Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England. [Es] zeigte sich bald, daß Jakob wohlgethan haben würde, wenn er auf diejenigen Rathgeber gehört hätte, die ihm gesagt hatten, die Maßregeln, durch welche er sich in einem seiner drei Königreiche beliebt zu machen versuchte, würden ihn in den anderen verhaßt machen. Es war in mancher Hinsicht ein Glück für England, daß er, nachdem er aufgehört hatte, daselbst zu regieren, noch über ein Jahr in Irland regierte. Auf die Revolution war ein Umschwung der öffentlichen Meinung zu seinen Gunsten gefolgt. Hätte diese Reaction ihren ungestörten Fortgang genommen, so würde sie vielleicht angehalten haben, bis er wieder König war; aber sie wurde durch ihn selbst gewaltsam unterbrochen. Er wollte sein Volk nichts vergessen und nichts hoffen lassen; während es sich bemühte, Entschuldigungen für seine vergangenen Fehler aufzufinden, und sich einzureden suchte, daß er nicht wieder in diese Fehler verfallen werde, zwang er den Leuten gegen ihren Willen die Überzeugung auf, daß er unverbesserlich sei, daß die härtesten Strafen des Mißgeschicks ihn nichts gelehrt, und daß, wenn sie schwach genug sein sollten, ihn zurückzurufen, sie ihn bald wieder würden absetzen müssen. Umsonst schrieben die Jakobiten Pamphlets über die Grausamkeit, mit der er von seinen nächsten Blutsverwandten behandelt worden sei, über den herrschsüchtigen Character und die schroffen Manieren Wilhelm’s, über die den Holländern zu Theil gewordenen Begünstigungen, über die drückenden Abgaben, über die Suspension der Habeas-Corpusacte und über die Gefahren, welche der Kirche von Seiten der Feindschaft der Puritaner und der Latitudinarier drohten. Jakob widerlegte diese Pamphlete viel wirksamer als die gewandtesten und beredtesten whiggistischen Schriftsteller zusammengenommen es vermocht haben würden. Jede Woche kam die Nachricht, daß er eine neue Acte zur Beraubung oder Ermordung der Protestanten erlassen hatte. Jeder Colonist, dem es gelang, von Leinster über das Meer nach Holyhead oder Bristol zu entkommen, brachte entsetzliche Berichte mit von der Tyrannei, unter der seine Glaubensbrüder seufzten. Welchen Eindruck diese Berichte auf die Protestanten unsrer Insel machten, kann man leicht aus der Thatsache schließen, daß sie den Unwillen Ronquillo’s, eines Spaniers und bigotten Mitgliedes der römischen Kirche, erregten. Er schrieb seinem Hofe, daß, obwohl die englischen Gesetze gegen den Papismus streng erscheinen möchten, sie doch durch die Besonnenheit und Humanität der Regierung so sehr gemildert würden, daß sie ruhigen Leuten nicht lästig fielen, und er versicherte dem heiligen Stuhle, daß die Leiden eines Katholiken in London nichts seien im Vergleich zu den Leiden eines Protestanten in Irland.[126]
Die englischen Flüchtlinge fanden in England herzliche Theilnahme und freigebige Unterstützung. Viele wurden in den Häusern von Freunden oder Verwandten aufgenommen; viele Andere aber verdankten die Mittel zu ihrem Unterhalt der Freigebigkeit von Fremden. Unter Denen, die sich an diesem Werke der Barmherzigkeit betheiligten, trug Niemand in reicherem Maße und mit weniger Ostentation dazu bei als die Königin. Das Haus der Gemeinen stellte dem Könige funfzehntausend Pfund zur Unterstützung derjenigen Flüchtlinge zur Verfügung, die derselben am dringendsten bedurften, und ersuchte ihn, den zum Militärdienste Befähigten Offizierspatente in der Armee zu geben.