Die Session begann mit der feierlichen Anerkennung der Oberherrlichkeit des Mutterlandes. Die Gemeinen ließen sich von ihrem Schriftführer die englische Acte vorlesen, welche von ihnen die Leistung des Suprematseides und die Unterschreibung der Erklärung gegen die Transsubstantiation verlangte. Nachdem sie die Verlesung der Acte angehört, schritten sie sofort zur Befolgung derselben. Dann wurden Adressen votirt, welche dem Könige die innigste Dankbarkeit und Anhänglichkeit aussprachen. Zwei Mitglieder, welche zur Zeit der Unruhen dem protestantischen und englischen Interesse untreu geworden waren, wurden ausgestoßen. Geldsummen, welche im Vergleich zu den Hülfsquellen eines durch jahrelangen Raubkrieg verwüsteten Landes bedeutend waren, wurden gern bewilligt. Aber die Bill zur Bestätigung der Ansiedlungsacte wurde als zu günstig für die eingeborne Gentry erachtet und, da sie nicht amendirt werden durfte, ohne große Umstände verworfen. Ein Ausschuß des ganzen Hauses resolvirte, daß die unverantwortliche Nachsicht, mit der die Irländer seit der Schlacht am Boyne behandelt worden, eine der Hauptursachen der Noth des Landes sei. Ein Beschwerden-Ausschuß hielt täglich bis elf Uhr Abends Sitzung, und die Proceduren dieser Untersuchungscommission beunruhigten das Schloß in hohem Grade. Eine Menge Fälle von grober Feilheit und Schurkerei von Seiten hoher Staatsbeamten wurden ans Licht gezogen, eben so auch viele Beispiele von dem was man damals für eine strafbare Milde gegen die unterjochte Nation hielt. Dieser Papist hatte in die Armee eintreten, jener Papist ein Feuergewehr behalten dürfen; ein dritter hatte ein zu gutes Pferd, ein vierter war gegen Protestanten in Schutz genommen worden, die wegen Unbilden, welche sie in den Jahren der Verwirrung erfahren hatten, Klage erheben wollten. Nachdem der Vicekönig ziemlich so viel Geld bewilligt erhalten hatte als er erwarten durfte, beschloß er diesen unangenehmen Untersuchungen ein Ziel zu setzen. Er wußte jedoch, daß, wenn er sich mit dem Parlamente wegen strengen Verfahrens gegen Peculatoren oder Papisten überwarf, er von England wenig Beistand zu erwarten hatte. Er sah sich daher nach einem Vorwande um und war so glücklich einen zu finden. Die Gemeinen hatten einen Beschluß gefaßt, der mit einigem Anschein von Wahrheit als mit dem Poyningsgesetz unverträglich dargestellt werden konnte. Alles, was wie eine Verletzung dieses wichtigen Fundamentalgesetzes aussah, mußte aller Wahrscheinlichkeit nach jenseit des St. Georgskanals entschiedene Mißbilligung erregen. Der Vicekönig erkannte seinen Vortheil und benutzte ihn. Er begab sich nach Chichester House in die Kammer der Lords, ließ die Gemeinen kommen, gab ihnen einen nachdrücklichen Verweis, beschuldigte sie des pflichtwidrigen und undankbaren Eingreifens in die Rechte des Mutterlandes und machte der Session ein Ende.[122]

Die Gemeinen entfernten sich höchlich aufgebracht über die Strafpredigt, die er ihnen gehalten. Die Beschuldigung, die er gegen sie erhoben, sei ungerecht, sagten sie; sie hegten große Zuneigung und Verehrung für das Land, dem sie entsprossen seien, und erwarteten in vollem Vertrauen Genugthuung von dem obersten Parlamente. Mehrere von ihnen reisten nach London, um sich zu rechtfertigen und den Vicekönig anzuklagen. Sie fanden langes und aufmerksames Gehör bei den Lords wie bei den Gemeinen und wurden aufgefordert, den wesentlichen Inhalt des Gesagten schriftlich aufzusetzen. Die demüthige Sprache der Petenten und ihre Betheuerungen, daß sie nie die Absicht gehabt hätten, das Poyningsstatut zu verletzen oder die Oberherrlichkeit England’s zu bestreiten, verwischten den Eindruck, den Sidney’s Beschuldigung gemacht hatte. Beide Häuser überreichten dem Könige Adressen über den Zustand Irland’s. Sie tadelten keinen Schuldigen mit Namen, sondern sprachen nur die Ansicht aus, daß grobe Verwaltungssünden vorgekommen, daß das Publikum ausgeplündert und daß die Katholiken mit unverantwortlicher Milde behandelt worden seien. Wilhelm versprach ihnen in Antwort darauf, daß etwaige Mißbräuche abgestellt werden sollten. Sein Freund Sidney wurde bald zurückberufen und für den Verlust der viceköniglichen Würde durch den einträglichen Posten des Feldzeugmeisters entschädigt. Die Verwaltung Irland’s wurde auf einige Zeit Lords Justices übertragen, unter denen Sir Heinrich Capel, ein eifriger Whig, der sehr wenig Neigung hatte, gegen die Papisten Nachsicht zu üben, die erste Stelle einnahm.

