Burnet, Bischof von Salisbury. [Wenige] Tage nach seiner Thronbesteigung that er einen Schritt, welcher seine Gesinnungen in Bezug auf Kirchenregiment und öffentlichen Gottesdienst unverkennbar andeutete. Er fand nur einen Bischofsstuhl unbesetzt. Seth Ward, der viele Jahre hindurch das Kirchspiel von Salisbury verwaltet und sich als einer von den Begründern der Königlichen Societät ehrenvoll ausgezeichnet hatte, starb, nachdem er seine Fähigkeiten längst überlebt, während das Land durch die Wahlen für die Convention bewegt wurde, ohne zu wissen, daß große Ereignisse, von denen nicht das unwichtigste unter seinem eignen Dache stattgefunden, seine Kirche und sein Vaterland vom Untergange gerettet hatten. Die Wahl eines Nachfolgers war nicht leicht. Diese Wahl mußte unvermeidlich von der Nation als ein Prognostikon von höchster Bedeutung betrachtet werden. Außerdem mußte die Anzahl der Geistlichen, die sich während der Streitigkeiten der letzten drei Jahre durch Gelehrsamkeit, Beredtsamkeit, Muth und Rechtschaffenheit ausgezeichnet hatten, den König in Verlegenheit setzen. Burnet erhielt den Vorzug. Sein Anrecht war unzweifelhaft groß; aber Wilhelm würde gewiß eine ruhigere Regierung gehabt haben, wenn er mit der wohlverdienten Beförderung seines Kaplans noch einige Zeit gewartet und die erste hohe geistliche Würde, welche nach der Revolution durch die Krone zu vergeben war, einem der neuen Regierung ergebenen, aber dem Klerus nicht allgemein verhaßten berühmten Theologen verliehen hätte. Unglücklicherweise war Burnet’s Name der großen Mehrzahl der anglikanischen Geistlichen verhaßt. Obwohl er, dem Prinzip nach, keineswegs zur extremen Fraction der latitudinarischen Partei gehörte, so wurde er doch vom Volke als die Personifikation des Latitudinarismus betrachtet. Diese Auszeichnung verdankte er der hervorragenden Stellung, die er in der Literatur und der Politik einnahm, der Gewandtheit seiner Zunge und seiner Feder und vor Allem der Offenheit und Unerschrockenheit seines Characters, einer Offenheit, welche kein Geheimniß bewahren konnte, und einer Unerschrockenheit, die vor keiner Gefahr zurückbebte. Er hegte nur eine geringe Meinung von der Gesammtheit seiner geistlichen Brüder und mit seiner gewohnten Indiscretion ließ er sich oft verleiten, diese Meinung auszusprechen. Dafür haßten sie ihn aber auch mit einer Erbitterung, die auf ihre Nachfolger überging und noch jetzt, nach anderthalbem Jahrhundert, nicht nachzulassen scheint.