[127] Auch wurde eine Acte erlassen, welche bepfründete Geistliche, die aus Irland entflohen waren, zur Anstellung in England befähigt erklärte.[128] Doch die Theilnahme, welche die Nation diesen unglücklichen Gästen schenkte, war lau im Vergleich zu der Theilnahme, welche derjenige Theil der sächsischen Colonie erweckte, der in Ulster noch immer einen verzweifelten Kampf gegen eine erdrückende Übermacht unterhielt. Über diesen Gegenstand ließ sich auf unsrer Insel kaum eine einzige abweichende Stimme vernehmen. Whigs und Tories, ja selbst diejenigen Jakobiten, in denen der Jakobitismus noch nicht alles patriotische Gefühl erstickt hatte, priesen den Ruhm von Enniskillen und Londonderry. Das ganze Haus der Gemeinen war eines Sinnes. „Es ist jetzt nicht Zeit, die Kosten zu berechnen,“ sagte der wackere Birch, der sich noch sehr wohl der Art der Kriegführung Olivers gegen die Irländer erinnerte. „Sollen wir diese braven Leute in Londonderry im Stich lassen? Wird nicht die ganze Welt Schimpf und Schande über uns rufen, wenn wir sie dem Untergange preis geben? Man hat die Einfahrt in den Fluß versperrt! Warum haben wir den Sperrbaum nicht längst zertrümmert? Sollen unsere Brüder fast angesichts England’s, wenige Stunden Wegs von unseren Küsten umkommen?“[129] Howe, der Heftigste der einen Partei, erklärte, daß die Herzen des Volks für Irland schlügen. Seymour, das Haupt der andren Partei, erklärte, daß, obwohl er an der Einsetzung der neuen Regierung nicht Theil genommen, er sie von Herzen gern in Allem, was zur Erhaltung Irland’s für nöthig erachtet werden möchte, unterstützen werde.[130] Die Gemeinen ernannten einen Ausschuß, der die Ursache der Verzögerungen und Fehlgriffe untersuchen sollte, welche den englischen Bewohnern von Ulster fast zum Verderben gereicht hätten. Die Offiziere, deren Verrätherei oder Feigheit das Publikum die Calamitäten Londonderry’s zuschrieb, wurden gefänglich eingezogen. Lundy wurde in den Tower, Cunningham in das Gate House geschickt. Die öffentliche Aufregung wurde einigermaßen beschwichtigt durch die Ankündigung, daß noch vor Ablauf des Sommers eine Armee von hinreichender Stärke, um das englische Übergewicht wiederherzustellen, über den St. Georgskanal geschickt und daß Schomberg das Commando erhalten sollte. Vor der Hand wurde ein Armeecorps, das man zum Entsatz von Londonderry für genügend hielt, unter Kirke’s Commando von Liverpool abgesandt. Die finstre Hartnäckigkeit, mit der dieser Mann, trotz königlicher Bitten, an seinem Glauben festgehalten, und der Antheil, den er an der Revolution genommen, hatten ihm vielleicht Anspruch auf eine Amnestie für frühere Verbrechen verschafft. Aber es ist schwer zu begreifen, warum die Regierung zu einem Posten von höchster Wichtigkeit einen Offizier wählte, der allgemein und mit Recht verhaßt war, der nie ein eminentes Feldherrntalent gezeigt und der, in Afrika sowohl wie in England, unter seinen Soldaten erwiesenermaßen eine nicht nur die Humanität empörende, sondern auch mit der Disciplin unverträgliche Zügellosigkeit geduldet hatte.
[126.] „En comparazion de lo que se hace in Irlanda con los Protestantes, es nada.“ 29. April (9. Mai) 1689. — „Para que vea Su Santitad que aqui estan los Catolicos mas benignamente tratados que les Protestantes in Irlanda.“ 19.(29.) Juni.
[127.] Commons’ Journals, June 15. 1689.
[128.] Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 29.
[129.] Grey’s Debates, June 19. 1689.
[130.] Ibid. June 22. 1689.
