Sobald der Plan allgemein bekannt wurde, brach ein eben so heftiger Federkrieg aus als der zwischen den Schwörenden und Nichtschwörenden, oder der zwischen der alten Ostindischen Compagnie und der neuen Ostindischen Compagnie. Die Projectenmacher, denen es nicht gelungen war, bei der Regierung Gehör zu finden, fielen wie Rasende über ihren glücklicheren Collegen her. Sämmtliche Goldschmiede und Pfandleiher erhoben ein wahres Wuthgeheul. Einige mißvergnügte Tories prophezeiten der Monarchie den Untergang. Es sei merkwürdig, sagten sie, daß Banken und Regierungen niemals neben einander hätten bestehen können. Die Banken seien republikanische Institute. Es gebe blühende Banken in Venedig, in Genua, in Amsterdam und in Hamburg. Aber wer habe je von einer Bank von Frankreich oder Spanien gehört?[104] Einige mißvergnügte Whigs prophezeiten dagegen unseren Freiheiten den Untergang. Es ist dies, sagten sie, ein furchtbareres Werkzeug der Tyrannei als die Hohe Commission, die Sternkammer, als selbst die funfzigtausend Soldaten Oliver’s. Der ganze Reichthum der Nation wird in den Händen der Tonnengeldbank — dies war der damals gebräuchliche Spottname — sein. Die Verfügung über das Nationalvermögen, die einzige große Sicherheit für alle Rechte der Engländer, wird vom Hause der Gemeinen auf den Gouverneur und die Directoren der neuen Compagnie übergehen. Diese letzte Betrachtung war in der That von einigem Gewicht, was auch die Urheber der Bill zugaben. Es wurde daher die sehr zweckmäßige Klausel aufgenommen, welche der Bank verbot, der Krone ohne Ermächtigung von Seiten des Parlaments Geld vorzustrecken. Jede Uebertretung dieser heilsamen Bestimmung sollte mit dem Verluste des dreifachen Betrags der vorgestreckten Summe bestraft werden, und der König sollte nicht befugt sein, den geringsten Theil dieser Strafe zu erlassen.

In der abgeänderten Gestalt erhielt der Plan die Sanction der Gemeinen leichter als man nach der Heftigkeit des dagegen erhobenen Geschreis hätte erwarten sollen. Das Parlament stand allerdings unter dem Drange der Nothwendigkeit. Geld mußte man haben, und es war auf keinem andren Wege so leicht zu beschaffen. Was im Hause vorging, als es sich zu einem Ausschusse erklärt hatte, ist nicht mehr zu ermitteln; so lange aber der Sprecher auf seinem Stuhle war, fand keine Abstimmung statt.