Der König verweigert die Genehmigung der Dreijährigkeitsbill.

Die Prorogation rückte heran und noch immer war das Schicksal der Dreijährigkeitsbill zweifelhaft. Einige der geschicktesten Minister hielten die Bill für eine gute, und selbst wenn sie sie für eine schlechte gehalten hätten, würden sie wahrscheinlich versucht haben, ihren Gebieter von der Verwerfung derselben abzubringen. Es war jedoch nicht möglich, ihn von der Idee zurückzubringen, daß eine Concession in diesem Punkte seine Autorität ernstlich beeinträchtigen würde. Da er sich auf das Urtheil seiner gewöhnlichen Rathgeber nicht verlassen wollte, schickte er Portland zu Sir Wilhelm Temple, um dessen Ansicht einzuholen. Temple hatte sich auf einen Landsitz, Namens Moor Park, in der Nähe von Farnham, zurückgezogen. Die Gegend um seine Wohnung war fast eine Wildniß. Seit mehreren Jahren beschäftigte er sich damit, in dieser Wüste einen Wohnsitz zu schaffen, den die holländischen Bürgermeister, unter denen er einige der schönsten Jahre seines Lebens zugebracht hatte, als ein Paradies betrachtet haben würden. Seine Einsiedelei war hin und wieder mit einem Besuche des Königs beehrt worden, der den Schöpfer der Tripleallianz von Jugend auf gekannt und geachtet hatte und dem es wohl gefiel, inmitten des Haidekrauts und des Ginsters der Wildnisse von Surrey einen Ort zu finden, der wie ein Stück Holland aussah: einen graden Kanal, Terrassen, Reihen beschnittener Bäume und rechteckige Blumen- und Gemüsebeete.

Nach diesem einsamen Wohnsitze begab sich Portland jetzt und fragte das Orakel um Rath. Temple war entschieden der Meinung, daß die Bill genehmigt werden müsse. Er fürchtete, daß die Gründe, die ihn zu dieser Ansicht bestimmten, von Portland, der zwar ein so tapferer Soldat und ein so zuverlässiger Freund war wie es je einen gegeben hat, dessen natürliche Fähigkeiten nicht unbedeutend waren und der in einigen Geschäftsbranchen viel Erfahrung besaß, der aber die Geschichte und die Verfassung England’s nur sehr unvollkommen kannte, dem Könige nicht vollständig und genau berichtet werden möchten. Da der Gesundheitszustand Sir William’s ihm durchaus nicht gestattete, selbst nach Kensington zu reisen, so beschloß er, seinen Sekretär dahin zu senden. Der Sekretär war ein armer Gelehrter von einigen zwanzig Jahren, unter dessen einfachem Rocke und linkischem Benehmen einige der ausgezeichnetsten Geistesgaben verborgen waren, die die Natur je einem Menschenkinde verliehen: ein seltenes Beobachtungstalent, ein glänzender Witz, eine groteske Erfindungsgabe, ein Humor von der beißendsten Schärfe, aber ausnehmend köstlich, eine wunderbar reine, männliche und klare Beredtsamkeit. Dieser junge Mann hieß Jonathan Swift. Er war in Irland geboren, würde sich aber beleidigt gefühlt haben, wenn man ihn einen Irländer genannt hätte. Er war von reinem englischen Geblüt und betrachtete die eingeborne Bevölkerung der Insel, auf der er das Licht der Welt erblickt, Zeit seines Lebens als eine fremde und servile Kaste. Er hatte unter der vorigen Regierung auf der Universität Dublin Collegia gehört, sich dort aber nur durch seinen unregelmäßigen Lebenswandel ausgezeichnet und nur mit Mühe seinen Grad erlangt. Zur Zeit der Revolution hatte er sich mit vielen Tausenden seiner Mitcolonisten vor den Gewaltthätigkeiten Tyrconnel’s ins Mutterland geflüchtet und sich glücklich geschätzt, daß er in Moor Park ein Obdach fand.[123] Dieses Obdach kam ihm jedoch theuer zu stehen. Man hielt ihn mit zwanzig Pfund jährlich und freier Station für seine Dienste hinlänglich bezahlt. Er speiste an der zweiten Tafel. Zuweilen, wenn keine bessere Gesellschaft zu haben war, wurde er allerdings eingeladen, mit seinem Prinzipal Karten zu spielen, und Sir William war dann immer so großmüthig seinem Gegner für den Anfang etwas Silbergeld zu geben.[124] Der bescheidene Student würde es nicht gewagt haben, den Blick zu einer Dame von Familie zu erheben; als er aber Kleriker geworden war, begann er nach Art der damaligen Kleriker einem hübschen Kammermädchen den Hof zu machen, welche die Hauptzierde der Dienerschaft war und deren Name mit dem seinigen in einer traurigen und geheimnißvollen Geschichte unzertrennlich verbunden ist.

