[23.] Clarke’s Life of James, II. 262. Orig. Mem.
[24.] Barillon, 17.(27.) Dec. 1681; Clarke’s Life of James, II. 271.
Berathung in Windsor. [Während] er sich in diesem Zustande von Angst und Ungewißheit befand, war sein Schicksal in Windsor der Gegenstand ernster Berathung. Wilhelm’s Hof war jetzt mit ausgezeichneten Männern alter Parteien angefüllt. Die meisten Führer des Aufstandes im Norden hatten sich ihm zugesellt, und mehrere von den Lords, welche während der Anarchie der vergangenen Woche die Functionen einer provisorischen Regierung übernommen hatten, waren sogleich nach der Rückkehr des Königs von London ins holländische Hauptquartier abgereist. Einer von diesen war Halifax. Wilhelm hatte ihn mit großem Vergnügen willkommen geheißen, hatte aber ein sarkastisches Lächeln nicht unterdrücken können, als er diesen genialen und vollendeten Staatsmann, der so gern der Schiedsrichter in diesem großen Kampfe geworden wäre, gezwungen sah, den Mittelweg zu verlassen und auf eine Seite zu treten. Unter Denen, die sich damals nach Windsor begaben, waren auch Einige, welche Jakob’s Gunst durch schmachvolle Dienstleistungen erkauft hatten und die jetzt das Verbrechen, ihr Vaterland verrathen zu haben, durch Verrath an ihrem Gebieter wieder gut machen wollten. Ein solcher Mann war Titus, der in Widerspruch mit dem Gesetz im Geheimen Rath gesessen und sich bemüht hatte, die Puritaner mit den Jesuiten zu einem Bunde gegen die Verfassung zu vereinigen. Ein solcher Mann war auch Williams, ein gewesener Demagog, der aus Eigennutz zum Vertheidiger der Prärogative geworden und der jetzt zu einem abermaligen Abfalle bereit war. Diese Männer ließ der Prinz mit gerechter Verachtung in seinem Vorzimmer vergebens auf eine Audienz warten.[25]
Am Montag den 17. December wurden sämmtliche in Windsor anwesende Peers zu einer feierlichen Berathung in das Schloß berufen. Der Gegenstand der Besprechung war die Frage, wie es mit dem Könige gehalten werden sollte. Wilhelm hielt es nicht für passend, der Discussion beizuwohnen. Er entfernte sich daher und Halifax wurde aufgefordert, den Präsidentenstuhl einzunehmen. Über einen Punkt waren die Lords einig, daß nämlich der König da wo er war nicht bleiben dürfe. Jedermann fühlte, daß es unpassend sein würde, wenn der eine Fürst sich in Whitehall, der andre in St. James verschanzte und es auf einem Flächenraume von hundert Acres zwei feindliche Besatzungen gab. Eine solche Situation mußte fast unvermeidlich Argwohn, Beleidigungen und Reibungen hervorrufen, welche einen blutigen Ausgang nehmen konnten. Die versammelten Lords hielten es daher für zweckmäßig, daß Jakob aus London entfernt wurde. Ham, das Lauderdale von dem geraubten Gelde Schottlands und von den Geschenken Frankreichs am Ufer der Themse erbaut und ausgeschmückt hatte und das für das prächtigste Lustschloß Englands galt, wurde als ein geeigneter Aufenthaltsort vorgeschlagen. Sobald die Lords diesen Beschluß gefaßt hatten, ließen sie den Prinzen bitten, daß er zu ihnen kommen möchte, und Halifax theilte ihm ihre Meinung mit. Wilhelm hörte sie an und billigte sie. Es wurde sogleich ein kurzes Schreiben an den König aufgesetzt. „Durch wem sollen wir es ihm zu senden?“ fragte Wilhelm dann. — „Sollte es nicht durch einen Offizier Eurer Hoheit überbracht werden?“ entgegnete Halifax. — „Nein, Mylords, mit Verlaub,“ erwiederte der Prinz; „es wird auf Anrathen Eurer Herrlichkeiten abgesandt, und daher müssen Einige von Ihnen es überbringen.“ Und ohne weitere Einwendungen abzuwarten, ernannte er Halifax, Shrewsbury und Delamere zu Überbringern.[26]