Die Bill war indessen nicht außer Gefahr, als sie ins Oberhaus gekommen war. Einige Lords argwöhnten, der Plan einer Nationalbank sei zu dem Zwecke ersonnen worden, um das Ansehen des Geldes auf Kosten des Ansehens des Grundbesitzes zu heben. Andere meinten, dieser Plan, mochte er nun gut oder schlecht sein, hätte ihnen nicht in einer solchen Form vorgelegt werden sollen. Ob es gerathen sei, eine Corporation ins Leben zu rufen, die mit der Zeit die ganze Handelswelt beherrschen könne, und wie eine solche Corporation eingerichtet werden müsse, das seien Fragen, die ein einzelner Zweig der Legislatur nicht entscheiden dürfe. Es müsse den Peers vollkommen frei stehen, alle Details des vorgelegten Planes zu prüfen, Abänderungen vorzuschlagen und Conferenzen zu verlangen. Es sei daher höchst unbillig, daß ihnen das die Bank errichtende Gesetz als Theil eines Gesetzes zugesandt worden sei, welches der Krone Geld bewillige. Die Jakobiten hatten einige Hoffnung, daß die Session mit einem Streite zwischen den beiden Häusern enden, daß die Tonnengeldbill scheitern und daß Wilhelm den Feldzug ohne Geld beginnen werde. Es war nach dem neuen Style bereits Mai. Die Stadtsaison war vorüber und viele vornehme Familien hatten Conventgarden und Soho Square schon mit ihren Wäldern und Wiesen vertauscht. Doch es wurden Aufforderungen erlassen und es erfolgte ein starkes Zurückströmen nach der Stadt. Die vor Kurzem verödeten Bänke waren gedrängt voll. Die Sitzungen begannen zu einer ungewöhnlich frühen und dauerten bis zu einer ungewöhnlich späten Stunde. An dem Tage, an welchem die Bill einem Ausschusse überwiesen wurde, währte der Kampf ohne Unterbrechung von neun Uhr Morgens bis sechs Uhr Abends. Godolphin präsidirte. Nottingham und Rochester schlugen vor, alle auf die Bank Bezug habenden Klauseln zu streichen. Es wurde Einiges über die Gefahr gesagt, eine gigantische Corporation zu errichten, welche bald dem Könige und den drei Ständen des Reichs Gesetze geben werde. Den meisten Eindruck aber scheint auf die Peers die in ihrer Eigenschaft als Grundbesitzer an sie gerichtete Apellation gemacht zu haben. Der ganze Plan, ward gesagt, sei nur darauf abgesehen, die Wucherer auf Kosten des Adels und der Gentry zu bereichern. Wer Geld erspart habe, werde es lieber in die Bank legen, als es gegen mäßige Zinsen auf Hypothek ausleihen. Caermarthen sagte wenig oder nichts zur Vertheidigung des Planes, der allerdings das Werk seiner Nebenbuhler und Feinde war. Er gab zu, daß sich gegen die Art und Weise, wie die Gemeinen für die öffentlichen Bedürfnisse des Jahres gesorgt hätten, ernste Einwendungen machen ließen. Aber könnten Ihre Lordschaften eine Geldbill amendiren? Könnten sie sich in einen Kampf einlassen, welcher darauf hinauslaufen müsse, daß sie entweder nachgeben oder die schwere Verantwortlichkeit auf sich laden müßten, den Kanal während des Sommers ohne eine Flotte zu lassen? Dieses Argument schlug durch und bei der Abstimmung wurde das Amendement mit dreiundvierzig gegen einunddreißig Stimmen verworfen. Einige Stunden darauf erhielt die Bill die königliche Genehmigung und das Parlament wurde prorogirt.[105]

In der City war der Erfolg von Montague’s Plan vollständig. Es hielt damals mindestens eben so schwer, eine Million zu acht Procent aufzubringen, als es gegenwärtig sein würde, dreißig Millionen zu vier Procent aufzubringen. Man hatte geglaubt, daß die Einzahlungen sehr langsam erfolgen würden, und die Acte bewilligte daher einen beträchtlichen Zeitraum dazu. Es bedurfte jedoch dieser Zeit nicht. Die neue Kapitalanlage war schon so populär, daß an dem Tage der Eröffnung der Bücher dreihunderttausend Pfund gezeichnet wurden; weitere dreihunderttausend Pfund wurden während der nächsten achtundvierzig Stunden gezeichnet, und in zehn Tagen wurde zur großen Freude aller Freunde der Regierung angezeigt, daß die Liste voll sei. Die ganze Summe, welche die Corporation dem Staate zu leihen verpflichtet war, wurde in die Schatzkammer eingezahlt, noch ehe die erste Rate fällig war.[106] Somers drückte freudig das große Siegel unter eine in Uebereinstimmung mit den vom Parlamente vorgeschriebenen Bedingungen entworfene Concessionsurkunde, und die Bank von England begann im Hause der Kramerinnung ihre Operationen. Hier konnte man viele Jahre lang Directoren, Sekretäre und Commis in verschiedenen Theilen eines geräumigen Saales arbeiten sehen. Das bei der Bank angestellte Personal betrug anfangs nur vierundfunfzig Köpfe. Jetzt sind es ihrer neunhundert. Die Summe, welche jährlich für Gehalte ausgegeben wurde, belief sich zuerst auf viertausenddreihundertfunfzig Pfund. Gegenwärtig übersteigt sie zweihundertzehntausend Pfund. Wir dürfen daraus wohl unbedenklich schließen, daß das Einkommen der Handlungscommis unter der Regierung Victoria’s im Durchschnitt ungefähr dreimal so hoch ist als es unter der Regierung Wilhelm’s III. war.[107]