Swift erzählte viele Jahre nachher einen Theil dessen was er auf seiner Reise nach Hofe empfand. Sein Lebensmuth war durch Mißgeschick und Demüthigungen gebeugt, ja anscheinend völlig gebrochen worden. Die Sprache, die er seinem Prinzipal gegenüber zu führen pflegte, war, so weit wir es nach den noch vorhandenen Proben beurtheilen können, die eines Lakaien oder vielmehr eines Bettlers.[125] Ein hartes Wort oder ein kalter Blick des Herrn reichte hin, um den Diener auf mehrere Tage unglücklich zu machen.[126] Doch diese Zahmheit war nur die Zahmheit, mit der ein eingefangener, in den Käfig gesperrter und hungriger Tiger sich dem Wärter unterwirft, der ihm Futter bringt. Der demüthige Diener war im Herzen der stolzeste, hochstrebendste, rachsüchtigste und despotischste Mensch von der Welt. Und jetzt eröffnete sich ihm endlich eine weite, unbegrenzte Aussicht. Wilhelm kannte ihn schon ein wenig. In Moor Park war der König zuweilen, wenn die Gicht seinen Wirth an den Krankenstuhl fesselte, von dem Sekretär durch den Park begleitet worden. Se. Majestät hatte geruht, seinem Begleiter zu beschreiben, wie man in Holland den Spargel zu schneiden und zuzubereiten pflegte, und hatte ihn huldreich gefragt, ob Mr. Swift wohl Lust habe, ein Rittmeisterpatent in einem Cavallerieregiment anzunehmen. Jetzt aber sollte der junge Mann zum ersten Male als Rathgeber vor dem Könige stehen. Er erhielt Zutritt in das Privatcabinet Wilhelm’s, überreichte ihm einen Brief von Temple und erläuterte und bekräftigte die in diesem Briefe enthaltenen Argumente in gedrängter Kürze, aber ohne Zweifel mit Klarheit und Gewandtheit. Es sei, sagte er, kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß kurze Parlamente mehr als lange Parlamente geneigt sein würden, in die gerechten Prärogativen der Krone einzugreifen. Das Parlament, welches in der vorhergehenden Generation gegen einen König Krieg geführt, ihn gefangen genommen, ihn in den Kerker, vor Gericht und aufs Schaffot gebracht habe, sei sogar in unseren Annalen vorzugsweise als das Lange Parlament bekannt. Nie würde solches Unheil über die Monarchie gekommen sein, wenn das verhängnißvolle Gesetz nicht existirt hätte, welches diese Versammlung vor Auflösung sicherte.[127] Man muß gestehen, daß in dieser Beweisführung ein Mangel war, den auch ein minder kluger Kopf als Wilhelm leicht entdeckt haben würde. Wenn eine Beschränkung der königlichen Prärogative verderblich geworden war, so bewies dies noch nicht, daß eine andre Beschränkung heilsam sein werde. Daraus, daß ein Souverain ins Verderben gestürzt worden war, weil er sich eines ihm feindlich gesinnten Parlaments nicht hatte entledigen können, folgte noch keineswegs, daß ein andrer Souverain nicht dadurch ins Verderben gestürzt werden konnte, daß er genöthigt war, sich von einem ihm freundlich gesinnten Parlamente zu trennen. Zum großen Verdrusse des Abgesandten vermochten seine Gründe nicht, den Entschluß des Königs zu erschüttern. Am 14. März wurden die Gemeinen ins Oberhaus beschieden; der Titel der Dreijährigkeitsbill wurde verlesen und es wurde der hergebrachten Form gemäß angekündigt, daß der König und die Königin die Sache in Erwägung ziehen wollten. Dann wurde das Parlament prorogirt.

