Endlich, am 31. December, begab er sich, von seinen angesehensten Vasallen begleitet, nach Fort William und erbot sich die Eide zu leisten. Zu seinem Schrecken erfuhr er, daß sich Niemand in dem Fort befand, der befugt gewesen wäre, ihm dieselben abzunehmen. Oberst Hill, der Gouverneur, war kein Magistratsbeamter und es war auch kein solcher näher als in Inverary. Mac Ian, der jetzt vollkommen die Thorheit erkannte, die er begangen, indem er einen Act, von dem sein Leben und sein Vermögen abhingen, bis zum letzten Augenblicke verschoben hatte, brach in großer Angst nach Inverary auf. Er hatte einen Brief bei sich von Hill an den Sheriff von Argyleshire, Sir Colin Campbell von Ardkinglaß, einen achtbaren Gentleman, der unter der vorigen Regierung wegen seiner whiggistischen Grundsätze viel gelitten hatte. In diesem Briefe sprach der Oberst die wohlmeinende Hoffnung aus, daß ein verlorenes Schaf und noch dazu ein so schönes, selbst nach Ablauf der bestimmten Frist noch mit Freuden aufgenommen werden würde. Mac Ian eilte so sehr er nur konnte und hielt nicht einmal in seinem eigenen Hause an, obgleich es nahe an der Straße lag. Doch eine Reise durch Argyleshire mitten im Winter ging damals natürlich langsam von Statten. Der Marsch des alten Mannes über steile Gebirge und sumpfige Thäler wurde durch Schneestürme aufgehalten, und erst am 6. Januar erschien er vor dem Sheriff zu Inverary. Der Sheriff war unschlüssig. Seine Befugniß, sagte er, gehe nicht über die Bestimmungen der Proklamation hinaus, und er sehe nicht ein, wie er einen Rebellen schwören lassen könne, der sich nicht innerhalb der vorgeschriebenen Zeit unterworfen habe. Mac Ian bat dringend und mit Thränen in den Augen, daß er vereidigt werden möchte. Seine Leute, sagte er, würden seinem Beispiele folgen. Wenn einer von ihnen sich widerspenstig erweisen sollte, würde er ihn selbst ins Gefängniß schicken oder nach Flandern einschiffen. Seine Bitten und Hill’s Schreiben besiegten endlich Sir Colin’s Skrupel, der Eid wurde abgenommen und dem Staatsrathe zu Edinburg ein Certifikat übersandt, welches die besonderen Umstände auseinandersetzte, durch die sich der Sheriff habe bewegen lassen etwas zu thun, was, wie er wohl gewußt, nicht streng in der Ordnung gewesen sei.[74]
Die Nachricht, daß Mac Ian sich nicht innerhalb der vorgeschriebenen Zeit unterworfen habe, wurde von drei mächtigen Schotten, die sich damals am englischen Hofe befanden, mit boshafter Schadenfreude aufgenommen. Breadalbane war zu Weihnachten nach London gegangen, um Bericht über seine Amtsführung abzustatten. Dort traf er mit seinem Vetter Argyle zusammen. Argyle war hinsichtlich seiner persönlichen Eigenschaften einer der unbedeutendsten von der langen Reihe von Edelleuten, welche diesen berühmten Namen getragen haben. Er war der Nachkomme ausgezeichneter Männer und der Vater ausgezeichneter Männer. Er war der Enkel eines der geschicktesten schottischen Staatsmänner, der Sohn eines der tapfersten und aufrichtigsten schottischen Patrioten, der Vater eines Mac Callum More, der als Krieger und Redner, als das Muster vornehmer Eleganz und als einsichtsvoller Beschützer der Künste und Wissenschaften berühmt war, und eines andren Mac Callum More, der sich durch Talent für Staatsgeschäfte wie für militärisches Commando und durch Kenntniß der exacten Wissenschaften auszeichnete. Argyle war solcher Vorfahren und solcher Nachkommen gleich unwürdig. Er hatte sich sogar des Verbrechens schuldig gemacht, das zwar unter den schottischen Staatsmännern ziemlich allgemein, bei ihm aber ganz besonders schmachvoll war, heimlich mit den Agenten Jakob’s zu verkehren, während er Loyalität für Wilhelm zur Schau trug. Bei alledem hatte Argyle die von hohem Range, großem Grundbesitz, ausgedehnten Lehnsrechten und fast unbegrenzter patriarchalischer Autorität untrennbare Bedeutung. Ihm sowohl wie seinem Vetter Breadalbane war die Nachricht, daß der Stamm Glencoe außerhalb des Schutzes der Gesetze stehe, sehr angenehm und der Master von Stair empfand mehr als Sympathie mit ihnen beiden.
