[27.] Die Richter der Schatzkammer werden Barons genannt. Der Übersetzer.
[28.] Diese Ernennungen wurden erst am 6. Mai in der Gazette bekannt gemacht, einige derselben aber waren schon früher erfolgt.
Der Hofstaat. [Zwei] der höchsten Ämter im königlichen Hofstaate wurden mit zwei englischen Cavalieren besetzt, welche ganz geeignet waren, die Zierde eines Hofes zu werden. Der hochherzige und kenntnißreiche Devonshire ward zum Obersthofmeister ernannt. Niemand hatte in der entscheidenden Crisis für England mehr gethan und gewagt. Indem er England’s Freiheiten wiederhergestellt, hatte er auch das Vermögen seines eigenen Hauses wiedererlangt. Seine Schuldverschreibung über dreißigtausend Pfund wurde unter den Papieren gefunden, welche Jakob in Whitehall zurückgelassen, und von Wilhelm vernichtet.[29]
Dorset wurde Lordkammerherr und verwendete den Einfluß und das Patronat seiner Stellung, wie schon seit langer Zeit seine Privatmittel, zur Aufmunterung des Genies und zur Linderung des Mißgeschicks. Eine der ersten Maßregeln, die er zu ergreifen gezwungen war, muß einem Mann von so edlem Charakter und so warmer Theilnahme für alles Ausgezeichnete in Künsten und Wissenschaften, sehr schmerzlich gewesen sein. Dryden konnte nicht länger Hofdichter bleiben. Das Publikum würde es nicht geduldet haben, unter den Dienern Sr. Majestät einen Papisten zu sehen, und Dryden war nicht nur ein Papist, sondern ein Apostat. Außerdem hatte er die Schuld seines Glaubensabfalls noch dadurch erschwert, daß er die Kirche, die er verlassen, verleumdet und verspottet hatte. Er hatte sie, wie man scherzweise sagte, behandelt, wie die heidnischen Verfolger des Alterthums ihre Kinder behandelten. Er hatte sie in die Haut eines wilden Thieres gekleidet und sie dann zur öffentlichen Belustigung gehetzt.[30] Er wurde entlassen, erhielt aber von der Privatgüte des freigebigen Kammerherrn eine seinem zurückgezogenen Gehalt gleichkommende Pension. Dessenungeachtet fuhr der abgesetzte poeta laureatus, der eben so arm an Edelsinn wie reich an Geistesgaben war, Jahr aus Jahr ein fort, den nicht erlittenen Verlust zu beklagen, bis endlich sein Gejammer Äußerungen wohlverdienter Verachtung von Seiten ehrenwerther Jakobiten hervorrief, welche ihren Grundsätzen Alles aufgeopfert hatten, ohne deshalb ein bittendes oder klagendes Wort laut werden zu lassen.[31]
Im königlichen Hofstaat wurden auch einige von den holländischen Edelleuten angestellt, die sich der besonderen Gunst des Königs erfreuten. Bentinck bekam das hohe Amt des ersten Kammerherrn mit einem jährlichen Gehalt von fünftausend Pfund; Zulestein erhielt die Oberaufsicht über die königliche Garderobe, und Oberstallmeister ward Auverquerque, ein tapferer Soldat, der das Blut der Nassau und das Blut der Horn in sich vereinigte und der mit gerechtem Stolze ein kostbares Schwert trug, welches ihm die Generalstaaten in Anerkennung des Muthes verliehen hatten, mit dem er an dem blutigen Tage von Saint-Denis Wilhelm das Leben gerettet.
Das Amt des Vicekammerherrn der Königin wurde einem Manne zu Theil, der sich eben erst im öffentlichen Leben bemerkbar gemacht hatte und dessen Name in der Geschichte dieser Regierung häufig vorkommen wird. Johann Howe, oder, wie er gewöhnlich genannt wurde, Jack Howe, war von dem Burgflecken Cirencester zur Convention gesandt worden. Seine äußere Erscheinung war die eines Mannes, dessen Körper durch die unablässige Thätigkeit eines ruhelosen und reizbaren Geistes aufgerieben worden. Er war lang, hager und bleich, und sein unruhiges, stechendes Auge hatte einen Ausdruck von Wildheit und Verschlagenheit. Er war seit mehreren Jahren als kleiner Dichter bekannt, und einige der zügellosesten Spottlieder, welche in den Kaffeehäusern circulirten, wurden ihm zugeschrieben. Im Hause der Gemeinen aber entfalteten sich seine Talente wie sein giftiges Wesen am auffallendsten. Er war noch keine drei Wochen Mitglied desselben, als er sich schon durch seine Sprachgewandtheit, seine beißende Schärfe und seine Hartnäckigkeit bemerkbar gemacht hatte. Scharfsinn, Energie und Kühnheit erhoben ihn bald zu dem Range eines bevorzugten Menschen. Seine Feinde — und er hatte viele Feinde — sagten jedoch, daß er seine persönliche Sicherheit selbst in der heftigsten Aufregung nicht aus den Augen lasse und die Soldaten mit einer Rücksicht behandle, die er gegen Damen oder Bischöfe niemals zeige. Aber Niemand besaß in größerem Maße den gefährlichen Muth, der dem Widerwillen und dem Hasse trotzt und sogar darum buhlt. Keine Schicklichkeitsgründe vermochten ihn in Schranken zu halten, sein Haß war unversöhnlich, und er besaß eine merkwürdige Geschicklichkeit darin, die schwachen Seiten starker Geister herauszufinden. Alle seine großen Zeitgenossen fühlten gelegentlich seinen Stachel. Einmal schlug dieser Stachel eine Wunde, die sogar Wilhelm aus seiner ruhigen Fassung brachte und ihm die Äußerung entlockte, daß er wohl wünschte ein Privatmann zu sein, damit er Mr. Howe zu einer kurzen Unterredung hinter Montague House einladen könne. Gegenwärtig jedoch gehörte Howe zu den eifrigsten Stützen der neuen Regierung und richtete alle seine Sarkasmen und Ausfälle gegen die Mißvergnügten.[32]
[29.] Kennet’s Funeral Sermon on the first Duke of Devonshire, und Memoirs of the Family of Cavendish, 1708.
[30.] Siehe ein Gedicht betitelt: A Votive Tablet to the King and Queen.
[31.] Siehe Prior’s Widmung seiner Gedichte an Dorset’s Sohn und Nachfolger, und Dryden’s Essay on Satire als Einleitung zu den Übersetzungen aus Juvenal. In Collier’s Short View of the Stage wird Dryden’s weibische Klagsucht bitter verhöhnt. In Blackmore’s Prince Arthur, ein Gedicht, das bei aller seiner Werthlosigkeit einige interessante Anspielungen auf zeitgenössische Personen und Dinge enthält, kommen folgende Strophen vor:
Der Dichter Chor an seiner Thüre stand