhandlung,“ sagte Jakob, „ist eine bloße Finte. Ich muß Commissare an meinen Neffen senden, damit ich Zeit gewinne, um meine Frau und den Prinzen von Wales fortschaffen zu können. Sie kennen die Stimmung meiner Truppen. Nur die Irländer werden mir treu bleiben, und sie sind nicht stark genug, um dem Feinde Widerstand zu leisten. Ein Parlament würde mir Bedingungen vorschreiben, die ich nicht ertragen könnte. Ich würde Alles was ich für die Katholiken gethan habe, wieder zurücknehmen, und mit dem Könige von Frankreich brechen müssen. Sobald daher die Königin und mein Kind in Sicherheit sind, werde ich England verlassen und mich nach Irland, Schottland oder zu Ihrem Gebieter flüchten“.[140]

Jakob hatte bereits die nöthigen Anstalten zur Ausführung dieses Planes getroffen. Dover war mit Instructionen, für den Prinzen von Wales zu sorgen, nach Portsmouth geschickt worden, und Dartmouth, welcher die dort liegende Flotte befehligte, hatte Ordre erhalten, allen Anordnungen Dover’s in Betreff des Kronprinzen Folge zu leisten und eine mit zuverlässigen Matrosen bemannte Yacht bereit zu halten, damit sie jeden Augenblick nach Frankreich unter Segel gehen könnte.[141] Jetzt sandte der König den bestimmten Befehl ab, daß der Prinz augenblicklich nach dem nächsten Hafen des Continentes gebracht werden solle.[142] Nächst dem Prinzen von Wales war der Hauptgegenstand seiner Sorge das große Staatssiegel. Diesem Symbole der königlichen Autorität haben unsere Juristen jederzeit eine besondere, fast geheimnißvolle Wichtigkeit beigelegt Man ist der Ansicht, daß, wenn der Siegelbewahrer es auch ohne königliche Genehmigung einem Peerspatent oder einer Begnadigung aufdrückt, er sich zwar eines schweren Vergehens schuldig macht, die Gültigkeit des Instruments aber von keinem Gerichtshofe angefochten und nur durch eine Parlamentsacte annullirt werden kann. Jakob fürchtete wahrscheinlich, daß seine Feinde dieses Organ seines Willens in die Hände bekommen und dadurch Maßregeln, die ihn nachtheilig berühren könnten, gesetzliche Gültigkeit geben könnten. Seine Besorgnisse können auch nicht unbegründet erscheinen, wenn man bedenkt, daß gerade hundert Jahre später das große Siegel eines Königs mit Bewilligung der Lords und der Gemeinen und unter Gutheißung von Seiten vieler großen Staatsmänner und Juristen zu dem Zwecke benutzt wurde, um seine Hoheitsrechte auf seinen Sohn zu übertragen. Damit der Talisman, der so furchtbare Kräfte besaß, nicht in unrechte Hände komme, beschloß Jakob, ihn wenige Schritte von seinem Kabinet aufzubewahren. Jeffrey’s erhielt zu dem Ende Befehl, sein erst kürzlich mit großem Kostenaufwande erbautes Haus in Duke Street zu verlassen und ein kleines Apartement in Whitehall zu beziehen.[143]

