[142] In diesem Punkte war Johnson der liberalste Politiker seiner Zeit. „Die Irländer,” sagt er mit großer Wärme, „befinden sich in einem höchst unnatürlichen Zustande, denn wir sehen bei ihnen die Minorität über die Majorität herrschen.” Ich vermuthe Alderman Beckford und Alderman Sawbridge würden weit entfernt gewesen sein, mit ihm zu sympathisiren. Karl O’Connor, dessen ungünstige Meinung von dem Whig Lucas ich angeführt habe, zollt in der Vorrede zu seinen Dissertations on Irish History der Liberalität des Tory’s Johnson hohe Anerkennung.


[Achtzehntes Kapitel.]
Wilhelm und Marie.


[Inhalt]

Seite
Eröffnung des Parlaments[5]
Debatten über die Gehalte und Gebühren der Beamten[6]
Acte zur Ausschließung der Papisten vom Staatsdienste in Irland[7]
Debatten über den ostindischen Handel[10]
Debatten über die Bill zur Regulirung des Prozeßverfahrens in Hochverrathsfällen[24]
Complot Marlborough’s gegen die Regierung Wilhelm’s[30]
Marlborough’s Complot durch die Jakobiten verrathen[34]
Marlborough’s Ungnade[34]
Verschiedene Gerüchte über die Ursache von Marlborough’s Ungnade[34]
Bruch zwischen Marien und Anna[36]
Fuller’s Complot[38]
Schluß der Session; Bill zur Feststellung der Gehalte der Richter verworfen[44]
Ministerielle Veränderungen in England[47]
Ministerielle Veränderungen in Schottland[48]
Zustand der Hochlande[49]
Breadalbane beauftragt, mit den aufständischen Clans zu unterhandeln[50]
Glencoe[51]
Wilhelm begiebt sich auf den Continent[68]
Louvois’ Tod[68]
Die französische Regierung beschließt eine Expedition gegen England zu unternehmen[71]
Jakob glaubt, daß die englische Flotte freundschaftlich gegen ihn gesinnt sei[71]
Verhalten Russell’s[72]
Jakob wird eine Tochter geboren[73]
Anstalten zur Zurückweisung der Invasion in England[74]
Jakob begiebt sich zu seiner Armee bei La Hogue[74]
Jakob’s Erklärung[75]
Eindruck der Erklärung Jakob’s[76]
Die englische und die holländische Flotte vereinigen sich[79]
Stimmung der englischen Flotte[79]
Schlacht bei La Hogue[80]
Freude in England[84]
Young’s Complot[86]

Eröffnung des Parlaments.

Am 19. October 1691 kam Wilhelm aus den Niederlanden wieder in Kensington an.[1] Drei Tage darauf eröffnete er das Parlament. Der Stand der Dinge war im Ganzen erfreulich. Zu Lande hatte es Gewinne und Verluste gegeben, der Vortheil aber war auf Seiten England’s. Dem Falle von Mons konnte die Einnahme von Athlone, der Sieg von Aghrim, die Uebergabe von Limerick und die Pacifirung Irland’s wohl gegenübergestellt werden. Zur See war kein großer Sieg erfochten, wohl aber eine große Streitmacht und Thätigkeit entfaltet worden, und wenn auch Viele unzufrieden waren, weil nicht mehr geschehen sei, so konnte doch Niemand in Abrede stellen, daß eine Veränderung zum Besseren eingetreten war. Dem durch Torrington’s Schwächen und Fehler herbeigeführten Verfall war wieder abgeholfen und die Flotte gut ausgerüstet worden, es hatte reichliche und gesunde Rationen gegeben, und in Folge dessen war der Gesundheitszustand der Mannschaften für die damalige Zeit ganz vortrefflich gewesen. Russell, der die Seemacht der Verbündeten befehligte, hatte den Franzosen vergebens eine Schlacht angeboten. Die weiße Flagge, welche das Jahr vorher ungehindert von Land’s End bis zur Meerenge von Dover im Kanale umhergesegelt war, verließ jetzt, sobald unsere Mastspitzen in einer Entfernung von zwanzig Meilen bemerkt wurden, die offene See und zog sich tief in den Hafen von Brest zurück. Das Erscheinen eines englischen Geschwaders in der Mündung des Shannon hatte das Schicksal der letzten Festung entschieden, die sich noch für König Jakob behauptet, und eine auf vier Millionen Pfund Sterling geschätzte Kauffahrteiflotte aus der Levante war durch Gefahren, welche den Assecuradeurs in Lombard Street manche schlaflose Nacht bereitet, glücklich in die Themse convoyirt worden.[2] Die Lords und Gemeinen hörten mit Zeichen der Zufriedenheit eine Rede an, in der der König sie wegen des Ausgangs des Kriegs in Irland beglückwünschte und die zuversichtliche Erwartung aussprach, daß sie ihn auch fernerhin bei dem Kriege mit Frankreich unterstützen würden. Er sagte ihnen, daß die Ausrüstung einer großen Flotte nöthig sein werde, und daß seiner Ansicht nach der Kampf zu Lande nicht mit weniger als fünfundsechzigtausend Mann erfolgreich fortgeführt werden könne.[3]

