[89.] Unter den Tanner’schen Manuscripten in der Bodlejanischen Bibliothek befindet sich ein höchst interessanter Brief von Compton an Sancroft über die Toleranzbill und die Comprehensionsbill. „Dies,“ sagt Compton, „sind zwei wichtige Werke, bei denen die Existenz unsrer Kirche interessirt ist, und ich hoffe, Sie werden sich aus dem Parlamente Exemplare davon holen lassen. Denn obgleich wir unter einer Eroberung stehen, hat Gott uns doch Gnade geschenkt vor den Augen unserer Herrscher, und wir können unsre Kirche aufrecht halten, wenn wir wollen.“ Sancroft scheint nicht darauf geantwortet zu haben.

[90.] Die Abneigung der Hochkirchlichen gegen die Artikel ist Gegenstand einer interessanten Flugschrift, welche 1689 unter dem Titel erschien: A Dialogue between Timothy and Titus.

[91.] Tom Brown sagt in seiner derb komischen Manier von den damaligen presbyterianischen Geistlichen, ihr Predigen „bringe Geld ein, mit Geld kaufe man Grundbesitz und Grundbesitz sei ein Genuß, nach dem jedem von ihnen gelüste, trotz ihres scheinheiligen Gewinsels. Wären die Quartalbeiträge nicht, so würde es kein Schisma und keine Separation mehr geben.“ Er fragt, wie es denkbar sei, daß sie, „wenn sie sich während der Spaltung wie Gentlemen ständen, jemals Lehren predigen würden, welche den Bruch heilen könnten?“ — Brown’s Amusements, Serious and Comical. — Einige interessante Beispiele von dem Einflusse, den die vornehmsten Dissentergeistlichen ausübten, finden sich in Hawkins’ Life of Johnson. In dem „Tagebuche eines Bürgers, der sich zur Ruhe gesetzt hat“ (Spectator 317.) erlaubt sich Addison einige sehr gute Witze über den Gegenstand. Der Mr. Nisby, dessen Ansichten über den Frieden, den Großvezier und den gezuckerten Kaffee mit so großem Respect angeführt werden, und der so freigebig mit Marksknochen, Ochsenfleisch und einer Flasche von Brooks & Hellier regalirt wird, ist John Nesbit, ein sehr beliebter Prediger, der zur Zeit der Revolution Pastor einer Dissentergemeinde in Hare Court, Aldergate Street, wurde. In Wilson’s History and Antiquities of Dissenting Churches and Meeting Houses in London, Westminster and Southwark findet man mehrere Beispiele von nonconformistischen Predigern angeführt, welche um diese Zeit zu hübschem Vermögen gelangten, meist durch Heirathen, wie es scheint.

Bill zur Festsetzung der Huldigungs- und Suprematseide. [Die] seitherigen Huldigungs- und Suprematseide enthielten einige Ausdrücke, welche den Whigs stets mißfallen hatten, und wieder andere, welche Tories, die der neuen Ordnung der Dinge aufrichtig zugethan waren, für unanwendbar auf Fürsten hielten, welche das erbliche Recht nicht besaßen. Die Convention hatte daher, als der Thron noch erledigt war, die Huldigungs- und Suprematseide entworfen, durch die wir noch heute unsrem Souverain unsre Loyalität bezeugen. Durch die Acte, welche die Convention in ein Parlament verwandelte, wurde den Mitgliedern beider Häuser vorgeschrieben, die neuen Eide zu leisten. Bezüglich der anderen öffentlichen Beamten war es schwer zu sagen, wie das Gesetz stand. Die eine Wortformel war durch ordnungmäßig angenommene und noch nicht ordnungmäßig aufgehobene Gesetze vorgeschrieben. Eine andre Formel war durch die Rechtserklärung vorgeschrieben, ein Instrument, das zwar revolutionär und regelwidrig war, das aber wohl als jedem andren Gesetze an Autorität gleichstehend angesehen werden konnte. Die Praxis war in eben so großer Verwirrung als das Gesetz. Es wurde daher als nothwendig erkannt, daß die Legislatur unverzüglich eine Acte erließe, welche die alten Eide abschaffte und zugleich bestimmte, wann und von wem die neuen Eide geleistet werden sollten.

