Halifax. [Halifax,] der Ausgezeichnetste unter der kleinen Partei die sich rühmte, daß sie zwischen den Whigs und Tories das Gleichgewicht erhielt, übernahm das Geheimsiegel und blieb nach wie vor Sprecher im Hause der Lords.[15] Er hatte sich durch streng gesetzliche Opposition gegen die letzte Regierung hervorgethan und mit großer Gewandtheit gegen die Dispensationsgewalt gesprochen und geschrieben; aber er hatte von dem Invasionsplane nichts wissen wollen, er hatte, selbst als die Holländer schon auf dem vollen Marsche gegen London waren, noch darauf hingearbeitet, eine Versöhnung zu Stande zu bringen, und er hatte Jakob erst dann verlassen, als dieser den Thron verließ. Von dem Augenblicke der schimpflichen Flucht aber hatte der scharfblickende Trimmer in der Überzeugung, daß ein gütlicher Vergleich nicht mehr möglich sei, einen entscheidenden Entschluß gefaßt. Er hatte sich in der Convention glänzend hervorgethan, und es war ein besonders glücklicher Griff, daß man ihn zu dem Ehrenamte ernannt, dem Prinzen und der Prinzessin von Oranien im Namen aller Stände England’s die Krone zu überreichen, denn soweit man überhaupt sagen kann, daß unsre Revolution den Charakter eines einzelnen Geistes trug, trug sie sicherlich den Charakter des großen, aber besonnenen Geistes Halifax’. Doch die Whigs waren nicht in der Stimmung, einen neueren Dienst als Ersatz für ein altes Vergehen anzunehmen, und das Vergehen Halifax’ war in der That ein arges gewesen. Vor langer Zeit hatte er während eines harten Freiheitskampfes in ihren vordersten Reihen gestritten, und als sie endlich siegten, als Whitehall in ihrer Gewalt zu sein schien, als sich eine nahe Aussicht auf Herrschaft und Rache eröffnete, da war er, und mit ihm das Glück, ins feindliche Lager übergegangen. In der großen Debatte über die Ausschließungsbill hatte seine Beredtsamkeit sie zu Boden geschmettert und der verzagten Hofpartei neuen Lebensmuth eingeflößt. Allerdings war er, obgleich er sie in den Tagen ihres übermüthigen Glücks verlassen, zur Zeit der Noth in ihre Reihen zurückgekehrt; aber jetzt, da die Noth vorüber war, vergaßen sie, daß er zu ihnen zurückgekehrt, und erinnerten sich nur noch, daß er sie verlassen hatte.[16]

[15.] London Gazette, Febr. 18. 1688/89; Lords’ Journals.

[16.] Burnet II. 4.

Nottingham. [Der] Ärger, mit dem sie Danby im Staatsrathe präsidiren und Halifax das Geheimsiegel führen sahen, wurde nicht vermindert durch die Nachricht, daß Nottingham zum Staatssekretär ernannt sei. Einige von den eifrigen Kirchenmännern, welche nie aufgehört hatten, die Lehre vom Nichtwiderstande zu predigen, in deren Augen die Revolution nicht zu rechtfertigen war, die für eine Regentschaft gestimmt und bis zuletzt bei der Behauptung geblieben waren, daß der englische Thron nicht einen Augenblick erledigt sein könne, hielten es gleichwohl für ihre Pflicht, sich der Entscheidung der Convention zu unterwerfen. Sie hatten, sagten sie, sich nie gegen Jakob aufgelehnt und Wilhelm nicht gewählt; da sie aber jetzt einen Fürsten auf dem Thron sahen, den sie allerdings nie darauf gesetzt haben würden, waren sie der Meinung, daß kein göttliches oder menschliches Gesetz es ihnen zur Pflicht machte, den Kampf weiter fortzusetzen. Sie glaubten in der Bibel sowohl wie im Gesetzbuche Vorschriften zu finden, die nicht mißverstanden werden könnten. Die Bibel befiehlt Gehorsam gegen die bestehenden Gewalten an. Das Gesetzbuch enthält einen Paragraphen, welcher besagt, daß kein Unterthan deshalb als ein Übelthäter betrachtet werden solle, weil er sich dem im factischen Besitz des Thrones befindlichen Könige anschließe. Aus diesen Gründen glaubten Viele, die zur Einsetzung der neuen Regierung nicht mitgewirkt hatten, daß sie derselben ihre Unterstützung gewähren könnten, ohne weder Gott noch einen Menschen zu beleidigen. Einer der ausgezeichnetsten Staatsmänner dieser Schule war Nottingham. Auf sein Ansuchen hatte die Convention, bevor der Thron besetzt war, den Unterthaneneid dergestalt umgeändert, daß er und seine Meinungsgenossen diesen Eid unbedenklich leisten konnten. „Meine Grundsätze,“ sagte er, „gestatten mir nicht, mich bei der Wahl eines Königs zu betheiligen. Ist aber ein König einmal gewählt, so gebieten mir meine Grundsätze, ihm einen strengeren Gehorsam zu bezeigen, als er von Denen erwarten darf, die ihn gewählt haben.“ Zum Erstaunen einiger von Denen, die ihn am meisten schätzten, willigte er jetzt ein, im Staatsrathe zu sitzen und die Sekretariatssiegel anzunehmen. Wilhelm hoffte ohne Zweifel, diese Ernennung werde von der Geistlichkeit und der toryistischen Landgentry als eine genügende Bürgschaft dafür angesehen werden, daß er gegen die Kirche nichts Böses im Sinne habe. Selbst Burnet, der späterhin eine starke Abneigung gegen Nottingham fühlte, gestand in einigen bald nach der Revolution geschriebenen Abhandlungen, daß der König richtig geurtheilt und daß der zur Unterstützung der neuen Herrscher ehrlich verwendete Einfluß des toryistischen Staatssekretärs England vor großen Calamitäten bewahrt habe.[17]