Debatten über die Gehalte und Gebühren der Beamten.

Man dankte ihm mit herzlichen Worten, die Streitmacht, die er verlangte, wurde bewilligt und bedeutende Summen ohne erhebliche Schwierigkeit zugestanden. Als aber die Mittel und Wege zur Sprache kamen, begannen sich Symptome von Unzufriedenheit zu zeigen. Achtzehn Monate früher, als die Gemeinen sich mit der Feststellung der Civilliste beschäftigten, hatten viele Mitglieder eine sehr natürliche Geneigtheit, sich über den Betrag der Gehalte und Gebühren der Beamten zu beklagen, an den Tag gelegt. Heftige Reden waren gehalten, und, was bei weitem ungewöhnlicher war, gedruckt worden; außerhalb der Parlamentsräume hatte große Aufregung geherrscht, aber es war nichts geschehen. Der Gegenstand wurde jetzt wieder aufgenommen. Ein Bericht der Commission, welche im vorhergehenden Jahre zur Prüfung der öffentlichen Rechnungen ernannt worden war, hatte einige Facta, welche Unwillen, und andere, welche ernsten Verdacht erweckten, enthüllt. Das Haus schien fest entschlossen, eine umfassende Reform vorzunehmen, und nur die Thorheit und Heftigkeit der Reformers hatte eine solche Reform verhindern können. Es ist allerdings nicht zu verwundern, daß sie aufgebracht waren. Die directen und indirecten hohen Einkünfte der Staatsdiener mehrten sich in ununterbrochener Progression, während der Verdienst jedes Andren sich verringerte. Die Renten fielen, der Handel stockte, Jeder, der von dem Nachlasse seiner Vorfahren oder von den Früchten seines Fleißes lebte, mußte sich einschränken. Nur der Beamte wurde inmitten der allgemeinen Noth wohlhabend. „Man sehe blos den Zollcontroleur,” riefen die entrüsteten Squires. „Vor zehn Jahren ging er zu Fuß und wir fuhren. Unser Einkommen hat sich verringert, sein Gehalt ist verdoppelt worden, wir haben unsere Pferde verkauft, er hat sie gekauft, und jetzt gehen wir zu Fuß und werden von dem Kothe seines Sechsgespanns bespritzt.” Lowther versuchte es umsonst, sich gegen den Sturm zu erheben. Die Landgentlemen, die ihn vor nicht langer Zeit noch als einen ihrer Führer betrachtet hatten, liehen ihm eben kein geneigtes Ohr. Er hatte sie verlassen und war ein Höfling geworden; er bekleidete zwei einträgliche Stellen, eine im Schatzamt, die andre im Hofstaat, und hatte erst kürzlich von des Königs eigner Hand ein Geschenk von zweitausend Guineen erhalten.[4] Es schien ganz natürlich, daß er Mißbräuche vertheidigte, von denen er Nutzen hatte. Die Schmähungen und Vorwürfe, mit denen er überhäuft wurde, waren seinem reizbaren Character unerträglich. Er verlor den Kopf, fiel fast ohnmächtig auf den Fußboden des Parlamentshauses nieder und sprach davon, sich an einem andren Orte Recht zu verschaffen.