[16.] Der Vertrag ist in dem Recueil des Traités, IV. No. 209 zu finden.
Wilhelm wird das Oberhaupt der englischen Opposition. [Gerade] zu der Zeit, als der Prinz so dem englischen Hofe entfremdet wurde, verschwanden die Ursachen, welche bisher eine Kälte zwischen ihm und den beiden großen Parteien des englischen Volks hervorgerufen hatten. Ein großer Theil, der Zahl nach vielleicht die Mehrheit der Whigs, hatte die Ansprüche Monmouth’s begünstigt, aber Monmouth existirte jetzt nicht mehr. Die Tories auf der andren Seite hatten gefürchtet, die Interessen der anglikanischen Kirche mochten unter der Leitung eines Mannes nicht sicher sein, der unter holländischen Presbyterianern aufgewachsen und dessen Ansichten über die Gewänder, die Ceremonien und die Bischöfe als latitudinarisch wohl bekannt waren; seitdem aber jener geliebten Kirche von einer ganz andren Seite weit furchtbarere Gefahren drohten, hatten diese Befürchtungen fast ihre ganze Kraft verloren. So kam es, daß beide große Parteien in dem nämlichen Augenblicke ihre Hoffnungen und ihre Liebe auf den nämlichen Führer zu richten begannen. Alte Republikaner konnten ihr Vertrauen einem Manne nicht versagen, der viele Jahre hindurch das höchste Amt einer Republik würdig bekleidet hatte, und alte Royalisten sahen ein, daß sie in Übereinstimmung mit ihren Grundsätzen handelten, wenn sie einem dem Throne so nahe gehenden Prinzen die tiefste Ehrerbietung bezeigten. Unter diesen Umständen war es von höchster Wichtigkeit, daß zwischen Wilhelm und Marien die vollkommenste Einigkeit herrschte. Eine Mißhelligkeit zwischen der präsumtiven Thronerbin und ihrem Gemahl hätte in der großen Masse, die sich von allen Seiten her um einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt schaarte, eine Spaltung hervorbringen müssen. Zum Glück wurde jede Gefahr einer solchen Mißhelligkeit im entscheidenden Augenblicke durch Burnet’s Dazwischenkunft beseitigt und der Prinz wurde das unbestrittene Haupt der ganzen Partei, welche der Regierung feindlich gegenüberstand, einer Partei, welche fast die ganze Nation in sich begriff.
Es ist nicht der mindeste Grund zu der Annahme vorhanden, daß er schon um diese Zeit das große Unternehmen im Sinne hatte, zu dem ihn später die gebieterische Nothwendigkeit trieb. Er wußte sehr gut, daß die öffentliche Stimmung in England, wenn auch durch Kränkungen gereizt, doch zu einer Revolution keineswegs reif war. Gewiß würde er gern das Ärgerniß vermieden haben, das ein blutiger Streit zwischen Personen, welche durch die engsten Bande der Blutsverwandtschaft und der Verschwägerung an einander gekettet waren, nothwendig erregen mußte. Auch sein Ehrgeiz ließ es ihm nicht wünschenswerth erscheinen, die Größe, die im gewöhnlichen Laufe der Natur und des Rechts ihm zufallen konnte, einer Gewaltthätigkeit zu verdanken, denn er wußte jetzt, daß, wenn die Krone auf regelmäßigem Wege auf seine Gemahlin überging, zugleich mit derselben auch alle ihre Vorrechte ungeschmälert auf ihn selbst übergehen würden, daß sie aber, wenn sie durch eine Wahl erlangt wurde, unter den Bedingungen angenommen werden mußte, welche die Wähler zu stellen für gut fanden. Er schien daher geduldig den Tag erwarten zu wollen, wo er mit unbestrittenem Rechte die Regierung antreten konnte, und sich bis dahin darauf zu beschränken, als erster Prinz von Geblüt und als Oberhaupt der Partei, welche in der Nation entschieden das Übergewicht hatte, und die auch darauf rechnen konnte, in beiden Häusern eines zu versammelnden Parlaments entschieden zu überwiegen, einen großen Einfluß auf die englischen Angelegenheiten auszuüben.