Die Bill, welche diese wichtige Frage erledigte, ging vom Oberhause aus. Die meisten Bestimmungen boten der Meinungsverschiedenheit wenig Spielraum. Man war allgemein darüber einverstanden, daß in Zukunft Niemand ein bürgerliches, militärisches, geistliches oder akademisches Amt erhalten solle, der nicht Wilhelm und Marien die Eide geleistet habe. Eben so allgemein war man damit einverstanden, daß Jeder, der bereits ein bürgerliches oder militärisches Amt bekleidete, aus demselben entfernt werden sollte, wenn er nicht an oder vor dem 1. August 1689 die Eide leistete. Die heftigsten Leidenschaften beider Parteien aber wurden durch die Frage erregt, ob Personen, welche bereits kirchliche oder akademische Ämter inne hatten, gehalten sein sollten, dem Könige und der Königin, bei Strafe der Absetzung, Treue zu schwören. Niemand konnte sagen, welchen Eindruck ein Gesetz machen würde, das allen Mitgliedern eines großen, mächtigen und geheiligten Standes vorschrieb, unter der feierlichsten religiösen Bekräftigung eine Erklärung abzugeben, welche als ein förmlicher Widerruf alles dessen was sie seit vielen Jahren geschrieben und gepredigt hatten, angesehen werden konnte. Der Primas und einige der angesehensten Bischöfe waren schon aus dem Parlamente weggeblieben und ließen ohne Zweifel eher ihre Paläste und Einkünfte im Stiche, als daß sie die neuen Souveraine anerkannten. Dem Beispiele dieser hohen Prälaten folgten vielleicht eine Menge Geistlicher niederen Ranges, Hunderte von Canonici, Präbendarien und Collegiaten und Tausende von Pfarrern. Einem solchen Ereignisse konnte kein Tory, mochte er auch mit sich selbst völlig im Klaren darüber sein, daß er dem factischen Könige rechtmäßigerweise den Huldigungseid leisten könne, ohne die schmerzlichsten Regungen von Theilnahme für die Dulder und von Besorgniß für die Kirche entgegensehen.

Einige Personen gingen so weit zu leugnen, daß ein Parlament überhaupt befugt sei, ein Gesetz zu erlassen, welches einem Bischofe bei Strafe der Absetzung vorschreibe, den Eid zu leisten. Keine irdische Macht, sagten sie, könne das Band zerreißen, das den Nachfolger der Apostel an seine Diöcese knüpfe. Was Gott zusammengefügt habe, könne der Mensch nicht trennen. Könige und Senate könnten Worte auf Pergament kritzeln und Figuren in Wachs drücken; aber diese Worte und Figuren könnten den Lauf der geistlichen Welt so wenig ändern wie den Lauf der physischen Welt. Wie der Schöpfer des Weltalls eine gewisse Ordnung festgesetzt habe, nach welcher es ihm gefalle, Winter und Sommer, Saat- und Erntezeit zu senden, eben so habe er eine gewisse Ordnung festgesetzt, nach der er seiner katholischen Kirche seine Gnade zu Theil werden lasse, und die letztere Ordnung sei, wie die erstere, unabhängig von den Gewalthabern und Fürsten der Welt. Eine Legislatur könne die Namen der Monate ändern, könne den Juni December und den December Juni nennen, aber trotz aller Legislatur werde Schnee fallen, wenn die Sonne im Steinbock, und Blumen blühen, wenn sie im Krebs stände. Eben so könne die Legislatur befehlen, daß Ferguson oder Muggleton im Palaste zu Lambeth wohnen, auf dem Throne Augustin’s sitzen, Euer Gnaden genannt werden und bei Prozessionen vor dem ersten Herzoge gehen solle, trotz der Legislatur aber werde Sancroft, so lange er lebe, der einzig wahre Erzbischof von Canterbury, und Derjenige, der sich die erzbischöflichen Functionen anzumaßen wage, ein Schismatiker sein. Diese Doctrin wurde mit Gründen bewiesen, welche dem Knospen des Machtkrauts und einer gewissen Platte entlehnt waren, die Jakob der Kleine nach einer Legende des 4. Jahrhunderts auf der Stirn zu tragen pflegte. Ein von der Absetzung der Bischöfe handelndes Manuscript wurde um diese Zeit in der Bodlejanischen Bibliothek entdeckt und Gegenstand einer heftigen Polemik. Die eine Partei meinte, Gott habe dieses kostbare Werk wunderbarerweise an’s Licht gezogen, um seine Kirche in einem äußerst