Jakob hatte mit seinem Parlamente wenig mehr gemein als den Haß gegen die protestantische Religion. Er war ein Engländer. Der Aberglaube hatte nicht alles Nationalgefühl in seinem Herzen völlig erstickt und das Übelwollen, womit seine celtischen Anhänger den Volksstamm betrachteten, dem er entsprossen war, mußte ihm nothwendig mißfallen. Der Gesichtskreis seines Verstandes war klein. Da er jedoch in England regiert hatte und fortwährend dem Tage entgegensah, wo er wieder in England regieren würde, war es unmöglich, daß er den Horizont seiner Politik nicht mehr erweiterte als Diejenigen, welche nichts Andres als nur Irland im Auge hatten. Die wenigen irischen Protestanten, die ihm noch anhingen, und die britischen Edelleute, protestantische sowohl als katholische, die ihn ins Exil begleitet hatten, baten ihn dringend, die Heftigkeit des raubgierigen und rachsüchtigen Parlaments zu zügeln, das er zusammenberufen hatte. Ganz besonders drangen sie in ihn, daß er die Aufhebung der Ansiedlungsacte nicht zugeben solle. Mit welcher Sicherheit, fragten sie, könne Jemand sein Geld anlegen oder seinen Kindern einen Vermögensantheil zuschreiben, wenn er sich nicht auf bestimmte Gesetze und auf einen jahrelangen ununterbrochenen Besitz verlassen könne? Die militärischen Abenteurer, unter welche Cromwell den Grund und Boden vertheilt, könnten vielleicht als Unrechthandelnde betrachtet werden. Aber ein wie großer Theil ihrer Güter sei durch rechtsgültigen Kauf in andere Hände übergegangen! Wieviel Geld hätten die Grundbesitzer auf Hypothek, auf gesetzmäßige, gerichtlich vidimirte Verschreibung geliehen! Wie viele Kapitalisten seien im Vertrauen auf gesetzliche Bestimmungen und königliche Versprechungen von England herübergekommen und hätten ohne die mindeste Besorgniß wegen des Rechtstitels in Ulster und Leinster Land gekauft! Welche Summen hätten diese Kapitalisten während eines Vierteljahrhunderts auf Bauten, Drainirungen, Einhegungen und Anpflanzungen verwendet! Die Bedingungen des von Karl II. sanctionirten Compromisses möchten allerdings wohl nicht in jeder Beziehung gerecht sein; aber sollte eine Ungerechtigkeit durch eine noch monströsere Ungerechtigkeit wieder gut gemacht werden? Und welchen Eindruck würde voraussichtlich in England der Wehschrei von Tausenden unschuldiger englischer Familien hervorrufen, die ein englischer König zu Grunde gerichtet? Die Klagen einer solchen Masse von Duldern könnten die Restauration, der jeder loyale Unterthan mit Sehnsucht entgegensehe, verzögern, ja ganz verhindern, und selbst wenn Se. Majestät trotz dieser Klagen glücklich wieder eingesetzt werden sollte, würde er doch bis ans Ende seines Lebens die nachtheiligen Folgen der Ungerechtigkeit verspüren, zu deren Ausübung ihn schlimme Rathgeber jetzt drängten. Er würde finden, daß er durch den Versuch eine Klasse von Unzufriedenen zu beschwichtigen, eine andre geschaffen habe. Wenn er in Dublin dem Geschrei nach Aufhebung der Ansiedlungsacte nachgäbe, würde er sicherlich von dem Augenblicke an, wo er nach Westminster zurückkehre, mit einem eben so lauten und beharrlichen Geschrei nach Widerrufung dieser Aufhebung bestürmt werden. Er müsse doch wohl einsehen, daß kein auch noch so loyales englisches Parlament solche Gesetze fortbestehen lassen könne, wie sie jetzt vom irischen Parlament erlassen würden. Sei er entschlossen, die Partei Irland’s gegen die allgemeine Stimme England’s zu ergreifen? Wenn dies wäre, so könnte er sich nur auf eine abermalige Verbannung und Entsetzung gefaßt machen. Oder wolle er, wenn er das größere Königreich wieder habe, die Geschenke zurücknehmen, durch die er sich in seiner Noth die Hilfe des kleineren erkauft habe? Die bloße Vermuthung, daß er den Gedanken an eine solche unfürstliche und unmännliche Perfidie hegen könne, müsse schon als eine Beleidigung gegen ihn erscheinen. Allein was würde ihm Andres übrig bleiben? Und sei es nicht besser für ihn, er verweigere jetzt unbillige Zugeständnisse, als daß er diese Zugeständnisse nachher in einer Weise widerrufe, die ihm Vorwürfe zuziehen würden, welche einem edlen Character unerträglich sein müßten? Seine Lage sei allerdings kritisch; aber in diesem, wie in anderen Fällen, werde es sich zeigen, daß der Pfad der Gerechtigkeit auch der Pfad der Weisheit sei.[113]

