In England war man allgemein der Ansicht, daß trotz der Niederlage in der Camaretbai der Krieg im Ganzen einen befriedigenden Verlauf nehme. Aber einige Zweige der inneren Verwaltung erregten während dieses Herbstes viel Unzufriedenheit.

Klagen über Trenchard’s Verwaltung.

Seit Trenchard’s Ernennung zum Staatssekretär hatten die jakobitischen Agitatoren ihre Lage viel unerquicklicher gefunden als vorher. Sidney war viel zu nachsichtig und viel zu vergnügungssüchtig gewesen, als daß er ihnen viel Grund zu Besorgniß hätte geben sollen. Nottingham war ein fleißiger und geschickter Minister, aber er war ein so entschiedener Hochtory wie ein treuer Unterthan Wilhelm’s und Marien’s es nur sein konnte; er liebte und achtete viele von den Eidverweigerern, und wenn er sich auch zwang, da streng zu sein wo nur Strenge den Staat retten konnte, so beobachtete er doch nicht zu ängstlich die Vergehen seiner ehemaligen Freunde; ebensowenig ermuthigte er die Angeber, mit Anzeigen von Verschwörungen nach Whitehall zu kommen. Trenchard aber war nicht nur ein thätiger Minister, sondern auch ein eifriger Whig. Selbst wenn er für seine Person zur Milde geneigt gewesen wäre, würde er durch seine Umgebungen zur Strenge getrieben worden sein. Er hatte beständig Hugo Speke und Aaron Smith zur Seite, zwei Männer, denen eine Jagd auf einen Jakobiten das reizendste aller Sportvergnügen war. Die Unzufriedenen sagten, Nottingham habe seine Bluthunde an der Leine gehalten, Trenchard aber habe sie losgelassen. Jeder rechtschaffene Gentleman, der die Kirche liebe und die Holländer hasse, schwebe in Lebensgefahr. Es sei ein beständiges Gewühl im Bureau des Sekretärs, ein fortwährendes Ab- und Zuströmen von ankommenden Denuncianten und mit Verhaftsbefehlen abgehenden Boten. Es wurde ferner gesagt, die Verhaftsbefehle seien oft regelwidrig abgefaßt, weder die Person noch das Verbrechen sei darin genau bezeichnet und doch würden unter der Autorität solcher Instrumente Privatwohnungen betreten, Pulte und Zimmer durchsucht, werthvolle Papiere weggenommen und Männer von guter Herkunft und Erziehung ins Gefängniß mitten unter gemeine Verbrecher geworfen.[118]

Der Minister und seine Agenten antworteten darauf, daß Westminster Hall offen stehe, daß, wenn Jemand unrechtmäßigerweise verhaftet worden sei, er nur seine Beschwerde einzureichen brauche; daß die Juries gerade bereit genug seien, Jeden anzuhören, der von grausamen und gewaltthätigen Machthabern tyrannisirt worden zu sein behaupte, und daß, da keiner der Gefangenen, deren angeblich erlittene Unbilden so ergreifend geschildert würden, es gewagt habe, zu diesem naheliegenden und einfachen Mittel, Genugthuung zu erlangen, gegriffen habe, man füglich annehmen dürfe, daß nichts geschehen sei, was sich nicht rechtfertigen lasse. Das Geschrei der Unzufriedenen machte jedoch einen bedeutenden Eindruck auf das Volk, und endlich zog ein Vorfall, bei welchem Trenchard mehr unglücklich als strafbar war, ihm und seiner Regierung viel zeitweilige Vorwürfe zu.

Die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire.