Das Gefühl Argyle’s und Breadalbane’s ist vollkommen begreiflich. Sie waren die Oberhäupter eines großen Clans und sie hatten Gelegenheit, einen Nachbarclan zu vernichten, mit dem sie in erbitterter Fehde lagen. Breadalbane war besonders gereizt worden. Seine Güter waren zu wiederholten Malen verwüstet und ihm eben erst bei einer wichtigen Unterhandlung ein Strich durch die Rechnung gemacht worden. Leider gab es kaum ein Uebermaß von Grausamkeit, für das sich in celtischen Traditionen nicht ein Präcedenzfall auffinden ließ. Bei allen kriegerischen Barbaren gilt die Rache für die heiligste Pflicht und für den höchsten Genuß, und dafür galt sie auch bei den Hochländern seit langer Zeit. Die Geschichte der Clans ist reich an grauenvollen Erzählungen von Metzeleien und Meuchelmorden aus Rache, die zum Theil fabelhaft und übertrieben sein mögen, zum Theil aber auch gewiß auf Wahrheit beruhen. So umzingelten zum Beispiel die Macdonalds von Glengarry, als sie einmal von den Leuten von Culloden beleidigt worden waren, eines Sonntags die Kirche von Culloden, verschlossen die Thüren und verbrannten die ganze Gemeinde lebendig. Während die Flammen wütheten, verhöhnte der erbliche Musikant der Mörder das Wehgeschrei der umkommenden Menge durch die Töne seiner Sackpfeife.[75] Eine Bande Macgregors legte den abgeschnittenen Kopf eines Feindes, nachdem sie ihm den Mund mit Brot und Käse gefüllt, auf den Tisch seiner Schwester, und hatte die Genugthuung, sie vor Entsetzen über den Anblick wahnsinnig werden zu sehen. Dann trugen sie die fürchterliche Trophäe im Triumph zu ihrem Häuptlinge. Der ganze Clan versammelte sich unter dem Dache einer alten Kirche und jeder Einzelne legte die Hand auf den Kopf des Ermordeten und gelobte, die Mörder zu vertheidigen.[76] Die Bewohner von Eigg ergriffen einige Macleods, banden ihnen Hände und Füße und stießen sie in einem Boote in die offene See hinaus, um von den Wellen verschlungen zu werden oder vor Hunger umzukommen. Die Macleods rächten sich dafür, indem sie die Bewohner von Eigg in eine Höhle trieben, am Eingange derselben ein Feuer anzündeten und den ganzen Stamm, Männer, Frauen und Kinder, ersticken ließen.[77] Es ist bei weitem nicht so wunderbar, daß die beiden mächtigen Earls aus dem Hause Campbell, von den Leidenschaften hochländischer Häuptlinge erfüllt, auf eine hochländische Rache sannen, als daß sie in dem Master von Stair einen Complicen, und noch etwas mehr als einen Complicen fanden.
Der Master von Stair war einer der ersten Männer seiner Zeit, ein Jurist, ein Staatsmann, ein tüchtiger Gelehrter und ein gewandter Redner. Sein feines Benehmen und seine lebendige Conversation machten ihn zu einem Liebling der aristokratischen Zirkel, und wer ihn in einer solchen Gesellschaft sah, würde es nicht für möglich gehalten haben, daß er bei einem abscheulichen Verbrechen die Hauptrolle spielen könne. Seine politischen Grundsätze waren lax, doch nicht laxer als die der meisten schottischen Staatsmänner jener Zeit. Grausamkeit hatte man ihm nie vorwerfen können. Selbst Diejenigen, die ihm am wenigsten gewogen waren, ließen ihm die Gerechtigkeit widerfahren zuzugestehen, daß er, wo seine politischen Pläne nicht ins Spiel kämen, ein sehr gutherziger Mann sei.[78] Man hat nicht den geringsten Grund anzunehmen, daß er durch die That, die seinen Namen mit Schande bedeckt hat, ein einziges Pfund Schottisch gewann. Er hatte keinen persönlichen Grund, den Leuten von Glencoe Böses zu wünschen. Es hatte keine Fehde zwischen ihm und seiner Familie bestanden. Seine Güter lagen in einem Districte, wo ihr Tartan nie gesehen wurde. Und dennoch haßte er sie mit einem so heftigen und unversöhnlichen Hasse, als hätten sie seine Felder verwüstet, sein Haus angezündet, sein Kind in der Wiege ermordet.
