[81.] Lords’ Journals, Jan. 31. 1688/89.
Aufregung in London. [Während] der beiden folgenden Tage war London in einer unruhigen und angstvollen Stimmung. Die Tories begannen zu hoffen, daß sie ihren Lieblingsplan einer Regentschaft mit besserem Erfolge wieder zur Sprache würden bringen können. Vielleicht zog der Prinz selbst, wenn er sah, daß er keine Aussicht hatte, die Krone zu tragen, Sancroft’s Plan, dem Plane Danby’s vor. Es war allerdings besser, König zu sein als Regent; aber Regent war immer noch besser als Ceremonienmeister. Auf der andren Seite begann auch die niedere und heftigere Klasse der Whigs, die ehemaligen Emissäre Shaftesbury’s die alten Bundesgenossen College’s sich in der City zu regen. Volkshaufen versammelten sich im Palasthofe und führten eine drohende Sprache. Lord Lovelace, der im Verdacht stand, zu diesen Versammlungen aufgereizt zu haben, kündigte den Peers an, daß er beauftragt sei, eine Petition zu überreichen, in der sie aufgefordert würden, den Prinzen und die Prinzessin von Oranien unverzüglich zum König und zur Königin zu erklären. Auf die Frage, von wem die Petition unterzeichnet sei, antwortete er: „Sie hat noch keine Unterschriften, wenn ich sie aber das nächste Mal wieder mit hierher bringe, wird sie deren genug haben.“ Diese Drohung beunruhigte und verdroß seine eigne Partei. Die leitenden Whigs waren in der That noch ängstlicher besorgt, als die Tories, daß die Berathungen der Convention vollkommen frei seien und daß kein Anhänger Jakob’s behaupten könne, daß das eine oder das andre Haus unter dem Einflusse eines Zwanges gehandelt habe. Eine ähnliche Petition wie die von Lovelace überreichte, wurde auch im Hause der Gemeinen vorgelegt, aber mit Verachtung zurückgewiesen. Maynard war der Erste, der gegen den Versuch des Straßenpöbels, die Stände des Reichs einzuschüchtern, protestirte. Wilhelm ließ Lovelace zu sich kommen, setzte ihn sehr ernsthaft zur Rede und befahl den städtischen Behörden, gegen alle ungesetzlichen Versammlungen kräftig einzuschreiten.[82] Nichts in der Geschichte unsrer Revolution verdient mehr Bewunderung und Nachahmung als die Art, wie sich die beiden Parteien der Convention gerade in dem Augenblicke, wo ihr Streit am heftigsten war, wie ein Mann zum Widerstand gegen die Vorschriften des Pöbels der Hauptstadt verbanden.
[82.] Citters, 5.(15.) Febr. 186 f.; Diary, Feb. 2. In dem Werke, Revolution Politics, einem höchst abgeschmackten Buche, das aber als Sammlung der unsinnigen Tagesgerüchte einigen Werth hat, übertreibt die Geschichte maßlos. — Grey’s Debates.
Brief von Jakob an die Convention. [Obgleich] aber die Whigs fest entschlossen waren, die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Freiheit der Debatte zu achten, so waren sie doch nicht minder fest entschlossen, kein Zugeständniß zu machen. Am Samstag, den 2. Februar beschlossen die Gemeinen ohne Abstimmung, die ursprüngliche Fassung ihres Beschlusses beizubehalten. Jakob kam wie immer seinen Feinden zu Hülfe. Eben war ein Schreiben von ihm an die Convention angelangt. Der Apostat Melfort, der jetzt in St.-Germain in hoher Gunst stand, hatte es Preston überbracht. Der Name Melfort war jedem Anhänger der Staatskirche verhaßt. Daß er noch immer ein vertrauter Diener Jakob’s war, genügte an sich schon um zu beweisen, daß die Thorheit und Verkehrtheit seines Gebieters unheilbar waren. Kein Mitglied eines der beiden Häuser wagte es, die Vorlesung eines von solcher Seite kommenden Schreibens zu beantragen. Der Inhalt war jedoch der ganzen Stadt bekannt. Seine Majestät ermahnte die Lords und Gemeinen, an seiner Milde nicht zu verzweifeln und versicherte gnädigst, daß er Denen, die ihn verrathen hätten, verzeihen wolle, einige Wenige ausgenommen, die er nicht nannte. War es wohl möglich etwas für einen Fürsten zu thun, der besiegt, verlassen, verbannt und von Almosen lebend, Denjenigen, in deren Hand sein Schicksal lag, sagte, daß er, wenn sie ihn wieder auf den Thron setzten, nur einige wenige von ihnen hängen lassen würde?[83]
[83.] Jakob’s Brief, vom 24. Jan. (3. Febr.) 1689 datirt, findet sich bei Kennet. In Clarke’s Life of James ist er auf die unredlichste Weise entstellt. Siehe Clarendon’s Diary, Feb. 2, 4; Grey’s Debates; Lords’ Journals, Feb. 2, 4, 1688/89.
Debatte. [Der] Streit zwischen den beiden Parteien der gesetzgebenden Gewalt dauerte noch einige Tage. Montag, den 4. Februar, beschlossen die Lords auf ihren Amendements zu beharren; aber es wurde ein mit neununddreißig Namen unterzeichneter Protest in die Protokolle eingetragen.[84]
[84.] Es ist von mehrern Schriftstellern, unter anderen von Ralph, und B. Mazure behauptet worden, Danby habe diesen Protest unterzeichnet. Dies ist ein Irrthum. Wahrscheinlich las Jemand, der die Protokolle vor dem Drucke durchsah, Danby für Derby. Lords’ Journals, Feb. 4. 1688/89. Einige Tage vorher schrieb Evelyn fälschlich Derby anstatt Danby. Sein Tagebuch vom 29. Jan. 1688/89.
Unterhandlungen. [Am] folgenden Tage beschlossen die Tories, ihre Stärke im Unterhause zu versuchen. Sie erschienen in großer Anzahl und es wurde der Antrag gestellt, den Amendements der Lords beizutreten. Die, welche für Sancroft’s Plan und die, welche für Danby’s Plan waren, stimmten miteinander; allein sie wurden mit zweihundertundachtzig gegen hunderteinundfünfzig Stimmen geschlagen. Das Haus beschloß hierauf, um eine freie Conferenz mit den Lords nachzusuchen.[85]
[85.] Commons’ Journals, Feb. 5. 1688/89.
Schreiben der Prinzessin von Oranien an Danby. [Zu] gleicher Zeit wurden außerhalb der Mauern des Parlaments energische Anstrengungen gemacht, um den Streit zwischen den beiden Zweigen der gesetzgebenden Versammlung zu beendigen. Burnet glaubte es durch die Wichtigkeit der Krisis gerechtfertigt, das ihm von der Prinzessin anvertraute große Geheimniß zu veröffentlichen. Er wisse aus ihrem eigenen Munde, sagte er, daß es schon längst ihr fester Entschluß sei, selbst wenn sie nach der regelmäßigen Erbfolge auf den Thron gelangen sollte, mit Genehmigung des Parlaments ihre Gewalt in die Hände ihres Gemahls niederzulegen. Danby erhielt von ihr einen ernsten, fast harten Verweis. Sie sei die Gattin des Prinzen, schrieb sie ihm, und hege keinen andren Wunsch als ihm unterthan zu sein; man könne ihr keine schwerere Beleidigung zufügen, als wenn man sie als seine Nebenbuhlerin darstelle und sie könne Niemanden, der ein solches Verfahren einschlage, als ihren wahren Freund betrachten.[86]