Man sollte meinen, daß diese Gründe keinen Einwand zuließen, und sie wurden in der That von Danby, der die wundervolle Gabe besaß, jeden Gegenstand, den er behandelte, auch dem beschränktesten Verstande klar zu machen, und von Halifax, der in Gedankenreichthum und glänzender Diction unter den Rednern der damaligen Zeit seines Gleichen nicht hatte, mit Nachdruck hervorgehoben. Aber die Tories waren im Oberhause so zahlreich und mächtig, daß sie trotz der Unhaltbarkeit ihrer Sache, des Abfalls ihres Führers und der Geschicklichkeit ihrer Gegner bei einem Haare den Sieg davongetragen hätten. Hundert Lords stimmten ab. Neunundvierzig stimmten für eine Regentschaft, einundfünfzig dagegen. Bei der Minorität befanden sich die natürlichen Söhne Karl’s, die Schwäger Jakob’s, die Herzöge von Somerset und von Ormond, der Erzbischof von York und elf Bischöfe. Mit der Majorität stimmte außer Compton und Trelawney kein Prälat.[76]
Es war fast neun Uhr Abends, als das Haus auseinanderging. Der folgende Tag war der dreißigste Januar, der Todestag Karl’s I. Die große Körperschaft des anglikanischen Clerus hatte es seit vielen Jahren für eine heilige Pflicht gehalten, an diesem Tage die Lehren vom Nichtwiderstande und vom passiven Gehorsam einzuschärfen. Ihre früheren Predigten konnten sie jedoch jetzt nicht mehr brauchen und viele Geistliche waren sogar in Zweifel, ob sie es wagen dürften, die ganze Liturgie zu lesen. Das Unterhaus hatte erklärt, daß der Thron erledigt sei, das Oberhaus hatte noch gar keine Ansicht ausgesprochen, und es war daher nicht leicht zu entscheiden, ob die Gebete für den Souverain angewendet werden konnten. Jeder Gottesdienst haltende Geistliche handelte nach seinem persönlichen Ermessen. In den meisten Kirchen der Hauptstadt wurden die Gebete für Jakob weggelassen; in der Margarethenkirche aber las Sharp, Dechant von Norwich, welcher ersucht worden war, vor den Mitgliedern des Unterhauses zu predigen, nicht allein die ganzen Gebete, wie sie im Buche standen, sondern extemporirte auch vor seiner Predigt einen Segen für den König und sprach am Schlusse seines Vortrags gegen die jesuitische Lehre, daß Unterthanen berechtigt seien, ihre Fürsten abzusetzen. Der Sprecher beschwerte sich noch denselben Nachmittag vor dem Hause über diese Beleidigung. „Heute fassen Sie einen Beschluß,“ sagte er, „und morgen hören Sie denselben mit eigenen Ohren auf der Kanzel widersprechen.“ Sharp wurde von den Tories kräftig in Schutz genommen und hatte selbst unter den Whigs Freunde; denn es war noch nicht vergessen, daß er sich in schlimmen Zeiten durch den Muth, mit dem er trotz des königlichen Befehls gegen den Papismus gepredigt, ernsten Gefahren ausgesetzt hatte. Sir Christoph Musgrave bemerkte sehr treffend, das Haus habe den Beschluß, welcher den Thron für erledigt erklärte, noch nicht bekannt machen lassen. Sharp sei daher nicht allein nicht verpflichtet gewesen, von diesem Beschlusse etwas zu wissen, sondern er hätte sogar nicht Notiz davon nehmen können, ohne sich eine Verletzung des Privilegiums des Hauses zu Schulden kommen zu lassen, wofür er hätte vor die Schranken gefordert und kniend einen Verweis erhalten können. Die Majorität sah ein, daß es nicht weise gewesen wäre, in diesem Augenblicke mit der Geistlichkeit zu hadern und man ließ den Gegenstand daher fallen.[77]
Während die Gemeinen über Sharp’s Predigt discutirten, hatten sich die Lords wieder zu einem Comité zur Erwägung der Lage der Nation constituirt und hatten den Beschluß, der den Thron für erledigt erklärte, Satz für Satz vorlesen lassen.
Der erste Ausdruck, über den sich eine Debatte entspann, war der, welcher den ursprünglichen Vertrag zwischen König und Volk anerkannte. Es war nicht zu erwarten, daß die toryistischen Peers eine die Quintessenz des Whiggismus enthaltende Phrase ohne Einwendungen würden durchgehen lassen. Es wurde abgestimmt und mit dreiundfünfzig gegen sechsundvierzig Stimmen beschlossen, daß die Worte stehen bleiben sollten.
Der strenge Tadel, den die Gemeinen über die Verwaltung Jakob’s ausgesprochen hatten, wurde nun zunächst in Betracht gezogen und ohne eine einzige abweichende Stimme gebilligt. Nur gegen den Ausdruck, Jakob habe die Regierung niedergelegt, wurden einige redactionelle Einwendungen gemacht. Es wurde hervorgehoben, man könne richtiger sagen, daß er sie verlassen habe. Dieses Amendement wurde, wie es scheint, fast ohne alle Debatte, und ohne Abstimmung angenommen. Inzwischen war es spät geworden, und die Lords hoben daher die Sitzung auf.[78]
[73.] Clarendon’s Diary, Jan. 21. 1688/89; Burnet, I. 810: Doyly’s Life of Sancroft.
[74.] Siehe die Uniformitätsacte.
[75.] Stat. 2. Hen. 7. c. 1; Lord Coke’s Institutes, III. 1. Cook’s Hochverrathsprozeß in der Collection of State Trials; Burnet, I. 813, und Swift’s Note.
[76.] Lords’ Journals, Jan. 29. 1688/89; Clarendon’s Diary; Evelyn’s Diary; Citters; Eachard’s History of the Revolution; Burnet, I. 813; History of the Reestablishment of the Government, 1689. Die Anzahl der Stimmen für und wider sind in den Protokollen nicht angeführt und werden von verschiedenen Schriftstellern verschieden angegeben. Ich habe mich an Clarendon gehalten, der sich die Mühe genommen, Listen der Majorität und der Minorität zu entwerfen.
[77.] Grey’s Debates; Evelyn’s Diary; Life of Archbishop Sharp, by his son; Apology for the New Separation, in a letter to Dr. John Sharp, Archbishop of York, 1691.