Welcher Ursache sollen wir eine so sonderbare Antipathie zuschreiben? Diese Frage setzte schon des Masters Zeitgenossen in Verlegenheit, und jede Antwort, die sich jetzt darauf geben läßt, muß mit Vorsicht gegeben werden.[79] Die wahrscheinlichste Vermuthung ist die, daß er von einem überspannten, rücksichtslosen, ungezügelten Eifer für das was ihm das Interesse des Staats dünkte, getrieben wurde. Diese Erklärung wird Diejenigen in Erstaunen setzen, welche nie erwogen haben, ein wie großer Theil der schwärzesten Verbrechen, von denen uns die Geschichte erzählt, einem verkehrten Gemeinsinne zugeschrieben werden muß. Wir sehen täglich Leute für ihre Partei, für ihre Secte, für ihr Vaterland, für ihre politischen und socialen Lieblingsreformpläne Dinge thun, die sie nicht thun würden, um sich zu bereichern oder zu rächen. Bei einer Versuchung, die sich direct an unsre persönliche Habgier oder an unsren Privathaß richtet, wird alle Tugend, die wir besitzen, alarmirt. Aber die Tugend selbst kann zum Falle Desjenigen beitragen, der da glaubt, es stehe in seiner Macht, durch Verletzung einer allgemeinen Vorschrift der Moral einer Kirche, einem Staate, oder der ganzen Menschheit einen wichtigen Dienst zu leisten. Er bringt die Mahnungen seines Gewissens zum Schweigen und verhärtet sein Herz gegen die erschütterndsten Scenen des Elends, indem er sich beständig wiederholt, daß seine Absichten lauter, daß seine Zwecke edel sind, daß er eine kleine Sünde um eines großen Guten willen thut. So gelangt er nach und nach dahin, daß er die Schändlichkeit der Mittel über die Vortrefflichkeit des Zweckes gänzlich vergißt, und verübt schließlich ohne einen Gewissensbiß Thaten, vor denen ein Seeräuber zurückbeben würde. Man hat keinen Grund anzunehmen, daß Dominicus um des besten Erzbisthums der Christenheit halber wilde Räuber angereizt haben würde, eine friedliche und betriebsame Bevölkerung auszuplündern und niederzumetzeln, daß Eberhard Digby für ein Herzogthum eine zahlreiche Versammlung von Menschen in die Luft gesprengt, oder daß Robespierre für Geld einen Einzigen von den Tausenden gemordet haben würde, die er aus Philanthropie mordete.
Der Master von Stair scheint einen wahrhaft großen und edlen Zweck in Auge gehabt zu haben: die Pacifirung und Civilisirung der Hochlande. Er war, wie selbst Diejenigen zugaben, die ihn am meisten haßten, ein Mann von weitgreifenden Plänen. Er hielt es mit Recht für monströs, daß ein Dritttheil von Schottland sich in einem kaum minder rohen Zustande befand als Neuguinea, daß Brand- und Mordbriefe in einem Dritttheil von Schottland Jahrhunderte lang als eine Art gesetzlichen Verfahrens betrachtet wurden und daß Niemand den Versuch machte, ein radikales Heilmittel gegen solche Uebelstände anzuwenden. Die Unabhängigkeit, die sich ein Haufe kleiner Souveraine anmaßen wollte, der hartnäckige Widerstand, den sie der Autorität der Krone und des Court of Session zu leisten pflegten, ihre Kriege, ihre Räubereien, ihre Brandstiftungen, ihre Gewohnheit, friedlichere und nützlichere Leute als sie zu brandschatzen: dies Alles mußte nothwendig den Abscheu und den Unwillen eines aufgeklärten und einsichtsvollen Mannes des Friedens erwecken, der sowohl seinem Character als den Gewohnheiten seines Berufs nach ein Freund des Gesetzes und der Ordnung war. Sein Zweck war nichts Geringeres als eine vollständige Auflösung und Umgestaltung der Gesellschaft in den Hochlanden, eine Auflösung und Umgestaltung, wie sie zwei Generationen später auf die