Dem freudigen Tage folgte eine nicht minder freudige Nacht. Die Bischöfe und einige ihrer achtungswerthen Freunde bemühten sich vergebens, tumultuarische Freudenbezeigungen zu verhindern. Die ältesten Leute erinnerten sich nicht, jemals, selbst nicht an dem Abende, als es in London bekannt wurde, daß die schottische Armee sich für ein freies Parlament erklärt hatte, die Straßen von so zahlreichen Freudenfeuern erhellt gesehen zu haben. Um jedes Feuer hatte sich ein Haufe gelagert, der auf das Wohl der Bischöfe und auf den Untergang der Papisten trank. Die Fenster waren ebenfalls glänzend erleuchtet, jedes gewöhnlich durch sieben Lichter, von denen das mittelste und längste den Primas vorstellte. Dazu hörte man fortwährend das Knallen von Schwärmern, Raketen und Gewehrschüssen. Ein ungeheurer Holzstoß brannte gerade dem Haupteingange von Whitehall gegenüber; andere wurden vor den Thüren katholischer Peers angezündet. Lord Arundell von Wardour beschwichtigte wohlweislich den Pöbel mit ein wenig Geld; im Palast Salisbury am Strand aber wurde ein Widerstandsversuch gemacht. Die Dienerschaft Lord Salisbury’s machte einen Ausfall und feuerte; aber nur der unglückliche Büttel des Bezirks fiel, der gerade gekommen war, um das Feuer auszulöschen, und die Schaar wurde bald in den Palast zurückgetrieben. Kein Schauspiel jener Nacht amüsirte das gemeine Volk so sehr, als eines, das ihnen vor mehreren Jahren wohl bekannt gewesen war, und das ihnen jetzt nach einer langen Pause wieder gegeben wurde: die Verbrennung des Papstes. Dieses vor Zeiten sehr beliebte Schauspiel kennt unsere Generation nur aus Beschreibungen und Abbildungen. Eine Figur, die aber keineswegs jenen plumpen Conterfeyen von Guy Fawx glich, welche noch jetzt am 5. November zur Schau umhergetragen werden, sondern die mit einiger Geschicklichkeit von Wachs verfertigt und mit nicht geringen Kosten mit Gewändern und einer Tiara geschmückt war, wurde auf einen Stuhl gesetzt, ähnlich dem, auf welchem noch heute an einigen hohen Festtagen die römischen Bischöfe durch die Peterskirche zum Hochaltare getragen werden. Seine Heiligkeit war gewöhnlich umgeben von einem Gefolge von Cardinälen und Jesuiten, und ihm zur Seite stand ein als Teufel mit Schweif und Hörnern verkleideter Hanswurst. Kein reicher und eifriger Protestant sah bei dieser Gelegenheit eine Guinee an, und wenn man der Sage glauben darf, betrugen die Kosten einer solchen Prozession zuweilen nicht weniger als tausend Pfund. Nachdem der Papst eine Zeit lang über den Köpfen der Menge zur Schau umhergetragen worden war, wurde er unter lautem Jubel den Flammen überliefert. Zur Zeit der Popularität Oates’ und Shaftesbury’s wurde das Schauspiel alljährlich am Geburtstage der Königin Elisabeth in Fleet Street unter den Fenstern des Whig-Clubs aufgeführt. Der groteske Gebrauch war so berühmt, daß Barillon sich einmal in Lebensgefahr begab, um aus einem Versteck zuzusehen.[134] Seit der Entdeckung des Ryehousecomplots war die Ceremonie bis zu dem Tage der Freisprechung der Bischöfe unterblieben. An diesem Abende aber tauchten in verschiedenen Stadttheilen Londons mehrere Päpste auf. Der Nuntius war höchlich entrüstet und der König fühlte sich durch diese Verhöhnung seiner Kirche schwerer gekränkt als durch irgend eine andre ihm zugefügte Beleidigung. Die Behörden konnten jedoch nichts thun. Der Sonntagmorgen graute bereits und die Glocken der Pfarrkirchen riefen zum Frühgebet, ehe die Feuer zu erlöschen und die Volksmassen sich zu verlaufen begannen. Es erschien nun alsbald eine Proklamation gegen die Ruhestörer. Viele von ihnen, meist Lehrlinge, wurden verhaftet: aber die Anklagen gegen sie wurden von den Gerichten von Middlesex nicht angenommen. Die Magistratsbeamten, von denen viele Katholiken waren, geriethen mit der großen Jury in Streit und schickten sie mehrere Male zurück, aber ohne Erfolg.[135]

