Jakob landet in Kinsale. [Jakob] traf am 5. März in Brest ein, ging hier an Bord eines Kriegsschiffs, der St. Michael genannt, und segelte binnen achtundvierzig Stunden ab. Er hatte indessen bis zu seiner Abreise vollauf Zeit einige von den Fehlern zu zeigen, durch die er England und Schottland verloren hatte und durch die er auch Irland zu verlieren im Begriff stand. Avaux schrieb aus dem Hafen von Brest, daß es wohl nicht leicht sein werde, irgend eine wichtige Angelegenheit in Gemeinschaft mit dem König von England durchzuführen. Se. Majestät sei nicht im Stande ein Geheimniß zu bewahren, denn selbst die Matrosen des St. Michael hätten ihn bereits Dinge sagen hören, welche nur für die Ohren seiner vertrautesten Freunde hätten aufgespart werden sollen.[57]
Die Reise ging glücklich und ohne Störung von statten und am Nachmittag des 12. März landete Jakob im Hafen von Kinsale. Die katholische Bevölkerung empfing ihn mit Äußerungen ungeheuchelter Freude, und die wenigen Protestanten, welche in diesem Theile des Landes geblieben waren, schlossen sich ihnen, vielleicht ebenfalls nicht unaufrichtig, zu seiner Begrüßung an. Denn obgleich ein Feind ihrer Religion, war er doch kein Feind ihrer Nation, und sie durften vernünftigerweise hoffen, daß auch der schlechteste König etwas mehr Achtung vor Gesetz und Eigenthumsrechten zeigen werde als die Merry Boys und Rapparees gezeigt hatten. Der Vikar von Kinsale befand sich auch unter Denen, die ihm ihre Aufwartung machten; er wurde vom Bischof von Chester vorgestellt und nicht unfreundlich aufgenommen.[58]
Jakob erfuhr, daß seine Sache gut stehe. In den drei südlichen Provinzen des Landes waren die Protestanten entwaffnet und durch den Schrecken so wirksam niedergehalten, daß er von ihrer Seite nichts zu fürchten hatte. Im Norden zeigte sich ein Schein von Widerstand; aber Hamilton war im Anrücken gegen die Mißvergnügten, und es unterlag kaum einem Zweifel, daß sie leicht überwältigt werden würden. Ein Tag ward in Kinsale darauf verwendet, die Waffen und Munitionsvorräthe in Sicherheit zu bringen; nicht ohne Schwierigkeit verschaffte man sich die zur Beförderung einiger Reisenden nöthige Anzahl Pferde, und am 14. März brach Jakob nach Cork auf.[59]
[57.] Dieser Brief befindet sich in den Archiven des französischen Ministeriums des Auswärtigen, fehlt aber in dem sehr seltenen Bande, der in Downing Street gedruckt wurde.
[58.] A full and true Account of the Landing and Reception of the late King James at Kinsale, in a Letter from Bristol, licensed April 4. 1689; Leslie’s Answer to King; Ireland’s Lamentation; Avaux vom 13.(23.) März.
[59.] Avaux vom 13.(23.) März 1689; Life of James, II. 327. Orig. Mem.
Jakob’s Einzug in Cork. [Wir] würden sehr irren, wenn wir glaubten, daß die Straße, durch welche er in diese Stadt einzog, die geringste Ähnlichkeit gehabt habe mit dem stattlichen Zugange, der den Reisenden des 19. Jahrhunderts mit Bewunderung erfüllt. Gegenwärtig nimmt Cork, obwohl noch durch manche häßliche Überbleibsel aus früherer Zeit verunziert, unter den Hafenplätzen des Reichs keine geringe Stelle ein. Der Schiffsverkehr ist mehr als halb so stark als der Schiffsverkehr London’s zur Zeit der Revolution war. Der Ertrag der Zölle übersteigt das ganze Einkommen, welches das gesammte Königreich Irland in den ruhigsten und blühendsten Zeiten den Stuarts lieferte. Die Stadt besitzt breite und schön gebaute Straßen, reizende Gärten, einen korinthischen Porticus, der einem Palladio Ehre machen würde, und ein gothisches Collegium, das würdig wäre in High Street zu Oxford zu stehen. Im Jahre 1689 nahm die Stadt etwa den zehnten Theil der Bodenfläche ein, den sie jetzt bedeckt und war von schlammigen Wassergräben durchschnitten, welche längst überwölbt und bebaut sind. Ein öder Sumpf, in welchem der Jäger, der den Wasservögeln nachstellte, bei jedem Schritte tief in Wasser und Schlamm einsank, bedeckte das Areal, auf dem jetzt stattliche Gebäude und die Paläste großer Handelsgesellschaften stehen. Damals gab es nur eine einzige Straße, in der zwei Wagen einander ausweichen konnten. Von dieser Straße gingen zu beiden Seiten enge Gäßchen aus, schmutziger und übelriechender als selbst Diejenigen sich vorstellen können, die sich ihre Begriffe von Elend nach den ärmlichsten Theilen der Stadtviertel St. Giles und Whitechapel gebildet haben. Eines dieser Gäßchen, das vergleichsweise nicht mit Unrecht Broad Lane genannt wird, ist zehn Fuß breit. Aus diesen Straßen, gegenwärtig Sitzen von Hunger und Krankheit, die man der Hefe der Gesellschaft überlassen hat, strömten die Bürger herbei, um Jakob zu bewillkommnen. Er wurde von Macarthy, der in Munster das Obercommando führte, mit militärischen Ehren empfangen.
Es war dem Könige unmöglich, sofort nach Dublin weiter zu reisen, denn die südlichen Grafschaften waren durch das Gesindel, welches die Priester zu den Waffen gerufen hatten, so vollständig verwüstet, daß die Transportmittel nicht leicht zu beschaffen waren. Pferde waren eine Seltenheit geworden; in einem großen Districte gab es nur zwei Wagen und diese erklärte Avaux für unbrauchbar. Es dauerte mehrere Tage, bis das von Frankreich mitgebrachte Geld, obwohl eben keine so ungeheure Masse, die paar Meilen Wegs, welche Cork von Kinsale trennten, mühsam transportirt werden konnte.[60]
Während der König und sein Kriegsrath sich bemühten, Wagen und Pferde aufzutreiben, kam Tyrconnel von Dublin an. Seine Berichte lauteten ermuthigend. Den Widerstand Enniskillen’s scheint er für kaum der Beachtung werth gehalten zu haben. Londonderry, sagte er, sei der einzige wichtige Punkt, den die Protestanten im Besitz hätten, und selbst Londonderry werde sich seiner Ansicht nach nur wenige Tage halten können.
[60.] Avaux vom 15.(25.) März 1689.