Schlacht von Culloden folgte. In seinen Augen waren die Clans so wie sie zur Zeit bestanden, die Plage des Landes, und der schlimmste von allen Clans war der, welcher Glencoe bewohnte. Ein haarsträubendes Beispiel von der Gesetzlosigkeit und Grausamkeit dieser Räuber sollte ihn besonders ergriffen haben. Einer von ihnen, der an irgend einem Acte der Gewaltthätigkeit oder des Raubes Theil genommen, hatte seine Genossen angezeigt. Er war an einen Baum gebunden und ermordet worden. Der alte Häuptling hatte ihm den ersten Stoß gegeben und der Körper des Unglücklichen war dann von mehr als zwanzig Dolchen durchbohrt worden.[80] Der Gebirgsbewohner betrachtete einen solchen Act wahrscheinlich als eine rechtmäßige Ausübung patriarchalischer Justiz. Der Master von Stair aber war der Meinung, daß Leute, unter denen solche Dinge geschahen und zugelassen wurden, wie eine Heerde Wölfe behandelt, durch jede List in die Falle gelockt und ohne Gnade niedergemetzelt werden müßten. Er war wohl belesen in der Geschichte und wußte wahrscheinlich, wie große Regenten in seinem eignen und in anderen Ländern mit solchen Banditen verfahren sind. Er wußte wahrscheinlich mit welcher Energie und mit welcher Strenge Jakob V. die Straßenräuber des Grenzlandes unterdrückt hatte, wie der Häuptling von Henderland über dem Thore des Schlosses, in welchem er ein Gastmahl für den König hergerichtet hatte, aufgeknüpft worden war, wie Johann Armstrong und seinen sechsunddreißig Reitern, als sie herbeikamen, um ihren Souverain zu bewillkommnen, kaum so viel Zeit gelassen wurde, um ein einziges Gebet zu sprechen, bevor sie alle aufgehängt wurden. Ebenso waren dem Sekretär wahrscheinlich die Mittel nicht unbekannt, durch welche Sixtus V. den Kirchenstaat von Banditen gesäubert hatte. Die Lobredner dieses großen Pontifex erzählen uns von einer gefürchteten Bande, die aus einer Feste in den Apenninen nicht zu vertreiben war. Es wurden daher Saumthiere mit vergifteten Speisen und Wein beladen und auf einem nahe bei der Festung vorüberführenden Wege abgeschickt. Die Räuber kamen heraus, bemächtigten sich der Beute, schmausten und starben, und der greise Papst freute sich höchlich als er erfuhr, daß die Leichen von dreißig Räubern, die der Schrecken vieler friedlicher Dörfer gewesen waren, unter den Maulthieren und Packereien umherliegend gefunden worden waren. Die Pläne des Masters von Stair waren im Geiste Jakob’s und Sixtus’ entworfen, und die Empörung der Gebirgsbewohner bot anscheinend eine vortreffliche Gelegenheit zur Ausführung dieser Pläne. Bloße Empörung hätte er allerdings leicht vergeben können. Gegen die Jakobiten als solche zeigte er niemals irgend Lust, hart zu verfahren. Er haßte die Hochländer nicht als Feinde dieser oder jener Dynastie, sondern als Feinde des Gesetzes, der Industrie und des Handels. In seiner Privatcorrespondenz wendete er auf sie die kurze und schreckliche Phrase an, mit der der unversöhnliche Römer den Fluch über Karthago aussprach. Sein Plan bestand in nichts Geringerem, als daß das ganze Gebirgsland von einer Meeresküste zur andren, sowie die benachbarten Inseln durch Feuer und Schwert verwüstet, daß die Camerons, die Macleans und alle Zweige des Stammes Macdonald vertilgt werden sollten. Er betrachtete daher Aussöhnungspläne nicht mit freundlichem Auge, und während Andere hofften, daß etwas Geld Alles ordnen werde, deutete er sehr verständlich seine Meinung an, daß das Geld, welches man auf die Clans verwenden wolle, besser in der Gestalt von Kugeln und Bajonetten verwendet werden würde. Bis zum letzten Augenblicke schmeichelte er sich, daß die Rebellen unbeugsam bleiben und ihm dadurch einen Vorwand liefern würden, die große sociale Revolution zu bewerkstelligen, die er sich in den Kopf gesetzt hatte.