[70.] Lords’ Journals, Jan. 25. 1688/89; Clarendon’s Diary, Jan. 23, 25.
Debatte über die Lage der Nation. [Am] 28. erklärten sich die Gemeinen zu einem Comité des ganzen Hauses. Ein Mitglied, das vor mehr als dreißig Jahren einer von Cromwell’s Lords gewesen war, Richard Hampden, Sohn des berühmten Führers der Rundköpfe und Vater des Unglücklichen, der nur durch große Bestechungen und erniedrigende Demüthigungen mit genauer Noth der Rache Jakob’s entgangen war, wurde zum Präsidenten gewählt und die große Debatte begann.
Es zeigte sich sehr bald, daß eine überwiegende Majorität Jakob nicht mehr als König betrachtete. Gilbert Dolben, der Sohn des verstorbenen Erzbischofs von York, war der Erste, der sich zu dieser Ansicht bekannte, und er wurde darin von vielen Mitgliedern unterstützt, besonders von dem kühnen und heftigen Wharton, von Sawyer, dessen beharrliches Opponiren gegen das Dispensationsrecht seine früheren Vergehen einigermaßen wieder gut gemacht hatte, von Maynard, dessen Stimme, obgleich vom Alter so geschwächt, daß sie auf den entfernteren Bänken nicht vernommen werden konnte, doch noch immer die Achtung aller Parteien genoß und von Somers, dessen glänzende Beredtsamkeit und vielseitige Kenntnisse sich zum ersten Male in den Räumen des Parlaments entfalteten. Auch die schamlose Stirn und die geläufige Zunge Sir Wilhelm Williams’ waren auf derselben Seite zu finden. Er war schon stark betheiligt bei den Excessen der schlechtesten Opposition und der schlechtesten Regierung. Er hatte unschuldige Papisten und unschuldige Protestanten verfolgt, er war der Beschützer Oates’ und das Werkzeug Petre’s gewesen, sein Name war mit aufrührerischen Gewaltthätigkeiten, deren sich alle ehrenwerthen Whigs mit Bedauern und Beschämung erinnerten, und mit Handlungen des Despotismus verknüpft, welche alle ehrenwerthen Tories verabscheuten. Wie ein Mensch unter der Last solcher Schande noch leben kann, ist schwer zu begreifen; aber selbst eine solche Schande war für Williams noch nicht genug. Er schämte sich nicht, den gefallenen Gebieter anzugreifen, dem er sich zu Dienstleistungen, die kein rechtschaffener Mann irgend eines Justizcollegiums übernommen haben würde, vermiethet, und von dem er erst vor einem halben Jahre als Belohnung für seine Servilität eine Baronetschaft angenommen hatte.
Nur drei Mitglieder wagten es, sich der offenbar allgemeinen Ansicht der Versammlung zu widersetzen. Sir Christoph Musgrave, ein Torygentleman von großem Ansehen und Talent äußerte einige Zweifel. Heneage Finch ließ ebenfalls einige Äußerungen fallen, welche so verstanden wurden, als ob er die Eröffnung von Unterhandlungen mit dem Könige wünschte. Diese Andeutung wurde so übel aufgenommen, daß er sich beeilte, sie weg zu erklären. Er versicherte, daß er falsch verstanden worden sei. Er sei überzeugt, daß unter einem solchen Fürsten keine Sicherheit für Religion, Freiheit und Eigenthum denkbar sei. König Jakob zurückzurufen oder mit ihm zu unterhandeln, würde ein verderblicher Schritt sein; aber Viele, welche nie ihre Einwilligung dazu geben würden, daß er die königliche Gewalt wieder ausübte, könnten es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren, ihm auch den Königstitel zu nehmen. Es gebe jedoch einen Ausweg, der alle Schwierigkeiten beseitigte: eine Regentschaft. Dieser Vorschlag fand so wenig Beifall, daß Finch es nicht wagte, die Abstimmung darüber zu verlangen. Richard Fanshaw, Viscount Fanshaw aus Irland sprach einige Worte über Jakob und empfahl einen Aufschub; aber sein Vorschlag erregte allgemeines Mißfallen. Ein Mitglied nach dem andren stand auf, um die Wichtigkeit der Beschleunigung hervorzuheben. Jeder Augenblick, wurde gesagt, sei kostbar, die Erwartung des Volks sei aufs Höchste gespannt, so daß alle Geschäfte stockten. Die Minorität fügte sich murrend und räumte der überwiegenden Partei das Feld.
