[27.] Mac Cormick’s Further Impartial Account.
Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel. [Die] Lords und Gentlemen, auf deren Ansuchen der Prinz die Regierung übernommen hatte, waren ernstlich in ihn gedrungen, den Zustand Irland’s sofort in Erwägung zu ziehen, und er hatte ihnen darauf die Versicherung gegeben, daß er sein Möglichstes thun werde, um die protestantische Religion und das englische Interesse in diesem Lande aufrecht zu erhalten. Seine Feinde beschuldigten ihn nachmals der völligen Nichtbeachtung dieses Versprechens, ja sie behaupteten sogar, er habe Irland absichtlich immer tiefer und tiefer in den Abgrund des Verderbens versinken lassen. Halifax, sagten sie, habe mit grausamem und perfidem Scharfsinn das Mittel ausgedacht, der Convention eine Art von Zwangsjacke anzulegen, und der Streich sei nur zu gut gelungen. Der Beschluß, welcher Wilhelm auf den Thron berief, würde nicht so leicht durchgegangen sein, wäre der Staat nicht von so großen Gefahren bedroht gewesen, und nur in Folge seiner eignen schmachvollen Unthätigkeit hätten diese Gefahren einen solchen Grad erreicht.[28] Da diese Anschuldigung durch keine Beweise unterstützt wird, sind Diejenigen, die sie wiederholen, wenigstens verpflichtet nachzuweisen, daß Wilhelm ein offenbar besserer Weg zu Gebote stand als der, welchen er einschlug, und das dürfte ihnen schwer werden. Ja, hätte er wenige Wochen nach seiner Ankunft in London eine große Armee nach Irland schicken können, so würde sich dieses Königreich vielleicht nach einem kurzen Kampfe, oder selbst ohne allen Kampf seiner Autorität unterworfen haben, und eine lange Reihe von Verbrechen und Drangsalen hätte abgewendet werden können. Aber die factiösen Redner und Pamphletisten, die ihn so unüberlegt tadelten, daß er keine solche Armee absendete, würden in nicht geringe Verlegenheit gekommen sein, wenn sie die nöthigen Truppen, Schiffe und Gelder hätten beschaffen sollen. Die englische Armee hatte ihm vor kurzem noch feindlich gegenübergestanden, ein Theil derselben war ihm noch immer abgeneigt, und das Ganze war im höchsten Grade desorganisirt. Von der Armee, die er aus Holland mitgebracht, war nicht ein Regiment entbehrlich. Er hatte den Schatz leer und den Gold der Flotte in Rückstand gefunden. Es stand nicht in seiner Macht, irgend einen Theil der Staatseinkünfte zu verpfänden. Wer ihm Geld lieh, lieh es ihm auf keine andre Sicherheit als auf sein bloßes Wort. Nur die patriotische Freigebigkeit der londoner Kaufleute hatte ihn in den Stand gesetzt, bis zum Zusammentritt der Convention die laufenden Regierungsausgaben zu bestreiten. Es ist also gewiß ungerecht, ihn zu tadeln, daß er unter solchen Umständen nicht auf der Stelle eine Flotte ausrüstete, welche hinreichte, ein Königreich zu erobern.