Der Beschluß der Lords schien einhellig zu sein; aber es waren Einige darunter, welche die Entscheidung, mit der sie einverstanden zu sein vorgaben, keineswegs billigten und den König mit einer Strenge behandelt zu sehen wünschten, die sie nicht offen anzuempfehlen wagten. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, daß das Oberhaupt dieser Partei ein Peer war, der ein heftiger Tory gewesen und der nachher als Eidverweigerer starb: Clarendon. Die Rapidität, mit der er in dieser Krisis von einem Extrem zum andren übersprang, muß Leuten, die in friedlichen Zeiten leben, unglaublich erscheinen, wird aber Diejenigen nicht Wunder nehmen, welche Gelegenheit hatten, den Gang von Revolutionen zu beobachten. Er wußte, daß die Rücksichtslosigkeit, mit der er in Anwesenheit des Königs das ganze Regierungssystem getadelt, seinen ehemaligen Gebieter tief gekränkt hatte. Auf der andren Seite durfte er als Oheim der Prinzessinnen hoffen, bei der bevorstehenden neuen Ordnung der Dinge groß und reich zu werden. Die englische Colonie in Irland betrachtete ihn als ihren Freund und Beschützer, und er sah ein, daß von dem Vertrauen und der Zuneigung dieser wichtigen Partei seine zukünftige Bedeutung großentheils abhing. Diesen Rücksichten mußten jetzt die Prinzipien weichen, zu denen er sich während seines ganzen Lebens mit Ostentation bekannt hatte. Er begab sich ins Kabinet des Prinzen und stellte ihm vor, wie gefährlich es sein würde, wenn man den König frei ließe. Die irischen Protestanten seien dann in der größten Gefahr. Es gebe keinen andren Weg, um ihr Eigenthum und ihr Leben zu sichern, als die strenge Gefangenhaltung des Königs. Ihm ein englisches Schloß zu seinem Aufenthalt anzuweisen, dürfte nicht klug gehandelt sein; aber man könnte ihn über’s Meer schicken und in die Festung Vreda einschließen, bis die Angelegenheiten der britischen Inseln geordnet seien. Wenn der Prinz in Besitz einer solchen Geißel sei, würde Tyrconnel wahrscheinlich das Staatsschwert niederlegen und die Oberherrschaft Englands in Irland würde ohne einen Schwertstreich wiederhergestellt werden. Wenn dagegen Jakob nach Frankreich entkäme und an der Spitze einer fremden Armee in Dublin erschiene, so müßte dies die verderblichsten Folgen nach sich ziehen. Wilhelm gab zu, daß diese Gründe sehr gewichtig seien, erklärte aber, daß er sich dadurch nicht bestimmen lassen könne. Er kenne den Character seiner Gemahlin und wisse, daß sie nie in einen solchen Schritt willigen werde. Auch würde es ihm selbst nicht zur Ehre gereichen, wenn er seinen besiegten Verwandten so rücksichtslos behandelte. Übrigens könne man gar nicht wissen, ob Großmuth in diesem Falle nicht die beste Politik sei. Wer könne sagen, welchen Eindruck eine solche Strenge, wie Clarendon sie anempfahl, auf die öffentliche Meinung machen werde? Sei es unmöglich, daß die loyale Begeisterung, welche das verkehrte Benehmen des Königs erstickt hatte, wieder auflebte, sobald es bekannt würde, daß er sich innerhalb der Mauern einer ausländischen Festung befinde? Aus diesen Gründen beschloß Wilhelm, seinen Schwiegervater keinem persönlichen Zwange zu unterwerfen, und es ist kaum daran zu zweifeln, daß dies ein weiser Entschluß war.[27]
Jakob blieb, während über sein Schicksal deliberirt wurde, durch die Größe und Nähe der Gefahr gleichsam wie festgebannt, in Whitehall, eben so unfähig zu kämpfen, wie zu fliehen. Am Abend traf die Nachricht ein, daß die Holländer Chelsea und Kensington in Besitz genommen hatten. Dessenungeachtet schickte sich der König an, wie gewöhnlich zur Ruhe zu gehen. Die Coldstreamgarden hatten im Palaste den Dienst. Sie standen unter den Befehlen Wilhelm’s, Earl von Craven, eines hochbetagten Mannes, der sich fünfzig Jahre früher im Kriege und in der Liebe ausgezeichnet, der bei Kreuznach seine hoffnungslose Stellung mit solchem Muthe behauptet hatte, daß der große Gustav ihm auf die Schulter klopfte, und von dem man glaubte, daß er unter tausend Mitbewerbern das Herz der unglücklichen Königin von Böhmen erobert habe. Craven stand jetzt in seinem achtzigsten Lebensjahre; aber die Zeit hatte seinen Muth nicht gebrochen.[28]
[25.] Mulgrave’s Account of the Revolution; Clarendon’s Diary, Dec. 16. 1688.
[26.] Burnet, I. 800; Clarendon’s Diary, Dec. 17. 1688; Citters, 18.(28.) Dec. 1688.
[27.] Burnet, I, 800; Conduct of the Duchess of Marlborough; Mulgrave’s Account of the Revolution. Clarendon sagt davon nichts unter dem richtigen Datum, aber man sehe sein Tagebuch vom 19. August 1689.
[28.] Harte’s Life of Gustavus Adolphus.