Mordaunt schlägt Wilhelm eine Landung in England vor. [Indessen] war er bereits durch einen Rathgeber, der weniger scharfsichtig, aber ungestümer war als er selbst, gedrängt worden, einen kühneren Weg einzuschlagen. Dieser Rathgeber war der junge Lord Mordaunt. Das damalige Zeitalter hat kein erfinderischeres Genie und keinen verwegeneren Geist hervorgebracht. Aber wenn ein Plan nur glänzend war, so fragte Mordaunt selten danach, ob er auch ausführbar sein würde, sein ganzes Leben war ein wilder Roman, zusammengesetzt aus geheimnißvollen Intriguen der Politik und der Liebe, aus heftigen und schnellen Wechseln des Schauplatzes und des Glücks, und aus Siegen, welche mehr denen eines Amadis und eines Lancelot, als denen eines Luxemburg und eines Eugen glichen. Die Episoden, welche mit dieser seltsamen Lebensgeschichte verflochten waren, entsprachen ganz der Hauptintrigue. Es waren darunter nächtliche Kämpfe mit edelmüthigen Räubern und Befreiungen vornehmer und schöner Damen aus den Händen von Entführern. Nachdem sich Mordaunt durch die Beredtsamkeit und Kühnheit ausgezeichnet, mit der er im Hause der Lords gegen den Hof aufgetreten war, zog er sich bald nach der Prorogation nach dem Haag zurück und empfahl dringend eine unverzügliche Landung in England. Er bildete sich ein, es sei eben so leicht, drei große Königreiche zu überrumpeln, als es ihm lange nachher wurde, Barcellona zu nehmen.
Wilhelm verwirft den Rath. [Wilhelm] hörte ihn an, überlegte sich die Sache und erwiederte endlich in allgemeinen Ausdrücken, er interessire sich sehr für die englischen Angelegenheiten und werde dieselben scharf im Auge behalten.[17] Was aber auch seine Absicht sein mochte, es ist nicht anzunehmen, daß er einen voreiligen und hitzköpfigen fahrenden Ritter zu seinem Vertrauten erwählt haben würde. Die beiden Männer hatten nichts mit einander gemein als persönlichen Muth, der bei ihnen bis zum fabelhaften Heroismus ging, Mordaunt wollte lediglich die Aufregung des Kampfes genießen und die Menschen in Erstaunen setzen, Wilhelm hatte beständig ein erhabenes Ziel vor Augen. Nach diesem Ziele trieb ihn eine gewaltige Leidenschaft, die ihn im Gewande einer heiligen Pflicht erschien. Auf dieses Ziel steuerte er mit einer Geduld hin, die, wie er einmal sagte, der Geduld eines Bootsführers glich, den er auf einem Kanale gegen eine widrige Strömung hatte ankämpfen sehen, der immer wieder zurückgeworfen wurde, aber nicht aufhörte zu rudern und zufrieden war, wenn er nach stundenlanger Arbeit um einige Yards vorwärts gekommen war.[18] Heldenthaten, die ihn seinem Ziele nicht näher brachten, mochten sie in den Augen des großen Haufens noch so ruhmvoll sein, waren seiner Ansicht nach kindische Eitelkeiten, aber kein Theil der wahren Aufgabe des Lebens.
Er beschloß, Mordaunt’s Rath zu verwerfen und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß dies ein weiser Entschluß war. Hätte Wilhelm im Jahre 1686 oder selbst 1687 das versucht, was er 1688 mit so glänzendem Erfolge unternahm, so würden zwar vielleicht auf seinen Ruf viele Whigs zu den Waffen gegriffen haben, aber er würde bald gesehen haben, daß die Nation noch nicht hinreichend vorbereitet war, um einen bewaffneten Befreier aus fremdem Lande willkommen zu heißen, und daß die Kirche noch nicht genugsam gereizt und beleidigt worden war, damit sie den Grundsatz, der seit so langer Zeit ihr Losungswort war, schon hätte vergessen haben können. Die alten Kavaliere würden sich um das königliche Banner geschaart haben und es würde wahrscheinlich in allen drei Königreichen ein eben so langer und heftiger Bürgerkrieg als der unter der vorigen Generation ausgebrochen sein. Während dieser Krieg auf den britischen Inseln wüthete, was konnte Ludwig inzwischen nicht Alles auf dem Continent versuchen? Und welche Aussichten hätte dann Holland gehabt, das von seinen Truppen entblößt und von seinem Statthalter verlassen gewesen wäre?
[17.] Burnet I. 762.
[18.] Temple’s Memoirs.