Ministerielle Arrangements.

Bald nach der Prorogation brach Wilhelm nach dem Continent auf. Vor seiner Abreise mußte er jedoch noch einige wichtige Aenderungen vornehmen. Er war entschlossen, Nottingham nicht zu entlassen, in dessen Rechtschaffenheit, eine bei den englischen Staatsmännern seltene Tugend, er wohlbegründetes Vertrauen setzte. Wenn jedoch Nottingham Staatssekretär blieb, konnte Russell ferner nicht bei der Flotte bleiben. Russell wurde, allerdings zu seinem großen Verdruß, zur Annahme eines einträglichen Postens im Hofstaate bewogen, und zwei in ihrem Fache ausgezeichnete Flottenoffiziere, Killegrew und Delaval, bei der Admiralität angestellt und mit dem Commando der Kanalflotte betraut.[128] Diese Arrangements erweckten einiges Murren unter den Whigs, denn Killegrew und Delaval waren anerkanntermaßen Tories und wurden von Vielen für Jakobiten gehalten. Aber andere Ernennungen, welche zu gleicher Zeit stattfanden, bewiesen, daß der König unparteiisch gegen die beiden feindlichen Parteien verfahren wollte. Nottingham war seit einem Jahre alleiniger Staatssekretär. Jetzt erhielt er einen Collegen, in dessen Gesellschaft er sich sehr unbehaglich gefühlt haben muß: Johann Trenchard. Trenchard gehörte zur extremen Section der Whigpartei. Er war ein Tauntonmann, beseelt von dem Geiste, durch den sich Taunton durch zwei Generationen vorzugsweise ausgezeichnet hatte. Er hatte in den Tagen der Papstverbrennungen und der protestantischen Dreschflegel[129] dem berühmten Club des grünen Bandes angehört, war ein thätiges Mitglied mehrerer stürmischer Parlamente gewesen, hatte die erste Ausschließungsbill eingebracht, war bei den von den Häuptern der Opposition geschmiedeten Comploten stark betheiligt gewesen, war auf den Continent geflüchtet, hatte lange in der Verbannung zugebracht und war von der allgemeinen Amnestie von 1686 speciell ausgenommen worden. Obwohl er ein sehr unruhiges Leben geführt, war er doch von Natur friedlichen Temperaments, aber er stand in enger Verbindung mit einer Klasse von Leuten, deren Leidenschaften weit heftiger waren als seine eigenen. Er hatte sich mit der Schwester Hugo Speke’s vermählt, eines der falschesten und boshaftesten Pasquillanten, welche die Sache der constitutionellen Freiheit schändeten. Aaron Smith, der Prokurator des Schatzes, ein Mann, der den Fanatiker und den Rabulisten in seltenem Grade in sich vereinigte, hatte nur zu großen Einfluß auf den neuen Sekretär, mit dem er zehn Jahre früher in der Rose Revolutionspläne berathen hatte. Warum Trenchard vor vielen Männern höheren Ranges und größerer Befähigung zu einem der höchsten und wichtigsten Posten ernannt wurde, ist schwer zu sagen. Er scheint jedoch, obgleich er den Titel eines Staatssekretärs führte und den Gehalt eines solchen bezog, in kein wichtiges Staatsgeheimniß eingeweiht worden und nicht viel mehr als ein Oberaufseher der Polizei gewesen zu sein, dessen Amt darin bestand, die Drucker nicht censirter Bücher, die Pastoren eidverweigernder Gemeinden und die Besucher hochverrätherischer Wirthshäuser ausfindig zu machen.[130]