[129.] Collection of State Trials; Oldmixon, 739; Clarendon’s Diary, June 25. 1688; Johnstone, 2. Juli; Citters, 3.(13.) Juli; Adda, 6.(10.) Juli; Luttrell’s Diary; Barillon, 2.(12.) Juli.

[130.] Citters, 3.(13.) Juli. Der würdevolle Ernst, mit dem er die Geschichte erzählt, macht einen komischen Eindruck: „Den Bisschop van Chester, wie seer de partie van het hof houdt, om te voldoen aan syne gewoone nieusgierigheyt, hem op dien tyt in Westminster Hall mede hebbende laten vinden, in het uytgaan doorgaans was uytgekreten voor een grypende wolf in schaaps kleederen; en hy synde een heer van hooge stature en vollyvig, spotsgewyse allomme geroepen was dat men voor hem plaats moeste maken, om te laten passen, gelyck ook geschiede, om dat soo sy uytschreeuwden en hem in het aansigt seyden, hy den Paus in syn buyck hadde.“

[131.] Luttrell; Citters, 3.(13.) Juli 1688. „Soo syn in tegendeel gedagte jurys met de uyterste acclamatie en alle teyckenen van genegenheyt en danckbaarheyt in het door passeren van de gemeente ontvangen. Honderden vielen haar om den hals met alle bedenckelycke wewensch van segen en geluck over hare persoonen en familien, om dat sy haar so heusch en eerlyck buyten verwagtinge als het ware in desen gedragen hadden. Veele van de grooten en kleynen adel wierpen in het wegryden handen vol gelt under de armen luyten, om op de gesontheyt van den Coning, der Heeren Prelaten, on de Jurys te drincken.“

[132.] „Mi trovava con Milord Sunderland la stessa mattina, quando venne l’Avvocato Generale a rendergli conto del successo, e disse, che mai piu a memoria d’huomini si era sentito un applauso, mescolato di voce e lagrime di giubilo, egual a quello che veniva egli di vedere in quest’ occasione.“ Adda, 6.(16.) Juli 1688.

[133.] Burnet, I. 744; Citters, 3.(13.) Juli 1688.

[134.] Siehe eine interessante Erzählung, welche Danby, damals Herzog von Leeds, zugleich mit anderen Papieren im Jahre 1710 veröffentlichte. Eine anziehende Beschreibung der Ceremonie der Papstverbrennung findet sich auch in North’s Examen, 570. Ferner sehe man die Note zum Epilog des Trauerspiels „Ödipus“ in Scott’s Ausgabe von Dryden.

[135.] Reresby’s Memoirs; Citters, 3.(13.) Juli 1688; Adda, 6.(16.) Juli; Barillon 2.(12.) Juli; Luttrell’s Diary; Neuigkeitsbrief vom 4. Juli; Oldmixon, 739; Ellis’ Correspondenz.

Eigenthümlicher Zustand der öffentlichen Meinung zu jener Zeit. [Inzwischen] verbreitete sich die frohe Nachricht durch das ganze Land und wurde allenthalben mit Jubel aufgenommen. Gloucester, Bedford und Lichfield gehörten zu den Städten, die sich durch besonderen Eifer auszeichneten; Bristol und Norwich aber, welche nach Bevölkerung und Reichthum London am nächsten standen, kamen bei diesem freudigen Anlasse auch in der Begeisterung der Hauptstadt am nächsten.