Sobald der Beschluß des Königs bekannt wurde, fragte man sich überall: Was wird der Erzbischof thun? Sancroft hatte sich von der Convention fern gehalten, er hatte sich geweigert, einen Sitz im Geheimen Rathe einzunehmen, er hatte aufgehört zu confirmiren, zu ordiniren und einzusetzen, und nur selten sah man ihn außerhalb der Mauern seines Palastes zu Lambeth. Bei jeder Gelegenheit erklärte er, daß er sich noch immer durch seinen alten Unterthaneneid gebunden erachte. Burnet betrachtete er als ein Ärgerniß für den Priesterstand, als einen Presbyterianer im Chorrock. Der Prälat, der seine Hände auf dieses unwürdige Haupt legte, würde mehr als eine große Sünde begehen. Er würde an geheiligter Stätte und vor einer großen Versammlung von Gläubigen zu gleicher Zeit einen Usurpator als König anerkennen und einem Schismatiker den Rang eines Bischofs verleihen. Eine Zeit lang erklärte Sancroft mit Bestimmtheit, er werde der Anordnung Wilhelm’s nicht Folge leisten. Lloyd von St. Asaph, der gemeinschaftliche Freund des Erzbischofs und des neuerwählten Bischofs, drang umsonst mit Bitten und Vorstellungen in ihn. Nottingham, der von allen der neuen Regierung anhängenden Laien am besten mit dem Klerus stand, bot seinen Einfluß ebenfalls auf, doch mit keinem besseren Erfolge. Die Jakobiten sagten überall, daß sie des guten alten Primas gewiß seien, daß er den Muth eines Märtyrers habe und daß er entschlossen sei, in der Sache der Monarchie und der Kirche der äußersten Strenge der Gesetze zu trotzen, mit denen die willfährigen Parlamente des 16. Jahrhunderts das königliche Supremat geschützt hatten. Er hielt sich in der That lange; im letzten Augenblicke aber sank ihm der Muth, und er sah sich nach einem Auswege um. Zum Glück ließ sich sein Gewissen eben so oft durch kindische Auskunftsmittel beruhigen, wie es durch kindische Bedenken beunruhigt wurde. Ein kindischerer Ausweg als der, zu welchem er bei dieser Gelegenheit griff, ist in allen Werken der Casuisten nicht zu finden. Er wollte nicht persönlich Theil an der Feierlichkeit nehmen; er wollte nicht öffentlich für den Prinzen und die Prinzessin als König und Königin beten; er wollte nicht ihr Mandat verlangen, die Verlesung desselben anbefehlen und dann für die Befolgung sorgen. Aber er stellte eine Vollmacht aus, welche drei seiner Suffraganen, gleichviel welche, ermächtigte, in seinem Namen und als seine Delegaten die Sünden zu begehen, die er selbst nicht begehen mochte. Die Vorwürfe aller Parteien brachten ihn bald dahin, daß er sich seiner selbst schämte. Nun versuchte er es, die Augenscheinlichkeit seines Fehlers durch Mittel zu verdecken, welche noch schimpflicher waren als der Fehler selbst. Er entfernte aus den öffentlichen Acten, die er in seiner Verwahrung hatte, das Dokument, durch welches er seine Amtsbrüder ermächtigt, anstatt seiner zu handeln, und wurde nur mit Mühe bewogen, es wieder herauszugeben.[81]

Burnet war indessen kraft dieses Dokuments zum Bischofe geweiht worden. Als er das nächste Mal Marien besuchte, erinnerte sie ihn an die Unterredungen, welche sie im Haag über die wichtigen Pflichten und die große Verantwortlichkeit der Bischöfe mit einander gepflogen hatten. „Ich hoffe,“ sagte sie, „daß Sie Ihre Ansichten praktisch ausüben werden.“ Ihre Hoffnung wurde nicht getäuscht. Was man auch von Burnet’s Meinungen in Bezug auf Civil- und Kirchenverfassung, oder von der Gesinnung und dem Urtheil denken mag, welche er bei Verfechtung dieser Meinungen an den Tag legte, auch der böswilligste Parteigeist konnte nicht zu leugnen wagen, daß er seine Heerde mit einem Eifer, einer Sorgfalt und einer Uneigennützigkeit hütete, die den reinsten Zeiten der Kirche würdig waren. Seine geistliche Oberherrschaft erstreckte sich über Wiltshire und Berkshire. Diese Grafschaften theilte er in Distrikte, die er fleißig besuchte. Jeden Sommer verwendete er etwa zwei Monate darauf, täglich von Kirche zu Kirche zu predigen, zu katechisiren und zu confirmiren. Als er starb, gab es in seinem Kirchspiele keinen Winkel, wo das Volk nicht sieben bis acht Mal Gelegenheit gehabt hatte, seine Belehrungen zu empfangen und seinen Rath zu erbitten. Das schlechteste Wetter, die grundlosesten Wege hielten ihn nicht ab, diese Pflichten zu erfüllen. Einmal als die Flüsse ausgetreten waren, setzte er sich lieber der größten Lebensgefahr aus, als daß er die Erwartung einer Landgemeinde, welche eine Predigt von dem Bischof zu hören hoffte, getäuscht hätte. Die Armuth der niederen Geistlichkeit war fortwährend ein Gegenstand der Besorgniß für sein menschenfreundliches und edles Herz. Er war unermüdlich und zuletzt glücklich in seinen Bemühungen, ihnen von Seiten der Krone die unter dem Namen „Königin Anna’s Schenkung“ bekannte Unterstützung zu verschaffen.[82] Wenn er durch seine Diöcese reiste, war er ganz besonders darauf bedacht, ihnen nicht zur Last zu fallen. Anstatt sich von ihnen bewirthen zu lassen, bewirthete er sie. Er nahm sein Hauptquartier stets in einem Marktflecken, hielt daselbst offene Tafel und bemühte sich, durch seine schlichte Gastfreundschaft und liebevolle Freigebigkeit die Herzen Derer zu gewinnen, welche gegen seine Lehren eingenommen waren. Wenn er eine dürftig besoldete Pfarrstelle vergab, und er hatte deren viele zu vergeben, pflegte er dem Einkommen aus seiner eigenen Tasche zwanzig Pfund jährlich zuzulegen. Zehn vielversprechende junge Leute, deren jedem er dreißig Pfund jährlich aussetzte, studirten unter seinen Augen in Salisbury Theologie. Obwohl er mehrere Kinder hatte, hielt er sich doch nicht für berechtigt, Schätze für sie zu sammeln. Ihre Mutter hatte ihm ein anständiges Vermögen zugebracht; mit diesem Vermögen, sagte er immer, müßten sie sich begnügen. Er könne sich nicht um ihretwillen der Sünde schuldig machen, aus Einkünften, welche der Christenliebe und Wohlthätigkeit geweiht seien, ein Vermögen zu sammeln. Solche Tugenden werden in den Augen vernünftiger und vorurtheilsfreier Menschen gewiß vollkommenen Ersatz für jeden Fehler bieten, der ihm mit Grund zur Last gelegt werden kann.[83]

