„The Review.“

Depesche der außerordentlichen holländischen Gesandten vom 8.(18.) Jan. 1689; Citters von dem nämlichen Datum.

Wahl der Mitglieder zur Convention. [Am] folgenden Tage wurden die ersten Mitglieder der Convention gewählt. Die City von London machte den Anfang und wählte ohne allen Widerstreit vier große Kaufleute, welche eifrige Whigs waren. Der König und seine Anhänger hatten gehofft, daß viele Wahlbeamten das Schreiben des Prinzen als ungültig betrachten würden, aber seine Hoffnung wurde getäuscht. Die Wahlen gingen rasch und ohne Hindernisse von Statten. Kaum an einem einzigen Orte gab es Widerspruch. Denn die Nation war seit länger als einem Jahre in beständiger Erwartung eines Parlaments gehalten worden. Es waren zweimal Wahlschreiben erlassen und zweimal waren sie widerrufen worden. Einige Wahlkörper waren in Folge dieser Ausschreiben schon zu der Wahl von Abgeordneten geschritten. Es gab kaum eine Grafschaft, in der die Gentry und die Freisassenschaft nicht schon vor vielen Monaten über Candidaten einig gewesen wäre, lauter gute Protestanten, welche trotz König und Lordlieutenant durchzubringen man keine Anstrengung gespart haben würde, und diese Candidaten wurden ohne Opposition gewählt.

Der Prinz erließ strenge Befehle, daß kein Staatsdiener bei dieser Gelegenheit jene Kunstgriffe anwenden solle, welche der vorigen Regierung so viele Vorwürfe zugezogen hatten. Namentlich verfügte er, daß in keiner Stadt, wo eine Wahl vor sich ging, Soldaten erscheinen dürften.[55] Seine Bewunderer konnten rühmend behaupten und seine Feinde scheinen nicht im Stande gewesen zu sein es zu leugnen, daß die Gesinnung der Wahlkörper einen unverfälschten Ausdruck erhielt. Allerdings wagte er auch nicht viel. Die ihm anhängende Partei war siegreich, voll Begeisterung und energischer Lebenskraft, und die Partei, von der allein er ernsten Widerstand zu fürchten gehabt hätte, war uneinig und muthlos mit sich selbst und noch mehr mit ihrem natürlichen Oberhaupte unzufrieden. Daher wählte ein großer Theil der Grafschaften und Boroughs whiggistische Abgeordnete.

[55.] London Gazette, Jan. 7. 1688/89.

