Zusammentritt der Convention. Leitende Mitglieder des Hauses der Gemeinen. [Die] Zeit der Entscheidung dieser großen Fragen war jetzt gekommen. Am 22. Januar mit Tagesanbruch füllte sich das Haus der Gemeinen mit Rittern und Boroughvertretern. Auf den Bänken erblickte man viele Gesichter, welche unter der Regierung Karl’s II. hier wohlbekannt gewesen, unter seinem Nachfolger aber nicht daselbst gesehen worden waren. Die Mehrzahl der Torysquires und der mittellosen Anhänger des Hofes, welche massenweise in das Parlament von 1685 gewählt worden waren, hatten den Männern der ehemaligen Vaterlandspartei Platz gemacht, welche die Cabale gestürzt, die Habeascorpusacte durchgesetzt und die Ausschließungsbill vor die Lords gebracht hatten. Unter ihnen befand sich Powle, gründlich bewandert in der Geschichte und dem Rechte der Parlamente und ausgezeichnet durch die Beredtsamkeit, welche erforderlich ist, wenn hochwichtige Fragen feierlich der Erwägung von Senaten unterbreitet werden sollen, und Sir Thomas Littleton, wohlerfahren in der europäischen Politik und mit einer heftigen, scharfen Logik begabt, welche oftmals, wenn nach langer Sitzung die Lichter angezündet worden waren, das erschöpfte Haus neu belebt und die Debatte entschieden hatte. Hier saß auch Wilhelm Sacheverell, ein Redner, dessen große parlamentarische Fähigkeiten viele Jahre später ein Lieblingsthema alter Leute waren, welche die Kämpfe von Walpole und Pulteney erlebten.[65] Diesen hervorragenden Männern zur Seite stand Robert Clayton, der reichste Kaufmann von London, dessen Palast in der alten Judenstadt die aristokratischen Gebäude in Lincoln’s Inn Fields und Conventgarden an Glanz übertraf, dessen Landgut zwischen den Hügeln von Surrey als ein wahres Eden geschildert ward, dessen Gastmähler mit denen der Könige wetteiferten und dessen einsichtsvolle Freigebigkeit, von der noch heute zahlreiche öffentliche Denkmale Zeugniß ablegen, ihm in den Annalen der City eine Stelle verschafft hat, welche nur der Gresham’s untergeordnet ist. In dem Parlamente, welches 1681 zu Oxford tagte, hatte Clayton als Vertreter der Hauptstadt und auf Ersuchen seiner Wähler um die Erlaubniß gebeten, die Ausschließungsbill einzubringen und Lord Russel hatte ihn darin unterstützt. Im Jahre 1685 hatte die ihrer Privilegien beraubte und von Creaturen des Hofes regierte Hauptstadt vier toryistische Vertreter gesandt. Jetzt aber war der alte Freibrief wieder zurückgegeben und Clayton war durch Acclamation wieder gewählt worden.[66] Auch Johann Birch darf nicht unerwähnt bleiben. Er hatte seine Laufbahn als Fuhrmann begonnen, hatte aber in den Bürgerkriegen sein Geschirr im Stich gelassen, war Soldat geworden, hatte sich zum Range eines Obersten in der Armee der Republik emporgeschwungen, hatte in hohen fiskalischen Ämtern großes Geschäftstalent gezeigt, hatte viele Jahre im Parlament gesessen und obgleich er bis zuletzt die derben Manieren und den plebejischen Dialect seiner Jugend beibehielt, hatte er doch durch gesunden Verstand und Mutterwitz das Ohr der Gemeinen gewonnen und wurde von den ausgezeichnetsten Parlamentsrednern seiner Zeit als ein furchtbarer Gegner betrachtet.[67] Dies waren die hervorragendsten unter den Veteranen, welche jetzt nach langer Abgeschiedenheit ins öffentliche Leben zurückkehrten. Sie wurden jedoch sehr bald durch zwei jüngere Whigs in den Schatten gestellt, welche an jenem wichtigen Tage zum ersten Male ihre Sitze einnahmen, bald zu den höchsten Ehrenstellen im Staate emporstiegen, gemeinsam die heftigsten Parteistürme bestanden und nachdem sie lange weit und breit als Staatsmänner, als Redner, als freigebige Beschützer des Genies und der Gelehrsamkeit berühmt gewesen waren, bald nach dem Regierungsantritte des Hauses Braunschweig wenige Monate hintereinander starben. Diese waren Karl Montague und Johann Somers.

Außerdem muß noch ein Name erwähnt werden, ein Name, welcher damals nur einem kleinen Kreise von Philosophen bekannt war, der aber jetzt bis über den Ganges und den Mississippi hinaus mit einer höheren Verehrung genannt wird, als man sie dem Gedächtniß der größten Krieger und Herrscher zollt. Unter der Menge der schweigenden Mitglieder erschien auch die majestätische Stirn und das gedankenvolle Antlitz Isaak Newton’s. Die berühmte Universität, der sein Genie schon einen eigenthümlichen noch nach Verlauf von hundertsechzig Jahren deutlich erkennbaren Character aufzudrücken begonnen, hatte ihn in die Convention gesandt, und hier saß er in seiner bescheidenen Größe als anspruchsloser, aber unerschütterlicher Freund der bürgerlichen und religiösen Freiheit.

[65.] Burnet, I. 389 und Präsident Onslow’s Note.