[81.] Burnet II. 8.; Birch’s Life of Tillotson; Life of Kettlewell, part III. section 62.

[82.] Swift, der unter dem Namen Gregor Misosarum schrieb, sagt boshafter und ehrloser Weise von Burnet, er habe der Kirche diese Schenkung nicht gegönnt. Es kann Swift nicht unbekannt gewesen sein, daß die Kirche diese Schenkung hauptsächlich Burnet’s beharrlicher Fürsprache verdankte.

[83.] Siehe die Biographie Burnet’s am Schlusse des zweiten Bandes seiner Geschichte, seine handschriftlichen Memoiren, Harl. 6584., seine Denkschriften über die Erstlinge und Zehnten, und Somers’ Briefe an ihn über diesen Gegenstand. Auch vergleiche man was Dr. King, obwohl Jakobit, so gerecht war in seinen Anecdotes zu sagen. Ein höchst ehrenvolles Zeugniß für Burnet’s Tugenden, von einem andren Jakobiten, der ihn heftig angegriffen, und gegen den er sich äußerst großmüthig gezeigt hatte, von dem gelehrten und freimüthigen Thomas Baker, findet man im Gentleman’s Magazine für August und September 1791.

Nottingham’s Pläne in Bezug auf die kirchliche Verfassung. [Als] er seinen Sitz im Hause der Lords einnahm, fand er diese Versammlung mit der Berathung kirchlicher Gesetze beschäftigt. Ein Staatsmann, der als treuer Anhänger der Landeskirche bekannt war, hatte es unternommen, die Sache der Dissenters zu vertheidigen. Kein Unterthan im ganzen Reiche nahm mit Bezug auf die religiösen Parteien eine so wichtige und gebietende Stellung ein als Nottingham. Mit dem Einflusse, welchen Rang, Reichthum und amtliche Würde verleihen, verband er den noch höheren Einfluß der wissenschaftlichen Bildung, der Beredtsamkeit und der Rechtschaffenheit. Sein orthodoxer Glaube, die Regelmäßigkeit seiner Andachtsübungen und die Reinheit seiner Sitten gaben seinen Ansichten über Fragen, welche die Interessen des Christenthums berührten, ein besonderes Gewicht. Von allen Ministern des neuen Herrscherpaares genoß er am meisten das Vertrauen der Geistlichkeit. Shrewsbury war sicherlich ein Whig und wahrscheinlich ein Freidenker, denn er hatte eine Religion verloren, und es war nicht deutlich zu erkennen, ob er eine andre gefunden. Halifax war seit vielen Jahren des Skepticismus, Deismus und Atheismus beschuldigt worden. Danby’s Anhänglichkeit an das Episkopat und die Liturgie war mehr politischer als religiöser Natur. Nottingham aber war ein Sohn, den die Landeskirche mit Stolz den Ihrigen nannte. In Folge dessen konnten Vorschläge, die, wenn sie von seinen Collegen ausgegangen wären, unfehlbar einen panischen Schrecken unter der Geistlichkeit hervorgerufen haben würden, wenn er sie machte, eine günstige Aufnahme selbst bei den Universitäten und Kapiteln finden. Die Freunde der religiösen Freiheit sehnten sich mit gutem Grunde nach seiner Mitwirkung, und er war auch, bis zu einem gewissen Punkte, nicht abgeneigt, Hand in Hand mit ihnen zu gehen. Er war entschieden für eine Toleranz; er war sogar für eine Comprehension, wie man es damals nannte, das heißt er wünschte einige Abänderungen in dem anglikanischen Kirchenregiment und Ritual vorzunehmen, um dadurch die Bedenken der gemäßigten Presbyterianer zu heben. Aber die Testacte wollte er nicht aufgeben. Der einzige Fehler, den er an dieser Acte fand, war, daß sie nicht nachdrücklich genug sei und Schlupfwege offen lasse, durch die sich Schismatiker zuweilen in bürgerliche Ämter einschlichen. In der That war er gerade deshalb geneigt, in einige Abänderungen in der Liturgie zu willigen, weil er keine Lust hatte, sich von der Testacte zu trennen. Er meinte, wenn der Eingang in die Staatskirche nur ein klein wenig erweitert werde, würden sehr viele Leute, welche bis dahin zaudernd auf der Schwelle gestanden, sich hereindrängen. Diejenigen, welche dann noch draußen blieben, würden nicht zahlreich oder mächtig genug sein, um ein weiteres Zugeständniß erzwingen zu können, und würden sich gern mit einer bloßen Toleranz abfinden lassen.[84]

