Von diesen Gefühlen angetrieben, stellten sich unsere Vorfahren in einer ungeheuren und compacten Masse der Regierung entgegen. Die mächtige Phalanx war aus allen Ständen, allen Parteien, allen protestantischen Seelen gebildet. Im Vordertreffen standen die geistlichen und weltlichen Lords, dann kamen die begüterte Gentry und der Klerus, beide Universitäten, alle Gerichtshöfe, Großhändler, Krämer und Pächter, die Lastträger, die sich in den Straßen der großen Städte plagten, und die Landleute, welche das Feld bebauten. Die Koalition gegen den König umfaßte selbst die Matrosen, die seine Schiffe bemannten, selbst die Schildwachen, die seinen Palast bewachten. Die Namen Whig und Tory waren einen Augenblick vergessen. Der alte Ausschließungsmann reichte dem alten Verabscheuer die Hand; Episcopalen, Presbyterianer, Independenten und Baptisten vergaßen ihre langjährigen Fehden, um nur an ihren gemeinsamen Protestantismus und an ihre gemeinsame Gefahr zu denken; Theologen, die in der Schule Laud’s gebildet waren, sprachen nicht nur von Duldung, sondern sogar von Einigung. Der Erzbischof erließ bald nach seiner Freisprechung einen Hirtenbrief, der eines der merkwürdigsten Schriftstücke jener Zeit ist. Er hatte von Jugend auf mit den Nonconformisten in Streit gelegen und sie mehrmals mit ungerechter und unchristlicher Heftigkeit angegriffen. Sein Hauptwerk war eine häßliche Karrikatur auf die Calvinistische Theologie.[136] Er hatte für den 30. Januar, den Jahrestag der Hinrichtung Karl’s I., und für den 29. Mai, den Jahrestag der Rückkehr Karl’s II., Gebetsformulare abgefaßt, welche so heftige Schmähungen gegen die Puritaner enthielten, daß die Regierung es für nöthig erachtet hatte, dieselben zu mildern. Jetzt aber war sein Herz erweicht und geöffnet. Er ermahnte die Bischöfe und die Geistlichen feierlich und eindringlich, ihren Brüdern, den protestantischen Dissenters, mit zarter Rücksicht zu begegnen, sie oft zu besuchen, sie gastlich zu bewirthen, sich freundlich mit ihnen zu unterhalten und sie womöglich zum Anschluß an die Kirche zu bewegen, sich aber, wenn ihnen dies nicht gelänge, in ihrem Wirken für die segensreiche Sache der Reformation herzlich und liebreich zu verbinden.[137]

Viele fromme Leute dachten in späteren Jahren mit schmerzlicher Sehnsucht an jene Zeit zurück. Sie schilderten dieselbe als den flüchtigen Schimmer eines goldenen Zeitalters zwischen zwei eisernen Zeitaltern. Waren solche Klagen auch natürlich, so waren sie doch nicht begründet. Die Coalition von 1688 war und konnte nur das Erzeugniß einer an Wahnsinn grenzenden Tyrannei und einer alle großen Institutionen des Landes gleichzeitig bedrohenden Gefahr sein. Daß eine solche Coalition seitdem nicht wieder vorgekommen, hat seinen Grund darin, weil noch nie wieder so schlecht und verkehrt regiert worden ist. Man darf nicht vergessen, daß, wenn auch Eintracht an sich besser ist als Zwietracht, doch Zwietracht das Zeichen besserer Zustände sein kann als Eintracht sie andeutet. Unglück und Gefahr zwingen die Menschen oft, sich zu verbinden. Glück und Sicherheit bestimmen sie oft, sich zu trennen.

[136.] Der Fur Praedestinatus.

[137.] Dieser Hirtenbrief findet sich in der ersten der zwölf Sammlungen von Urkunden über die englischen Angelegenheiten, die zu Ende des Jahres 1688 und zu Anfang des Jahres 1689 gedruckt wurden. Er wurde am 26. Juli, nicht ganz einen Monat nach dem Prozesse erlassen. Um die nämliche Zeit äußerte Lloyd von St. Asaph gegen Heinrich Wharton, daß die Bischöfe ein ganz neues Verfahren gegen die protestantischen Dissenters einzuschlagen gedächten: „Omni modo curaturos, ut ecclesia sordibus et corruptelis penitus exueretur; ut sectariis reformatis reditus in ecclesiae sinum exoptati occasio ac ratio concederetur, si qui sobrii et pii essent; ut pertinacibus interim jugum levaretur, extinctis penitus legibus mulctatoriis.“ — Excerpta ex Vita H. Wharton.


Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.