[17.] Diese Abhandlungen finden sich in einem Handschriftenbande, der zur Harley’schen Sammlung gehört und mit der Nummer 6584 bezeichnet ist. Sie bilden thatsächlich die ersten Entwürfe zu einem großen Theile von Burnet’s History of His Own Times. Die Zeitpunkte, zu welchen die verschiedenen Theile dieses höchst merkwürdigen und interessanten Werkes abgefaßt wurden, sind angegeben. Fast das Ganze wurde vor Mariens Tode geschrieben. Erst zehn Jahre später begann Burnet seine Geschichte der Regierung Wilhelm’s für den Druck vorzubereiten. Während dieses Zeitraums hatten sich seine Ansichten, über Menschen sowohl als Dinge, sehr geändert. Deshalb ist der erste Entwurf so außerordentlich werthvoll, denn er enthält manche Thatsachen, die er nachher auszulassen für räthlich hielt, und einige Urtheile, welche er später zu ändern Ursache fand. Ich muß jedoch gestehen, daß mir seine ersten Ansichten gewöhnlich besser gefallen. Wenn seine Geschichte einmal neu gedruckt würde, sollte sie mit diesem Manuscriptbande sorgfältig verglichen werden. Überall wo ich mich auf diese Handschrift beziehe, kann der Leser annehmen, daß sie etwas enthält, was sich in seiner gedruckten Geschichte nicht findet.

Über Nottingham’s Ernennung siehe Burnet II. 8, London Gazette, March 7. 1688/89 und Clarendon’s Diary, Febr. 15.

Shrewsbury. [Der] andre Staatssekretär war Shrewsbury.[18] Seit Menschengedenken hatte kein so junger Mann einen so hohen Posten bei der Regierung bekleidet. Er hatte eben erst sein achtundzwanzigstes Lebensjahr zurückgelegt. Gleichwohl erblickte Niemand, mit Ausnahme der feierlichen Formalisten bei der spanischen Gesandtschaft, in seiner Jugend ein Hinderniß für seine Ernennung.[19] Er hatte sich schon durch die hervorragende Rolle, die er bei der Befreiung seines Vaterlandes gespielt, einen Platz in der Geschichte gesichert. Seine Talente, seine Kenntnisse, sein liebenswürdiges Benehmen und sein sanfter Charakter machten ihn allgemein beliebt. Besonders die Whigs beteten ihn fast an. Niemand ahnete, daß er mit vielen großen und gewinnenden Eigenschaften solche Fehler des Geistes und Herzens verband, welche den Rest seines unter so günstigen Auspicien begonnenen Lebens ihm selbst zur Last und seinem Lande fast nutzlos machen sollten.

[18.] London Gazette, Febr. 18. 1688/89.

[19.] Don Pedro de Ronquillo macht diese Bemerkung.

Die Admiralität. [Die] Leitung der Marineangelegenheiten und der Finanzen wurde Collegien übertragen. Herbert ward erster Commissar der Admiralität. Er hatte unter der vorigen Regierung Reichthum und Würden aufgegeben, als er sah, daß er sie mit Ehren und mit gutem Gewissen nicht behalten konnte; er hatte die denkwürdige Einladung nach dem Haag überbracht und die holländische Flotte auf der Fahrt von Helvoetsluys nach Torbay befehligt. In Bezug auf Muth und Berufstüchtigkeit genoß er eines hohen Rufes. Wohl wußte man, daß er auch seine Thorheiten und Fehler begangen, aber sein neuerliches Benehmen in einer Zeit schwerer Prüfung hatte Alles wieder gut gemacht und berechtigte zu der Hoffnung, daß seine fernere Laufbahn eine ruhmvolle sein werde. Ihm zur Seite im Admiralitätscollegium standen zwei ausgezeichnete Mitglieder des Hauses der Gemeinen: Wilhelm Sacheverell, ein Whigveteran, der sich bei seiner Partei eines großen Ansehens erfreute, und Sir Johann Lowther, ein rechtschaffener und äußerst gemäßigter Tory, der in Bezug auf Vermögen und parlamentarische Bedeutung unter der englischen Gentry eine der ersten Stellen einnahm.[20]