Die Angelegenheiten Schottlands. [Wilhelm’s] Regentenautorität erstreckte sich nicht auf England allein. Auch Schottland hatte sich gegen seine Tyrannen erhoben. Alle regulären Soldaten, durch die es so lange niedergehalten worden, waren mit Ausnahme einer sehr kleinen Truppe, welche unter dem Commando des Herzogs von Gordon, eines angesehenen katholischen Lords, die Besatzung des Schlosses von Edinburg bildete, von Jakob zum Beistande gegen das holländische Invasionsheer aufgeboten worden. Jede während des ereignißvollen Monats November nach dem Norden gegangene Post hatte Nachrichten gebracht, welche die Leidenschaften der bedrückten Schotten aufstachelten. So lange der Ausgang der militairischen Operationen noch zweifelhaft war, gab es in Edinburg Tumulte und Demonstrationen, welche drohender wurden, nachdem Jakob sich von Salisbury zurückgezogen hatte. Große Volksmassen versammelten sich anfangs bei Nacht, dann selbst am hellen Tage. Päpste wurden öffentlich verbrannt, man rief laut nach einem freien Parlamente, und Plakate wurden angeschlagen, welche auf die Köpfe der Staatsminister Preise setzten. Der am meisten verhaßte unter diesen Ministern war Perth, der den hohen Posten des Staatskanzlers bekleidete, in der königlichen Gunst sehr hoch stand, vom reformirten Glauben abgefallen war und in dem Gerichtsverfahren seines Vaterlandes zuerst die Daumenschraube eingeführt hatte. Er war ein Mann ohne Energie und von niedriger Denkweise; der einzige Muth, den er besaß, war der entehrende Muth, welcher der Schande trotzt und die Qualen Anderer gleichgültig mit ansieht. Sein Posten war zu solchen Zeiten an der Spitze des Staatsrathes; aber er hatte nicht das Herz dazu und beschloß daher, sich der Gefahr, die nach den Blicken und Äußerungen des wilden und unerschrockenen Pöbels von Edinburg nicht fern war, dadurch zu entziehen, daß er sich auf seinen Landsitz flüchtete. Eine starke Wache begleitete ihn nach Schloß Drummond; kaum aber war er abgereist, so erhob sich die Stadt. Eine kleine Anzahl Truppen versuchten es, den Aufstand zu unterdrücken, aber sie wurden überwältigt. Der Palast Holyrood, der in ein katholisches Seminar und in eine Staatsdruckerei verwandelt worden war, wurde erstürmt und demolirt. Ungeheure Haufen von papistischen Büchern, Rosenkränzen, Kruzifixen und Bildern wurden in High Street verbrannt. Mitten in der Aufregung kam die Nachricht von der Flucht des Königs. Die Mitglieder der Regierung gaben jeden Gedanken an eine Bekämpfung der Volkswuth auf und wechselten mit einer bei den schottischen Staatsmännern damals sehr gewöhnlichen Schnelligkeit die Farbe. Der Geheime Rath erließ eine Verordnung des Inhalts, daß alle Papisten entwaffnet werden sollten, und durch eine andre Proklamation forderte er die Protestanten auf, sich zur Vertheidigung des reinen Glaubens zusammenzuschaaren. Die Nation hatte nicht erst auf diesen Aufruf gewartet; Stadt und Land standen schon für den Prinzen von Oranien unter den Waffen. Nithisdale und Clydesdale waren die einzigen Bezirke, in denen eine schwache Aussicht war, daß die Katholiken sich widersetzen würden; aber beide Bezirke waren bald von Schaaren bewaffneter Presbyterianer besetzt. Unter den Insurgenten befanden sich einige heftige und finstre Männer, welche früher Argyle verleugnet hatten und die jetzt eben so wenig von Wilhelm etwas wissen wollten. Seine Hoheit, sagten sie, habe offenbar Böses im Sinne. Er habe in seiner Erklärung kein Wort von dem Covenant erwähnt. Die Holländer wären ein Volk, mit dem kein wahrer Diener des Herrn gemeinschaftliche Sache machen würde. Sie hielten es mit den Lutheranern und ein Lutheraner sei eben so gut ein Kind der Verdammniß wie ein Jesuit. Die allgemeine Stimme des Königreichs erstickte jedoch wirksam das Murren dieser haßschnaubenden Faction.[56]

