In beiden Häusern wurde einige Zeit auf die Discutirung der Manchesterprozesse verwendet. Wären die Mißvergnügten klug gewesen, so würden sie sich mit dem schon errungenen Vortheile begnügt haben. Ihre Freunde waren in Freiheit gesetzt worden. Die Engländer waren mit Mühe einer wüthenden Menge entronnen. Der Ruf der Regierung war bedeutend erschüttert. Die Minister wurden in Prosa und in Versen, bald im Ernst, bald im Scherz beschuldigt, eine Bande Schurken gemiethet zu haben, um durch meineidige Aussagen achtbare Gentlemen an den Galgen zu bringen. Selbst gemäßigte Politiker, welche diesen niederträchtigen Beschuldigungen keinen Glauben schenkten, gaben zu, daß Trenchard sich den Schurkereien Fuller’s und Young’s hätte erinnern und gegen solche Elende wie Taaffe und Lunt auf seiner Hut sein sollen. Die Gesundheit und der Lebensmuth des unglücklichen Sekretärs hatten gelitten. Man sagte, daß er dem Grabe entgegenwanke, und es war gewiß, daß er nicht lange mehr die Siegel führen werde. Die Tories hatten einen großen Sieg gewonnen, aber in ihrem Eifer, denselben zu benutzen, verwandelten sie ihn in eine Niederlage.

Bald nach Eröffnung der Session beschwerte sich Howe mit seiner gewohnten Heftigkeit und Bitterkeit über die Unwürdigkeiten, denen schuldlose und ehrenwerthe Männer von hoher Geburt und hohem Ansehen durch Aaron Smith und die von ihm bezahlten Schurken unterworfen worden seien. Die Whighäupter verlangten mit richtigem Takte eine Untersuchung. Jetzt begannen die Tories Ausflüchte zu machen, denn sie wußten wohl, daß eine Untersuchung ihrer Sache nur schaden konnte. Der Fall, sagten sie, sei untersucht worden, eine Jury habe ihr Verdict abgegeben, das Verdict sei ein definitives gewesen, und es würde monströs sein, wollte man den falschen Zeugen, welche mit Steinwürfen aus Manchester getrieben worden, Gelegenheit geben, ihr eingelerntes Pensum zu wiederholen. Die Antwort auf dieses Argument lag sehr nahe. Das Verdict war ein definitives in Bezug auf die Angeklagten, nicht aber in Bezug auf die Ankläger. Die Ankläger waren jetzt ihrerseits Angeklagte und hatten Anspruch auf alle Rechte Angeklagter. Daraus, daß die Gentlemen von Lancashire des Hochverraths nicht schuldig befunden worden waren und dies ganz angemessener Weise, folgte noch nicht, daß der Staatssekretär oder der Prokurator des Schatzes sich der Parteilichkeit oder auch nur der Uebereilung schuldig gemacht hatten. Das Haus beschloß mit hundertneunzehn gegen hundertzwei Stimmen, daß Aaron Smith und die beiderseitigen Zeugen vorgeladen werden sollten. Mehrere Tage vergingen unter Verhören und Kreuzverhören und die Sitzungen dauerten zuweilen bis spät in die Nacht. Es wurde bald klar, daß die Anklage nicht ganz grundlos und daß einige der freigesprochenen Personen wirklich bei hochverrätherischen Plänen betheiligt gewesen waren. Die Tories würden sich jetzt mit einer unentschiedenen Schlacht begnügt haben; aber die Whigs waren nicht gemeint, ihren Vortheil aus der Hand zu geben. Es wurde beantragt, daß hinreichender Grund zu dem Prozeßverfahren vor der Specialcommission vorhanden gewesen sei, und dieser Antrag ging ohne Abstimmung durch. Die Opposition schlug die Einschaltung einiger Worte vor, welche erklärten, daß die Kronzeugen falsch geschworen hätten; aber diese Worte wurden mit hundertsechsunddreißig gegen hundertneun Stimmen verworfen, und mit hundertdreißig gegen siebenundneunzig Stimmen resolvirt, daß eine gefährliche Verschwörung existirt habe. Die Lords hatten währenddem denselben Gegenstand berathen und waren zu dem nämlichen Schlusse gelangt. Sie schickten Taaffe wegen Wahrheitsverdrehung ins Gefängniß und nahmen Beschlüsse an, welche sowohl die Regierung als auch die Richter von jedem Tadel freisprachen. Das Publikum blieb jedoch nach wie vor der Ueberzeugung, daß die in Manchester zur Untersuchung gezogenen Personen ohne Grund verfolgt worden seien, bis ein jakobitisches Complot von empörender Abscheulichkeit, dessen die Verschwörer durch entscheidende Beweise überführt wurden, einen heftigen Rückschlag der öffentlichen Meinung herbeiführte.[127]

