[156.] Citters, 20.(30.) Nov., 9.(19.) Dec. 1688.

Spaltung im Lager des Prinzen. [Bis] hieher hatte die Unternehmung des Prinzen einen die sanguinischesten Hoffnungen übertreffenden glücklichen Fortgang gehabt. Jetzt aber begann das Glück nach dem allgemeinen Gesetz, das die irdischen Dinge regiert, Uneinigkeit zu erzeugen. Die in Salisbury versammelten Engländer spalteten sich in zwei Parteien. Die eine davon bestand aus Whigs, welche die Lehren vom passiven Gehorsam und vom unveräußerlichen Erbrechte stets als knechtischen Aberglauben betrachtet hatten. Viele von ihnen hatten Jahre lang im Exil zugebracht. Alle waren lange von jedem Antheil an den Gunstbezeigungen der Krone ausgeschlossen gewesen. Jetzt frohlockten sie über die nahe Aussicht auf Größe und Rache. Von glühendem Zorne beseelt und von Sieg und Hoffnung aufgebläht, wollten sie von keinem Vergleiche hören. Nur die Absetzung ihres Todfeindes konnte sie zufriedenstellen, und es läßt sich nicht leugnen, daß sie hierin durchaus consequent waren. Neun Jahre früher hatten sie sich bemüht, ihn vom Throne auszuschließen, weil sie fürchteten, daß er ein schlechter König werden möchte, und nachdem er sich als ein viel schlechterer König erwiesen, als irgend ein vernünftiger Mensch es hätte vermuthen können, durfte man wohl kaum erwarten, daß sie ihn gutwillig auf dem Throne lassen würden.

Auf der andren Seite waren nicht wenige von Wilhelm’s Anhängern eifrige Tories, welche bis vor ganz Kurzem die Lehre vom Nichtwiderstande in der absolutesten Form aufrechterhalten, deren Glaube an diese Lehre aber einen Augenblick durch die heftigen Leidenschaften erschüttert worden war, welche die Undankbarkeit des Königs und die Gefahr der Kirche in ihnen geweckt hatten. Keine Lage konnte peinlicher und beängstigender sein, als die des alten Kavaliers, der mit bewaffneter Hand dem Throne gegenüberstand. Die Gewissensscrupel, die ihn nicht abgehalten hatten, sich in das holländische Lager zu begeben, begannen ihn furchtbar zu quälen, sobald er sich dort befand. Eine innere Stimme sagte ihm, daß er ein Verbrechen begangen habe. Jedenfalls hatte er sich Vorwürfen ausgesetzt, indem er im directen Widerspruch mit den erklärten Prinzipien seines ganzen Lebens handelte. Er empfand einen unüberwindlichen Widerwillen gegen seine neuen Verbündeten. Es waren Leute, die er, so lange er denken konnte, geschmäht und verfolgt hatte: Presbyterianer, Independenten, Anabaptisten, alte Soldaten Cromwell’s, kecke Burschen Shaftesbury’s, Theilnehmer am Ryehousecomplot, gewesene Anführer des Aufstandes im Westen. Natürlich wünschte er eine Ausflucht zu finden, die sein Gewissen beruhigen, seine Consequenz rechtfertigen und zwischen ihm und der großen Masse schismatischer Rebellen, die er stets verachtet und verabscheut hatte, mit denen er aber jetzt in eine Kategorie geworfen zu werden fürchten mußte, eine Scheidewand ziehen konnte. Er verwahrte sich daher entschieden gegen den Gedanken, die Krone von dem gesalbten Haupte nehmen zu wollen, das der Wille des Himmels und die Grundgesetze des Reichs geheiligt hatten. Es war sein sehnlichster Wunsch, auf Grundlagen, welche die königliche Würde nicht herabsetzten, eine Versöhnung zu Stande kommen zu sehen. Er war ja kein Verräther, er widersetzte sich eigentlich gar nicht der königlichen Autorität; er stand nur deshalb unter Waffen, weil er überzeugt war, daß man dem Throne keinen besseren Dienst leisten könne, als indem man Seine Majestät durch ein wenig Zwang aus den Händen schlechter Rathgeber befreite.