kritischen Augenblicke zu leiten. Die andre Partei wunderte sich, wie man dem Unsinne eines namenlosen Scribenten des 13. Jahrhunderts die geringste Wichtigkeit beilegen könne. Es wurde viel geschrieben über die Absetzungen des Chrisostomus und des Photius, des Nikolaus Mysticus und des Cosmas Atticus. Mit besonderem Eifer aber wurde der Fall des Abjathar discutirt, den Salomo wegen Verraths aus dem Priesteramte entfernte. Keine geringe Quantität Gelehrsamkeit und Scharfsinn wurde auf den Versuch verwendet, zu beweisen, daß Abjathar, obgleich er den Leibrock trug und nach dem Urim antwortete, nicht wirklich Hoherpriester gewesen sei, daß er nur dann fungirt habe, wenn sein Vorgesetzter Zadoc durch Krankheit oder durch eine ceremonielle Entweihung abgehalten worden sei und daß daher die Handlung Salomo’s kein Präcedenzfall sei, der dem Könige Wilhelm das Recht gebe, einen wirklichen Bischof abzusetzen.[92]

Doch eine solche Argumentation, obwohl durch zahlreiche Citate aus der Mischna und aus Maimonides unterstützt, war im allgemeinen selbst eifrigen Kirchenmännern nicht genügend. Denn sie ließ eine kurze, aber einem einfachen Manne, der von griechischen Vätern und levitischen Genealogien nichts wußte, vollkommen verständliche Antwort zu. Ob König Salomo einen Hohenpriester abgesetzt habe, darüber konnte noch ein Zweifel obwalten; aber es unterlag nicht dem geringsten Zweifel, daß die Königin Elisabeth mehr als die Hälfte der Bischöfe England’s ihrer Bisthümer beraubt hatte. Es war notorisch, daß vierzehn Prälaten ohne irgend welche Procedur bei einem geistlichen Gerichtshofe durch eine Parlamentsacte abgesetzt worden waren, weil sie das Supremat der Königin nicht hatten anerkennen wollen. Waren diese Absetzungen null und nichtig gewesen? War Bonner bis an sein Lebensende der einzig wahre Bischof von London geblieben? War sein Nachfolger ein Usurpator gewesen? Waren Parker und Jewel Schismatiker gewesen? Hatte sich die Convocation von 1562, welche die Doctrin der englischen Staatskirche endgültig festgestellt, selbst außer dem Schooße der Kirche Christi befunden? Es konnte nichts Lächerlicheres geben als die Verlegenheit der Polemiker, welche eine Vertheidigung Elisabeth’s auffinden sollten, die nicht auch eine Vertheidigung Wilhelm’s war. Einige Zeloten gaben allerdings den eitlen Versuch auf, zwischen zwei Fällen einen Unterschied zu machen, zwischen denen, wie der einfachste Verstand einsah, kein Unterschied war, und gestanden offen zu, daß die Absetzungen von 1559 nicht zu rechtfertigen seien. Doch, sagte man, solle sich darüber Niemand beunruhigen, denn wenn auch die englische Kirche einmal schismatisch gewesen sei, so sei sie doch wieder katholisch geworden, als die von Elisabeth abgesetzten Bischöfe aufgehört hätten zu leben.[93] Die Tories waren indessen nicht allgemein geneigt zuzugeben, daß die Religionsgesellschaft, an der sie mit Liebe hingen, aus einem ungesetzlichen Bruche der Einheit entstanden sei. Sie faßten daher tieferen und haltbareren Grund. Sie behandelten die Frage als eine Frage der Humanität und Zeitgemäßheit. Sie sprachen viel von dem Danke, den die Nation dem Priesterstande schuldig sei, von dem Muthe und der Treue, womit dieser Stand, vom Primas bis herab zum jüngsten Diakonus, neuerdings die bürgerliche und kirchliche Verfassung des Reichs vertheidigt habe, von dem denkwürdigen Sonntage, an welchem in allen hundert Kirchen der Hauptstadt kaum ein Sklave zu finden gewesen war, der die Indulgenzerklärung verlesen hätte; von dem schwarzen Freitage, an welchem die Barke der sieben Prälaten unter den Segenswünschen und dem lauten Schluchzen einer zahlreichen Volksmenge durch das Wasserthor des Tower einfuhr. Die Festigkeit, mit der die Geistlichkeit, trotz aller Drohungen und Versuchungen, unlängst gethan habe, was sie ihrer Überzeugung nach für Recht gehalten, habe die Freiheit und die Religion England’s gerettet. Müsse man nicht Nachsicht gegen