Unterdessen waren drei Bills, welche in früheren Jahren wiederholt berathen und von denen zwei vergebens am Fuße des Throns überreicht worden waren, aufs Neue eingebracht worden: die Stellenbill, die Bill zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfällen, und die Dreijährigkeitsbill.

Die Stellenbill.

Die Stellenbill kam nicht vor die Lords. Sie wurde im Unterhause dreimal gelesen, aber nicht angenommen. Noch im letzten Augenblicke wurde sie mit hundertfünfundsiebzig gegen hundertzweiundvierzig Stimmen verworfen. Howe und Harley waren Stimmenzähler für die Minorität.[128]

Die Bill zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfällen.

Die Bill zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfällen kam auch diesmal wieder vor die Peers. Wiederum fügten Ihre Lordschaften ihr die Klausel bei, die ihr früher verderblich geworden war, und wiederum weigerten sich die Gemeinen, der erblichen Aristokratie irgend ein neues Vorrecht einzuräumen. Es wurden wieder Conferenzen gehalten und Gründe ausgetauscht; beide Häuser waren wieder hartnäckig, und die Bill fiel abermals.[129]

Die Dreijährigkeitsbill angenommen.

Die Dreijährigkeitsbill war glücklicher. Sie wurde am ersten Tage der Session eingebracht und ging leicht und rasch durch beide Häuser. Die einzige Frage, über welche sich ein ernsthafter Streit entspann, war die, wie lange das gegenwärtige Parlament fortbestehen solle. Nach mehreren lebhaften Debatten wurde der November des Jahres 1696 als der äußerste Termin festgesetzt. Die Tonnengeldbill und die Dreijährigkeitsbill hielten fast gleichen Schritt mit einander. Beide waren am 22. December bereit, die königliche Genehmigung zu empfangen. Wilhelm kam an diesem Tage mit feierlichem Gepränge nach Westminster. Die Mitglieder beider Häuser waren in großer Zahl anwesend. Als der Kronsekretär die Worte ablas: „Eine Bill zur häufigen Einberufung und Versammlung der Parlamente” war die Spannung groß. Als der Sekretär des Parlaments antwortete: „Le roy et la royne le veulent” lief ein lautes und langanhaltendes Gemurmel des Vergnügens und Frohlockens durch die Bänke und die Schranke.[130] Wilhelm hatte schon seit vielen Monaten beschlossen, einem so populären Gesetze nicht zum zweiten Male seine Genehmigung zu verweigern.[131] Manche waren jedoch der Meinung, daß er ein so großes Zugeständniß nicht gemacht haben würde, wenn er an diesem Tage ganz er selbst gewesen wäre. Es war in der That deutlich zu sehen, daß er ungewöhnlich aufgeregt und angegriffen war. Man hatte angekündigt, er werde in Whitehall öffentlich speisen. Aber er ließ die Neugierde der Menge, welche bei solchen Gelegenheiten nach Hofe strömte, unbefriedigt und eilte nach Kensington zurück.[132]

Tod Mariens.