Unter den Angebern, die sein Bureau belagerten, befand sich ein irischer Abenteurer, der schon mehr als einen Namen geführt und sich zu mehr als einem Glauben bekannt hatte. Gegenwärtig nannte er sich Taaffe. Er war Priester der römisch-katholischen Kirche und Sekretär des päpstlichen Nuntius Adda gewesen, war aber nach der Revolution Protestant geworden, hatte geheirathet und sich durch seine Thätigkeit bei Entdeckung des heimlichen Eigenthums derjenigen Jesuiten und Benedictiner ausgezeichnet, die sich unter der vorigen Regierung in London aufhielten. Die Minister verachteten ihn, aber sie benutzten ihn. Sie glaubten, daß er durch seine Apostasie und durch den Antheil, den er an der Beraubung der geistlichen Orden genommen, sich jeden Rückzug abgeschnitten habe und daß er dem König Wilhelm treu sein müsse, da er vom König Jakob nichts als den Strang zu erwarten habe.[119]

Dieser Mann machte die Bekanntschaft eines jakobitischen Agenten, Namens Lunt, der seit der Revolution zu wiederholten Malen unter der mißvergnügten Gentry von Cheshire und Lancashire gebraucht worden und der in die Insurrectionspläne eingeweiht gewesen war, welche durch die Schlacht am Boyne 1690 und durch die Schlacht von La Hogue 1692 vereitelt wurden. Lunt war einmal als des Hochverraths verdächtig eingezogen, aus Mangel an juristischem Beweise für seine Schuld aber von der Anklage entbunden werden. Er war ein bloßer Söldling und wurde von Taaffe mit leichter Mühe bewogen, zum Angeber zu werden. Das Paar ging zu Trenchard. Lunt erzählte seine Geschichte, nannte die Namen einiger Squires von Cheshire und Lancashire, denen er Ernennungspatente von Saint-Germains überbracht haben wollte, und die einiger anderen, von denen er zu wissen vorgab, daß sie im Geheimen Waffen und Munition aufhäuften. Sein einfacher Eid würde nicht genügt haben, um einer Hochverrathsanklage Halt zu geben; aber er stellte einen andren Zeugen, dessen Aussagen die Anklage zu ergänzen schienen. Die Erzählung klang wahrscheinlich und hatte Zusammenhang, und wenn sie auch durch eigene Erfindungen ausgeschmückt sein mochte, so kann es doch kaum einem Zweifel unterliegen, daß sie in der Hauptsache richtig war.[120] Es wurden Agenten und Haussuchungsbefehle nach Lancashire geschickt. Aaron Smith ging selbst hin und Taaffe begleitete ihn. Einige der zahlreichen Verräther, welche Wilhelm’s Brot aßen, hatten jedoch bereits das Alarmzeichen gegeben; ein Theil der Angeschuldigten war geflohen, und Andere hatten ihre Säbel und Flinten vergraben und ihre Papiere verbrannt. Indessen machte man doch Entdeckungen, welche Lunt’s Aussagen bestätigten. Hinter dem Wandgetäfel des alten Schlosses einer römisch-katholischen Familie wurde ein von Jakob unterzeichnetes Patent gefunden. Ein andres Haus, dessen Besitzer sich aus dem Staube gemacht hatte, wurde trotz der feierlichen Versicherungen seiner Gattin und seiner Dienerschaft, daß keine Waffen darin verborgen seien, genau durchsucht. Während die Dame, mit der Hand auf dem Herzen, auf ihre Ehre betheuerte, daß ihr Gatte fälschlich angeklagt sei, bemerkten die Boten, daß die hintere Wand des Kamins nicht gut befestigt zu sein schien. Die Bekleidung wurde losgerissen und ein Haufen Klingen, wie sie bei der Reiterei in Gebrauch waren, fiel heraus. In einer der Bodenkammern fand man sorgfältig eingemauert, dreißig Pferdesättel, eben so viele Brustharnische und sechzig Cavalleriesäbel. Trenchard und Aaron Smith hielten die aufgefundenen Schuldbeweise für genügend und es wurde beschlossen daß diejenigen Angeklagten, welche ergriffen worden waren, durch eine Specialcommission in Untersuchung gezogen werden sollten.[121]

