[8.] Citters, 14.(24.) Dec. 1688. Luttrell’s Diary; Ellis’ Correspondenz; Oldmixon, 761; Speke’s Secret History of the Revolution; Clarke’s Life of James, II. 257; Eachard’s History of the Revolution; History of the Desertion.
[9.] Clarke’s Life of James, II. 258.
[10.] Secret History of the Revolution.
[11.] Clarendon’s Diary, Dec. 13. 1688; Citters, 14.(24.) Dec.; Eachard’s History of the Revolution.
[12.] Citters, 14.(24.) Dec.; Luttrell’s Diary.
Der König wird unweit Sheerneß angehalten. [Am] Morgen des 13. Decembers wurde die Bevölkerung von London, die sich noch nicht ganz von der Aufregung der irischen Nacht erholt hatte, durch das Gerücht überrascht, der König sei angehalten worden und befinde sich noch auf der Insel. Im Laufe des Tages gewann das Gerücht an Consistenz und erhielt noch vor dem Abend die vollkommenste Bestätigung.
Jakob war mit untergelegten Pferden das südliche Ufer der Themse entlang gereist und hatte am Morgen des 12. Decembers Emley Ferry, in der Nähe der Insel Sheppey, erreicht. Hier lag das Fahrzeug, auf welchem er sich einschiffen wollte. Er ging an Bord, aber der Wind blies frisch und der Schiffer wollte es nicht wagen, ohne mehr Ballast in See zu gehen. Darüber wurde die günstige Gelegenheit einer Ebbe verloren. Es war nahe an Mitternacht, ehe das Boot flott zu werden begann. Inzwischen hatte sich die Nachricht, daß der König verschwunden, daß das Land ohne Regierung und London in der größten Bestürzung sei, rasch die Themse stromabwärts verbreitet und überall Gewaltthätigkeiten und Unruhen erzeugt. Die rauhen Fischer der Küste von Kent betrachteten das Boot mit argwöhnischen und gierigen Blicken. Es hieß, einige vornehm gekleidete Herren seien eiligst an Bord desselben gegangen. Vielleicht waren es Jesuiten, und vielleicht waren sie reich! Fünfzig bis sechzig Schiffer, vom Haß gegen den Papismus und vom Hang zum Plündern angetrieben, hielten das Boot an, als es eben wieder abfahren wollte. Sie erklärten den Passagieren, daß sie ans Land gehen und sich bei einem Magistratsbeamten legitimiren müßten. Das Aussehen des Königs erregte Verdacht. „Das ist Pater Petre!“ rief Einer von der Horde; „ich erkenne ihn an seinen hohlen Backen.“ — „Durchsucht den alten Jesuiten mit dem Fratzengesicht!“ erscholl es nun von allen Seiten. Er wurde sehr unsanft hin und her gestoßen und man nahm ihm seine Börse und seine Uhr. Er hatte seinen Krönungsring und einige andere werthvolle Kleinodien bei sich; aber diese entgingen den Nachforschungen der Räuber, die sich überhaupt so wenig auf Juwelen verstanden, daß sie die Diamanten auf seinen Schuhschnallen für Glasstückchen hielten.
Endlich wurden die Gefangenen ans Land gebracht und in einen Gasthof geführt. Hier hatte sich ein Volkshaufen versammelt, um sie zu sehen, und obgleich sich Jakob durch eine Perrücke von andrer Form und Farbe, als er sie gewöhnlich trug, entstellt hatte, wurde er doch sofort erkannt. Einen Augenblick schien der Pöbel von ehrfurchtsvoller Scheu ergriffen, aber die Zureden der Führer gaben ihm wieder Muth und der Anblick Hales’, den sie genau kannten und tödtlich haßten, entflammte ihre Wuth. Sein Park lag in der Nähe und eine Horde Tumultuanten war eben damit beschäftigt, sein Haus zu demoliren und sein Wild zu schießen. Die Menge versicherte den König, daß sie ihm nichts zu Leibe thun wolle, ihn aber nicht abreisen lassen werde. Der Earl von Winchelsea, ein Protestant, aber eifriger Royalist, das Oberhaupt der Familie Finch und ein naher Verwandter Nottingham’s, befand sich damals zufällig in Canterbury. Sobald er erfuhr was geschehen war, eilte er in Begleitung einiger kentischen Gentlemen nach der Küste. Durch ihre Verwendung erhielt der König eine anständigere Wohnung, aber er blieb ein Gefangener. Der Pöbel bewachte fortwährend das Haus, in das er gebracht worden war, und einige von den Rädelsführern lagen an der Thür seines Schlafzimmers. Er benahm sich dabei wie ein Mann, den die Last des Mißgeschicks völlig zu Boden drückt. Zuweilen sprach er in einem so hochmüthigen Tone, daß die Bauern, die ihn bewachten, zu unehrerbietigen Antworten gereizt wurden. Dann nahm er wieder zu Bitten seine Zuflucht. „Laßt mich gehen,“ sagte er, „verschafft mir ein Boot. Der Prinz von Oranien trachtet mir nach dem Leben. Wenn Ihr mich jetzt nicht fliehen laßt, so wird es zu spät sein. Mein Blut wird dann über Euch kommen. Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.“ Über diesen letzten Text predigte er eine halbe Stunde lang. Er sprach über eine Menge verschiedener Gegenstände: über den Ungehorsam der Collegiaten des Magdalenenstiftes, über die durch den Brunnen der heiligen Winfrede bewirkten Wunder, über die Illoyalität der Schwarzröcke und über die Wunderkräfte eines Splitters vom wahrem Kreuze des Erlösers, den er leider verloren habe. „Was habe ich gethan?“ fragte er die anwesenden kentischen Squires. „Sagen Sie mir die Wahrheit: welchen Fehler habe ich begangen?“ Diejenigen, an welche er diese Frage richtete, waren zu human, als daß sie ihm die Antwort hätten geben sollen, die ihnen gewiß auf den Lippen schwebte, und sie hörten daher sein verworrenes Geschwätz mit mitleidigem Stillschweigen an.[13]