[81] Der Brief ist noch vorhanden, in welchem er die Befehlshaber der Truppen in Schottland instruirt, was sie zu thun hätten, wenn sich die jakobitischen Häuptlinge nicht vor Ende December zur Vereidigung stellen sollten. Es liegt etwas Grauenhaftes in der Ruhe und bündigen Kürze, mit der die Instructionen ertheilt wurden. „Ihre Truppen werden den District Lochaber, Lochiel’s, Keppoch’s, Glengarry’s und Glencoe’s Ländereien, gänzlich verwüsten. Ihr Corps wird stark genug sein. Ich hoffe, die Soldaten werden die Regierung nicht mit Gefangenen beschweren.”[82]
Diese Depesche war kaum abgesandt, als in London die Nachricht eintraf, daß die widerspenstigen Häuptlinge, nachdem sie lange fest geblieben, endlich vor den Sheriffs erschienen waren und die Eide geleistet hatten. Lochiel, der angesehenste unter ihnen, hatte nicht nur erklärt, daß er als ein treuer Unterthan König Wilhelm’s leben und sterben wolle, sondern hatte auch die Absicht angekündigt, England zu besuchen, in der Hoffnung, daß es ihm gestattet werde, Sr. Majestät die Hand zu küssen. In London wurde mit Jubel verkündet, daß alle Clans, ohne Ausnahme, sich rechtzeitig unterworfen hätten, und die Ankündigung wurde allgemein für höchst befriedigend gehalten.[83] Aber der Master von Stair war schmerzlich enttäuscht. Die Hochlande sollten also bleiben was sie gewesen waren, die Schande und der Fluch Schottland’s. Eine kostbare Gelegenheit, sie dem Gesetze zu unterwerfen, hatte man sich entgehen lassen, und sie kehrte vielleicht nie wieder. Wenn nur die Macdonalds ausgehalten hätten; wenn nur wenigstens an den beiden schlimmsten Macdonalds, Keppoch und Glencoe, ein Exempel hätte statuirt werden können, so wäre es doch etwas gewesen. Aber selbst Keppoch und Glencoe, Räuber, die in jedem wohl regierten Lande schon vor dreißig Jahren aufgehängt worden wären, seien, wie es scheine, in Sicherheit.[84] Während der Master über solche Gedanken brütete, brachte ihm Argyle einigen Trost. Die Nachricht, daß Mac Ian die Eide innerhalb der vorgeschriebenen Zeit geleistet, war irrig. Der Sekretär war getröstet. Also war doch ein Clan in den Händen der Regierung, und dieser Clan war der gesetzloseste von Allen. Ein großer Act der Gerechtigkeit, nein der Barmherzigkeit, konnte vollzogen, ein furchtbares und denkwürdiges Exempel konnte statuirt werden.
Eine Schwierigkeit gab es indeß noch. Mac Ian hatte die Eide geleistet. Er hatte sie zwar zu spät geleistet, um den Buchstaben des königlichen Versprechens zu seinen Gunsten geltend machen zu können; aber die Thatsache, daß er die Eide geleistet, durfte offenbar Denen nicht verschwiegen werden, die über sein Schicksal zu entscheiden hatten. Durch eine schwarze Intrigue, deren Geschichte nur unvollkommen bekannt ist, die aber aller Wahrscheinlichkeit nach vom Master von Stair geleitet wurde, ward der Beweis von Mac Ian’s verspäteter Unterwerfung beseitigt. Das Certificat, welches der Sheriff von Argyleshire dem Geheimen Rathe zu Edinburg übersandt, wurde der Behörde nie vorgelegt, sondern nur privatim einigen hochgestellten Personen, insbesondere dem Lordpräsidenten Stair, dem Vater des Sekretärs, mitgetheilt. Diese Personen erklärten das Certifikat für ordnungswidrig, ja für durchaus nichtig, und es wurde cassirt.