Taaffe erwartete nun mit Bestimmtheit, daß er für seine Dienste belohnt werden würde; aber er fand einen kalten Empfang im Schatzamte. Er war hauptsächlich deshalb nach Lancashire gegangen, weil er hoffte, dort unter dem Schutze einer Durchsuchungsvollmacht Geschmeide und Goldstücke aus geheimen Fächern entwenden zu können. Seine Fingerfertigkeit war aber den Blicken seiner Begleiter nicht ganz verborgen geblieben. Sie waren dahinter gekommen, daß er sich die Abendmahlsgeschirre der papistischen Familien, deren Privatschätze er hatte durchstöbern helfen, zugeeignet hatte. Als er daher um eine Belohnung bat, wurde er nicht nur mit einer abschlägigen Antwort, sondern mit einem strengen Verweise abgefertigt. Er entfernte sich rasend vor Geldgier und Aerger. Es gab noch einen Weg, auf dem er sowohl Geld als Rache erlangen konnte, und diesen Weg schlug er ein. Er machte den Freunden der Angeklagten Anerbietungen. Er, und er allein könne das was er gethan habe wieder rückgängig machen, könne die Angeklagten vom Galgen retten, könne die Ankläger mit Schande bedecken, könne den Staatssekretär und den Staatsprokurator, welche der Schrecken aller Freunde König Jakob’s seien, aus dem Amte vertreiben. So widerwärtig Taaffe den Jakobiten auch war, sein Anerbieten war nicht zu verachten. Er erhielt eine Summe Geldes, die Zusicherung einer anständigen Leibrente, wenn das Geschäft abgethan sein würde, und er wurde in die Provinz geschickt und bis zum Tage der Gerichtsverhandlungen in strenger Abgeschiedenheit gehalten.[122]

Unterdessen wurden uncensirte Flugschriften, in denen das Complot von Lancashire mit Oates’ Complot, mit Dangerfield’s Complot, mit Fuller’s Complot, mit Young’s Complot, mit Whitney’s Complot in eine Kategorie gestellt war, durch das ganze Land, und ganz besonders in der Grafschaft, welche die Jury zu liefern hatte, verbreitet. Das ausführlichste, geschickteste und heftigste von diesen Pamphlets, betitelt: A Letter to Secretary Trenchard, wurde allgemein Ferguson zugeschrieben. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß Ferguson einen Theil des Materials geliefert und das Manuscript zum Druck befördert hat. Viele Stellen aber sind in einer so gewandten und kräftigen Sprache geschrieben, wie sie ihm sicherlich nicht zu Gebote stand. Diejenigen, welche nach innerem Beweise urtheilen, werden vielleicht in einigen Theilen dieser bedeutsamen Schrift, das letzte Aufblitzen des boshaften Genie’s Montgomery’s zu erkennen glauben. Wenige Wochen nach seinem Erscheinen sank der „Brief” ungeehrt und unbedauert ins Grab.[123]

Es gab damals außer der London Gazette keine gedruckten Zeitungen. Seit der Revolution aber war der Neuigkeitsbrief ein wichtigeres politisches Werkzeug geworden als er vorher gewesen. Die Neuigkeitsbriefe eines Schriftstellers Namens Dyar circulirten weit und breit im Manuscript. Er gerirte sich als einen Tory und Hochkirchlichen und galt deshalb bei den fuchsjagenden Gutsherren im ganzen Königreich für ein Orakel. Er hatte schon zweimal im Gefängniß gesessen, aber seine Einnahmen hatten seine Leiden mehr als aufgewogen und er beharrte noch immer darin, seine Mittheilungen nach dem Geschmacke der Landgentlemen zu würzen. Jetzt zog er das Complot von Lancashire ins Lächerliche, erklärte, daß die aufgefundenen Gewehre alte Vogelflinten, daß die Sättel bloß für Jagdpferde bestimmt und daß die Säbel verrostete Reliquien von Edge Hill und Marston Moore gewesen seien.[124]