Die gerichtliche Verfolgung der sieben Bischöfe ist ein Ereigniß, das in unsrer Geschichte einzig dasteht. Es war der erste und letzte Fall, wo zwei mächtige in der Regel einander entgegengesetzte Gefühle, von denen jedes für sich allein bei heftiger Erregung hinreichend war, um den Staat zu erschüttern, in vollkommener Eintracht verbündet waren. Diese Gefühle waren die Liebe zur Kirche und die Liebe zur Freiheit. Während vieler Generationen war jeder heftige Ausbruch des kirchlichen Gefühls, mit einer einzigen Ausnahme, der bürgerlichen Freiheit nachtheilig gewesen; und ebenso war jeder heftige Ausbruch des Freiheitsgefühls, mit einer einzigen Ausnahme, dem Ansehen und Einflusse des Prälatenthums und der Priesterschaft verderblich. Im Jahre 1688 war die Sache der Hierarchie einen Augenblick die Sache der Volkspartei. Mehr als neuntausend Geistliche, mit dem Primas und seinen ehrenwerthesten Suffraganen an der Spitze, erklärten sich bereit, Haft und Eigenthumsberaubung für das große Grundprinzip unsrer freien Verfassung zu erdulden. Die Folge war eine Coalition, welche die eifrigsten Kavaliere, die eifrigsten Republikaner und alle zwischeninne liegenden Parteien der Gesammtheit umfaßte. Der Geist, welcher Hampden unter der vergangenen Generation aufrecht erhalten hatte, verband sich mit dem Geiste, welcher Sacheverell unter der folgenden aufrecht erhielt, um den Erzbischof, der ein Hampden und ein Sacheverell zugleich war, aufrecht zu erhalten. Diejenigen Klassen der Gesellschaft, denen an der Erhaltung der Ruhe am meisten gelegen ist, welche in stürmischen Zeiten gewöhnlich am ersten bei der Hand sind, die Regierung zu unterstützen, und welche einen natürlichen Widerwillen gegen Aufwiegler hegen, folgten ohne Bedenken der Leitung eines ehrwürdigen Mannes, des ersten Peers des Reiches, des ersten Dieners der Kirche, eines Tory’s in der Politik, eines Heiligen in seinem Privatleben, den die Tyrannei wider seinen Willen in einen Demagogen verwandelt hatte. Auf der andren Seite flehten jetzt selbst Diejenigen, welche das Episcopat als einen Überrest des Papismus und als ein Werkzeug der Willkürherrschaft stets verabscheut hatten, auf den Knien um den Segen eines Prälaten, der bereit war, eher Ketten zu tragen und seine alterschwachen Glieder auf die nackten Steine eines Kerkers zu legen, als daß er die Interessen des protestantischen Glaubens verrathen und die Hoheitsrechte der Krone über das Gesetz gestellt hätte. Mit der Liebe zur Kirche und der Liebe zur Freiheit verband sich in dieser wichtigen Krisis noch ein drittes Gefühl, das zu den achtungswerthesten Zügen unsres Nationalcharacters gehört. Ein durch Willkürgewalt unterdrückter Mensch findet bei uns, hätte er sonst auch nicht den mindesten Anspruch auf Achtung und Dankbarkeit, gewöhnlich eine rege Theilnahme. So wurde zu den Zeiten unserer Großväter die Gesellschaft durch Wilkes’ Verfolgung heftig aufgeregt. Wir selbst sahen die Nation durch die gegen die Königin Karoline geübte Härte fast bis zum Wahnsinn gereizt. Daher wurde England, selbst wenn von dem Ausgange des Prozesses gegen die Bischöfe keine wichtigen politischen oder religiösen Interessen abgehangen hätten, es wahrscheinlich nicht ohne starke Regungen von Mitleid und Unwillen mit angesehen haben, wie einige Greise von makelloser Tugend von der Rache eines jähzornigen und unerbittlichen Fürsten verfolgt wurden, der ihrer Treue seine Krone verdankte.