Unterdessen entwarf der Master von Stair in Gemeinschaft mit Breadalbane und Argyle einen Plan zur Vernichtung der Leute von Glencoe. Es war nöthig, die Bewilligung des Königs einzuholen, zwar nicht bezüglich der Einzelheiten dessen was geschehen sollte, wohl aber in Betreff der Frage, ob Mac Ian und seine Leute als Rebellen behandelt werden sollten, die außer dem Bereiche des ordentlichen Gesetzes standen, oder ob nicht. Der Master von Stair stieß im königlichen Cabinet auf keine Schwierigkeit. Wilhelm hatte aller Wahrscheinlichkeit nach die Leute von Glencoe nie anders als Banditen nennen hören. Er wußte, daß sie sich bis zu dem vorgeschriebenen Tage nicht gestellt hatten; aber daß sie sich nach diesem Tage noch gestellt hatten, wußte er nicht. Wenn er der Sache einige Aufmerksamkeit schenkte, so mußte er der Meinung sein, daß man eine so günstige Gelegenheit, den Verwüstungen und Räubereien, von denen eine friedliche und betriebsame Bevölkerung soviel gelitten hatte, ein Ende zu machen, nicht unbenutzt vorübergehen lassen dürfe.
Es wurde ihm ein Befehl zur Unterzeichnung vorgelegt. Er unterzeichnete denselben, aber, wenn man Burnet glauben darf, ohne ihn zu lesen. Wer einige Kenntniß von den Staatsgeschäften hat, weiß, daß Fürsten und Minister täglich Schriftstücke unterzeichnen und in der That unterzeichnen müssen, die sie nicht gelesen haben, und von allen Schriftstücken war eines, das sich auf einen kleinen Stamm Gebirgsbewohner bezog, der eine auf keiner Karte angegebene Wildniß bewohnte, am wenigsten geeignet, einen Souverain zu interessiren, dessen Kopf mit Plänen angefüllt war, von denen das Geschick Europa’s abhängen konnte.[85] Aber selbst wenn man annimmt, daß er den Befehl gelesen, unter den er seinen Namen setzte, ist kein Grund vorhanden, ihn zu tadeln. Der an den Commandeur der Truppen in Schottland gerichtete Befehl lautet folgendermaßen: „Anlangend Mac Ian von Glencoe und diesen Stamm, so wird es, wenn sie von den anderen Hochländern streng unterschieden werden können, angemessen sein, diese Räuberbande zur Behauptung der öffentlichen Gerechtigkeit zu vertilgen.” Der Sinn dieser Worte ist an sich völlig unschuldig und sie würden ohne das entsetzliche Ereigniß welches folgte, allgemein in diesem Sinne verstanden worden sein. Es ist unzweifelhaft eine der ersten Pflichten jeder Regierung Räuberbanden auszurotten. Damit ist aber nicht gesagt, daß jeder Räuber meuchlings im Schlafe ermordet, ja nicht einmal, daß jeder Räuber nach einer ordentlichen Untersuchung öffentlich hingerichtet werden müsse, sondern nur daß jede Bande als solche vollständig aufzulösen und jede zur Erreichung dieses Zweckes unerläßlich nothwendig erscheinende Strenge anzuwenden sei. Hätte Wilhelm die Worte, die ihm sein Sekretär unterbreitete, gelesen und erwogen, so würde er sie wahrscheinlich so verstanden haben, daß Glencoe von Truppen besetzt, daß Widerstand, wenn solcher versucht würde, mit kräftiger Hand niedergeworfen, daß die vornehmsten Mitglieder des Clans, welche großer Verbrechen überführt werden könnten, streng bestraft, daß einige thätige junge Freibeuter, die mehr gewohnt waren, mit dem Breitschwerte umzugehen als mit dem Pfluge, und von denen nicht zu erwarten stand, daß sie sich entschließen würden, als friedliche Arbeiter zu leben, zur Armee in den Niederlanden versetzt, daß andere nach amerikanischen Pflanzungen transportirt und daß diejenigen Macdonalds, die man in ihrem heimathlichen Thale ließe, entwaffnet und angehalten werden sollten, für ihre Aufführung Geißeln zu stellen. Ein diesem sehr ähnlicher Plan war wirklich in den politischen Kreisen Edinburg’s vielfach berathen worden.[86] Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß Wilhelm sich um sein Volk sehr verdient gemacht haben würde, wenn er in dieser Weise nicht nur den Stamm Mac Ian’s, sondern überhaupt jeden hochländischen Stamm, dessen einzige Beschäftigung darin bestand, Vieh zu stehlen und Häuser anzuzünden, ausgerottet hätte.