[19.] Siehe die beiden Gedichte, betitelt: The Converts und The Delusion.

[20.] Die Verse befinden sich in der Collection of State Poems.

Wycherley, Tindal, Haines. [Dies] waren im Range die höchststehenden von Jakob’s Proselyten. Außerdem gab es noch Renegaten ganz andrer Art, unbemittelte Leute von Talent, die aber keine Grundsätze und keine Spur von Ehrgefühl besaßen. Man hat Grund zu glauben, daß Wilhelm Wycherley, der zügelloseste und hartherzigste Schriftsteller einer ganz besonders zügellosen und hartherzigen Schule, zu diesen gehörte.[21] Gewiß ist, daß Matthäus Tindal, der sich später durch seine Schriften gegen das Christenthum einen Namen machte, um diese Zeit in den Schooß der alleinseligmachenden Kirche aufgenommen wurde, ein Schritt, den, wie man leicht denken kann, die Theologen, mit denen er nachmals polemisirte, nicht vergessen hatten.[22] Ein noch ehrloserer Apostat war Joseph Haines, dessen Name jetzt so gut wie vergessen ist, der aber damals als ein Abenteurer von vielseitiger Begabung, als Gauner, Falschmünzer, falscher Zeuge, falscher Bürge, Tanzmeister, Possenreißer, Dichter und Schauspieler wohl bekannt war. Einige von seinen Prologen und Epilogen wurden von seinen Zeitgenossen viel bewundert und sein Schauspielertalent war allgemein anerkannt. Dieser Mann wurde Katholik, ging im Gefolge Castelmaine’s mit nach Italien, wurde aber bald wegen schlechter Aufführung wieder entlassen. Wenn man einer Tradition glauben darf, die sich lange im Garderobezimmer erhalten hat, so hatte Haines die Frechheit zu behaupten, daß ihm die Jungfrau Maria erschienen sei und ihn zur Buße aufgefordert habe. Nach der Revolution versuchte er es sich mit der Stadt durch eine Buße auszusöhnen, die noch skandalöser war als sein Vergehen. Eines Abends, ehe er in einer Posse auftrat, erschien er in ein weißes Betttuch gehüllt und mit einer Kerze in der Hand auf der Bühne und trug einige gottlose, unanständige Knittelverse vor, die er seinen Widerruf nannte.[23]

[21.] Die Nachrichten, die wir über Wycherley haben, sind äußerst dürftig; zweierlei aber ist gewiß: daß er sich in seinen späteren Jahren einen Papisten nannte und daß er von Jakob Geld erhielt. Ich zweifle kaum daran, daß er ein bezahlter Convertit war.

[22.] Siehe den Artikel über ihn in der Biographia Britannica.

[23.] Siehe Jakob Quin’s Bericht über Haines in Davies’s Miscellanies; Tom Brown’s Works; Lives of Sharpers; Dryden’s Epilog zu der Secular Masque.

Dryden. [Mit] dem Namen Haines wurde in vielen Libellen der Name eines berühmteren Renegaten, Johann Dryden’s verbunden. Dryden näherte sich jetzt dem Abend seines Lebens. Nach vielen Erfolgen und vielen Enttäuschungen hatte er endlich mit allgemeiner Zustimmung die erste Stelle unter den lebenden Dichtern Englands erhalten. Er hatte größere Ansprüche auf den Dank Jakob’s als irgend ein andrer Schriftsteller des Königreichs. Doch Jakob war an Versen wenig, sehr viel aber am Gelde gelegen. Vom Tage seiner Thronbesteigung an bemühte er sich kleine Ersparnisse zu machen, welche einer Regierung den Vorwurf der Knauserei zuziehen, ohne die Finanzlast merklich zu erleichten. Zu den Opfern seiner unverständigen Sparsamkeit gehörte auch der Poeta Laureatus. Es wurde Befehl gegeben, daß in dem neuen Diplom, welches durch die Erledigung der Krone nöthig geworden war, das jährlich gespendete Faß Sect, das ursprünglich Jonson bewilligt und auch dessen Nachfolgern zugestanden worden war, weggelassen werden sollte.[24] Dies war die einzige Notiz, welche der König im ersten Jahre seiner Regierung von dem gewaltigen Satiriker zu nehmen geruhte, der im kritischesten Augenblicke des großen Kampfes wegen der Ausschließungsbill in den Reihen der Whigs Schrecken verbreitet hatte. Dryden war arm und seine Armuth drückte ihn nieder. Von Religion wußte er wenig und kümmerte sich auch nicht darum. Wenn irgend ein Gefühl tief in seiner Brust wurzelte, so war es der Widerwille gegen die Priester jeden Glaubens, gegen Leviten, Auguren, Muftis, römisch-katholische Geistliche, presbyterianische und anglikanische Geistliche. Er war von Natur kein hochherziger Mann, und seine Bestrebungen waren nicht von der Art, daß sie seinem Sinne höhere Würde und größeres Zartgefühl verleihen konnten. Er hatte viele Jahre lang sich seinen Unterhalt dadurch erworben, daß er dem verderbten Geschmacke des Publikums diente und reichen, adeligen Gönnern auf die plumpste Manier schmeichelte. Selbstachtung und ein feines Schicklichkeitsgefühl konnte man von einem Manne, der das Leben eines Bettlers und Speichelleckers geführt hatte, nicht erwarten. Da er die Bemerkung machte, daß seine Dienste unbeachtet bleiben würden, wenn er fortführe sich einen Protestanten zu nennen, so erklärte er sich zum Papisten. Augenblicklich ließ die Knauserei des Königs nach. Dryden wurde mit einem Jahrgelde von hundert Pfund belohnt und dazu verwendet, seine neue Religion in Prosa und in Versen zu vertheidigen.

