[20.] London Gazette, March 11. 1688/89.
Das Schatzamt. [An] die Spitze der Finanzen wurde Mordaunt, einer der heftigsten Whigs, gestellt, warum, ist schwer zu sagen. Sein romanhafter Muth, sein ruheloser Geist, seine excentrischen Einfälle, sein Hang zu verzweifelten Wagnissen und staunenerregenden Effecten waren eben keine Eigenschaften, die ihm bei finanziellen Operationen und Unterhandlungen von besonderem Nutzen sein konnten. Der zweite Schatzcommissar und zugleich Kanzler der Schatzkammer war Delamere, ein womöglich noch heftigerer Whig als Mordaunt. Außerdem saßen zwei whiggistische Mitglieder des Hauses der Gemeinen in dem Collegium: Sir Heinrich Capel, Bruder jenes Earls von Essex, der sich im Tower entleibte, und Richard Hampden, der Sohn des großen Führers des Langen Parlaments. Der Commissar aber, auf dem die Hauptlast der Geschäfte ruhte, war Godolphin. Dieser schweigsame, einsichtsvolle, fleißige und harmlose, für keine Regierung schwärmende, aber jeder Regierung nützliche Mann war nach und nach ein fast unentbehrlicher Theil der Staatsmaschiene geworden. Obgleich ein Anhänger der Landeskirche, hatte er sich doch an einem von Jesuiten geleiteten Hofe emporgeschwungen. Obwohl er für eine Regentschaft gestimmt hatte, war er doch das wirkliche Oberhaupt eines mit Whigs angefüllten Schatzamtes. Seine Fähigkeiten und Kenntnisse, welche unter der vorigen Regierung die Mängel Bellasyse’s und Dower’s ausgeglichen hatten, waren auch jetzt nöthig, um die Mängel Mordaunt’s und Delamere’s zu übertragen.[21]
[21.] London Gazette, March 11. 1688/89.
Das große Siegel. [Die] Verleihung des großen Siegels hatte einige Schwierigkeiten. Der König wünschte es zuerst Nottingham anzuvertrauen, dessen Vater es mehrere Jahre mit großer Auszeichnung geführt hatte.[22] Nottingham aber lehnte es ab, und es wurde deshalb Halifax angetragen, der es ebenfalls ablehnte. Beide Lords fühlten ohne Zweifel, daß dies ein Amt sei, das sie nicht mit Ehren für sich selbst und mit Nutzen für den Staat verwalten konnten. In alten Zeiten war das Staatssiegel zwar größtentheils in den Händen von Nichtjuristen gewesen. Selbst noch im siebzehnten Jahrhundert hatten es zwei ausgezeichnete Männer geführt, welche in keinem Rechtscollegium studirt hatten. Dechant Williams war Lordsiegelbewahrer Jakob’s I., Shaftesbury Lordkanzler Karls II. gewesen; aber solche Ernennungen konnten nicht länger ohne ernste Nachtheile stattfinden. Die Billigkeit hatte sich allmälig zu einer verwickelten Wissenschaft ausgebildet, welche kein menschlicher Verstand ohne lange und angestrengte Studien ausüben konnte, selbst Shaftesbury hatte bei all’ seinem scharfen Verstande seinen Mangel an technischen Kenntnissen schmerzlich gefühlt,[23] und während der fünfzehn Jahre, welche verstrichen waren, seitdem er das Siegel niedergelegt, waren diese technischen Kenntnisse seinen Nachfolgern immer nothwendiger geworden. Daher wagte es weder Nottingham, obwohl er einen Schatz juristischer Kenntnisse besaß, wie man ihn selten bei einem Manne findet, der die Rechtswissenschaft nicht studirt hat, noch Halifax, obgleich er bei den Gerichtssitzungen des Hauses der Lords oft die Versammlung durch sein treffendes Urtheil und durch seine scharfe Logik in Erstaunen gesetzt, das höchste Amt, das ein englischer Laie bekleiden kann, anzunehmen. Nach langem Zaudern wurde das Siegel einer Commission von ausgezeichneten Juristen, mit Maynard an der Spitze, übertragen.[24]
[22.] Ich habe mich an die mir am wahrscheinlichsten dünkende Erzählung der Sache gehalten. Man ist aber in Zweifel gewesen, ob Nottingham aufgefordert wurde, Kanzler, oder nur erster Commissar des großen Siegels zu werden. Vergleiche Burnet, II. 3, und Boyer’s History of William, 1702. Narcissus Luttrell spricht zu wiederholten Malen, sogar noch am Schlusse des Jahres 1692, von Nottingham als muthmaßlichem Kanzler.
[23.] Roger North erzählt einen ergötzlichen Fall von Shaftesbury’s Verlegenheit.
[24.] London Gazette, March 4. 1688/89.
Die Richter. [Die] Wahl der Richter machte der neuen Regierung Ehre. Jedes Mitglied des Geheimraths wurde aufgefordert eine Liste einzureichen. Diese Listen wurden miteinander verglichen und zwölf Männer von hervorragendem Talent und Verdienst ausgewählt.[25] Pollexfen hatte in Folge seiner juristischen Kenntnisse und seiner whiggistischen Grundsätze Anspruch auf den höchsten Platz. Aber man erinnerte sich, daß er in den westlichen Grafschaften bei den Assisen, welche auf die Schlacht von Sedgemoor folgten, als Commissar der Krone fungirt hatte. Es geht zwar aus den Berichten über die Untersuchungen hervor, daß er, wenn er überhaupt von der Krone bevollmächtigt war, so wenig that als er konnte und daß er es den Richtern überließ, Zeugen und Gefangene einzuschüchtern. Dessenungeachtet aber war sein Name in der öffentlichen Meinung mit den blutigen Assisen untrennbar verbunden. Er konnte daher nicht füglich an die Spitze des höchsten Criminalgerichtshofes gestellt werden.[26] Nachdem er einige Wochen als Generalfiskal fungirt, ward er zum Oberrichter der Common Pleas ernannt. Sir John Holt, ein noch junger Mann, aber ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit, Rechtschaffenheit und Muth, wurde Oberrichter der King’s Bench, Sir Robert Atkyns, ein ausgezeichneter Jurist, der einige Jahre in ländlicher Zurückgezogenheit zugebracht, der aber in Westminster Hall noch immer eines großen Rufes genoß, wurde zum ersten Baron[27] ernannt. Powell, der wegen seiner ehrenwerthen Erklärung zu Gunsten der Bischöfe abgesetzt worden war, nahm seinen Sitz unter den Richtern wieder ein. Treby wurde Pollexfen’s Nachfolger als Generalfiskal, und Somers wurde zum Prokurator ernannt.[28]
[25.] Burnet II. 5.
[26.] The Protestant Mask taken off from the Jesuited Englishman, 1692.