Es existirt noch ein von ihm eigenhändig geschriebenes Tagebuch über die Vorgänge in der Rathsversammlung der Lords während seiner Präsidentschaft in derselben.[15] Es wurde keine Vorsichtsmaßregel, welche zur Verhütung von Gewaltthätigkeiten und Räubereien nöthig erschien, verabsäumt. Die Peers erließen auf ihre Verantwortung den Befehl, daß, wenn der Pöbel noch einmal aufstände, die Soldaten scharf schießen sollten. Jeffreys wurde nach Whitehall gebracht und über das Schicksal des Staatssiegels und der Wahlausschreiben befragt. Auf seine eigenen dringenden Bitten wurde er wieder in den Tower geschickt, als den einzigen Ort, wo er seines Lebens sicher sei, und er entfernte sich unter Dankesversicherungen und Segenswünschen gegen Diejenigen, die ihm den Schutz eines Gefängnisses gewährt hatten. Ein whiggistischer Edelmann trug darauf an, daß Oates in Freiheit gesetzt werden solle; aber dieser Antrag wurde verworfen.[16]

Die Geschäfte des Tages waren so ziemlich erledigt und Halifax wollte sich eben erheben, als ihm gemeldet wurde, daß ein Bote von Sheerneß angekommen sei. Kein Vorfall konnte unangenehmer und störender sein. Man lud eine große Verantwortlichkeit auf sich, mochte man etwas thun oder nicht. Halifax, der wahrscheinlich Zeit zu gewinnen wünschte, um sich mit dem Prinzen in Vernehmen zu setzen, hatte die Versammlung am liebsten vertagt; Mulgrave aber ersuchte die Lords, auf ihren Plätzen zu bleiben und führte den Boten ein. Der Mann erzählte seine Geschichte mit Thränen in den Augen und überreichte einen Brief, der vom König selbst geschrieben, aber an keine bestimmte Person gerichtet war, sondern nur den Beistand aller guten Engländer anrief.[17]

[13.] Clarke’s Life of James, II. 251. Orig. Mem.; ein in Tindal’s Fortsetzung zu Rapin abgedruckter Brief. Dieser interessante Brief befindet sich in den Harley’schen Handschriften, 6852.

[14.] Mulgrave erfuhr von einer Dame, die er nicht nennt, daß der König erst dann entfliehen wollte, als er einen Brief von Halifax erhielt, der sich damals in Hungerford befand. Dieser Brief, sagte sie, habe Seine Majestät darauf aufmerksam gemacht, daß sein Leben in Gefahr sei, wenn er bleibe. Dies ist sicherlich ein Roman. Vor der Abreise der Commissare von London hatte der König Barillon gesagt, ihre Sendung sei eine bloße Finte, und den festen Entschluß ausgesprochen, das Land zu verlassen. Aus Reresby’s eigner Erzählung geht hervor, daß Halifax sich schändlich hintergangen glaubte.

[15.] Harl. MS. 255.

[16.] Halifax MS.; Citters, 18.(28.) Dec. 1688.

[17.] Mulgrave’s Account of the Revolution.

Die Lords geben Befehl zu seiner Freilassung. [Eine] solche Bitte konnte man kaum unbeachtet lassen. Die Lords gaben Feversham Befehl, mit einer Abtheilung der Leibgarde an den Ort zu eilen, wo der König zurückgehalten wurde, und Seine Majestät in Freiheit zu setzen.

Middleton und einige andere Anhänger des Königs waren bereits aufgebrochen, um ihrem unglücklichen Gebieter beizustehen und ihn zu trösten. Sie fanden ihn in strengem Gewahrsam und sie wurden nicht eher zu ihm gelassen, als bis sie ihre Degen abgegeben hatten. Er war von einer ungeheuren Menge Volks umgeben. Einige whiggistische Gentlemen aus der Umgegend hatten eine starke Abtheilung Miliz zu seiner Bewachung herbeigeführt. Sie waren der sehr irrigen Meinung gewesen, daß sie sich durch seine Festhaltung bei seinen Feinden beliebt machen würden, und waren nicht wenig erstaunt, als sie vernahmen, daß die dem Könige zu Theil gewordene Behandlung von der provisorischen Regierung in London gemißbilligt werde, und eine Kavallerieabtheilung unterwegs sei, um ihn zu befreien. Feversham kam bald an. Er hatte seine Truppe in Sittingbourne zurückgelassen; aber man hatte nicht nöthig, Gewalt anzuwenden. Der König durfte ungehindert abreisen und wurde von seinen Freunden nach Rochester gebracht, wo er sich einige Ruhe gönnte, deren er dringend bedurfte. Er war in einem traurigen Zustande. Nicht nur sein niemals sehr heller Verstand war völlig verwirrt, sondern auch der persönliche Muth, den er in seinen jüngeren Jahren in mehreren Schlachten, zur See wie zu Lande bewiesen, hatte ihn verlassen. Die harte körperliche Behandlung, die er jetzt zum ersten Male erfahren, scheint ihn mehr als irgend ein andres Ereigniß seines bewegten Lebens niedergedrückt zu haben. Der Abfall seiner Armee, seiner Günstlinge und seiner Familie erschütterte ihn weniger als die Rohheiten, die er beim Anhalten seines Bootes ertragen hatte. Die Erinnerung an diese Rohheiten nagte noch lange an seinem Herzen und äußerte sich einmal in einer Weise, welche den verächtlichen Spott von ganz Europa erregte. Im vierten Jahre seiner Verbannung versuchte er es seine Unterthanen durch das Versprechen einer Amnestie wieder zu gewinnen. Dieser Amnestie war jedoch eine lange Liste von Ausnahmen beigegeben, und auf dieser Liste standen neben Churchill und Danby auch die armen Fischer, welche seine Taschen so unsanft untersucht hatten. Aus diesem Umstande kann man schließen, wie schmerzlich er die ihm widerfahrene rücksichtslose Behandlung empfunden haben muß, als sie noch neu war.[18]

Hätte er indessen nur das gewöhnliche Maß von gesundem Verstande besessen, so würde er eingesehen haben, daß Diejenigen, welche ihn festnahmen, ihm unabsichtlich einen großen Dienst erzeigt hatten. Die Ereignisse, welche seit seiner Abwesenheit von der Hauptstadt daselbst eingetreten waren, hätten ihn überzeugen müssen, daß, wenn seine Flucht gelungen wäre, er nie hätte zurückkehren dürfen. Er war wider seinen Willen vom gänzlichen Untergange errettet worden. Jetzt hatte er noch eine Aussicht, die letzte und einzige, die ihm noch blieb. So groß auch seine Vergehen sein mochten, ihn zu entthronen, so lange er noch in seinem Reiche war und sich den Bedingungen fügte, die ein freies Parlament ihm vorschrieb, wäre fast unmöglich gewesen.