Die schlimmen Folgen, welche die gegenseitige Erbitterung dieser Factionen herbeizuführen drohten, wurden zum großen Theile durch den Einfluß und die Weisheit des Prinzen verhütet. Umgeben von streitsüchtigen Disputanten, von zudringlichen Rathgebern, von kriechenden Schmeichlern, von wachsamen Spionen und böswilligen Verleumdern, bewahrte er stets seine heitere, undurchdringliche Ruhe. Er schwieg so lange als Schweigen möglich war, und wenn er sprechen mußte, brachte der ernste und gebieterische Ton, in welchem er seine reiflich erwogenen Ansichten kund that, bald jeden Andren zum Schweigen. Was auch einige seiner allzu eifrigen Anhänger sagen mochten, er äußerte kein Wort, das die mindeste Absicht auf den Besitz der englischen Krone verrieth. Er wußte sehr gut, daß zwischen ihm und dieser Krone noch Hindernisse standen, die vielleicht keine menschliche Klugheit zu beseitigen vermochte, die aber ein einziger falscher Schritt unüberwindlich machen konnte. Er hatte nur dann Aussicht, den glänzenden Preis zu erringen, wenn er sich desselben nicht mit rücksichtsloser Hand bemächtigte, sondern es ruhig abwartete, bis sein geheimer Wunsch ohne sichtbares Bemühen oder List von seiner Seite, durch den Drang der Umstände, durch die Mißgriffe seiner Widersacher und durch die freie Wahl der Stände des Reichs erfüllt werden würde. Diejenigen, die ihn auszuforschen wagten, erfuhren nichts, konnten ihn aber doch nicht der Winkelzüge beschuldigen. Er verwies sie ruhig auf seine Erklärung und versicherte, daß seit der Abfassung dieses Dokuments in seinen Ansichten keine Änderung eingetreten sei. Er behandelte seine Anhänger mit so kluger Gewandtheit, daß ihre Uneinigkeit seine Hand eher gestärkt als geschwächt zu haben scheint; aber sie brach mit Heftigkeit hervor, sobald seine Aufsicht nachließ, störte die Eintracht geselliger Zusammenkünfte und respectirte selbst die Heiligkeit des Gotteshauses nicht. Clarendon, welcher durch sein Prahlen mit loyalen Gesinnungen die unleugbare Thatsache, daß er ein Rebell war, bemänteln wollte, hörte mit heftiger Entrüstung einige seiner neuen Verbündeten bei der Flasche über die königliche Amnestie lachen, die ihnen so eben huldvoll angeboten worden war. Sie brauchten keine Verzeihung, sagten sie; im Gegentheil, der König müßte sie um Verzeihung bitten, ehe sie ihn laufen ließen. Noch beunruhigender und kränkender für jeden guten Tory war ein Vorfall, der sich in der Kathedrale von Salisbury ereignete. Sobald der fungirende Geistliche das Gebet für den König zu lesen begann, erhob sich Burnet, zu dessen vielen guten Eigenschaften Selbstbeherrschung und feines Schicklichkeitsgefühl nicht gehörten, von den Knien, setzte sich in seinen Stuhl und gab einige verächtliche Laute von sich, welche die Andacht der Gemeinde störten.[157]

Bald hatten die Factionen, welche das Lager des Prinzen spalteten, Gelegenheit, ihre Stärke zu messen. Die königlichen Commissare waren auf dem Wege zu ihm. Schon mehrere Tage waren seit ihrer Ernennung verstrichen, und eine solche Verspätigung in einer Angelegenheit von so dringender Wichtigkeit war auffallend. In Wahrheit aber wünschte weder Jakob noch Wilhelm die schleunige Anknüpfung von Unterhandlungen, denn Jakob wollte nur Zeit gewinnen, um seine Gemahlin und seinen Sohn nach Frankreich schicken zu können, und Wilhelm’s Stellung wurde mit jedem Tage gebietender. Endlich ließ der Prinz den Commissaren sagen, daß er in Hungerford mit ihnen zusammentreffen wolle. Er wählte diese Stadt wahrscheinlich deshalb, weil sie gerade auf halbem Wege zwischen Salisbury und Oxford lag und sich daher zu einer Zusammenkunft seiner bedeutendsten Anhänger am besten eignete. In Salisbury befanden sich diejenigen Kavaliere und Gentlemen, die ihn von Holland aus begleitet oder sich im Westen ihm angeschlossen hatten, und in Oxford waren viele Häupter des Aufstandes im Norden.

[157.] Clarendon’s Diary, Dec, 6, 7. 1688.

Ankunft des Prinzen in Hungerford. [Donnerstag] Abend, den 6. December traf er in Hungerford ein, und bald füllte sich die kleine Stadt mit Männern von hohem Rang und Ansehen, welche von allen Seiten herbeikamen. Der Prinz war von einer starken Truppenabtheilung begleitet, und die aus dem Norden kommenden Lords brachten Hunderte von irregulären Reitern mit, deren Armaturen und Reitkunst die Heiterkeit Derer erregte, welche an den glänzenden Anblick und an die präcisen Bewegungen regulärer Armeen gewöhnt waren.[158]

[158.] Clarendon’s Diary. Dec. 7. 1688.

Gefecht bei Reading. [Während] des Prinzen Anwesenheit in Hungerford fand zwischen einem zweihundertfünfzig Mann starken Detaschement seiner Truppen und sechshundert in Reading stehenden Irländern ein heißes Gefecht statt. Bei dieser Gelegenheit bewährte sich die bessere Disciplin der Eingedrungenen auf das Glänzendste. Obgleich von weit geringerer Anzahl, trieben sie doch sogleich beim ersten Anlauf die königlichen Truppen in wilder Flucht durch die Straßen der Stadt bis auf den Marktplatz. Hier machten die Irländer einen Versuch, sich wieder zu sammeln, da sie aber von vorn kräftig angegriffen wurden und zu gleicher Zeit die Bewohner der umliegenden Häuser aus den Fenstern auf sie feuerten, so entsank ihnen bald der Muth und sie flohen mit dem Verlust ihrer Fahne und fünfzig Mann. Von den Siegern fielen nur fünf. Die Nachricht von diesem Kampfe erfüllte die Lords und Gentlemen, die sich Wilhelm angeschlossen hatten, mit ungetrübter Freude. Nichts an diesem ganzen Vorfall konnte ihren Nationalstolz kränken. Die Holländer hatten nicht die Engländer geschlagen, sondern hatten einer englischen Stadt geholfen, sich von der unerträglichen Herrschaft der Irländer zu befreien.[159]

[159.] History of the Desertion; Citters, 9.(19.) Dec. 1688; Exact Diary; Oldmixon, 760.