Alle diese Schmähungen und Sarkasmen scheinen einen großen Eindruck auf das Publikum gemacht zu haben. Selbst bei der holländischen Gesandtschaft, wo gewiß von einer Hinneigung zum Jakobitismus keine Rede war, herrschte die entschiedene Meinung vor, daß es unklug sein würde, den Gefangenen den Prozeß zu machen. In Lancashire und Cheshire waren die überwiegenden Gefühle Mitleid mit den Angeklagten und Haß gegen die Verfolger. Die Regierung beharrte jedoch in ihrem Vorhaben. Im October gingen vier Richter nach Manchester ab. Gegenwärtig besteht die Bevölkerung dieser Stadt aus Leuten, die in allen Theilen der britischen Inseln geboren sind, und hat daher keine speciellen Sympathien für die Grundbesitzer, Pächter und Landleute der benachbarten Districte. Im 17. Jahrhundert aber war der Bewohner von Manchester auch ein Angehöriger von Lancashire, und seine politischen Ansichten waren die seiner Grafschaft. Er hegte vor den alten Cavalierfamilien seiner Provinz eine hohe Achtung und war wüthend, wenn er daran dachte, daß ein Theil des besten Blutes seiner Grafschaft durch ein paar rundköpfige Rabulisten aus London vergossen werden sollte. Massen von Menschen aus den umliegenden Ortschaften füllten die Straßen der Stadt und sahen mit Schmerz und Unwillen die Reihen gezogener Säbel und geladener Carabiner, welche die Angeklagten umgaben. Aaron Smith scheint seine Anordnungen nicht mit besonderem Geschick getroffen zu haben. Der erste Kronanwalt war Sir William Williams, der trotz seiner vorgerückten Jahre und seines großen Vermögens noch immer prakticirte. Ein Fehler hatte auf den letzten Theil seines Lebens einen dunklen Schatten geworfen. Die Erinnerung an den Tag, an welchem er sich in Westminster Hall unter Gelächter und Hohngeschrei erhoben hatte, um das Dispensationsrecht zu vertheidigen und das Petitionsrecht anzugreifen, hatte ihn seit der Revolution von allen Ehrenstellen ausgeschlossen. Er war ein galliger, in seinen Hoffnungen getäuschter Mann und durchaus nicht geneigt, sich im Interesse einer Regierung, der er nichts verdankte und von der er nichts zu erwarten hatte, unpopulär zu machen.
Es ist keine ausführliche Darstellung der Gerichtsverhandlungen auf uns gekommen; doch besitzen wir sowohl eine whiggistische als auch eine jakobitische Erzählung.[125] Wie es scheint wollten die Gefangenen, gegen welche die Untersuchung zuerst vorgenommen wurde, sich nicht einzeln vertheidigen lassen, und sie wurden daher zusammen prozessirt. Williams verhörte seine eigenen Zeugen mit einer Strenge, die sie in Verlegenheit setzte. Die Zuschauermenge, welche den Gerichtssaal füllte, lachte und schrie. Besonders Lunt kam gänzlich aus der Fassung, verwechselte die Personen, und sammelte sich erst dann wieder, als die Richter ihn den Händen des Kronanwalts entzogen. Für einige der Angeklagten wurde ein Alibi constatirt. Auch wurde durch Zeugen bewiesen, was eine unzweifelhafte Wahrheit war, daß Lunt ein Mensch von verworfenem Character sei. Der Ausgang schien jedoch zweifelhaft, bis Taaffe zum Schrecken der Ankläger in die Zeugenloge trat. Er schwur mit frecher Stirn, daß die ganze Complotgeschichte eine von ihm und Lunt ersonnene umständliche Lüge sei. Williams warf seine Anklageschrift zu Boden, und in der That, auch ein ehrenwertherer Advokat würde das Nämliche gethan haben. Die vor der Schranke stehenden Gefangenen wurden sofort freigesprochen, die noch nicht in Untersuchung gezogenen wurden in Freiheit gesetzt, die Belastungszeugen wurden mit Schimpf und Schande aus Manchester hinausgetrieben, der Greffier der Krone kam eben noch mit dem Leben davon und die Richter zogen unter Hohn und Verwünschungen ab.
Zusammentritt des Parlaments.
Wenige Tage nach dem Schlusse der Untersuchungen in Manchester kehrte Wilhelm nach England zurück. Am 12. November, nur achtundvierzig Stunden nach seiner Ankunft in Kensington, traten die Häuser zusammen. Er beglückwünschte sie wegen des verbesserten Standes der Dinge. Sowohl zu Lande als zur See seien die Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres im Ganzen genommen den Verbündeten günstig gewesen; die französischen Armeen hätten keine Fortschritte gemacht, die französischen Flotten hätten sich nicht zu zeigen gewagt; dessenungeachtet aber könne ein sicherer und ehrenvoller Friede nur durch kräftige Fortführung des Kriegs erlangt werden, und der Krieg könne ohne große Geldmittel nicht nachdrücklich fortgesetzt werden. Wilhelm erinnerte sodann die Gemeinen, daß die Acte, durch die sie der Krone auf vier Jahre das Tonnen- und Pfundgeld bewilligt, ihrem Erlöschen nahe sei, und sprach die Hoffnung aus, daß sie erneuert werden würde.
Tillotson’s Tod.