Der König hatte bereits alle Anstalten zur Flucht getroffen, als ein unerwartetes Hinderniß ihn zwang, die Ausführung seines Vorhabens aufzuschieben. Seine Agenten in Portsmouth fingen an Bedenklichkeiten zu hegen. Selbst Dover ließ, obgleich er Mitglied der jesuitischen Cabale war, Zeichen von Unschlüssigkeit merken. Noch weniger war Dartmouth geneigt, den Wünschen des Königs zu willfahren. Er war bisher dem Throne treu gewesen und hatte mit einer mißgestimmten Flotte und bei widrigem Winde sein Möglichstes gethan, um die Landung der Holländer in England zu verhindern; aber er war ein eifriges Mitglied der anglikanischen Kirche und durchaus nicht befreundet mit der Politik der Regierung, welche zu vertheidigen er für eine Pflicht und eine Ehrensache hielt. Die meuterische Stimmung der unter seinem Befehle stehenden Offiziere und Mannschaften hatte ihm viel zu schaffen gemacht und die Nachricht von der Einberufung eines freien Parlaments und der Ernennung von Commissaren, welche mit dem Prinzen von Oranien unterhandeln sollten, hatte ihn sehr erfreut. Die ganze Flotte gab ihre Freude darüber laut zu erkennen. An Bord des Admiralschiffs wurde eine Adresse entworfen, welche dem Könige für diese der öffentlichen Meinung gemachten gnädigen Zugeständnisse den wärmsten Dank aussprach. Der Admiral unterzeichnete zuerst und achtunddreißig Kapitäne schrieben ihre Namen unter den seinigen. Dieses Schriftstück kreuzte sich auf dem Wege nach Whitehall mit dem Boten, der den Befehl nach Portsmouth brachte, daß der Prinz von Wales unverzüglich nach Frankreich übergeführt werden sollte. Dartmouth erkannte nun mit bitterem Schmerz und Unwillen, daß das freie Parlament, die allgemeine Amnestie und die Unterhandlung nur Theile eines gegen die Nation zu verübenden großartigen Betrugs waren und daß er bei diesem Betruge eine Rolle spielen sollte.

[140.] Barillon, 1.(11.) Dec. 1688.

[141.] Jakob an Dartmouth, 25. Nov. 1688. Die Briefe findet man in Dalrymple.

[142.] Jakob an Dartmouth, 1. Dec. 1688.

[143.] Luttrell’s Diary.

Dartmouth weigert sich, den Prinzen von Wales nach Frankreich zu senden. [In] einem ergreifenden und männlichen Schreiben erklärte er, daß er in seinem Gehorsam schon so weit gegangen sei, als ein Protestant und Engländer nur irgend gehen könne. Den muthmaßlichen Erben der britischen Krone den Händen Ludwigs zu überliefern, würde nichts Geringeres als ein Verrath gegen die Monarchie sein. Die dem Könige nur zu sehr schon entfremdete Nation würde aufs Äußerste erbittert werden. Der Prinz von Wales würde entweder gar nicht, oder in Begleitung einer französischen Armee zurückkehren. Wenn Seine Königliche Hoheit auf der Insel bliebe, so wäre das Schlimmste was zu befürchten stände, daß er als Mitglied der Landeskirche erzogen würde, und jeder loyale Unterthan müßte den Himmel bitten, daß dies geschehen möchte. Er schloß mit der Erklärung, daß er bereitwillig sein Leben zur Vertheidigung des Thrones opfern werde, sich aber nimmermehr an der Überführung des Prinzen nach Frankreich betheiligen könne.[144]

Dieser Brief warf alle Pläne Jakob’s über den Haufen. Zu gleicher Zeit erfuhr er, daß er bei dieser Gelegenheit nicht einmal passiven Gehorsam voll seinem Admiral erwarten durfte, denn Dartmouth war so weit gegangen, daß er mehrere Sloops am Eingange des Hafens aufgestellt, welche Befehl hatten, kein Schiff ununtersucht passiren zu lassen. Der Plan mußte somit abgeändert werden. Das Kind mußte nach London zurückgebracht und von hier aus nach Frankreich befördert werden. Dies konnte aber erst nach Verlauf mehrerer Tage geschehen, und während dieser Zwischenzeit mußte die öffentliche Meinung durch die Hoffnung auf ein Parlament und durch eine Scheinunterhandlung hingehalten werden. Die Ausschreiben zu den Wahlen wurden erlassen. Zwischen der Hauptstadt und dem holländischen Hauptquartier gingen Trompeter hin und her. Endlich kamen auch die Pässe für die königlichen Commissare und die drei Lords traten ihre Gesandtschaftsreise an.

[144.] Second Collection of Papers, 1688; Dartmouth’s Brief, datirt vom 3. Dec. 1688 findet sich in Dalrymple; Clarke’s Life of James, II. 233. Orig. Mem. Jakob beschuldigt Dartmouth, die Flotte zu einer Adresse um Einberufung eines Parlaments bestimmt zu haben. Dies ist eine grundlose Verleumdung. Die Adresse ist eine Dankadresse an den König dafür, daß er ein Parlament einberufen, und war bereits abgefaßt, ehe Dartmouth die entfernteste Ahnung davon hatte, daß Seine Majestät die Nation hintergehen wollte.