Da er einsah, daß es, so lange die englische Regierung nicht befestigt war, nicht in seiner Macht stehen würde, mit bewaffneter Hand wirksam in die Angelegenheiten Irlands einzugreifen, beschloß er einen Versuch mit Unterhandlungen zu machen. Diejenigen, welche nach dem Ausgange urtheilten, behaupteten er habe bei dieser Gelegenheit nicht seinen gewohnten Scharfblick gezeigt. Sie sagten er hätte wissen sollen, daß es ungereimt sei, von Tyrconnel Unterwerfung zu erwarten. Dies war jedoch damals nicht die Ansicht gutunterrichteter Männer, deren Interesse hinreichende Gewähr für ihre Aufrichtigkeit bot. Eine zahlreiche Versammlung von Cavalieren und Gentlemen, welche in Irland Güter besaßen, wurde während des Interregnums im Hause des Herzogs von Ormond am St. James Square gehalten. Sie riethen dem Prinzen zu versuchen, ob der Vicekönig nicht zu einer ehrenvollen und vortheilhaften Kapitulation bewogen werden könnte. [29] Man hat in der That starken Grund zu glauben, daß Tyrconnel wirklich schwankte. Denn so heftig auch seine Leidenschaften waren, vergaß er darüber doch nie sein Interesse und er konnte wohl in Zweifel sein, ob es nicht in seinem Interesse liege, sich bei vorgerücktem Alter und abnehmender Gesundheit mit völliger Straflosigkeit für alle früheren Vergehen und mit hohem Range und großem Vermögen lieber von den Geschäften zurückzuziehen, als Leben und Eigenthum den Zufällen eines Kriegs gegen die ganze Macht England’s preiszugeben. Es ist notorisch, daß er sich bereit zeigte nachzugeben. Er setzte sich in Communication mit dem Prinzen von Oranien und zog zum Schein Mountjoy und Andere zu Rathe, die sich zwar von ihrer Unterthanenpflicht gegen Jakob noch nicht losgesagt hatten, aber entschiedene Anhänger der Landeskirche und des Staatsverbandes mit England waren.
[28.] Burnet I. 897 und Swift’s und Dartmouth’s Noten. Tutchin wiederholt im „Observator“ diese grundlose Verleumdung.
[29.] Orange Gazette, Jan. 10. 1688/89.
Die Temple werden zu Rathe gezogen. [Auf] einer Seite, von welcher Wilhelm den einsichtsvollsten Rath zu erwarten berechtigt war, glaubte man fest an die Aufrichtigkeit der Versicherungen Tyrconnel’s. Kein andrer britischer Staatsmann genoß damals in ganz Europa eines so hohen Rufes wie Sir Wilhelm Temple. Seine diplomatische Gewandtheit hatte zwanzig Jahre früher den Fortschritt der französischen Macht gehemmt. Er war ein treuer und nützlicher Freund der Vereinigten Provinzen und des Hauses Nassau gewesen, stand seit langer Zeit auf dem vertrautesten Freundschaftsfuße mit dem Prinzen von Oranien und hatte die Vermählung zu Stande gebracht, der England seine kürzliche Befreiung verdankte. Mit den Angelegenheiten Irland’s galt Temple für besonders vertraut. Seine Familie hatte dort ansehnliche Besitzungen, und er selbst hatte mehrere Jahre daselbst zugebracht; er hatte die Grafschaft Carlow im Parlament vertreten und ein großer Theil seiner Einkünfte floß ihm aus einem einträglichen irischen Amte zu. Die höchste Stufe der Macht, des Ranges und des Reichthums würden ihm erreichbar gewesen sein, wenn er eingewilligt hätte, seine Zurückgezogenheit aufzugeben und der neuen Regierung seine Unterstützung und das Gewicht seines Namens zu leihen. Aber Macht, Rang und Reichthum hatten für seinen epikuräischen Character bei weitem weniger Reiz als Behaglichkeit und Ruhe. Er wies die lockendsten Anträge zurück und beschäftigte sich nach wie vor in ländlicher Abgeschiedenheit mit seinen Büchern, Tulpen und Ananas. Nach einigem Zaudern willigte er indessen ein, seinen ältesten Sohn Johann in Wilhelm’s Dienste treten zu lassen. Während der Erledigung des Thrones war Johann Temple in wichtigen Geschäften verwendet worden und in Angelegenheiten, welche Irland betrafen, hatte seine Meinung, von der man füglich annehmen konnte, daß sie mit der seines Vaters übereinstimmte, großes Gewicht. Dieser junge Staatsmann schmeichelte sich, einen Agenten gefunden zu haben, der vortrefflich geeignet schien, die Unterhandlung mit Tyrconnel zu einem guten Ende zu führen.