Die Bewegung verbreitete sich bald bis in die Gegend des Schlosses Drummond. Perth sah, daß er unter seinen eigenen Dienern und Pächtern nicht mehr sicher war. Er überließ sich daher einer eben so trostlosen Verzweiflung, als in welche seine unbarmherzige Tyrannei oft viel bessere Menschen als er war, gestürzt hatte. In seiner Todesangst suchte er Trost in den Gebräuchen seiner neuen Kirche. Er quälte seine Priester um geistlichen Zuspruch, betete, beichtete und communicirte; aber sein Glaube war schwach und er gestand, daß trotz aller seiner Andachtsübungen die Todesfurcht ihn überwältige. Um diese Zeit erfuhr er, daß er Aussicht hatte, auf einem vor Brentisland liegenden Schiffe zu entkommen. Er verkleidete sich so gut als möglich und nach einer langen und beschwerlichen Reise über die ungangbaren Pfade des damals mit tiefem Schnee bedeckten Ochillgebirges gelang es ihm sich einzuschiffen; aber trotz aller beobachteten Vorsicht war er erkannt und Lärm gemacht worden. Sobald es bekannt wurde, daß der blutdürstige Renegat sich auf der See befinde, und daß er Gold bei sich habe, waren ihm von Haß und Habgier erfüllte Verfolger auf den Fersen. Ein von einem alten Freibeuter befehligtes Boot holte das fliehende Schiff ein und enterte es. Perth, der Frauenkleider angelegt hatte, wurde aus dem Kielraume aufs Verdeck geschleppt, ausgezogen, gemißhandelt und geplündert. Man setzte ihm Bajonnette auf die Brust. Mit weibischem Gejammer um Schonung seines Lebens flehend wurde er ans Land zurückgebracht und in die Frohnfeste von Kirkaldy geworfen. Von dort wurde er auf Befehl des Geheimen Raths, dem er kürzlich noch präsidirt hatte und in welchem Männer saßen, die seine Schuld theilten, nach dem Schlosse Stirling transportirt. Es war an einem Sonntage während des öffentlichen Gottesdienstes, als er unter militairischer Eskorte in sein Gefängniß abgeführt wurde; aber selbst strenge Puritaner vergaßen die Heiligkeit des Tages und des Gottesdienstes. Die Andächtigen verließen die Kirchen, als der Tyrann vorüberkam und laute Drohungen, Verwünschungen und Ausbrüche des Hasses begleiteten ihn bis an den Eingang seines Gefängnisses.[57]

Mehrere angesehene Schotten befanden sich in London, als der Prinz daselbst ankam, und viele andere eilten jetzt dahin, um ihm ihre Aufwartung zu machen. Am 7. Januar ersuchte er sie, sich ihm in Whitehall vorzustellen. Die Versammlung war zahlreich und bestand aus sehr achtbaren Männern. An der Spitze des Zuges erblickte man den Herzog von Hamilton und seinen ältesten Sohn, den Earl von Arran, die Oberhäupter eines Hauses von fast königlichem Ansehen. Sie waren begleitet von dreißig Lords und ungefähr achtzig angesehenen Gentlemen. Wilhelm sprach den Wunsch aus, daß sie sich mit einander berathen und ihm dann sagen möchten, wie er das Wohl ihres Landes am besten fördern könnte. Dann entfernte er sich, damit sie, durch seine Anwesenheit nicht beengt, sich mit einander besprechen konnten. Sie gingen in das Berathungszimmer und übertrugen dem Herzoge von Hamilton den Vorsitz. Obgleich nur wenig Meinungsverschiedenheit stattgefunden zu haben scheint, dauerten die Verhandlungen doch drei Tage, ein Umstand, der sich durch Sir Patrick Hume’s Betheiligung an der Debatte genügend erklären läßt. Arran wagte es, eine Unterhandlung mit dem Könige vorzuschlagen. Dieser Antrag aber wurde von seinem Vater und von der ganzen Versammlung übel aufgenommen und fand gar keine Unterstützung. Endlich wurden Beschlüsse gefaßt, ganz ähnlich denen, welche die englischen Lords und Gemeinen einige Tage vorher dem Prinzen überreicht hatten. Er wurde ersucht, eine Convention der schottischen Stände einzuberufen, ihren Zusammentritt auf den 14. März zu bestimmen und bis zu diesem Tage die Civil- und Militairverwaltung selbst zu übernehmen. Er kam diesen Wünschen nach und die Regierung der ganzen Insel war von nun an in seinen Händen.[58]

[56.] Sixth Collection of Papers, 1689; Wodrow, III. 12. 4. App. 150, 151; Faithful Contendings Displayed; Burnet, I. 804.

[57.] Perth an Lady Errol, 29. Dec. 1688; an Melfort, 21. Dec. 1688: Sixth Collection of Papers, 1689.