Enniskillen. [Enniskillen,] obwohl die Hauptstadt der Grafschaft Fermanagh, war damals ein bloßes Dorf. Es war auf einer Insel des Flusses erbaut, welcher die unter dem gemeinschaftlichen Namen des Ernesees bekannten zwei schönen Wasserbecken mit einander verbindet. Der Strom und beide Seen waren auf allen Seiten von natürlichen Wäldern umgeben. Enniskillen bestand aus etwa achtzig Wohnhäusern, in deren Mitte sich ein altes Schloß erhob. Die Einwohner waren fast ohne Ausnahme Protestanten und stolz darauf, daß ihre Stadt während der furchtbaren Revolution, welche 1641 ausbrach, der protestantischen Sache treu geblieben. Anfangs December erhielten sie von Dublin die Anzeige, daß zwei Compagnien papistischer Infanterie demnächst bei ihnen ins Quartier gelegt werden würden. Die kleine Gemeinde war in der größten Bestürzung, um so mehr als man erfuhr, daß ein Predigermönch sich bemüht hatte, die irische Bevölkerung der Umgegend wider die Ketzer aufzureizen. Man faßte den kühnen Entschluß, die Truppen nicht einzulassen, mochte es kommen wie es wollte. Die Vertheidigungsmittel waren indessen sehr spärlich. Nicht zehn Pfund Pulver, nicht zwanzig brauchbare Schießgewehre konnten innerhalb der Festung aufgetrieben werden. Es wurden deshalb Boten mit dringenden Schreiben ausgesandt, welche die protestantische Gentry der Nachbarschaft aufforderten, zur Unterstützung herbeizueilen, und dem Aufrufe ward mit hochherziger Bereitwilligkeit Folge geleistet. Binnen wenigen Stunden hatten sich zweihundert Bewaffnete zu Fuß und hundertfunfzig Reiter versammelt. Tyrconnel’s Soldaten waren schon im Anzuge. Sie führten einen beträchtlichen Vorrath von Waffen mit sich, welche unter das Landvolk vertheilt wurden. Die Bauern begrüßten das königliche Banner mit Jubel und schlossen sich in großer Anzahl dem Zuge an. Anstatt den Angriff zu erwarten, kamen die Bürger mit ihren Verbündeten muthig heraus und stellten sich den Eindringenden entgegen. Die Offiziere Jakob’s hatten keinen Widerstand erwartet, und sie waren daher nicht wenig erstaunt, als sie eine Colonne Fußvolk, von einem starken Corps berittener Gentlemen und Freisassen flankirt, auf sich anrücken sahen. Die Bauern liefen entsetzt davon und die Soldaten traten den Rückzug so eilig an, daß er eine Flucht genannt werden konnte. Erst in Cavan, dreißig Meilen davon, machten sie wieder Halt.[15]
Durch diesen leichten Sieg kühn gemacht, trafen die Protestanten Anordnungen zur Regierung und Vertheidigung von Enniskillen und der umliegenden Ortschaften. Gustav Hamilton, ein Gentleman, der in der Armee gedient, dem aber Tyrconnel unlängst sein Offizierspatent entzogen hatte, und der seitdem auf einem Gute in Fermanagh lebte, wurde zum Gouverneur ernannt und nahm seine Residenz im Schlosse. Zuverlässige Männer wurden in aller Eil angeworben und bewaffnet. Da es an Schwertern und Piken fehlte, mußten die Schmiede improvisirte Waffen anfertigen, bestehend aus Sensenklingen, welche an Stangen befestigt wurden. Sämmtliche Landhäuser rings um den Ernesee erhielten Besatzungen. Kein Papist durfte frei in der Stadt umhergehen, und der Mönch, den man beschuldigte, seine Beredtsamkeit gegen die Engländer aufgeboten zu haben, wurde ins Gefängniß geworfen.[16]
[15.] A True Relation of the Actions of the Inniskilling men, by Andrew Hamilton, Rector of Kilskerrie, and one of the Prebends of the Diocese of Clogher, an Eyewitness thereof and Actor therein, licensed Jan. 15. 1689/90. — A Further Impartial Account of die Actions of the Inniskilling men, by Captain William Mac Cormick, one of the first that took up Arms, 1691.
[16.] Hamilton’s True Relation; Mac Cormick’s Further Impartial Account.