Die Ansicht der Niederkirchlichen bezüglich der Testacte war von der seinigen durchaus verschieden. Vielen von ihnen aber schien es von höchster Wichtigkeit, seine Unterstützung bei den großen Fragen der Toleranz und der Comprehension zu erlangen. Aus den zerstreuten fragmentarischen Mittheilungen, welche auf uns gekommen sind, geht hervor, daß ein Vergleich zu Stande kam. Es ist gewiß, daß Nottingham es auf sich nahm, eine Toleranzbill und eine Comprehensionsbill einzubringen und sich nach besten Kräften zu bemühen, daß beide Bills im Hause der Lords angenommen würden. Und sehr wahrscheinlich ist es, daß einige von den leitenden Whigs in Anerkennung dieses großen Dienstes einwilligten, die Testacte vor der Hand unverändert fortbestehen zu lassen.

Die Abfassung der Toleranzbill sowohl als der Comprehensionsbill hatte keine Schwierigkeiten. Vor neun oder zehn Jahren, als das Königreich von Angst vor einem papistischen Complot erfüllt und die Protestanten allgemein geneigt waren, sich gegen den gemeinsamen Feind zu verbinden, war die Lage der Dissenters vielfach discutirt worden. Die Regierung war damals bereit gewesen, der Whigpartei umfassende Zugeständnisse zu machen, unter der Bedingung, daß die Krone nach dem regelmäßigen Gange forterben dürfe. Zwei Gesetzentwürfe, von denen der eine den öffentlichen Gottesdienst der Nonconformisten gestattete, der andre einige Abänderungen in dem öffentlichen Gottesdienste der Staatskirche traf, waren vorbereitet worden und würden wahrscheinlich von beiden Häusern ohne Schwierigkeit angenommen worden sein, hätten nicht Shaftesbury und seine Coadjutoren sich geweigert, auf irgendwelche Bedingungen zu hören, und sich, indem sie nach Unerreichbarem die Hand ausstreckten, Vortheile entgehen lassen, welche leicht zu erlangen gewesen wären. An der Abfassung dieser Gesetzentwürfe hatte Nottingham, damals ein thätiges Mitglied des Hauses der Gemeinen, einen starken Antheil gehabt. Jetzt zog er sie aus dem Dunkel hervor, in welchem sie seit der Auflösung des Oxforder Parlaments geblieben waren, und legte sie mit einigen unbedeutenden Abänderungen auf den Tisch der Lords.[85]

[84.] Oldmixon möchte uns glauben machen, daß Nottingham damals nicht abgeneigt gewesen sei, die Testacte aufzugeben. Aber Oldmixon’s Behauptung, welche durch keine Beweise unterstützt wird, ist von gar keinem Gewicht, und alle Zeugnisse, die er anführt, sprechen gegen seine Behauptung.