Reise Jakob’s von Cork nach Dublin. [Endlich] war Jakob im Stande sich von Cork nach der Hauptstadt zu begeben. Unterwegs machte der kluge und wachsame Avaux mancherlei Bemerkungen. Zuerst ging die Reise durch wildes Hochland, wo man sich nicht wundern durfte, nur wenige Spuren von Kunst und Industrie zu finden. Von Kilkenny aber bis vor die Thore von Dublin führte der Weg durch eine wellenförmige Ebene mit reicher natürlicher Vegetation. Dieser fruchtbare Distrikt hätte mit Viehheerden, mit Gemüsegärten und mit Kornfeldern bedeckt sein sollen, war aber eine unbebaute und unbevölkerte Wüste. Selbst in den Städten gab es nur wenig Handwerker. Manufacte waren kaum zu sehen, und wo sich solche fanden, waren sie nur zu enormen Preisen zu erlangen.[61] Dies Alles kam daher, weil die meisten englischen Einwohner geflüchtet und Kunst, Industrie und Kapital mit ihnen gegangen waren.
Jakob erhielt auf seiner Reise vielfache Beweise von der Bereitwilligkeit des Landvolks, aber es waren Beweise, welche Männern, die an den Höfen Frankreich’s und England’s erzogen waren, sonderbar und unheilverkündend vorkommen mußten. Auf den Feldern sah man wenig Arbeiter; auf der Landstraße aber wimmelte es von mit Skeans, Knütteln und Halbpiken bewaffneten Rapparees, welche herbeiströmten, um den Befreier ihres Stammes zu sehen. Die Straße hatte ungefähr das Aussehen, als ob ein Jahrmarkt auf derselben gehalten würde. Spielleute kamen herbei und musicirten vor ihm in einer Weise, die sich stark von der der französischen Oper unterschied, und die Dorfbewohner führten nach dieser Musik wilde Tänze auf. Lange Friesmäntel, ähnlich denen, welche Spenser hundert Jahre früher als zu Lagerdecken für Rebellen und zu Mänteln für Diebe geeignet beschrieben hatte, waren auf den Weg gebreitet, den die Cavalcade ziehen mußte, und Kränze, in denen Krautstrünke die Stelle der Lorbeern vertraten, wurden der königlichen Hand dargereicht. Die Weiber wollten durchaus Se. Majestät küssen; aber sie müssen wenig Ähnlichkeit mit ihren heutigen Nachkommen gehabt haben, denn diese Aufmerksamkeit war ihm so widerlich, daß er seinem Gefolge befahl, sie in gemessener Entfernung zu halten.[62]
Am 24. März zog er in Dublin ein. Diese Stadt war damals nach Umfang und Einwohnerzahl die zweite auf den britischen Inseln. Sie bestand aus sechs- bis siebentausend Häusern und hatte wahrscheinlich über dreißigtausend Einwohner.[63] An Wohlstand und Schönheit stand jedoch Dublin vielen englischen Städten nach. Von den eleganten und prächtigen Gebäuden, welche gegenwärtig beide Seiten des Liffey zieren, war damals noch kaum eines nur projectirt. Die Universität, ein Gebäude, das ganz anders aussah als das, welches sich jetzt auf der nämlichen Stelle erhebt, lag völlig außerhalb der Stadt.[64] Der Flächenraum, den jetzt Leinster House und Charlemont House, Sackville Street und Merrion Square einnehmen, war eine unbebaute Wiese. Die meisten Wohnhäuser waren von Holz und haben längst massiveren Gebäuden Platz gemacht. Das Schloß war 1686 fast unbewohnbar gewesen. Clarendon hatte sich bitter beklagt, daß er keinen Gentleman in Pall Mall kenne, der nicht eine bequemere und freundlichere Wohnung habe, als der Vicekönig von Irland. Keine öffentliche Ceremonie könne unter dem viceköniglichen Dache auf anständige Weise abgehalten werden. Obgleich fortwährend neue Glasscheiben und Ziegel eingesetzt würden, dringe der Regen doch beständig in die Zimmer.