Londonderry. [Die] andre Hauptfeste des Protestantismus war eine Stadt von größerer Bedeutung. Achtzig Jahre früher, während der durch den letzten Kampf der Häuser O’Neil und O’Donnel gegen die Autorität Jakob’s I. verursachten Unruhen war die ehemalige Stadt Derry von einem der eingebornen Häuptlinge überfallen, die Bewohner niedergemetzelt und die Häuser in Asche gelegt worden. Die Insurgenten wurden bald überwältigt und bestraft, die Regierung beschloß, die zerstörte Stadt wieder aufzubauen, der Lordmayor, die Aldermen und der Gemeinderath von London wurden zur Betheiligung an dem Werke aufgefordert und König Jakob I. überwies ihnen in ihrer corporativen Eigenschaft den von den Trümmern des alten Derry bedeckten Grund und Boden nebst ungefähr sechstausend englischen Ackern umliegenden Landes.[17]
Dieser damals unangebaute und unbewohnte District ist jetzt ein blühender Sitz des Gewerbfleißes und des guten Geschmacks und macht selbst auf Augen, welche an den Anblick der üppigen Fluren und stattlichen Schlösser England’s gewöhnt sind, einen wohlthuenden Eindruck. Bald erhob sich eine neue Stadt, die wegen ihrer Connection mit der Hauptstadt des Reichs Londonderry genannt wurde. Die Gebäude bedeckten den Gipfel und den Abhang einer Anhöhe, welche den breiten Strom des Foyle beherrschte, der zu jener Zeit von Schaaren wilder Schwäne besucht wurde.[18] Auf dem höchsten Punkte stand die Kathedrale, eine Kirche, die, obwohl zu einer Zeit erbaut, wo das Geheimniß der gothischen Architectur verloren gegangen war, und wenn auch nicht geeignet, einen Vergleich mit den ehrwürdigen Tempeln des Mittelalters auszuhalten, doch nicht ohne Anmuth und stattliches Ansehen ist. Unweit der Kathedrale erhob sich der Palast des Bischofs, dessen Sitz einer der bedeutendsten in Irland war. Die Stadt hatte eine fast elliptische Form und die Hauptstraßen bildeten ein Kreuz, dessen Arme auf einem Platze zusammentrafen, welcher der Diamant hieß. Die ursprünglichen Häuser sind theils umgebaut, theils so verändert, daß ihr anfänglicher Character nicht mehr zu erkennen ist; mancher derselben aber können sich jetzt Lebende noch erinnern. Sie waren meist zwei Stock hoch und mehrere hatten steinerne Treppen an der Außenseite. Die Stadt war von einer Mauer umgeben, deren Umfang nicht viel weniger als eine Meile betrug. Auf den Bastionen waren Feldschlangen und Falkonetts aufgepflanzt, welche die reichen Gilden London’s der Colonie zum Geschenk gemacht hatten. Auf einigen dieser alten Geschütze, welche einer großen Sache denkwürdige Dienste geleistet haben, kann man noch heute die Devisen der Fischhändlergilde, der Weinhändlergilde und der Kleiderhändlergilde erkennen.[19]
Die Einwohner waren Protestanten von angelsächsischem Geblüt. Zwar gehörten sie nicht alle einem Lande und einer Kirche an, aber Engländer und Schotten, Episkopalen und Presbyterianer scheinen im Allgemeinen in Freundschaft miteinander gelebt zu haben, eine Freundschaft, welche durch ihre gemeinsame Abneigung gegen die irische Race und gegen die papistische Religion genügend erklärt wird. Während des Aufstandes von 1641 hatte Londonderry muthig gegen die eingebornen Häuptlinge Stand gehalten und war zu wiederholten Malen vergebens belagert worden.[20] Seit der Restauration entwickelte sich die Stadt mehr und mehr. Zur Zeit der Fluth konnten schwer beladene Schiffe bis an den Quai fahren. Die Fischereien nahmen einen großartigen Aufschwung. Die Netze sollen zuweilen so voll gewesen sein, daß man Massen von Fischen wieder ins Wasser werfen mußte. Das Gewicht der alljährlich gefangenen Lachse wurde auf elfmalhunderttausend Pfund geschätzt.[21]
[17.] Concise View of the Irish Society, 1822; Mr. Heath’s interessanter Account of the Worshipful Company of Grocers, Appendix 17.
[18.] The Interest of England in the Preservation of Ireland, licensed July 17. 1689.
[19.] Diese Dinge beobachtete oder erfuhr ich an Ort und Stelle.