Euch schützen vor Gefahr, mein fürstlicher Gemahl,
Das wird mein bester Trost sein allzumal.
Diese Strophen befinden sich in einer werthvollen Sammlung, welche Mr. Richard Holer anlegte und die jetzt Eigenthum des Mr. Broderip ist, der so gefällig war, sie mir zu leihen. In einem der zügellosesten jakobitischen Pasquille vom Jahre 1689 wird Wilhelm, seiner Gemahlin gegenüber, als ein „Bauerlümmel“ bezeichnet, über den sie sich nur lustig mache.
Das Hoflager wird von Whitehall nach Hampton Court verlegt. [Hätte] sie noch lange die beste Gesellschaft London’s um sich versammelt, so würde ihre Freundlichkeit und Leutseligkeit wahrscheinlich noch viel dazu beigetragen haben, den ungünstigen Eindruck, den sein finstres und abstoßendes Wesen machte, zu verwischen. Leider war es ihm jedoch seiner Gesundheit wegen unmöglich, in Whitehall zu residiren. Die Luft von Westminster, vermischt mit den feuchten Ausdünstungen des Flusses, der bei Springfluthen die Höfe des Palastes überschwemmte, mit dem Steinkohlenrauche von zweimalhunderttausend Schornsteinen und mit den mephitischen Dünsten des Kothes, den man damals ungehindert in den Straßen sich anhäufen ließ, war ihm unerträglich, denn er hatte eine schwache Brust und außerordentlich feine Geruchsnerven. Sein unheilbares Asthma machte reißende Fortschritte, und seine Ärzte erklärten es für unmöglich, daß er das Ende des Jahres erleben könne. Sein Gesicht war so leichenhaft, daß er kaum noch zu erkennen war. Diejenigen, welche mit ihm zu verkehren hatten, hörten ihn mit Entsetzen nach Athem ringen und husten, daß ihm die Thränen über die Wangen liefen.[61] Und sein Geist, so stark er übrigens war, litt mit dem Körper. Wohl war sein Urtheil noch so klar und scharf als je; aber seit einigen Monaten war eine merkliche Erschlaffung der Energie eingetreten, durch die er sich früher ausgezeichnet hatte; selbst seine holländischen Freunde flüsterten einander zu, daß er nicht mehr der Nämliche sei, der er im Haag gewesen.[62] Es war schlechterdings nothwendig, daß er London verließ, und er verlegte daher seine Residenz in die reinere Luft von Hampton Court. Dieses von dem prachtliebenden Wolsey begonnene Schloß war ein schönes Muster der Architectur, welche unter den ersten Tutors in England blühte; die Gemächer desselben aber waren nach den Begriffen des 17. Jahrhunderts nicht ganz geeignet für eine königliche Wohnung. Unsere Souveraine hatten daher seit der Restauration diese Residenz nur selten und nur dann benutzt, wenn sie einige Zeit recht eingezogen leben wollten. Da aber Wilhelm gesonnen war, das verlassene Gebäude zu seinem Hauptwohnsitze zu erwählen, mußte er Bauten und Anpflanzungen vornehmen, was ihm im Grunde gar nicht unlieb war. Denn, wie die Mehrzahl seiner Landsleute, fand er Vergnügen daran, ein Landhaus auszuschmücken, und nächst der Jagd waren Baukunst und Gärtnerei seine Lieblingszerstreuungen. Er hatte bereits in einer sandigen Haide von Geldern ein Paradies geschaffen, das viele Neugierige aus Holland und Westphalen herbeizog. Marie hatte den Grundstein zu dem Schlosse gelegt, und Bentinck hatte die Anlage der Fischteiche geleitet. Es gab dort Wasserfälle und Grotten, eine große Orangerie und ein Vogelhaus, das Hondekoeter zahlreiche Exemplare buntgefiederter Vögel lieferte.[63] Der König sehnte sich in seiner glänzenden Verbannung nach dieser Lieblingsresidenz und fand einigen Trost darin, daß er sich an den Ufern der Themse ein zweites Loo schaffen konnte. Bald war eine große Bodenfläche mit regelmäßigen Alleen und Gartenanlagen bedeckt. Viel müßiger Scharfsinn wurde aufgeboten, um das verwickelte grüne Labyrinth anzulegen, das fünf Generationen von Londoner Sonntagsbesuchern mit Staunen und Freude erfüllt hat. Dreißigjährige Linden wurden aus den benachbarten Wäldern dahin verpflanzt, um die Alleen zu beschatten. Künstliche Springbrunnen warfen ihren Wasserstrahl zwischen den Blumenbeeten empor. Ein neues Residenzschloß, zwar nicht vom reinsten Styl, aber stattlich, geräumig und bequem, erstand unter Wren’s Leitung. Das Wandgetäfel war mit dem reichen und zarten Schnitzwerk eines Gibbons verziert. Die Treppenhäuser entzückten das Auge durch Verrio’s herrliche Fresken. In jedem Winkel des Gebäudes zeigte sich ein Überfluß von reizenden Tändeleien, welche englischen Augen noch ungewohnt waren. Marie hatte aus dem Haag