Worin das Verfahren der Majorität bestehen würde, war noch nicht recht klar, denn sie zerfiel in zwei Abtheilungen. Die eine bestand aus eifrigen und heftigen Whigs, die, wenn sie ihren Weg hätten gehen können, dem Verfahren der Convention einen entschieden revolutionären Character gegeben haben würden. Die andre gab zu, daß eine Revolution nothwendig sei, betrachtete sie aber als ein nothwendiges Übel und wünschte sie soviel als möglich unter dem Scheine der Gesetzmäßigkeit zu verhüllen. Die erstere Abtheilung verlangte die bestimmte Anerkennung des Rechtes der Unterthanen, schlechte Fürsten des Thrones zu entsetzen. Die andre Abtheilung wollte nur das Land von einem schlechten Fürsten befreien, ohne ein Prinzip aufzustellen, das leicht zu den Zwecke gemißbraucht werden könnte, die rechtmäßige und heilsame Autorität zukünftiger Monarchen zu schwächen. Die erstere Abtheilung hob namentlich die schlechte Regierung des Königs, die andre seine Flucht hervor; jene war der Ansicht, daß er seine Krone verwirkt, diese, daß er ihr freiwillig entsagt habe. Es war nicht leicht, eine Beschlußformel zu entwerfen, welche Allen gefiel, deren Zustimmung zu erlangen von Wichtigkeit war; endlich aber wurde aus den von verschiedenen Seiten gemachten Vorschlägen ein Beschluß gebildet, der alle Theile befriedigte.
Beschluß, durch den der Thron für erledigt erklärt wird. [Es] wurde beantragt, daß König Jakob II., indem er es versucht, durch einen Bruch des ursprünglichen Vertrags zwischen König und Volk die Verfassung des Reichs umzustürzen, und indem er auf den Rath der Jesuiten und anderer übelgesinnter Personen die Grundgesetze verletzt und sich aus dem Lande entfernt, die Regierung niedergelegt habe und daß der Thron dadurch erledigt worden sei.
Dieser Beschluß ist häufig einer so genauen und strengen Kritik unterworfen worden wie irgend eine von Menschenhand geschriebene Sentenz, und doch giebt es vielleicht keine von Menschenhand geschriebene Sentenz, die eine solche Kritik weniger vertrüge. Daß ein König seine Macht durch groben Mißbrauch derselben verwirken kann, ist wahr. Daß man von einem Könige, der auf und davon geht, ohne Vorsorge für die Verwaltung der Regierungsgeschäfte zu treffen, und sein Volk in einem Zustande von Anarchie zurückläßt, ohne gewaltsame Wortverdrehung sagen kann, er habe seine Funktionen niedergelegt, ist ebenfalls wahr. Aber kein gewissenhafter Schriftsteller wird behaupten, daß lange fortgesetzte schlechte Regierung und Flucht zusammengenommen einen Abdankungsact constituiren. Ebenso klar ist es, daß die Erwähnung der Jesuiten und anderer schlechter Rathgeber Jakob’s die Beschuldigung gegen ihn schwächt, anstatt sie zu bekräftigen. Denn ein durch schlimme Rathgeber irregeleiteter Mann verdient gewiß mehr Nachsicht als einer, der lediglich aus eigenem Antriebe Unrecht thut. Es ist jedoch ein eitles Beginnen, diese denkwürdigen Worte zu analysiren, wie wir ein Kapitel von Aristoteles oder von Hobbes untersuchen. Derartige Worte sind nicht als Worte, sondern als Thaten zu betrachten, und wenn sie das bewirken, was sie bewirken sollen, so sind sie vernünftig, mögen sie auch an sich widersinnig sein. Erreichen sie aber ihren Zweck nicht, so sind sie absurd, wenn sie auch Beweiskraft in sich tragen. Die Logik läßt keine Auslegung zu. Das Wesen der Politik aber ist die Auslegung. Es ist daher nicht zu verwundern, daß einige der wichtigsten und nützlichsten politischen Dokumente zu den unlogischesten Aufsätzen gehören, welche