Zwei ausgezeichnete Männer, Samuel Johnson und Walter Scott, haben ihr Möglichstes gethan, um sich selbst und Andere zu überreden, daß dieser denkwürdige Glaubenswechsel aufrichtig war. Es war natürlich, daß sie einen Schandfleck von dem Gedächtnisse eines Mannes verwischen wollten, dessen Genie sie mit Recht bewunderten und mit dessen politischen Ansichten sie stark sympathisirten; der unparteiische Geschichtsschreiber aber muß ein ganz andres Urtheil aussprechen. Es wird jederzeit starker Zweifel gegen die Aufrichtigkeit einer Bekehrung erhoben werden, durch welche der Bekehrte unmittelbar gewinnt. Und in Dryden’s Falle ist nichts vorhanden, was diesen Zweifel entkräften konnte. Seine theologischen Schriften beweisen zur Genüge, daß er sich nie fleißig und ernstlich bemüht hat, die Wahrheit zu ergründen, und daß seine Kenntniß der Kirche, die er verließ, wie auch der, zu der er übertrat, höchst oberflächlich war. Eben so wenig benahm er sich in der Folge wie ein Mann, den ein starkes Pflichtgefühl zu einem Schritte von so hochwichtiger Bedeutung bewogen hatte. Wäre er ein solcher Mann gewesen, so würde die nämliche Überzeugung, die ihn in den Schooß der römischen Kirche geführt hatte, ihn abgehalten haben, allgemeine Regeln, welche diese Kirche in Übereinstimmung mit jeder andren christlichen Gemeinschaft als bindend anerkennt, gröblich und gewohnheitsmäßig zu verletzen. Es würde ein merklicher Unterschied zwischen seinen früheren und seinen späteren Werken zu erkennen gewesen sein; er würde mit Reue auf seine fast dreißigjährige literarische Laufbahn zurückgeblickt haben, während welcher er seine seltenen Talente für die Diction und den Versbau systematisch zur Verbreitung der Sittenverderbniß angewendet hatte. Nicht eine Zeile, welche darauf hinzielte, die Tugend verächtlich zu machen und unreine Begierden zu entzünden, würde von diesem Augenblicke an mehr aus seiner Feder geflossen sein. Leider aber ist es nur zu wahr, daß die Dramen, welche er nach seiner angeblichen Bekehrung schrieb, in keiner Hinsicht weniger unrein und profan sind, als die seiner Jugend. Selbst in seinen Übersetzungen wich er beständig von den Originalen ab, um Bilder aufzusuchen, die er hätte übergehen müssen, wenn er sie in den Originalen gefunden hätte. Das Schlechte wurde durch seine Übertragungen noch schlechter, und das Unschuldige wurde durch die Berührung mit seinem Geiste befleckt. Er machte die derbsten Satiren Juvenal’s noch derber, schob in die Erzählungen Boccacio’s schlüpfrige Schilderungen ein und befleckte die liebliche und reine Poesie der Georgica mit Schmutz, der Vergil’s Ekel erregt haben würde.

Dryden’s Beistand war denjenigen römisch-katholischen Theologen willkommen, welche gegen die ausgezeichnetsten Männer der Staatskirche mit Mühe einen Kampf unterhielten. Sie konnten es sich nicht verhehlen, daß ihr durch ausländische, in Rom oder Douay aufgelesene Ausdrücke entstellter Styl der Beredtsamkeit eines Tillotson und Sherlock gegenüber eben in keinem vortheilhaften Lichte erschien. Man glaubte es nicht gering anschlagen zu dürfen, daß man die Mitwirkung des größten lebenden Meisters der englischen Sprache gewonnen hatte. Der erste Dienst, der von ihm zum Dank für die bewilligte Pension verlangt wurde, war eine in Prosa geschriebene Vertheidigung seiner Kirche gegen Stillingfleet. Aber einem Manne, der nichts zu sagen weiß, hilft das Talent, Alles gut sagen zu können, nichts, und in diesem Falle befand sich Dryden. Er sah bald ein, daß er einem Gegner, dessen ganzes Leben ein langes Studium der Polemik gewesen, nicht gewachsen war. Der langgediente Gladiator entwaffnete den Neuling, versetzte ihm mit Verachtung einige Hiebe und wendete sich dann von ihm ab, um achtunggebietenderen Kämpfern entgegenzutreten.

[24.] Diese Thatsache, welche den genauen Forschungen Malone’s entging, ergiebt sich aus dem Briefbuche des Schatzamts von 1685.