Große Einkünfte der Minister und Höflinge. [Diese] Sparsamkeit war jedoch keineswegs lobenswerth. Karl war wie immer knauserig am unrechten Orte und freigebig am unrechten Orte. Die Staatsdiener ließ er darben, um Höflinge zu mästen. Die Ausgaben für die Flotte, für das Geschützwesen, für Pensionirung bedürftiger alter Offiziere und für die auswärtigen Gesandtschaften müssen der jetzigen Generation sehr gering erscheinen. Dagegen wurden die persönlichen Günstlinge des Königs, seine Minister und die Kreaturen dieser Minister mit dem Gelde des Landes förmlich überschüttet. Ihre Gehalte und Pensionen waren im Vergleich zu den Einkünften des hohen Adels, der Gentry und der Handels- und Gewerbsleute jener Zeit ungeheuer. Die größten Vermögen im Königreiche überstiegen damals wenig mehr als zwanzigtausend Pfund Renten. Der Herzog von Ormond hatte jährlich zweiundzwanzigtausend Pfund,[27] der Herzog von Buckingham, bevor sein großes Vermögen sich durch Verschwendung vermindert, neunzehntausendsechshundert Pfund zu verzehren.[28] Georg Monk, Herzog von Albemarle, der zum Lohn für seine ausgezeichneten Dienste mit unermeßlichen Kronländereien beschenkt worden und wegen seiner Geldgier wie wegen seines Geizes gleich bekannt war, hinterließ fünfzehntausend Pfund jährlicher Einkünfte von Grundstücken und sechzigtausend Pfund zinsbar angelegte Kapitalien, welche höchst wahrscheinlich sieben Prozent trugen.[29] Diese drei Herzöge galten allgemein für drei der reichsten englischen Unterthanen. Der Erzbischof von Canterbury kann kaum fünftausend Pfund jährlich gehabt haben.[30] Das durchschnittliche Einkommen eines weltlichen Peers wurde von den Bestunterrichteten auf dreitausend Pfund, das eines Baronets auf neunhundert, das eines Mitglieds des Unterhauses auf weniger als achthundert Pfund geschätzt.[31] Tausend Pfund jährlich galt als ein hohes Einkommen für einen Rechtsanwalt. Auf zweitausend Pfund brachte man es kaum beim Gerichtshofe der Kings-Bench, die Kronanwälte ausgenommen.[32] Aus dem allen ergiebt es sich, daß ein öffentlicher Beamter gut bezahlt gewesen wäre, wenn er den vierten oder fünften Theil von dem bekommen hätte, was gegenwärtig als ein angemessener Gehalt betrachtet wird. Trotzdem aber standen sich die höheren Staatsbeamten thatsächlich eben so gut als jetzt, ja nicht selten noch besser. Der Lord Schatzmeister hatte zum Beispiel achttausend Pfund jährlich, und wenn der Staatsschatz durch eine Commission verwaltet wurde, so hatten die derselben angehörenden jüngeren Lords sechzehnhundert Pfund. Der Zahlmeister des Heeres bekam von allem Gelde, das durch seine Hände ging, eine Provision, die sich auf ungefähr fünftausend Pfund im Jahre belief. Der Oberkammerherr hatte fünftausend Pfund, die Zollcommissäre jeder zwölfhundert, die Kammerherrn jeder tausend Pfund jährlich.[33] Allein der feste Gehalt war damals der geringste Theil des Einkommens eines öffentlichen Beamten. Von den Edelleuten an, welche den weißen Stab und das große Siegel führten, bis herab zu dem untersten Zollbeamten und Aichmeister wurde ungescheut und ungestraft ausgeübt, was man jetzt grobe Bestechlichkeit nennen würde. Titel, Stellen, Ämter und Begnadigungen wurden von den hohen Würdenträgern des Reichs täglich auf offenem Markte verkauft, und jeder Schreiber in irgend welchem Staatsbureau ahmte das böse Beispiel nach so gut er konnte.
Während des letzten Jahrhunderts ist kein auch noch so mächtiger Premierminister im Amte reich geworden, mehrere setzten sogar ihr Privatvermögen zu, um ihre hohe Stelle auch äußerlich würdig auszufüllen. Im siebzehnten Jahrhundert dagegen konnte ein Staatsmann, der an der Spitze der Verwaltung stand, in nicht zu langer Zeit, ohne Ärgerniß zu geben, ein Vermögen sammeln, das mehr als hinreichend war, um ein fürstliches Haus zu führen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das Einkommen eines Premierministers während seiner Amtsführung das jedes anderen Unterthanen weit überstieg. Die Stelle des Lord Lieutenants von Irland wurde auf vierzigtausend Pfund jährlich geschätzt.[34] Die Einkünfte des Kanzlers Clarendon, Arlingtons, Lauderdale’s und Danby’s waren kolossal. Der prachtvolle Palast, den das gemeine Volk von London Dunkirk-House nannte, die stattlichen Pavillons, die Fischteiche, der Thiergarten und die Orangerie von Euston, der mehr als italienische Luxus von Ham mit seinen Statuen, Springbrunnen und Vogelhäusern waren einige von den vielen Zeichen, welche den kürzesten Weg zu unermeßlichen Reichthümern andeuteten. Dies ist auch die wahre Ursache der rücksichtslosen Heftigkeit, mit welcher die Staatsmänner der damaligen Zeit nach hohen Ämtern rangen, der Zähigkeit, mit der sie, aller Mühseligkeiten, Demüthigungen und Gefahren ungeachtet, daran hingen, und der schmachvollen Erniedrigungen, zu denen sie sich herabließen, um dieselben zu behaupten. Selbst in unsrer Zeit würde, so groß auch die Macht der öffentlichen Meinung und so streng der Maßstab der Rechtschaffenheit gegenwärtig ist, eine beklagenswerthe Veränderung in dem Character unserer Staatsmänner ernstlich zu befürchten sein, wenn der Posten des ersten Lords des Schatzes oder des Staatssekretärs hunderttausend Pfund jährlich eintrüge. Zum Glück für unser Land sind die Einkünfte der höchsten Beamtenklasse nicht nur keineswegs im Verhältniß zu der allgemeinen Vermehrung unsres Wohlstandes gestiegen, sondern sie haben sich sogar positiv vermindert.
[27.] Carte’s Life of Ormond.
[28.] Pepys’s Diary vom 14. Februar 1688—89.
[29.] Siehe den Bericht über den Prozeß Bath-Montague, der im December 1693 durch den Lord Siegelbewahrer Somers entschieden ward.
[30.] Dreiviertel Jahr lang, von Weihnachten 1689 an wurden die Einkünfte des Erzbisthums Canterbury durch einen von der Krone dazu angestellten Beamten erhoben. Die Rechnungsablage dieses Beamten befindet sich gegenwärtig im Britischen Museum (Lansdown Mscrpts. 885). Die Bruttoeinnahme während dieser drei Quartale betrug nicht ganz viertausend Pfund, und der Unterschied zwischen dem Brutto- und dem Nettoeinkommen war jedenfalls nicht unbedeutend.
[31.] King’s Natural and Political Conclusions. Davenant, On the Balance of Trade. Sir W. Temple sagt: „Die Einkünfte eines Hauses der Gemeinen haben selten viermalhunderttausend Pfund überstiegen.“ Dessen Memoiren. 3. Theil.
[32.] Langton’s Conversations with Chief Justice Hale, 1672.
[33.] Commons’ Journals vom 27. April 1689; Chamberlayne’s State of England, 1684.
[34.] Siehe die Reisen des Großherzogs Cosmus.