[5] Leider erhob sich bei dieser Gelegenheit kein Mitglied, um darauf anzutragen, daß die bürgerlichen Anstalten des Königreichs sorgfältig revidirt, daß Sinekuren abgeschafft, daß exorbitante Diensteinkommen vermindert und daß es keinem Staatsdiener unter irgend einem Vorwande gestattet sein solle, außer seiner bekannten und gesetzlichen Renumeration etwas zu verlangen. Auf diesem Wege würde es möglich gewesen sein, die öffentlichen Lasten zu vermindern und zu gleicher Zeit die ersprießliche Thätigkeit in jedem Zweige der Staatsverwaltung zu erhöhen. Unglücklicherweise aber ermangelten gerade Diejenigen, die sich am lautesten über die herrschenden Mißbräuche beklagten, gänzlich der zur Durchführung der Reform nöthigen Eigenschaften. Am 12. December beantragte ein Thor, dessen Name nicht auf uns gekommen ist, daß kein bei irgend einem Civilamte Angestellter, den Sprecher, die Richter und die Gesandten ausgenommen, mehr als fünfhundert Pfund Sterling jährlich erhalten solle, und dieser Antrag ging nicht nur durch, sondern er wurde sogar ohne eine einzige opponirende Stimme angenommen.[6] Diejenigen welche das meiste Interesse hatten, sich demselben zu widersetzen, sahen ohne Zweifel ein, daß Opposition in diesem Augenblicke die Majorität nur reizen würde, und sparten sie daher für einen günstigeren Zeitpunkt auf. Dieser günstigere Zeitpunkt kam auch bald. Kein verständiger Mann konnte, nachdem sein Blut abgekühlt war, ohne Beschämung daran zurückdenken, daß er für einen Beschluß gestimmt hatte, der keinen Unterschied machte zwischen Inhabern von Sinekuren und fleißigen Staatsdienern, zwischen Schreibern, welche nur Briefe copirten, und Ministern, von deren Einsicht und Rechtschaffenheit das Geschick der Nation abhängen konnte. Der Gehalt des Portiers beim Accisamte war durch einen skandalösen Schacher bis auf fünfhundert Pfund jährlich getrieben worden. Er hätte auf funfzig Pfund herabgesetzt werden müssen. Die Dienste eines Staatssekretärs dagegen, der seinen Posten gut ausfüllte, würden mit fünftausend Pfund wohlfeil bezahlt gewesen sein. Wäre der Beschluß der Gemeinen zur Ausführung gekommen, so würde sowohl der Gehalt, der nicht funfzig Pfund hätte übersteigen sollen, wie der, welcher nicht unangemessen fünftausend Pfund hätte betragen können, auf fünfhundert Pfund normirt worden sein. Ein solcher Unsinn mußte auch dem rohesten und einfältigsten Fuchsjäger im Parlamente empören. Es trat eine Reaction ein, und als nach einem Zeitraum von wenigen Wochen vorgeschlagen wurde, in eine Steuerbewilligungsbill eine mit dem Beschlusse vom 12. December übereinstimmende Klausel aufzunehmen, waren die verneinenden Stimmen sehr laut; der Sprecher war der Meinung, daß sie überwiegend seien, die bejahenden Stimmen wagten es nicht, seine Ansicht zu bestreiten, der unsinnige Plan, der ohne Abstimmung gutgeheißen worden war, wurde ohne Abstimmung verworfen und der Gegenstand kam nicht wieder zur Sprache. So wurde der Fortbestand eines Mißbrauchs, der so skandalös war, daß selbst keiner von Denen, welche Vortheil von demselben hatten, ihn zu vertheidigen wagte, lediglich durch die Verkehrtheit und Maßlosigkeit Derer, die ihn angriffen, gesichert.[7]