Richard Hamilton wird auf Temple’s Wort nach Irland gesandt. [Dieser] Agent gehörte einer angesehenen Familie an, die von einem schottischen Adelsgeschlecht abstammte, aber schon seit langer Zeit in Irland ansässig war und sich zum römischkatholischen Glauben bekannte. Unter der heiteren Schaar, die sich während der unmittelbar auf die Restauration folgenden Jahre des zügellosen Jubilirens in Whitehall tummelte, hatten die Hamilton eine hervorragende Rolle gespielt. Die schönen langen Locken, die strahlende Jugendfrische und die schmachtenden blauen Augen der liebenswürdigen Elisabeth entzücken uns noch heute auf dem Bilde Lely’s. Sie hatte den Ruhm, keine geringe Eroberung zu machen. Ihrer üppigen Schönheit und ihrem schelmischen Geiste war es vorbehalten, den Widerwillen des kaltherzigen und spottsüchtigen Grammont gegen das unauflösliche Band zu besiegen. Einer ihrer Brüder, Anton, schrieb die Chronik jener glänzenden und leichtfertigen Gesellschaft, zu deren glänzendsten und leichtfertigsten Mitgliedern er gehört hatte. Er verdient das seltene Lob, als Nichtfranzos ein Werk geschrieben zu haben, das dem Geiste wie dem Style nach eines der vorzüglichsten französischen Bücher genannt werden muß. Ein andrer Bruder, Namens Richard, hatte sich in fremden Diensten einige militärische Erfahrung erworben. Sein Geist und seine Artigkeit hatten ihn selbst in dem glänzenden Cirkel von Versailles ausgezeichnet. Man munkelte, daß er es gewagt habe, den Blick zu einer hochgestellten Dame, der natürlichen Tochter des großen Königs, der Gemahlin eines legitimen Prinzen des Hauses Bourbon zu erheben und daß es geschienen, als ob die Aufmerksamkeiten ihres vermessenen Anbeters ihr nicht mißfallen hätten.[30] Der Verwegene war nachher in sein Vaterland zurückgekehrt, war zum Brigadegeneral in der irischen Armee ernannt und in dem irischen Geheimrath vereidigt worden. Als man die holländische Invasion erwartete, kam er mit den Truppen, welche Tyrconnel zur Verstärkung der königlichen Armee schickte, über den St. Georgskanal. Nach Jakob’s Flucht unterwarfen sich diese Truppen dem Prinzen von Oranien. Jetzt schloß Richard Hamilton nicht nur ebenfalls Frieden mit der herrschenden Gewalt, sondern sprach auch die zuversichtliche Überzeugung aus, daß, wenn man ihn nach Dublin senden wolle, er die daselbst angeknüpften Unterhandlungen glücklich würde zu Ende führen können. Sollte ihm dies nicht gelingen, so versprach er auf sein Ehrenwort, in drei Wochen nach London zurückzukehren. Man wußte, daß er in Irland großen Einfluß hatte, seine Ehrenhaftigkeit war nie angezweifelt worden und er genoß die hohe Achtung der Familie Temple. Johann Temple erklärte, daß er für Richard Hamilton stehen könne wie für sich selbst. Diese Bürgschaft wurde für genügend erachtet und Hamilton ging nach Irland ab, nachdem er seine englischen Freunde versichert hatte, daß er Tyrconnel bald zur Vernunft bringen werde. Die Anerbietungen, die er den Katholiken und dem Vicekönig persönlich zu machen autorisirt war, waren höchst liberal.[31]
[30.] Mémoires de Madame de la Fayette.
[31.] Burnet I. 808; Life of James, II. 320; Commons’ Journals, July 29. 1689.
Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich. [Es] ist nicht unmöglich, daß Hamilton sich wirklich vorgenommen hatte, sein Versprechen zu erfüllen. Bei seiner Ankunft in Dublin aber sah er wohl, daß er eine Aufgabe übernommen hatte, der er nicht gewachsen war. Tyrconnel’s Unschlüssigkeit, mochte sie nun wahr oder erheuchelt gewesen sein, war zu Ende. Er war zu der Überzeugung gelangt, daß ihm keine Wahl mehr blieb. Mit leichter Mühe hatte er die unwissenden und empfänglichen Irländer zur Wuth aufgestachelt. Zu beruhigen vermochte er sie nicht wieder. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, der Vicekönig correspondire mit den Engländern, und dieses Gerücht hatte die Nation in Flammen gesetzt. Das gemeine Volk sagte: wenn er es wagen sollte, sie für Geld und Ehrenstellen zu verkaufen, würden sie das Schloß verbrennen und ihn darin, und würden sich unter Frankreichs Schutz stellen.[32] Er sah sich genöthigt, die gleichviel ob wahre oder falsche Erklärung abzugeben, daß er nie daran gedacht, sich zu unterwerfen, und nur um Zeit zu gewinnen zum Schein Unterhandlungen angeknüpft habe. Ehe er sich jedoch offen gegen die englischen Ansiedler und gegen England selbst erklärte, was einen Krieg auf Tod und Leben zur Folge haben mußte, wünschte er sich Mountjoy’s zu entledigen, der bislang der Sache Jakob’s treu gewesen war, der aber, wie man sehr gut wußte, niemals eingewilligt haben würde, an der Beraubung und Unterdrückung der Colonisten Theil zu nehmen. Heuchlerische Versicherungen von Freundschaft und friedlichen Absichten wurden nicht gespart. Es sei eine heilige Pflicht, sagte Tyrconnel, das drohende Unheil abzuwenden. König Jakob selbst würde, wenn er den ganzen Sachverhalt kannte, nicht wünschen, daß seine irischen Freunde sich in diesem Augenblicke in ein Unternehmen einließen, das für sie verderblich werden müsse und ihm nichts nützen könne. Er würde ihnen daher erlauben, ja ihnen sogar befehlen, sich der Nothwendigkeit zu unterwerfen und ihre Kräfte für bessere Zeiten aufzusparen. Wenn sich ein loyaler, geschickter und wohl unterrichteter Mann von Gewicht nach Saint-Germains begebe und Sr. Majestät den Stand der Dinge auseinandersetze, so würde der König leicht zu überzeugen sein. Wolle nicht Mountjoy diese so ehrenvolle und wichtige Mission übernehmen? Mountjoy zauderte und gab zu verstehen, daß man Jemanden schicken sollte, von dem sich mit größerer Wahrscheinlichkeit erwarten lasse, daß er dem Könige angenehm sein werde. Tyrconnel aber erklärte fluchend und tobend, daß Irland in den Abgrund der Hölle versinken würde, wenn man König Jakob nicht wohl beriethe, und er bestand darauf, daß Mountjoy als Repräsentant der loyalen Mitglieder der Staatskirche nach Saint-Germains gehen und daß der erste Baron der Schatzkammer, Rice, ein in der königlichen Gunst sehr hoch stehender Katholik, ihn begleiten solle. Mountjoy gab nach und die beiden Gesandten reisten zusammen, aber mit ganz verschiedenen Instructionen versehen, ab. Rice war beauftragt, Jakob zu sagen, daß Mountjoy im Herzen ein Verräther und nur deshalb nach Frankreich geschickt worden sei, damit den Protestanten Irland’s ein Lieblingsführer entzogen würde. Ferner sollte Rice den König versichern, daß er mit Ungeduld in Irland erwartet werde und daß er, wenn er sich daselbst mit einer französischen Heeresmacht zeigen wolle, seine gesunkene Größe bald wiederherstellen könne.[33] Außerdem war der erste Baron noch mit anderen Instructionen versehen, die wahrscheinlich selbst vor dem Hofe von Saint-Germains geheimgehalten wurden. Für den Fall, daß Jakob nicht geneigt sein sollte, sich an die Spitze der eingebornen Bevölkerung Irland’s zu stellen, war Rice angewiesen, um eine Privataudienz bei Ludwig nachzusuchen und ihm den Vorschlag zu machen, Irland in eine französische Provinz zu verwandeln.[34]