eine Liebhaberei für chinesisches Porzellan mitgebracht, und sie legte jetzt in Hampton Court eine große Sammlung häßlicher Figuren und Gefäße an, auf denen Häuser, Bäume, Brücken und Mandarine in haarsträubendstem Widerspruch mit allen Regeln der Perspective abgemalt waren. Diese Mode, welche so von der liebenswürdigen Königin eingeführt wurde, verbreitete sich rasch und weit. Nach wenigen Jahren enthielt fast jedes vornehme Haus im Königreiche ein Museum solcher grotesker Spielereien. Selbst Staatsmänner und Generäle schämten sich nicht des Rufes, den Werth von Theekannen und Drachen richtig schätzen zu können, und die Satyriker wiederholten lange Zeit hindurch, daß eine schöne Dame ihr buntbemaltes Porzellangeschirr eben so hoch halte als ihren Affen und viel höher als ihren Gatten.[64] Doch der neue Palast wurde auch mit Kunstwerken andrer Art ausgeschmückt. Es ward eine Gallerie für die Cartons von Raphael gegründet. Diese herrlichen Bilder, damals und noch heute die schönsten diesseits der Alpen, waren durch Cromwell vor dem Schicksale bewahrt worden, das die meisten anderen Meisterwerke der Sammlung Karl’s I. getroffen; aber man hatte sie viele Jahre in ihren hölzernen Kisten ruhen lassen. Jetzt wurden sie aus dem Dunkel hervorgezogen, um von den Künstlern mit Bewunderung und Verzweiflung betrachtet zu werden. Die Kosten der Bauten und Einrichtungen von Hampton Court waren ein Gegenstand bitterer Beschwerde für viele Tories, welche die grenzenlose Verschwendung, mit der Karl II. die Wohnung der Herzogin von Portsmouth gebaut und umgebaut, möblirt und anders möblirt, nur sehr mild getadelt hatten.[65] Die Kosten waren jedoch nicht der Hauptgrund der Unzufriedenheit, welche Wilhelm’s Residenzwechsel erregte. Es gab keinen Hof mehr in Westminster; Whitehall, einst der tägliche Sammelplatz der Vornehmen und Mächtigen, der Schönen und Heiteren, der Ort, wohin Dandies kamen, um ihre neuen Perrücken zu zeigen, Ritter der Galanterie, um mit schönen Damen zu liebäugeln, Politiker, um ihr Glück zu verfolgen, Müßiggänger, um Neuigkeiten zu hören, Landedelleute, um die königliche Familie zu sehen, war jetzt, zur lebhaftesten Zeit des Jahres, während London mit Fremden und Einheimischen gefüllt und das Parlament versammelt war, gänzlich verödet. Eine einsame Schildwache schritt auf dem von Gras überwucherten Pflaster vor dem Eingange auf und ab, der einst zu eng gewesen war für die sich begegnenden Ströme der kommenden und gehenden Höflinge. Die Dienste, welche die Hauptstadt dem Könige geleistet, waren groß und noch neu, und man meinte, er habe diese Dienste wohl besser vergelten können, als damit, daß er London behandelte, wie Ludwig Paris behandelt habe. Halifax hatte den Muth, dies anzudeuten; aber wenige Worte, die keine Erwiederung zuließen, brachten ihn zum Schweigen. „Wollen Sie, daß ich sterbe?“ sagte Wilhelm in gereiztem Tone.[66]
[61.] Burnet II. 2.; Burnet M.S. Harl. 6584. Ronquillo spricht sich noch viel umständlicher aus: „Nada se ha visto desfigurado; y, quantas veces he estado con el, le he visto toser tanto que se le saltaban las lagrimas, y se ponia moxado y arrancando; y confiesan los medicos que es una asma incurable.“ 8.(18.) März 1689. Avaux schrieb in demselben Sinne aus Irland: „La santé de l’usurpateur est fort mauvaise. L’on ne croit pas qu’il vive un an.“ 8.(18.) April.
[62.] „Hasta decir los mismos Hollandeses que lo desconozean“, sagt Ronquillo. „Il est absolument mal propre pour le rôle qu’il a à jouer à l’heure qu’il est,“ sagt Avaux. „Slothful and sickly,“ sagt Evelyn, 29. März 1689.
[63.] Siehe Harris’ Beschreibung von Loo, 1699.
[64.] Wer die Werke Pope’s und Addison’s kennt, wird sich ihrer Sarkasmen über diese Mode erinnern. Lady Marie Wortley Montague schlug sich auf die andre Seite. „Alte Chinoiserien,“ sagt sie, „machen Niemandes Geschmack Unehre, da der Herzog von Argyle Gefallen daran fand, dessen Einsicht niemals, weder von seinen Freunden noch von seinen Feinden, in Zweifel gezogen worden ist.“
[65.] Über die Bauten in Hampton Court siehe Evelyn’s Diary, Juli 16. 1689; The Tour through Great Britain, 1724; the British Apelles; Horace Walpole on Modern Gardening; Burnet II. 2, 3.
Als Evelyn 1662 in Hampton Court war, waren die Cartons noch nicht zu sehen. Die Triumphe von Andrea Montegna galten damals für die schönsten Gemälde des Palastes.