sie üben, wenn sie sich jetzt weigerten etwas zu thun, wovon sie ihrer festen Überzeugung nach fürchteten, daß es Unrecht sei? Und was ist für Gefahr dabei, sagte man, wenn sie nachsichtig behandelt werden? Kein Mensch wird so albern sein vorzuschlagen, daß man ihnen gestatten solle, gegen die Regierung zu complottiren oder das Volk aufzuwiegeln. Sie stehen unter dem Gesetze wie andere Leute. Machen sie sich des Verraths schuldig, so hänge man sie auf. Machen sie sich der Empörung schuldig, so lege man ihnen Geldbußen und Gefängnißstrafe auf. Unterlassen sie bei ihrem öffentlichen Gottesdienste für den König Wilhelm, für die Königin Marie und für das unter diesen allerreligiösesten Souverainen versammelte Parlament zu beten, so bringe man die Strafbestimmungen der Uniformitätsacte in Anwendung. Genügt das noch nicht, so ermächtige man Se. Majestät, von irgend einem Geistlichen die Eide zu verlangen, und werden die Eide verweigert, so möge Absetzung erfolgen. Auf diese Weise kann jeder eidverweigernde Bischof oder Pfarrer, der zwar gesetzlich nicht zu überführen ist, doch aber in dem Verdachte steht, gegen die bestehende Ordnung der Dinge zu intriguiren, zu schreiben und zu sprechen, sofort seines Amtes entsetzt werden. Warum aber darauf bestehen, einen frommen und fleißigen Diener der Religion zu vertreiben, der gegen die Regierung nie einen Finger erhebt oder ein Wort ausspricht und der bei jedem Morgen- und Abendgottesdienste aus vollem Herzen um einen Segen für die von der Vorsehung über ihn gesetzten Regenten fleht, der aber einen Eid nicht leisten will, durch welchen er dem Volke das Recht zuzugestehen glaubt, einen Souverain abzusetzen? Wir thun gewiß Alles was nothwendig ist, wenn wir Leute dieser Art der Gnade des Fürsten preisgeben, dem sie Treue zu schwören sich weigern. Ist er geneigt, sich ihre Scrupel gefallen zu lassen, will er sie, trotz ihrer Vorurtheile, als unschuldige und nützliche Mitglieder der Gesellschaft betrachten, wer hat ein Recht, sich darüber zu beklagen?

Die Whigs stritten heftig für die entgegengesetzte Ansicht. Sie analysierten mit einem durch Haß noch erhöhten Scharfsinn die Ansprüche der Geistlichkeit auf die öffentliche Dankbarkeit und gingen mitunter so weit, es gänzlich in Abrede zu stellen, daß der Stand sich im vorhergehenden Jahre um die Nation verdient gemacht habe. Es sei wohl wahr, daß Bischöfe und Priester gegen die Tyrannei des vorigen Königs aufgestanden seien, aber eben so wahr sei es, daß er, hätten sie sich nicht so hartnäckig der Ausschließungsbill widersetzt, niemals König geworden wäre und daß er, ohne ihre Schmeichelei und ihre Lehre vom passiven Gehorsam, es nie gewagt haben würde, sich solcher Tyrannei schuldig zu machen. Ihre Hauptthätigkeit habe seit einem Vierteljahrhundert darin bestanden, das Volk kriechen und den Fürsten dominiren zu lehren. Sie hätten das Blut Russel’s, Sidney’s und jedes muthigen, rechtschaffenen Engländers auf ihrem Gewissen, der hingeschlachtet worden sei, weil er das Land vom Papismus und Despotismus zu befreien versucht habe. Nie hätten sie einen Laut gegen Willkürherrschaft vernehmen lassen, bis die Willkürherrschaft sie selbst in ihrem Eigenthum und ihrer amtlichen Stellung zu bedrohen angefangen habe. Dann hätten sie freilich ihre alten Gemeinplätze von Unterwerfung unter Nero vergessen und nicht gesäumt, sich zu retten. Zugegeben, sagten diese eifrigen Disputanten, daß sie, indem sich selbst retteten, auch die Verfassung retteten. Sollen wir deshalb vergessen, daß sie sie vorher gefährdet hatten? und sollen wir sie dafür belohnen, indem wir ihnen jetzt gestatten, sie zu vernichten? Wir haben hier eine Klasse von Leuten vor uns, die mit dem Staate eng verwachsen ist. Ein großer Theil der Bodenerzeugnisse ist ihnen zu ihrem Unterhalte angewiesen. Ihre Oberhäupter haben Sitze in der gesetzgebenden Versammlung, große Landgüter und prächtige Paläste. Durch diesen privilegirten Stand