[66.] Evelyn’s Diary, Sept. 26. 1672, Oct. 12. 1679, Juli 13. 1700; Seymour’s Survey of London.

[67.] Burnet, I. 388 und Onslow’s Note.

Wahl eines Sprechers. [Die] Gemeinen schritten vor Allem zur Wahl eines Sprechers, und das Ergebniß dieser Wahl deutete schon unverkennbar ihre Ansicht über die großen Fragen an, die sie entscheiden sollten. Bis zum Vorabend der Versammlung hatte man geglaubt, daß Seymour zum Präsidenten gewählt werden würde. Er hatte dieses Amt früher mehrere Jahre bekleidet und hatte mehrfache gewichtige Ansprüche auf Beachtung: Herkunft, Vermögen, Kenntnisse, Erfahrung und Beredtsamkeit. Er hatte ferner lange an der Spitze eines einflußreichen Vereins von Mitgliedern aus den westlichen Grafschaften gestanden. Obgleich ein Tory, hatte er doch im letzten Parlament die Opposition gegen Papismus und Willkürherrschaft mit ausgezeichnetem Geschick und Muth geleitet. Er war einer der ersten Edelleute gewesen, der sich ins holländische Hauptquartier nach Exeter begeben, und war der Urheber der Verbindung, durch welche die Anhänger des Prinzen sich gegenseitig verpflichtet hatten, zusammen zu siegen oder zu fallen. Aber einige Stunden vor dem Zusammentritt der Häuser hatte sich das Gerücht verbreitet, Seymour sei gegen die Erklärung, daß der Thron erledigt sei. Sobald sich daher die Bänke gefüllt hatten, erhob sich der Earl von Wiltshire, welcher Hampshire vertrat, und schlug Powle zum Sprecher vor. Sir Vere Fane, Vertreter von Kent, unterstützte den Antrag. Es hätte allerdings ein plausibler Einwurf dagegen erhoben werden können, denn es war bekannt, daß eine Petition gegen Powle’s Wahl zum Präsidenten dem Parlament vorgelegt werden sollte; aber die allgemeine Stimme des Hauses berief ihn auf den Präsidentenstuhl, und die Tories hielten es für gerathen, sich damit einverstanden zu erklären.[68] Das Scepter wurde auf den Tisch gelegt, die Liste der Mitglieder verlesen und die Namen der fehlenden vorgemerkt.

Inzwischen hatten sich auch die Peers in einer Anzahl von etwa hundert versammelt, hatten Halifax zum Sprecher gewählt und mehreren ausgezeichneten Juristen diejenigen Functionen übertragen, welche in ordentlichen Parlamenten den Richtern zukommen. Die beiden Häuser setzten sich im Laufe des Tages häufig mit einander in Vernehmen. Sie vereinigten sich zu dem Ersuchen, daß der Prinz die Zügel der Regierung in der Hand behalten möchte, bis er Weiteres von ihnen hören würde, zum Ausdrucke ihres Dankes für die Befreiung der Nation, die er mit Gottes Hülfe bewerkstelligt, und zu der Bestimmung, daß der 31. Januar als Dankfest für diese Befreiung gefeiert werden solle.[69]

Bis dahin hatte sich keine Meinungsverschiedenheit gezeigt; aber beide Parteien rüsteten sich zum Kampfe. Die Tories waren im Oberhause stark, im Unterhause schwach vertreten, und sie wußten, daß bei einer solchen Gelegenheit dasjenige Haus, welches zuerst zu einem Entschlusse kam, einen großen Vortheil über das andre haben mußte. Es war nicht die geringste Aussicht vorhanden, daß die Gemeinen einen Beschluß zu Gunsten des Regentschaftsplanes der Lords vorlegen würden, wenn aber ein solcher Beschluß von den Lords den Gemeinen vorgelegt wurde, so war es nicht ganz unmöglich, daß selbst viele von den whiggistischen Volksvertretern geneigt sein würden, sich lieber damit einverstanden zu erklären, als die große Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen, in einer Krisis, welche Einmüthigkeit und rasches Handeln erforderte, Uneinigkeit und Verzögerung verursacht zu haben. Die Gemeinen hatten beschlossen, am Montag den 28. Januar die Lage der Nation in Erwägung zu ziehen. Daher schlugen die toryistischen Lords am Freitag, den 25. vor, sofort an das wichtige Geschäft zu gehen, um derentwillen sie sich versammelt hatten. Ihre Beweggründe wurden jedoch von Halifax, der seit seiner Rückkehr von Hungerford erkannt hatte, daß die Regierung nur nach whiggistischen Prinzipien eingerichtet werden konnte und der sich daher für den Augenblick eng an die Whigs angeschlossen hatte, klar durchschaut und ihre Taktik vereitelt. Devonshire trug darauf an, daß Dienstag, der neunundzwanzigste, der Tag sein solle. „Bis dahin,“ sagte er mit mehr Wahrheit als Überlegung, „können wir einige Aufklärungen von unten erhalten, die uns zur Richtschnur dienen können.“ Sein Antrag ging durch, seine Sprache aber wurde von einigen seiner Mitpeers als ihres Standes unwürdig streng getadelt.[70]

[68.] Citters, 22. Jan. (1. Febr.) 1689; Grey’s Debates.

[69.] Lords’ and Commons’ Journals, Jan. 22. 1688; Citters und Clarendon’s Tagebuch von demselben Datum.