[20.] Die besten Mittheilungen über die Ereignisse in Londonderry während des 1641 begonnenen Kriegs habe ich in Dr. Reid’s History of the Presbyterian Church in Ireland gefunden.
[21.] The Interest of England in the Preservation of Ireland, 1689.
Schließung der Thore von Londonderry. [Die] Bevölkerung von Londonderry theilte die Besorgniß, welche gegen das Ende des Jahres 1688 unter den in Irland ansässigen Protestanten allgemein verbreitet war. Es war bekannt, daß das eingeborne Landvolk der Umgegend sich mit Piken und Messern versah. Die Priester hatten in einem Tone, über den, wie sich nicht leugnen läßt, der puritanische Theil der angelsächsischen Bevölkerung wenig Recht hatte sich zu beklagen, über die Niedermetzelung der Amalekiter und über die Verdammungsurtheile, welche Saul sich dadurch zugezogen, daß er Einen von dem geachteten Stamme schonte, das Volk haranguirt. Gerüchte von verschiedenen Seiten und anonyme Briefe von verschiedener Hand bezeichneten den 9. December als den zur Vertilgung der Fremden festgesetzten Tag. Während die Gemüther der Bürger durch diese Gerüchte beunruhigt wurden, traf die Nachricht ein, daß ein Regiment von zwölfhundert Papisten unter dem Commando eines Papisten, Alexander Macdonnell, Earl von Antrim, von dem Vicekönig Befehl erhalten habe, Londonderry zu besetzen, und bereits von Coleraine abmarschirt sei. Die Bestürzung war groß. Einige waren für Schließung der Thore und Widerstand, Andere für Unterwerfung, noch Andere für Temporisiren. Der Gemeindekörper war, wie die anderen Corporationen Irland’s, reorganisirt worden. Die Magistratsbeamten waren Männer von niederer Herkunft und unedlem Character. Nur ein einziges Mitglied von angelsächsischem Geblüt befand sich unter ihnen, und dieser Eine war Papist geworden. Zu einer solchen Behörde konnten die Einwohner kein Vertrauen haben.[22] Der Bischof, Hesekiel Hopkins, hielt fest an der Lehre vom Nichtwiderstande, die er viele Jahre gepredigt hatte, und ermahnte seine Herde, lieber geduldig zur Schlachtbank zu gehen, als die Schuld des Ungehorsams gegen den Gesalbten des Herrn auf sich zu laden.[23] Inzwischen rückte Antrim immer näher heran. Endlich sahen die Bürger von den Wällen herab seine Truppen auf dem jenseitigen Ufer des Foyle aufgestellt. Es existirte damals noch keine Brücke, nur eine Fähre unterhielt die regelmäßige Verbindung zwischen beiden Ufern, und vermittelst dieser Fähre setzte ein Detaschement von Antrim’s Regiment über. Die Offiziere erschienen am Thore, zeigten einen an den Mayor und die Sheriffs gerichteten Befehl vor und begehrten Einlaß und Quartier für die Soldaten Seiner Majestät.
Gerade in diesem Augenblicke eilten dreizehn junge Handwerker, ihren Namen nach meist schottischer Geburt oder Abstammung, in die Wachtstube, bewaffneten sich, ergriffen die Schlüssel der Stadt, stürzten nach dem Fährthore, verschlossen es angesichts der königlichen Offiziere und ließen das Fallgatter nieder. Jakob Morison, ein Bürger in reiferen Jahren, redete nun die unwillkommenen Gäste von der Höhe des Walles an und rieth ihnen wieder abzuziehen. Sie blieben, unter einander berathschlagend, draußen am Thore stehen, bis sie ihn oben rufen hörten: „Bringt eine große Kanone hierher!“ Da endlich hielten sie es für gerathen, sich aus der Schußweite zu entfernen. Sie zogen ab, schifften sich wieder ein und kehrten zu ihren Kameraden ans jenseitige Flußufer zurück. Inzwischen hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet, und die ganze Stadt war auf den Beinen. Die anderen Thore wurden ebenfalls verschlossen, überall auf den Wällen wurden Schildwachen ausgestellt, die Magazine wurden geöffnet, Gewehre und Schießpulver vertheilt und unter dem Schutze der einbrechenden Dunkelheit Boten an die protestantischen Gentlemen der benachbarten Grafschaften ausgesandt. Der Bischof machte vergeblich Vorstellungen. Die heftigen und waghalsigen jungen Schotten, welche bei dieser Gelegenheit mit kühnem Beispiele vorangegangen waren, scheinen in der That wenig Respect vor seinem Amte gehabt zu haben. Einer von ihnen unterbrach die Rede, durch welche er den militärischen Vorkehrungen Einhalt thun wollte, mit dem Ausrufe: „Eine gute Predigt, Mylord, eine sehr gute Predigt, wir haben nur jetzt gerade nicht Zeit sie anzuhören.“[24]
Die Protestanten der Umgegend leisteten der Aufforderung Londonderry’s bereitwillig Folge. Innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden kamen Hunderte zu Roß und zu Fuß auf verschiedenen Wegen zur Stadt, und Antrim, der sich entweder nicht für stark genug hielt, um einen Angriff zu wagen, oder nicht Lust hatte, ohne weiteres die Verantwortlichkeit für den Anfang eines Bürgerkriegs auf sich zu nehmen, zog sich mit seinen Truppen nach Coleraine zurück.
[22.] Meine Autorität für diesen ungünstigen Bericht über die Corporation ist ein episches Gedicht, betitelt: The Londeriad. Dieses merkwürdige Gedicht muß bald nach den Ereignissen, auf die es Bezug hat, geschrieben sein, denn es ist Robert Rochfort, dem Sprecher des Hauses der Gemeinen, gewidmet, und Rochfort bekleidete dieses Amt von 1695 bis 1699. Der Dichter hatte kein Erfindungstalent und besaß augenscheinlich eine genaue Kenntniß der Stadt, die er besang; daher sind seine Knittelverse nicht ohne geschichtlichen Werth. Er sagt:
Sie wählten für des Parlamentes Pforten
Nur Schuster, Fleischer und Consorten,
Die ganze Körperschaft enthielt nicht einen Mann
von brit’scher Abkunft, außer Buchanan.