Unzufriedenheit in England nach dem Sturze der Hyde. [Wilhelm] begnügte sich daher für jetzt, Maßregeln zu ergreifen, um der mächtigen Opposition, deren Oberhaupt er geworden war, Einigkeit und Lebenskraft einzuhauchen. Dies war nicht schwer. Der Fall der Hyde hatte durch ganz England eine heftige Aufregung und Entrüstung hervorgerufen. Man fühlte, daß es sich jetzt nicht mehr darum handelte, ob der Protestantismus herrschen, sondern ob er geduldet werden sollte. An die Stelle des Schatzmeisters war eine Commission getreten, deren Oberhaupt ein Papist war. Das Geheimsiegel war einem Papisten anvertraut worden und der Nachfolger des Lordlieutenants von Irland war ein Mann, der durchaus keinen andren Anspruch auf einen so hohen Posten hatte, als daß er Papist war. Tyrconnel wäre der Letzte gewesen, den eine Regierung, welcher das allgemeine Wohl des Landes am Herzen lag, nach Dublin als Stellvertreter geschickt hätte. Seine brutalen Manieren machten ihn geradezu unfähig, die Majestät der Krone zu repräsentiren. Sein beschränkter Verstand und sein heftiges Temperament machten ihn untauglich, wichtige Staatsgeschäfte zu leiten. Sein unversöhnlicher Haß gegen die Besitzer des größeren Theiles des irischen Grund und Bodens machte ihn ganz untauglich, gerade dieses Land zu verwalten. Aber die Maßlosigkeit seiner Bigotterie wurde als ein genügender Ersatz für die Maßlosigkeit seiner anderen Leidenschaften betrachtet und aus Rücksicht auf seinen Haß gegen den reformirten Glauben gestattete man ihm, seinem Hasse gegen den englischen Namen freien Lauf zu lassen. Dies war also der wirkliche Sinn der Achtung Seiner Majestät vor den Rechten der Überzeugung! Er wollte, daß sein Parlament alle den Papisten auferlegte Ausschließungen beseitigte, nur damit er gleich drückende Ausschließungen über die Protestanten verhängen konnte. Es war klar, daß unter einem solchen Fürsten Glaubensabfall der einzige Weg zur Größe sein konnte. Dennoch wagten es nur Wenige, diesen Weg einzuschlagen, denn der Geist der Nation war furchtbar aufgeregt, und jeder Renegat hatte ein solches Maß von Hohn und Verachtung zu ertragen, daß auch die verhärtetsten Naturen nicht ganz unempfindlich dagegen bleiben konnten.
Bekehrungen zum Papismus; Peterborough, Salisbury. [Allerdings] hatten erst kürzlich mehrere bemerkenswerthe Übertritte stattgefunden; aber sie waren von der Art, daß sie der römischen Kirche wenig Ehre machten. Zwei vornehme Männer hatten sich in ihren Schooß aufnehmen lassen: Heinrich Mordaunt, Earl von Peterborough und Jakob Cecil, Earl von Salisbury. Aber Peterborough, früher ein thätiger Soldat, Hofmann und Diplomat, war jetzt durch Alter und Krankheit gebeugt und wer ihn, auf einen Stock gestützt und in Flanell und Pflaster eingehüllt, durch die Gallerien von Whitehall hinken sah, tröstete sich über seinen Abfall damit, daß er seinen Glauben erst gewechselt, nachdem er seine Körper- und Geisteskräfte überlebt hatte.[19] Salisbury war sprüchwörtlich albern. Sein Körper war in Folge sinnlicher Genüsse dermaßen aufgeschwollen, daß er sich fast nicht mehr bewegen konnte, und dieser träge Körper war der Wohnsitz eines eben so trägen Geistes. In populären Spottliedern war er als ein Mensch dargestellt, der dazu geschaffen war, betrogen zu werden, als ein Mensch, der bisher die Beute von Spielern gewesen und der eben so gut die Beute von Mönchen werden konnte. Ein Pasquill, das zur Zeit von Rochester’s Rücktritt an die Thür von Salisbury House am Strand angeheftet wurde, schildert in starken Ausdrücken das Entsetzen, mit dem der weise Robert Cecil, wenn er aus seinem Grabe auferstehen könnte, sehen würde, auf was für ein Geschöpf seine Würden und Ehren gekommen waren.[20]