[66.] Burnet, II. 2; Reresby’s Memoirs. Ronquillo schreibt wiederholt in diesem Sinne. Zum Beispiel: „Bien quisiera que el Rey fuese mas comunicable, y se acomodase un poco mas al humor sociable de los Ingleses, y que estubiera en Londres: pero es cierto que sus achaques no se lo permiten.“ 8.(18.) Juli 1689. Avaux schreibt um dieselbe Zeit aus Irland an Croissy: „Le Prince d’Orange est toujours à Hampton Court, et jamais à la ville: et le peuple est fort mal satisfait de cette manière bizarre et retirée.“
Der Hof in Kensington. [Es] zeigte sich bald, daß Hampton Court zu weit vom Hause der Lords und der Gemeinen wie von den öffentlichen Ämtern entfernt war, um der gewöhnliche Wohnsitz des Souverains werden zu können. Anstatt jedoch nach Whitehall zurückzukehren, beschloß Wilhelm, eine andre Residenz zu beziehen, welche zur Leitung der Regierungsgeschäfte nahe genug bei der Hauptstadt lag, doch aber nicht so nahe, um im Bereiche der Atmosphäre zu sein, in der er keine Nacht zubringen konnte ohne Gefahr, zu ersticken. Einmal dachte er an Holland House, die Villa der vornehmen Familie Rich, und er residirte wirklich einige Wochen daselbst.[67] Endlich aber entschied er sich für Kensington House, den Landsitz des Earl von Nottingham. Es wurde für achtzehntausend Guineen angekauft, und dem Ankaufe folgten neue Bauten, neue Anpflanzungen, neue Geldausgaben und neue Unzufriedenheit.[68] Gegenwärtig wird Kensington House als zu London gehörend betrachtet; damals aber war es ein Landsitz und konnte zu jenen Zeiten der Straßenräuber und nächtlichen Ruhestörer, der kothigen Straßen und schlechten Beleuchtung, nicht füglich der Sammelplatz der vornehmen Gesellschaft sein.
[67.] Mehrere von seinen Briefen an Heinsius sind von Holland House datirt.
[68.] Narcissus Luttrell’s Diary; Evelyn’s Diary, Feb. 25. 1689/90.
Wilhelm’s ausländische Günstlinge. [Es] war wohl bekannt, daß der König, der die englische Noblesse und Gentry so unfreundlich behandelte, in einem kleinen Kreise seiner Landsleute herablassend, vertraulich und selbst heiter sein, seine Gedanken in fröhlicher Unterhaltung aussprechen und sein Glas oft, vielleicht zu oft, füllen konnte, und dies erschwerte in den Augen unserer Vorfahren seine Schuld. Unsere Vorfahren hätten jedoch so viel gesunden Sinn und Gerechtigkeitsliebe haben sollen, um zuzugestehen, daß der Patriotismus, den sie an sich selbst als eine Tugend betrachteten, bei ihm kein Fehler sein konnte. Es war ungerecht ihn deshalb zu tadeln, daß er die Liebe, die er zu seinem Geburtslande hegte, nicht mit einem Male auf unsre Insel übertrug. Wenn er in den Hauptsachen seine Pflicht gegen England erfüllte, konnte man es ihm wohl nachsehen, daß er für Holland eine zärtliche Vorliebe bewahrte. Eben so wenig verdient es einen Vorwurf, daß er in den Tagen seiner Größe Gefährten nicht entfernte, die in seiner Kindheit mit ihm gespielt, ihm durch alle Wechselfälle des Jünglings- und des Mannesalters treu zur Seite gestanden, welche den ekelhaftesten und gefährlichen Ansteckungen trotzend, an seinem Krankenlager gewacht, im heißesten Schlachtgewühl sich zwischen ihn und die französischen Schwerter geworfen, und deren Anhänglichkeit nicht dem Statthalter oder dem Könige, sondern einfach Wilhelm von Nassau galt. Auch darf man hinzusetzen, daß seine alten Freunde, wenn er sie mit seinen neuen Höflingen verglich, in seiner Achtung steigen mußten. Alle seine holländischen Kameraden verdienten, ohne Ausnahme, sein Vertrauen bis ans Ende seines Lebens. Wohl konnten sie mit ihm schmollen, und, wenn sie schmollten, hart und mürrisch sein; niemals aber, mochten sie auch noch so erzürnt und unwillig sein, hörten sie auf seine Geheimnisse zu bewahren, und mit der Treue wahrer Edelleute und Soldaten über seine Interessen zu wachen. Unter seinen englischen Rathgebern war solche Treue selten.[69] Es ist traurig, aber nicht mehr als gerecht anzuerkennen, daß er nur zu guten Grund hatte, von unsrem Nationalcharacter eine schlechte Meinung zu hegen. Dieser Character war zwar im Wesentlichen so wie er immer gewesen ist. Wahrheitsliebe, Biederkeit und männliche Unerschrockenheit waren damals wie noch jetzt den Engländern vorzugsweise eigen. Aber so allgemein verbreitet diese Eigenschaften unter der Masse des Volks sein mochten, in der Klasse, welche Wilhelm am besten kannte, waren sie nur selten zu finden. Der Maßstab der Ehre und Tugend war während seiner Regierung unter unseren Staatsmännern sehr tief gesunken. Seine Vorfahren hatten ihm einen mit allen Lastern der Restauration befleckten Hof hinterlassen, einen Hof, der von Schmarotzern wimmelte, welche bereit waren, beim ersten Umschlag des Glücks ihn zu verlassen, wie sie seinen Oheim verlassen hatten. Wohl fand sich hier und da unter dem schamlosen Haufen ein Mann von wahrer Rechtschaffenheit und echtem Gemeinsinn. Aber selbst ein solcher Mann konnte nicht lange in solcher Umgebung leben, ohne daß seine strengen Grundsätze und sein Gefühl für Recht und Unrecht in die größte Gefahr geriethen. Es war ungerecht, einen von Schmeichlern und Verräthern umgebenen Fürsten deshalb zu tadeln, daß er einige Diener in seiner Nähe behalten wollte, die er hinreichend erprobt hatte, um überzeugt zu sein, daß sie ihm bis zum Tode treu bleiben würden.
[69.] De Foe entschuldigt Wilhelm im zweiten Theile seines True Born Englishman folgendermaßen:
Wir tadeln Wilhelm, daß er hat zu viel Gefallen
An Deutschland’s, Frankreich’s, Holland’s Söhnen allen
Und selten mittheilt Großes von dem Staat
Den Männern, welche sitzen in seinem brit’schen Rath.