Ein andrer Whig von viel bedeutenderem Rufe wurde zur selben Zeit zu einem weit höheren Verwaltungsposten berufen. Das große Siegel war nunmehr vier Jahre einer Commission anvertraut gewesen. Seit Maynard’s Rücktritt hatte die Beschaffenheit des Court of Chancery wenig Achtung eingeflößt. Trevor, der erster Commissar war, fehlte es weder an Talenten noch an Gelehrsamkeit; aber seine Rechtschaffenheit wurde mit gutem Grunde in Zweifel gezogen, und die Pflichten, die ihm als Sprecher des Hauses der Gemeinen vier bis fünf Monate hindurch in dem geschäftsreichsten Theile des Jahres oblagen, machten es ihm unmöglich, seinen Platz als Billigkeitsrichter gehörig auszufüllen. Jeder Rechtsuchende klagte, daß er übermäßig lange auf einen Ausspruch habe warten müssen, und wenn endlich ein Urtheil gefällt worden sei, habe es alle Aussicht gehabt, bei der Appellation umgestoßen zu werden. Inzwischen gab es keinen wirksamen Justizminister, keinen hohen Beamten, der die specielle Obliegenheit hatte, dem Könige bei der Ernennung von Richtern, Kronanwälten und Friedensrichtern mit Rath zur Hand zu gehen.[131] Es war bekannt, daß Wilhelm die Nachtheile dieses Zustandes der Dinge einsah, und seit mehreren Monaten war die Rede davon, daß bald ein Lord Siegelbewahrer oder ein Lord Kanzler ernannt werden würde.[132] Der am häufigsten genannte Name war der Nottingham’s. Aber die nämlichen Gründe, die ihn abgehalten hatten, im Jahre 1689 das große Siegel anzunehmen, hatten seit diesem Jahre an Stärke eher zugenommen als verloren. Wilhelm’s Wahl fiel endlich auf Somers.

Somers stand erst in seinem zweiundvierzigsten Lebensjahre, und es war noch keine fünf Jahre her, seitdem die Welt seine Talente an dem wichtigen Tage des Prozesses der Bischöfe zuerst kennen gelernt hatte. Von jenem Augenblicke an war sein Ruf stetig und rapid gestiegen. Weder in richterlicher noch in parlamentarischer Beredtsamkeit stand irgend Jemand über ihm. Die Consequenz in seinem öffentlichen Auftreten hatte ihm das volle Vertrauen der Whigs verschafft, und seine Urbanität hatte ihm auch die Herzen der Tories gewonnen. Nur mit großem Widerstreben hatte er sich dazu verstanden, eine Versammlung, auf die er einen ungeheuren Einfluß ausübte, mit einer andren Versammlung zu vertauschen, in der er voraussichtlich stumm bleiben mußte. Er hatte erst seit Kurzem eine große Praxis, und seine Ersparnisse waren daher unbedeutend. Da er nicht die Mittel besaß, um einen erblichen Titel gehörig zu repräsentiren, mußte er, wenn er die ihm angetragene hohe Würde annahm, mehrere Jahre im Oberhause präsidiren, ohne an den Debatten Theil zu nehmen. Andere waren jedoch der Meinung, daß er als Oberhaupt des Gesetzes nützlicher sein werde, denn als Oberhaupt der Whigpartei bei den Gemeinen. Er wurde nach Kensington beschieden und in das Staatsrathszimmer gerufen. Caermarthen sprach im Namen des Königs. „Sir John,” sagte er, „es ist im Interesse des Staats nöthig, daß Sie dieses Amt übernehmen, und ich habe Befehl von Sr. Majestät, Ihnen zu sagen, daß er keine Entschuldigung gelten lassen kann.” Somers fügte sich. Das Siegel wurde ihm übergeben, zugleich mit einem Patent, das ihm von dem Tage, an welchem er sein Amt niederlegen würde, eine Pension von zweitausend Pfund jährlich zusicherte, und er wurde unverzüglich als Mitglied des Geheimen Raths und Großsiegelbewahrer vereidigt.[133]