Obgleich sich Jakob in seiner Rede bei Eröffnung der Session gegen die Ansiedlungsacte erklärt hatte, sah er doch ein, daß diese Argumente unwiderleglich waren. Er hatte mehrere Conferenzen mit den leitenden Mitgliedern des Hauses der Gemeinen und empfahl dringend Mäßigung. Aber seine Vorstellungen stachelten die Leidenschaften, die er beschwichtigen wollte, nur noch mehr auf. Viele Mitglieder der eingebornen Gentry führten eine laute und heftige Sprache. Es sei unverschämt, sagten sie, von Rechten der Käufer zu sprechen. Wie könne Recht aus Unrecht hervorgehen? Leute, welche unrechtmäßig erworbenes Eigenthum kaufen könnten, müßten auch die Folgen ihrer Thorheit und Habsucht tragen. Es lag klar am Tage, daß das Unterhaus völlig unlenksam war. Vier Jahre früher hatte Jakob sich geweigert, dem dienstwilligsten Parlamente, das jemals in England getagt, das geringste Zugeständniß zu machen, und man hätte erwarten sollen, daß die Hartnäckigkeit, an der es ihm nie gefehlt, wenn sie ein Laster war, ihm auch jetzt nicht fehlen würde, wo sie eine Tugend gewesen wäre. Eine kurze Zeit lang schien er wirklich entschlossen, gerecht zu handeln. Er sprach sogar davon, das Parlament aufzulösen. Auf der andren Seite erklärten die Häupter der alten celtischen Familien ganz öffentlich, daß sie, wenn er ihnen ihr Erbe nicht zurückgebe, nicht für das seinige fechten würden. Seine eigenen Soldaten schmähten ihn in den Straßen von Dublin. Endlich beschloß er, sich, nicht mit Königsmantel und Krone, sondern in der Kleidung, in welcher er früher den Berathungen zu Westminster beizuwohnen pflegte, selbst ins Haus der Peers zu begeben und persönlich die Lords zu ersuchen, die Heftigkeit der Gemeinen zu zügeln. Aber als er eben zu diesem Zwecke in seinen Wagen steigen wollte, wurde er von Avaux zurückgehalten. Avaux nahm sich so eifrig wie nur irgend ein Irländer der Bills an, deren Einbringung die Gemeinen betrieben. Es war ihm genug, daß diese Bills Aussicht darauf eröffneten, die Feindschaft zwischen England und Irland unversöhnlich zu machen. Seine Vorstellungen bewogen Jakob, sich der offenen Opposition gegen die Aufhebung der Ansiedlungsacte zu enthalten. Indessen nährte der unglückliche Fürst doch noch immer eine schwache Hoffnung, daß das Gesetz, dessen Annahme die Gemeinen so eifrig wünschten, von den Peers verworfen oder wenigstens modificirt werden würde. Lord Granard, einer von den wenigen protestantischen Edelleuten, welche in diesem Parlamente saßen, verwendete sich energisch zu Gunsten des öffentlichen Vertrauens und der vernünftigen Politik. Der König ließ ihm seinen Dank dafür aussprechen. „Wir Protestanten,“ sagte Granard zu Powis, der im Auftrage des Königs zu ihm kam, „sind gering an Zahl. Wir können wenig thun. Se. Majestät sollte seinen Einfluß bei den Katholiken aufbieten.“ — „Se. Majestät“, entgegnete Powis mit einem Schwure, „wagt nicht zu sagen was er denkt.“ Wenige Tage darauf begegnete Jakob Lord Granard, als dieser eben nach dem Parlamentshause ritt. „Wohin wollen Sie, Mylord?“ fragte der König. „Sire“, antwortete Granard, „ich will meinen Protest gegen die Aufhebung der Ansiedlungsacte einreichen.“ — „Sie haben Recht,“ versetzte der König, „aber ich bin in die Hände von Leuten gefallen, die mir das und noch vieles Andre aufzwingen werden.“[114]

Jakob fügte sich dem Willen der Gemeinen; aber der ungünstige Eindruck, den sein kurzer und schwacher Widerstand auf sie gemacht, war durch seine Unterwerfung nicht zu verwischen. Sie betrachteten ihn mit großem Mißtrauen, sie waren überzeugt, daß er im Herzen ein Engländer sei und es verging kein Tag ohne ein Anzeichen von dieser Gesinnung. Sie beeilten sich nicht, ihm eine Geldunterstützung zu bewilligen. Eine Partei unter ihnen beabsichtigte eine Adresse, die ihn dringend auffordern sollte, Melfort als einen Feind ihrer Nation zu entlassen. Eine andre Partei entwarf eine Bill zur Absetzung aller protestantischen Bischöfe, selbst der vier, welche damals gerade im Parlamente saßen. Nicht ohne Mühe gelang es Avaux und Tyrconnel, deren Einfluß im Unterhause den des Königs bei weitem überwog, den Eifer der Majorität zu dämpfen.[115]

[109.] Light to the Blind; An Act declaring that the Parliament of England cannot bind Ireland against Writs of Error and Appeals, gedruckt in London, 1690.

[110.] Das heißt derjenigen Irländer, welche nicht in ihrem Vaterlande wohnten. — Der Übersetzer.

[111.] An Act concerning Appropriate Tythes and other Duties payable to Eclesiastical Dignitaries. London 1690.

[112.] An Act for repealing the Acts of Settlement and Explanation, and all Grants, and Certificates pursuant to them or any of them. London 1690.

[113.] Siehe die Schrift, welche der Oberrichter Keating dem König Jakob überreichte, und die Rede des Bischofs von Meath. Beide befinden sich im Anhange zu King. Life of James, II. 357—361.

[114.] Leslie’s Answer to King; Avaux, 26. Mai (3. Juni) 1689; Life of James, II. 358.

[115.] Avaux, 28. Mai (7. Juni) und 30. Juni (10. Juli). Der Verfasser von Light to the Blind verwirft entschieden die den protestantischen Bischöfen, welche Jakob anhingen, bewiesene Nachsicht.