[65] Tyrconnel hatte, seit er Vicekönig war, ein etwas bequemeres neues Gebäude aufführen lassen. Nach diesem Gebäude wurde der König mit festlichem Gepränge durch den südlichen Theil der Stadt geführt. Man hatte Alles aufgeboten, um dem Stadttheile, durch den er kommen mußte, einen festlichen und glänzenden Anstrich zu geben. Die gewöhnlich mit tiefem Koth bedeckten Straßen waren mit Sand und mit Zweigen und Blumen bestreut. Draperien und Teppiche hingen aus den Fenstern Derer, welche die Mittel zu solchem Luxus besaßen. Die Ärmeren ersetzten die kostbaren Stoffe durch Betttücher und Überzüge. Hier stand ein Trupp Mönche mit einem Kruzifix, dort eine Schaar von vierzig weißgekleideten Mädchen mit Blumensträußern, Stadtpfeifer und Harfner spielten die Melodie des Liedes: „The King shall enjoy his own again.“ Der Vicekönig trug das Staatsschwert vor seinem Gebieter her. Die Richter, die Herolde, der Lord Mayor und die Aldermen erschienen in dem ganzen Pomp ihrer Amtswürde. Zu beiden Seiten waren Soldaten aufgestellt, um die Passage frei zu halten. Eine Reihe von zwanzig Karossen, welche öffentlichen Beamten gehörten, folgte dem Zuge. Vor dem Eingange ins Schloß kam dem Könige die Hostie unter einem von vier Bischöfen seiner Kirche getragenen Baldachin entgegen. Als er derselben ansichtig wurde, kniete er nieder und betete eine Weile. Dann erhob er sich wieder und ward in die Kapelle seines Palastes geführt, einst — so sonderbar ist der Wechsel alles Irdischen — die Reitbahn Heinrich Cromwell’s. Hier wurde zur Feier der Ankunft Sr. Majestät ein Te Deum abgehalten. Am folgenden Morgen hielt er eine Geheimrathssitzung, entband den Oberrichter Keating von jedem ferneren Besuche des Staatsraths, ließ Avaux und den Bischof Cartwright vereidigen und erließ eine Proklamation, welche auf den 7. Mai ein Parlament nach Dublin berief.[66]
[61.] Avaux, 25. März (4. April) 1689.
[62.] A full and true Account of the Landing and Reception of the late King James; Ireland’s Lamentation; Light to the Blind.
[63.] Siehe die Berechnungen Petty’s, King’s und Davenant’s. Wenn die durchschnittliche Zahl der Bewohner eines Hauses in Dublin die nämliche war wie in London, so würde die Bevölkerung von Dublin sich auf etwa vierunddreißigtausend Seelen belaufen haben.
[64.] Johann Dunton spricht von College Green bei Dublin. Ich habe Briefe aus jener Zeit gesehen, die nach dem Collegium bei Dublin adressirt waren. Im Britischen Museum befinden sich einige interessante alte Pläne von Dublin.
[65.] Clarendon an Rochester, 8. Febr. 1685/86, 20. April, 12. August und 30. November 1686.
[66.] Clarke’s Life of James, II. 330.; Full and True Account of the Landing and Reception etc.; Ireland’s Lamentation.
Unzufriedenheit in England. [Als] die Nachricht von Jakob’s Ankunft in Irland in London eintraf, war die Angst und Bestürzung groß und mit ernster Unzufriedenheit gemischt. Der große Haufe, der den Schwierigkeiten, welche Wilhelm von allen Seiten umgaben, nicht hinreichend Rechnung trug, tadelte laut seine Sorglosigkeit. Allen Schmähungen der Unwissenden und Böswilligen setzte er, seiner Gewohnheit nach, nur eine unerschütterlich ernste Ruhe und das Stillschweigen der tiefsten Verachtung entgegen. Aber Wenige waren von der Natur mit einem so festen Character begabt wie der seinige und noch Wenigere hatten eine so lange und so harte Schule durchgemacht. Die Vorwürfe, welche seine von Jugend auf durch beide Extreme des Geschicks geprüfte Seelenstärke nicht zu erschüttern vermochten, schlugen einem weniger entschlossenen Herzen eine tiefe Wunde.