je geschrieben wurden. Somers, Maynard und die anderen ausgezeichneten Männer, welche den berühmten Antrag entwarfen, hatten dabei nicht den Zweck, der Nachwelt ein Muster von Definition und Eintheilung zu hinterlassen, sondern die Wiedereinsetzung eines Tyrannen unmöglich zu machen und einen Fürsten auf den Thron zu erheben, unter welchem Gesetz und Freiheit gesichert waren. Diesen Zweck erreichten sie durch die Anwendung von Worten, welche in einer philosophischen Abhandlung mit Recht als ungenau und unklar getadelt worden wären. Es kümmerte sie wenig, ob der Vordersatz und der Schlußsatz zu einander paßten, wenn nur der Vordersatz ihnen zweihundert Stimmen und der Schlußsatz weitere zweihundert Stimmen verschaffte. Die einzige Schönheit des Beschlusses ist in der That seine Inconsequenz. Sie enthielt eine Phrase für jede Unterabtheilung der Majorität. Die Erwähnung des ursprünglichen Vertrags befriedigte die Anhänger Sidney’s. Das Wort Abdankung beschwichtigte Politiker einer zurückhaltenderen Schule. Vielen eifrigen Protestanten gefiel ohne Zweifel der gegen die Jesuiten ausgesprochene Tadel. In den Augen des wirklichen Staatsmanns war der einzige wichtige Satz der, welcher den Thron für erledigt erklärte, und wenn nur dieser Satz angenommen wurde, so war es ihm ziemlich gleichgültig, welche Einleitung demselben vorausging. Eine so vereinigte Macht ließ keiner Hoffnung auf Widerstand Raum. Der Antrag wurde vom Ausschusse ohne Abstimmung angenommen, und es wurde unverzügliche Berichterstattung darüber beschlossen. Powle nahm den Präsidentenstuhl wieder ein, das Scepter wurde auf den Tisch gelegt, Hampden trug auf Erhebung zum Beschluß an, das Haus gab seine Zustimmung und die sofortige Überreichung an die Lords wurde anbefohlen.[71]
[71.] Commons’ Journals, Jan. 28. 1688/89; Grey’s Debates; Citters, 29. Jan. (8. Febr.). Wenn der Bericht in Grey’s Debates genau ist, so muß Citters in Betreff der Rede Sawyer’s falsch unterrichtet gewesen sein.
Der Beschluß wird den Lords vorgelegt. [Am] folgenden Morgen frühzeitig versammelten sich die Lords. Die Bänke der geistlichen wie der weltlichen Lords waren dicht besetzt. Hampden erschien in der Schranke und überreichte Halifax den Beschluß der Gemeinen. Das Oberhaus constituirte sich hierauf zu einem Comité und Danby nahm den Präsidentenstuhl ein.
Die Discussion wurde bald durch das nochmalige Erscheinen Hampden’s unterbrochen, der eine andre Botschaft überbrachte. Das Haus constituirte sich wieder als solches und vernahm, daß die Gemeinen es so eben als unvereinbar mit der Sicherheit und dem Wohle der protestantischen Nation erklärt habe, von einem papistischen Könige regiert zu werden. So wenig sich dieser Beschluß mit dem Prinzipe des unveräußerlichen Erbrechts vertrug, so gaben die Peers doch auf der Stelle und einmüthig ihre Zustimmung zu demselben. Der dadurch aufgestellte Grundsatz ist bis auf unsre Zeit von allen protestantischen Staatsmännern stets heilig gehalten worden und kein verständiger Katholik hat ihn je als Einwendungen zulassend betrachtet. Wenn unsere Souveraine, wie die Präsidenten der Vereinigten Staaten, bloße bürgerliche Beamte wären, so würde es allerdings schwer sein, eine solche Beschränkung zu rechtfertigen. Allein mit der englischen Krone ist zugleich die Oberhauptswürde über die englische Kirche verbunden, und es ist keine Intoleranz, wenn man sagt, daß eine Kirche nicht einem Oberhaupte unterthan sein kann, das sie als schismatisch und ketzerisch betrachtet.[72]