Young’s Hilfsmittel waren noch nicht erschöpft. Sobald er von Whitehall nach Newgate zurückgebracht war, ging er ans Werk, ein neues Complot zu erdichten und einen neuen Complicen zu suchen. Er wendete sich an einen Menschen, Namens Holland, der in größter Dürftigkeit lebte. Noch nie, sagte Young zu ihm, sei die Gelegenheit so günstig gewesen. Ein verwegener und schlauer Bursche könne mit Leichtigkeit fünfhundert Pfund verdienen. Fünfhundert Pfund waren in den Augen Holland’s ein fabelhafter Reichthum. Er fragte, was er dafür thun müsse. Nichts weiter, lautete die Antwort, als die Wahrheit sagen, das heißt handgreifliche Wahrheit, ein wenig entstellt und ausgeschmückt. Es existire wirklich ein Complot, und dies würde auch bewiesen worden sein, wenn Blackhead sich nicht hätte erkaufen lassen. Sein Abfall habe es nothwendig gemacht, die Erdichtung zu Hülfe zu nehmen. „Ihr müßt beschwören, daß Ihr mit mir in einer Hinterstube im höchsten Stockwerk des „Seekrebs,” in Southwark gewesen seid. Dort sind einige Männer mit uns zusammengetroffen, die ein Losungswort geben mußten, ehe sie eingelassen wurden. Sie trugen alle weiße Camelotröcke. Sie unterzeichneten in unsrer Gegenwart den Associationsvertrag, bezahlten dann jeder seinen Schilling und gingen wieder. Ihr müßt bereit sein, zwei von diesen Leuten als Mylord Marlborough und den Bischof von Rochester zu bezeichnen.” „Wie soll ich ihre Identität beweisen?” fragte Holland. „Ich habe sie in meinem Leben nicht gesehen.” — „Ihr müßt dafür sorgen, daß Ihr sie sobald als möglich zu sehen bekommt,” erwiederte der Versucher. „Der Bischof wird in der Abtei sein, und Jedermann am Hofe wird Euch Lord Marlborough zeigen.” Holland ging sogleich nach Whitehall und hinterbrachte Nottingham diese Unterredung. Der unglückliche Nachahmer Oates’ wurde auf Befehl der Regierung wegen Meineids, Verleitung zum Meineid und Fälschung in Untersuchung gezogen. Er wurde für schuldig befunden und zu Gefängniß verurtheilt, wurde abermals an den Pranger gestellt, und erfuhr als Zugabe zu seiner Ausstellung, aus der er sich wenig machte, eine so wüthende Steinigung von Seiten des Pöbels, wie man sie selten erlebt hatte.[139] Nach überstandener Strafe verlor er sich einige Jahre unter dem Schwarme von Dieben und Gaunern, die in der Hauptstadt ihr Unwesen trieben. Im Jahre 1700 endlich trat er wieder aus seinem Dunkel hervor und erregte eine momentane Aufmerksamkeit. Die Zeitungen berichteten, daß der einst so berüchtigte Robert Young wegen Falschmünzerei eingezogen, daß er schuldig befunden und zum Tode verurtheilt und daß schließlich der ehrwürdige Herr in Tyburn aufgehängt worden sei und eine zahlreiche Versammlung von Schaulustigen durch seine Reue höchlich erbaut habe.[140]

Fußnoten

[1] London Gazette vom 22. Oct. 1691.

[2] Burnet II. 78, 79; Burchett’s Memoirs of Transactions at Sea; Journal of the English and Dutch Fleet in a Letter from an Officer on board the Lennox, at Torbay, licensed August 21. 1691. Der Verfasser sagt: „Wir verdanken unsre Gesundheit, nächst Gott, der außerordentlichen Fürsorge, welche unsrer Verproviantirung, in Bezug auf Speise wie auf Trank, zu Theil wird.”

[3] Lords’ und Commons’ Journals, Oct. 22. 1691.

[4] Dies geht aus einem Briefe von Lowther hervor, den er an seinen Sohn schrieb, nachdem er Lord Lonsdale geworden war. Eine Copie dieses Briefes befindet sich unter den Mackintosh-Manuscripten.

[5] Siehe Commons’ Journals, Dec. 3. 1691, und Grey’s Debates. Es ist zu bedauern, daß der Bericht der Rechnungscommissare der Nachwelt nicht aufbewahrt worden ist. Lowther erwähnt in dem Briefe an seinen Sohn die Debatten dieses Tages mit großer Bitterkeit. „Welcher Mensch,” fragte er, „der sein Brot hat, kann, nachdem er mit allem Fleiß und aller Sorgfalt gedient, deren der Mensch fähig ist, nachdem er sich die Zufriedenheit des Königs erworben, von dem alle Staatsbeamten ihre Autorität empfangen, nachdem er gegen Jedermann rechtschaffen gehandelt, es ruhig ertragen, von Leuten gehaßt zu werden, die jeden über ihnen Stehenden hassen?”

[6] Commons’ Journals, Dec. 12. 1690/91.

[7] Commons’ Journals, Feb. 15. 1690/91; Baden an die Generalstaaten, 26. Jan. (5. Febr.).