Es zeigte sich bald, daß Montague, indem er die finanziellen Verlegenheiten des Landes geschickt benutzte, seiner Partei einen unschätzbaren Dienst leistete. Mehrere Generationen hindurch war die Bank von England ein specifisch whiggistisches Institut. Sie war nicht durch Zufall, sondern aus Nothwendigkeit whiggistisch. Sie hätte augenblicklich ihre Zahlungen einstellen müssen, wenn sie die Zinsen für die Summe, die sie der Regierung geliehen, nicht mehr bezahlt bekommen hätte, und Jakob würde von diesen Zinsen keinen Farthing bezahlt haben. Siebzehn Jahre nach Annahme der Tonnengeldbill schilderte Addison in einer seiner geistreichsten und reizendsten kleinen Allegorien die Lage der großen Compagnie, durch welche der ungeheure Reichthum London’s beständig circulirte. Er sah den öffentlichen Credit auf einem Throne, in der Kramerhalle, die Große Charte über seinem Haupte, die Thronfolgeacte vor sich. Seine Berührung verwandelte Alles in Gold. Hinter seinem Sitze waren volle Geldsäcke bis zur Decke aufgehäuft. Zu beiden Seiten war der Boden mit Pyramiden von Guineen bedeckt. Plötzlich geht die Thür auf, und der Prätendent stürzt herein, in der einen Hand einen Schwamm, in der andren ein Schwert, das er gegen die Thronfolgeacte schwingt. Die schöne Königin sinkt in Ohnmacht. Der Zauber, durch den sie Alles um sich her in Schätze verwandelte, ist gebrochen. Die Geldsäcke schrumpfen zusammen wie aufgestochene Blasen. Die Haufen Goldstücke verwandeln sich in Bündel von Lumpen oder Kerbhölzern.[108]

Die Wahrheit, welche dieses Gleichniß ausdrückte, schwebte den Leitern der Bank beständig vor. Ihr Interesse war mit dem der Regierung so innig verwoben, daß sie ihr um so bereitwilliger zu Hülfe kamen, je größer die öffentliche Gefahr war. Wenn in alten Zeiten der Staatsschatz leer war, wenn die Steuern langsam eingingen und wenn der Sold der Truppen und der Matrosen in Rückstand war, mußte der Kanzler der Schatzkammer mit dem Hute in der Hand, von dem Lord-Mayor und den Aldermen begleitet, in Cheapside und Cornhill auf und ab gehen und dadurch eine Summe zusammenbringen, daß er von diesem Strumpfwaarenhändler hundert Pfund, von jenem Eisenhändler zweihundert Pfund lieh.[109] Diese Zeiten waren vorüber. Die Regierung konnte jetzt anstatt mühsam aus zahlreichen kleinen Quellen kleine Summen zu schöpfen, aus einem ungeheuren Behälter, den alle jene kleinen Quellen fortwährend gefüllt erhielten, soviel nehmen als sie brauchte. Es ist schwerlich zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß das Gewicht der Bank, das beständig in der Wagschale der Whigs lag, viele Jahre lang das Gewicht der Kirche, das beständig in der Wagschale der Tories lag, fast aufwog.

Prorogation des Parlaments; ministerielle Arrangements.

Wenige Minuten nachdem die Bill, welche die Bank von England errichtete, die königliche Genehmigung erhalten hatte, wurde das Parlament vom Könige mit einer Rede prorogirt, in der er den Gemeinen herzlich für ihre Freigebigkeit dankte. Montague wurde sofort für seine Dienste mit der Stelle des Kanzlers der Schatzkammer belohnt.[110]

Shrewsbury Staatssekretär.