Nachdem der König gesprochen hatte, vertagten sich die Gemeinen aus einem Grunde, den kein Schriftsteller erörtert hat, auf eine Woche. Ehe sie sich wieder versammelten, trat ein Ereigniß ein, das im Palaste und in allen Reihen der Niederkirchenpartei große Betrübniß verursachte. Tillotson wurde plötzlich krank, während er in der Kapelle von Whitehall dem Gottesdienste beiwohnte. Rasche Hülfe hätte ihn vielleicht retten können; aber er wollte die Gebete nicht unterbrechen und nach beendigtem Gottesdienste war seine Krankheit durch die Heilkunst nicht mehr zu heben. Er war fast gänzlich der Sprache beraubt; aber seine Freunde erinnerten sich noch lange mit Vergnügen einiger abgebrochener Ausrufe, welche bewiesen, daß er sich bis zum letzten Augenblicke eines ungetrübten Seelenfriedens erfreute. Er wurde in der Kirche Saint Lawrence Jewry unweit Guildhall beigesetzt. In dieser Kirche hatte er sich seinen glänzenden Ruf als Kanzelredner erworben. Hier hatte er während der dreißig Jahre gepredigt, die seiner Erhebung auf den Thron von Canterbury vorangingen. Seine Beredtsamkeit hatte Massen von Gelehrten und Gebildeten aus den Inns of Court und aus den Palästen von St. James und Soho ins Herz der City gezogen. Ein ansehnlicher Theil seiner Zuhörerschaft hatte in der Regel aus jungen Geistlichen bestanden, welche kamen, um zu den Füßen des Mannes, der allgemein für den ersten Kanzelredner galt, die Kunst des Predigens zu erlernen. Nach dieser Kirche wurde jetzt seine irdische Hülle durch eine trauernde Bevölkerung getragen. Der Bahre folgte ein endloser Zug glänzender Equipagen vom Lambeth durch Southwark und über die Londonbrücke. Burnet hielt die Leichenrede. Auf sein weiches und braves Herz stürmten so viel rührende Erinnerungen ein, daß er mitten in seinem Vortrage innehielt und in Thränen ausbrach, während ein lautes Gemurmel des Schmerzes durch die ganze Versammlung lief. Die Königin konnte von ihrem Lieblingslehrer nicht ohne Thränen sprechen. Selbst Wilhelm war sichtbar ergriffen. „Ich habe,” sagte er, „den besten Freund verloren, den ich je gehabt, und den besten Menschen, den ich je gekannt.” Der einzige Engländer, der in jedem der zahlreichen Briefe, welche der König an Heinsius schrieb, mit Wohlwollen erwähnt wird, ist Tillotson. Der Erzbischof hatte eine Wittwe hinterlassen. Wilhelm setzte ihr ein Jahrgeld von vierhundert Pfund aus, das er später auf sechshundert Pfund erhöhte. Seine ängstliche Fürsorge, daß sie ihre Pension regelmäßig und ohne Verzögerungen ausgezahlt erhielt, machte ihm alle Ehre. Zu jedem Quartaltermin ließ er sich das Geld ohne jeden Abzug bringen und schickte es ihr selbst direct zu. Tillotson hatte ihr außer einer großen Anzahl Predigten in Manuscript kein Vermögen hinterlassen. Sein Name war bei seinen Zeitgenossen so berühmt, daß diese Predigten von den Buchhändlern für die kaum glaubliche Summe von zweitausendfünfhundert Guineen angekauft wurden, was bei der damaligen kläglichen Beschaffenheit des Silbergeldes mindestens soviel war als dreitausendsechshundert Pfund. Ein solcher Preis war in England noch nie für das Verlagsrecht eines Werks bezahlt worden. Um die nämliche Zeit erhielt Dryden, dessen Ruhm damals auf dem Höhepunkt war, für seine Uebersetzung der sämmtlichen Werke Virgil’s dreizehnhundert Pfund, und man hielt dies für ein glänzendes Honorar.[126]
Tenison, Erzbischof von Canterbury.
Es war nicht leicht, die hohe Stelle, welche durch Tillotson’s Tod zur Erledigung gekommen war, in zufriedenstellender Weise zu besetzen. Marie stimmte für Stillingfleet und betrieb seine Ansprüche so nachdrücklich, wie sie überhaupt je etwas zu betreiben wagte. In Bezug auf Talente und Kenntnisse waren ihm wenige Mitglieder der Geistlichkeit überlegen. Aber obgleich er von Jane und South wahrscheinlich als ein Niederkirchlicher betrachtet worden wäre, so war er doch Wilhelm noch zu hochkirchlich, und daher wurde Tenison ernannt. Der neue Primas war zwar kein besonders ausgezeichneter Kanzelredner oder Gelehrter, aber er war rechtschaffen, besonnen, fleißig und wohlwollend; er war ein guter Rector eines großen Kirchspiels und ein guter Bischof einer großen Diöcese gewesen; die Verleumdung hatte seinen Namen noch nicht begeifert, und man durfte wohl hoffen, daß ein Mann von gesundem Verstande, Mäßigung und Rechtschaffenheit die schwierige Aufgabe, eine mißvergnügte und zerrissene Kirche zu beruhigen, mit besserem Erfolge lösen werde, als ein Mann von glänzendem Genie und hochfliegendem Sinne.
Inzwischen hatten die Gemeinen ihre Geschäfte begonnen. Sie bewilligten freudig ungefähr zwei Millionen vierhunderttausend Pfund für die Armee und eben so viel für die Flotte. Die Grundsteuer wurde für das nächste Jahr abermals auf vier Shilling vom Pfunde festgesetzt; die Tonnengeldacte wurde auf fünf Jahre erneuert und ein Fond gegründet, auf den die Regierung zwei und eine halbe Million aufnehmen durfte.