wird die große Masse des Volks allwöchentlich vom Sitze der Autorität herab belehrt. Diesem privilegirten Stande ist die oberste Leitung der liberalen Erziehung übertragen. Oxford und Cambridge, Westminster, Winchester und Eton stehen unter priesterlicher Direction. Die Priesterschaft wird in bedeutendem Umfange den Character des hohen Adels und der Gentry der nächsten Generation bilden. Einige Mitglieder der höheren Geistlichkeit haben zahlreiche und einträgliche Pfründen zu vergeben. Andere haben das Privilegium, Richter zu ernennen, welche hochwichtige, die Freiheit, das Eigenthum und den Ruf der Unterthanen Ihrer Majestäten berührende Fragen entscheiden. Und ein vom Staate so begünstigter Stand soll dem Staate keine Bürgschaft geben? Nach welchem Prinzipe kann behauptet werden, daß es unnöthig sei, von einem Erzbischof von Canterbury oder einem Bischof von Durham das Gelöbniß der Treue gegen die Regierung zu verlangen, das nach Aller Überzeugung von jedem Laien verlangt werden muß, der der Krone in der bescheidensten amtlichen Stellung dient? Jeder Acciseinnehmer, jeder Zollbeamte, der den Eid verweigert, soll seines Brodes beraubt werden. Für diese geringen Märtyrer des passiven Gehorsams und des erblichen Rechts hat Niemand ein Wort. Ein geistlicher Magnat aber, der sich weigert zu schwören, soll Einkünfte, Patronat und Macht behalten dürfen, welche denen eines hohen Staatsbeamten gleichkommen. Man sagt es sei überflüssig, von einem Geistlichen die Eide zu verlangen, weil er bestraft werden könne, wenn er die Gesetze übertrete. Warum wendet man das nämliche Argument nicht auch zu Gunsten der Laien an? Und warum trägt der Geistliche Bedenken, die Eide zu leisten, wenn es sein ernster Wille ist, die Gesetze zu beobachten? Das Gesetz schreibt ihm vor, Wilhelm und Marien als König und Königin zu bezeichnen, dies an der heiligsten Stätte und bei Ausübung des feierlichsten aller religiösen Gebräuche zu thun. Das Gesetz verlangt von ihm zu beten, daß eine besondere Vorsehung über dem erlauchten Paare walte, daß es jeden Feind besiegen und daß sein Parlament durch Gottes Hand dahin geleitet werden möge, diejenigen Maßregeln anzuordnen, welche seine Sicherheit, seine Ehre und sein Wohlergehen fördern können. Können wir glauben, daß sein Gewissen ihm gestatte, dies Alles zu thun, nicht aber zu versprechen, daß er ein treuer Unterthan des Herrscherpaares sein wolle?

Auf den Vorschlag, daß die eidverweigernden Geistlichen der Gnade des Königs preisgegeben werden sollten, erwiederten die Whigs mit einigem Rechte, daß kein gegen Se. Majestät ungerechterer Plan ersonnen werden könne. Die Angelegenheit, sagten sie, ist von nationaler Bedeutung, es ist eine Angelegenheit, an der jeder Engländer, der nicht der Sklave Frankreich’s und Rom’s sein will, das größte Interesse hat. In einem solchen Falle ist es der Stände des Reichs unwürdig, vor der Verantwortlichkeit, für das Gemeinwohl zu sorgen, zurückzuschrecken, sich selbst womöglich das Lob der Nachsicht und Liberalität zu verschaffen und dem Souverain das gehässige Werk der Proscription zu überlassen. Ein Gesetz, das von allen öffentlichen Beamten, bürgerlichen, wie militärischen und kirchlichen, ohne Unterschied der Person, die Eide verlangt, ist wenigstens unparteiisch. Es schließt jeden Verdacht der Parteilichkeit, des persönlichen Hasses, der geheimen Espionage und Ohrenbläserei aus. Wenn aber der Regierung ein willkürliches Schalten zugestanden wird, wenn der eine eidverweigernde Priester eine einträgliche Pfründe behalten darf, während man einen andren mit Weib und Kindern auf die Straße setzt, so wird jede Absetzung als ein Act der Grausamkeit betrachtet und dem Souverain und dessen Ministern als ein Verbrechen angerechnet werden.[94]