Shrewsbury hatte sich einige Wochen vorher zur Annahme der Siegel verstanden. Er hatte standhaft vom November bis zum März ausgehalten. Während er Entschuldigungen zu finden versuchte, die seine politischen Freunde befriedigen konnten, besuchte ihn Sir James Montgomery. Montgomery war jetzt der unglücklichste Mensch von der Welt. Nachdem er in einer großen Revolution eine große Rolle gespielt, nachdem er mit der erhabenen Function betraut gewesen, den durch die Stände erwählten Souverainen die Krone Schottland’s zu überreichen, nachdem er mehrere Monate lang im Parlamente zu Edinburg ohne Nebenbuhler geherrscht, nachdem er nahe vor sich die Siegel des Staatssekretärs, eine Earlkrone, ein glänzendes Einkommen und die höchste Gewalt gesehen hatte, war er plötzlich in Dunkelheit und traurige Dürftigkeit versunken. Seine herrlichen Talente blieben ihm noch und er wurde deshalb von den Jakobiten benutzt; aber obwohl sie ihn benutzten, verachteten sie ihn, trauten ihm nicht und ließen ihn darben. Er verbrachte sein Leben damit, daß er zwischen England und Frankreich hin und her reiste, ohne in einem der beiden Länder eine bleibende Stätte zu finden. Bald wartete er im Vorzimmer zu Saint-Germains, wo die Priester ihn als einem Calvinisten finstre Blicke zuwarfen und wo selbst die protestantischen Jakobiten sich gegenseitig flüsternd vor dem alten Republikaner warnten. Bald hielt er sich in den Mansarden London’s verborgen, bei jedem Fußtritte, den er auf der Treppe hörte, fürchtend, daß es der eines Bailiffs mit einem Executionsbefehl, oder der eines Staatsboten mit einem Verhaftsbefehl sein könnte. Er erhielt jetzt Zutritt zu Shrewsbury und wagte es wie ein Jacobit mit einem Mitjakobiten zu sprechen. Shrewsbury, der durchaus nicht geneigt war, sein Vermögen und seinen Kopf in die Hände eines Mannes zu geben, den er als unbesonnen und als treulos kannte, gab sehr vorsichtige Antworten. Auf einem uns nicht bekannt gewordenen Wege erfuhr Wilhelm Alles was bei dieser Gelegenheit vorgegangen war. Er ließ Shrewsbury kommen und sprach aufs neue eindringlich von dem Sekretärposten. Shrewsbury sträubte sich abermals, indem er sagte, seine Gesundheit sei schlecht. „Das,” entgegnete Wilhelm, „ist nicht Ihr einziger Grund.” — „Nein, Sire, allerdings nicht,” versetzte Shrewsbury. Er begann hierauf von öffentlichen Verdrießlichkeiten zu sprechen und erwähnte das Schicksal der Dreijährigkeitsbill, die er selbst eingebracht hatte. Wilhelm aber fiel ihm ins Wort. „Es steckt noch ein andrer Grund dahinter. Wann haben Sie das letzte Mal mit Montgomery gesprochen?” Shrewsbury war wie vom Donner gerührt. Der König wiederholte einige Aeußerungen Montgomery’s. Shrewsbury hatte sich inzwischen von seinem Schrecke erholt und sich erinnert, daß er bei der Unterredung, die der Regierung so genau hinterbracht worden war, zum Glück nichts Hochverrätherisches gesagt, wenn auch viel dergleichen gehört hatte. „Sire,” sagte er, „da Ihre Majestät so genau unterrichtet worden sind, werden Sie auch wissen, daß ich den Versuchen jenes Mannes, mich von dem Pfade meiner Unterthanenpflicht abzubringen, keinen Vorschub geleistet habe.” Wilhelm stellte dies nicht in Abrede, gab aber zu verstehen, daß solcher heimlicher Umgang mit anerkannten Jakobiten Verdacht erwecke, den Shrewsbury nur durch Annahme der Siegel entkräften könne. „Das wird mich vollkommen beruhigen,” sagte er. „Ich weiß, daß Sie ein Ehrenmann sind und daß, wenn Sie Sich einmal dazu verstehen mir zu dienen, Sie mir treu dienen werden.” So gedrängt, willigte Shrewsbury, zur großen Freude seiner ganzen Partei, ein und wurde für seine Bereitwilligkeit alsbald mit dem Herzogtitel und dem Hosenbandorden belohnt.[111]