Thaten der Enniskillener. [Am] 16. Mai wurden Kirke’s Truppen eingeschifft, und am 20. gingen sie unter Segel; aber widrige Winde verzögerten die Überfahrt und zwangen das Geschwader, lange vor der Insel Man liegen zu bleiben. Unterdessen vertheidigten sich die Protestanten von Ulster mit unerschütterlichem Muthe gegen eine große Übermacht. Die Enniskillener hatten nicht aufgehört, einen energischen Parteikrieg gegen die eingeborne Bevölkerung zu führen. Anfangs Mai marschirten sie einem starken Truppencorps aus Connaught entgegen, das in Donegal eingefallen war. Die Irländer wurden bald geschlagen und flohen mit einem Verlust von hundertzwanzig Todten und sechzig Gefangenen nach Sligo. Zwei kleine Geschütze und mehrere Pferde fielen den Siegern in die Hände. Durch diesen Sieg ermuthigt, fielen die Enniskillener bald darauf in die Grafschaft Cavan ein, trieben funfzehnhundert Mann von Jakob’s Truppen vor sich her, nahmen und zerstörten das Schloß Ballincarrig, das für das festeste in diesem Theile des Königreichs galt, und nahmen die Piken und Gewehre der Besatzung mit sich. Der nächste Einfall erfolgte in Meath. Hier wurden dreitausend Rinder und zweitausend Schafe mit fortgeführt und auf der kleinen Insel des Ernesees in Sicherheit gebracht. Diese kühnen Thaten verbreiteten Schrecken bis vor die Thore Dublin’s. Der Oberst Hugo Sutherland erhielt Befehl, mit einem Regiment Dragonern und zwei Regimentern Infanterie gegen Enniskillen zu marschiren. Er nahm Waffen für das eingeborne Landvolk mit und Viele schlossen sich seiner Fahne an. Die Enniskillener marschirten ihm entgegen. Er nahm jedoch keine Schlacht an, sondern zog sich zurück und ließ seine Vorräthe unter der Obhut eines Detachements von dreihundert Soldaten in Belturbet. Die Protestanten griffen Belturbet kräftig an, besetzten ein hochgelegenes Haus, das die Stadt beherrschte, und eröffneten von hier aus ein so wirksames Feuer, daß nach Verlauf von zwei Stunden die Besatzung sich ergab. Siebenhundert Flinten, eine bedeutende Quantität Schießpulver, eine Menge Pferde, viele Säcke Zwieback und viele Fässer Mehl wurden erbeutet und nach Enniskillen geschickt. Die Böte, welche diese werthvolle Beute brachten, wurden freudig bewillkommnet. Die Besorgniß vor einer Hungersnoth war dadurch beseitigt. Während die eingeborne Bevölkerung in vielen Grafschaften, wahrscheinlich in der Erwartung, daß sich das Maraudiren als eine unerschöpfliche Hilfsquelle erweisen werde, die Bodencultur völlig vernachlässigte, hatten die Colonisten, treu dem vorsorgenden und betriebsamen Character ihres Stammes, mitten im Kriege nicht versäumt, den Boden in der Umgebung ihrer Besten sorgfältig zu bebauen. Die Ernte war jetzt nicht mehr fern und bis zur Ernte reichten die dem Feinde abgenommenen Lebensmittel vollkommen aus.[131]
[131.] Hamilton’s True Relation; Mac Cormick’s Further Account. Von der Insel im Allgemeinen sagt Avaux: „On n’attend rien de cette recolte cy, les paysans ayant presque tous pris les armes.“ — Brief an Louvois vom 19.(29.) März 1689.
Noth in Londonderry. [Doch] inmitten des Sieges und des Überflusses wurden die Enniskillener von ängstlicher Besorgniß um Londonderry gequält. Sie waren mit den Vertheidigern dieser Stadt nicht allein durch religiöse und nationale Sympathie, sondern auch durch ein gemeinsames Interesse verbunden. Denn es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn Londonderry fiel, die ganze irische Armee augenblicklich mit unwiderstehlicher Macht gegen den Ernesee vorrücken würde. Doch was konnte man thun? Einige tapfere Männer waren dafür, einen verzweifelten Versuch zum Entsatz der belagerten Stadt zu machen; aber die Übermacht war zu groß. Es wurden indessen Detachements abgesandt, welche die Nachhut des Belagerungsheeres beunruhigten, die Zufuhren abschnitten und einmal die Pferde von drei ganzen Reitertrupps wegnahmen.[132] Die Postenkette aber, welche Londonderry auf der Landseite einschloß, war noch nicht durchbrochen, und auch der Fluß war noch immer versperrt und sorgfältig bewacht. In der Stadt war die Noth auf’s höchste gestiegen. Schon am 8. Juni war fast kein andres Fleisch mehr zu haben als Pferdefleisch und selbst davon war der Vorrath nur gering. Dem Mangel mußte mit Talg abgeholfen werden, und auch dieser wurde mit karger Hand vertheilt.