Als die Nachricht, daß er angehalten, insultirt, mit roher Härte behandelt und ausgeplündert worden sei und daß er sich noch in der Gewalt roher Bauern befinde, in der Hauptstadt ankam, äußerten sich verschiedenartige Leidenschaften. Strenge Staatskirchenmänner, welche wenige Stunden zuvor angefangen hatten zu glauben, daß sie ihrer Unterthanenpflichten gegen ihn entbunden seien, wurden wieder schwankend. Er hatte sein Reich nicht verlassen und also die Abdankung nicht vollendet. Sollte er sein königliches Amt wieder übernehmen, konnten sie ihm dann nach ihren Grundsätzen den Gehorsam verweigern? Einsichtsvolle Staatsmänner sahen mit tiefer Betrübniß voraus, daß alle Streitigkeiten, welche seine Flucht auf einen Augenblick beschwichtigt hatte, durch seine Rückkehr wieder angeregt und mit vermehrter Erbitterung fortgesetzt werden würden. Viele Leute aus dem Volke wurden, obgleich sie noch den Schmerz der ihnen unlängst zugefügten Unbilden fühlten, von Mitleid für einen von Räubern mißhandelten großen Fürsten ergriffen und waren zu der Hoffnung geneigt, welche mehr ihrer Gutherzigkeit als ihrem Verstande zur Ehre gereichte, daß er jetzt noch die Fehler bereuen könnte, die eine so entsetzliche Strafe über ihn gebracht hatten.
Von dem Augenblicke an, wo es bekannt wurde, daß der König sich noch in England befand, erschien Sancroft, der bis dahin als Präsident der provisorischen Regierung fungirt hatte, nicht mehr in den Sitzungen der Peers. Halifax, der eben aus dem holländischen Hauptquartier angekommen war, übernahm den Vorsitz. Seine Ansichten hatten sich in einigen Stunden völlig verändert. Sowohl politische als religiöse Gefühle bestimmten ihn jetzt, sich den Whigs anzuschließen. Wer die auf uns gekommenen Beweisstücke unbefangen prüft, muß der Meinung sein, daß er das Amt eines königlichen Commissars in der aufrichtigen Hoffnung übernahm, er werde eine Verständigung zwischen dem Könige und dem Prinzen unter billigen Bedingungen zu Stande bringen. Die Unterhandlung hatte mit günstigen Aussichten begonnen; der Prinz hatte Bedingungen gestellt, die der König selbst als billig anerkennen mußte und der beredte und geniale Trimmer durfte sich mit der Hoffnung schmeicheln, daß er im Stande sein werde, zwischen den erbitterten Parteien zu vermitteln, zwischen extremen Meinungen einen Vergleich zu dictiren, die Freiheiten und die Religion seines Vaterlandes zu sichern, ohne es den von einem Dynastiewechsel und einer streitigen Thronfolge unzertrennlichen Gefahren auszusetzen. Während er sich in derartigen, seinem Character so wohl zusagenden Gedanken wiegte, erfuhr er, daß er hintergangen worden war und daß man sich seiner als eines Werkzeugs bedient hatte, um die Nation zu hintergehen. Seine Sendung nach Hungerford war eine bloße Komödie gewesen. Der König hatte nicht daran gedacht, an den Bedingungen festzuhalten, welche die Commissare auf seinen Befehl vorschlagen hatten. Er hatte ihnen aufgetragen, zu erklären, daß es sein Wille sei, alle streitigen Fragen dem von ihm einberufenen Parlamente zur Entscheidung vorzulegen, und während sie sich dieses Auftrags entledigten, hatte er die Wahlausschreiben verbrannt, war mit dem Staatssiegel entflohen, hatte die Armee entlassen, die Justizverwaltung suspendirt, die Regierung aufgelöst und war aus der Hauptstadt entflohen. Halifax sah nun ein, daß eine gütliche Verständigung nicht mehr möglich war. Wahrscheinlich empfand er wohl auch den Verdruß, welcher bei einem durch seine Weisheit weltberühmten Manne, der die Erfahrung macht, daß ein in jeder Beziehung tief unter ihm stehender Geist ihn betrogen hat, und bei einem großen Meister der Satire, der sich selbst in eine lächerliche Situation versetzt sieht, sehr natürlich ist. Sein Verstand und sein Unwille bewogen ihn in gleichem Maße, die Versöhnungspläne, auf welche er bisher hingearbeitet hatte, aufzugeben und sich an die Spitze Derer zu stellen, welche den Prinzen Wilhelm auf den Thron erheben wollten.[14]