So hatte das Parlament in einem und dem nämlichen Augenblicke zu entscheiden, welche Quantität von Erleichterung dem Gewissen der Dissenters gewährt und welche Quantität von Zwang dem Gewissen des Klerus der Landeskirche auferlegt werden sollte. Der König hoffte, daß es in seiner Macht stehen werde, einen allen Parteien angenehmen Vergleich zu Stande zu bringen. Er schmeichelte sich, daß die Tories bewogen werden könnten, den Dissenters ein Zugeständniß zu machen, unter der Bedingung, daß die Whigs mild gegen die Jakobiten verführen. Er beschloß, die Wirkung seiner persönlichen Intervention zu versuchen. Der Zufall wollte, daß er wenige Stunden, nachdem die Lords die Comprehensionsbill zum zweiten Male und die Bill wegen der Eide zum ersten Male verlesen hatten, Gelegenheit hatte, sich ins Parlament zu verfügen, um zu einem Gesetze seine Zustimmung zu geben. Er sprach vom Throne herab zu beiden Häusern und äußerte den ernstlichen Wunsch, daß sie einwilligen möchten, die bestehenden Gesetze dergestalt zu modificiren, daß die öffentlichen Ämter allen Protestanten zugänglich würden.[95] Man wußte wohl, daß er, wenn die Legislatur seinem Verlangen willfahrte, Geistliche, welche bereits Pfründen besaßen, im Genusse derselben zu lassen gedachte, ohne daß sie ihm den Huldigungseid leisteten. Sein Verfahren bei dieser Gelegenheit verdient unzweifelhaft das Lob der Uneigennützigkeit. Es gereicht ihm zur Ehre, daß er seinen Unterthanen Gewissensfreiheit zu erkaufen suchte, indem er ein Bollwerk seiner eignen Krone aufgab. Aber man muß gestehen, daß er weniger Klugheit als Tugendhaftigkeit bewies. Wenn Burnet gut unterrichtet war, so war Richard Hampden der einzige Engländer seines Geheimraths,[96] den er befragte, und Richard Hampden war, obgleich ein höchst ehrenwerther Mann, doch so weit davon entfernt, für die Whigpartei stehen zu können, daß er nicht einmal für seinen eignen Sohn Johann bürgen konnte, dessen von Haus aus rachsüchtiger Character durch den Stachel der Reue und Scham bis zum Ingrimm aufgereizt worden war. Der König überzeugte sich bald, daß die beiden Parteien einander mit einer Energie haßten, die ihrer Liebe fehlte. Die Whigs waren zwar fast einhellig der Meinung, daß der Sakramentstest abgeschafft werden müsse, sie waren aber keineswegs darin einig, daß der Augenblick dazu gut gewählt sei, und selbst diejenigen Whigs, welche am sehnlichsten wünschten, die Nonconformisten unverzüglich von der Nichtbefähigung zu bürgerlichen Ämtern entbunden zu sehen, waren fest entschlossen, sich die Gelegenheit zur Demüthigung und Bestrafung der Klasse nicht entgehen zu lassen, deren Mitwirkung hauptsächlich der furchtbare Umschwung der öffentlichen Stimmung zuzuschreiben war, der auf die Auflösung des Oxforder Parlaments folgte. Die Jane, die South, die Sherlock in die Lage zu versetzen, daß sie entweder verhungern oder öffentlich und mit dem Evangelium auf den Lippen alle prahlerischen Erklärungen vieler Jahre widerrufen mußten: das war eine zu köstliche Rache, als daß man sie sich hätte entgehen lassen können. Der Tory dagegen achtete und bemitleidete aufrichtig diejenigen Geistlichen, die sich wegen der Eide Gewissensscrupel machten. Der Test aber war seiner Ansicht nach für die Sicherheit der herrschenden Religion wesentlich nothwendig und durfte nicht aufgegeben werden zu dem Zwecke, einen wenn auch noch so ausgezeichneten Mann von einem wenn auch noch so schweren Ungemach zu befreien. Es würde allerdings ein schmerzlicher Tag für die Kirche sein, wenn die Bischofsbank, die Kapitelhäuser der Kathedralen und die Hallen der Collegien einige durch ihre Frömmigkeit und Gelehrsamkeit berühmte Männer vermißten. Aber ein noch viel schmerzlicherer Tag würde es für die Kirche sein, wenn ein Independent den weißen Stab trüge, oder ein Baptist auf dem Wollsack säße. Jede Partei suchte Denen zu dienen, für die sie sich interessirte, aber keine von beiden wollte ihren Feinden günstige Bedingungen zugestehen. Die Folge davon war daß die Nonconformisten vom Staatsdienste ausgeschlossen blieben und die Eidverweigerer von den kirchlichen Ämtern vertrieben wurden.