[83.] North’s Examen. Dieser höchst unterhaltende Schriftsteller hat uns eine kleine Probe von dem poetischen Entzücken hinterlassen, dem sich die Pindare der City zuweilen hingaben:
Zu dem verehrten Sir John Moore
Blick’ noch die Nachwelt stolz empor!
[84.] Chamberlayne’s State of England, 1684; Angliae Metropolis, 1690; Seymour’s London, 1734.
[85.] North’s Examen, 116. Wood, Ath. Ox. Shaftesbury. The Duke of Buckingham’s Litany.
Der vornehme Theil der Hauptstadt. [Dies] waren jedoch nur seltene Ausnahmen. Fast alle hochadeligen Familien Englands hatten die Mauern der City schon längst verlassen. Der Stadttheil, in dem sich die Mehrzahl ihrer Wohnhäuser befand, liegt zwischen der City und den Straßen, welche gegenwärtig als die vornehmsten gelten. Nur wenige Große behielten ihre ererbten Paläste zwischen dem Strand und dem Flusse inne. Am gesuchtesten waren damals die stattlichen Wohnungen südlich und westlich von Lincoln’s Inn Fields, die Piazza of Coventgarden, Southampton Square, jetzt Bloomsbury Square genannt, und King’s Square in Soho Fields, der gegenwärtig Soho Square heißt. Bloomsbury Square wurde selbst fremden Fürsten als eines der Wunder Englands gezeigt.[86] Soho Square, der eben erst angelegt war, wurde von unseren Vorfahren mit einem Stolze betrachtet, den ihre Nachkommen wohl schwerlich theilen werden. So lange das Glück des Herzogs von Monmouth blühte, dessen Palast sich auf der Südseite erhob, hatte der Platz den Namen Monmouth Square geführt. Die Façade dieses Palastes war zwar unschön, aber imposant und reich verziert. Die Wände der Prunkgemächer waren mit Schnitzwerk in Früchten, Laubgewinden und Wappenfiguren geschmückt und mit gesticktem Seidenstoffe ausgeschlagen.[87] Jetzt ist von dieser Pracht nichts mehr vorhanden und man findet in diesem ehedem aristokratischen Stadttheile nicht eine einzige aristokratische Wohnung mehr. Etwas weiter nördlich von Holborn, am Saume von Weiden und Kornfeldern, standen zwei berühmte Paläste, jeder mit einem großen Garten. Der eine davon, zu jener Zeit Southampton House und später Bedford House genannt, ward vor etwa fünfzig Jahren niedergerissen, um einem neuen Stadttheile Platz zu machen, der mit seinen Plätzen, Straßen und Kirchen eine große Fläche bedeckt, die im siebzehnten Jahrhundert ihrer Pfirsichen und Schnepfen wegen berühmt war. Der andre, Montague House, der sich durch seine Fresken und seine Möbeln auszeichnete, brannte einige Monate nach dem Tode Karl’s II. bis auf den Grund nieder, wurde aber alsbald wieder durch ein neues und viel prächtigeres Montague House ersetzt, das, nachdem es lange Zeit so mannichfaltige und kostbare Schätze der Kunst, Wissenschaft und Literatur geborgen, wie sie schwerlich je zuvor unter einem Dache vereinigt waren, unlängst einem noch prachtvolleren Gebäude Platz gemacht hat.[88]
Dem Hofe näher, auf einem Platze mit Namen St. James Fields, waren vor Kurzem St. James’ Square und Jermyn Street angelegt und zur Bequemlichkeit der Bewohner dieses Stadttheils die St. Jameskirche eröffnet worden.[89] Golden Square, der in der nächstfolgenden Generation von Lords und Staatsministern bewohnt wurde, war damals noch nicht begonnen. Überhaupt sah man im Norden von Piccadilly noch keine anderen Wohnungen als einige alleinstehende, fast ländlich aussehende Häuser, von denen das berühmteste der von Clarendon erbaute kostspielige Palast war, den man den Spottnamen Dunkirk House gegeben hatte. Nach dem Sturze seines Erbauers war er vom Herzoge von Albemarle angekauft worden. Das Hotel Clarendon und Albemarle Street erinnern noch an die Lage des Platzes.
Wer sich damals in die Gegend verlief, welche jetzt den schönsten und lebhaftesten Theil von Regent Street bildet, sah sich in einer Einöde, wo er vielleicht so glücklich war, eine Schnepfe schießen zu können.[90] Weiter nördlich zog sich die Straße nach Oxford zwischen Hecken hin. Einige hundert Yards gegen Süden sah man die Gartenmauern einiger großen Häuser, die nicht mehr als zur Stadt gehörend betrachtet wurden. Auf der Westseite befand sich eine Wiese, berühmt durch eine Quelle, welche später der Conduit Street (Wasserleitungsstraße) den Namen gab. Östlich war ein Feld, über welches damals kein Londoner ohne Grauen gehen kennte. An dieser von jeder menschlichen Wohnung entfernten Stelle war zwanzig Jahre früher, zur Zeit der großen Pest, eine ungeheure Grube angelegt worden, in welche die Leichenkarren allnächtlich Haufen von Todten warfen. Das Volk war der Meinung, die Erde sei dadurch verpestet und könne nicht ohne Gefahr für das menschliche Leben wieder ausgegraben werden. Erst nachdem zwei Generationen vorübergegangen waren, ohne daß die Pest zurückkehrte, und nachdem der unheimliche Platz schon auf allen Seiten von Häusern umgeben war, wagte man es endlich, ihn zu bebauen.[91]
Wir würden uns sehr irren, wenn wir glaubten, daß irgend eine der Straßen oder einer der Plätze so ausgesehen habe wie jetzt. Die große Mehrzahl der Häuser ist seitdem ganz oder theilweis neugebaut worden. Die vornehmsten Stadttheile würden, wenn sie uns jetzt in ihrer damaligen Gestalt vor Augen träten, uns durch ihr schmutziges Aussehen und durch ihre verdorbene Atmosphäre abstoßen. In Coventgarden wurde ganz nahe bei den Wohnungen der Großen ein unsauberer und lärmender Markt gehalten. Obstweiber riefen ihre Waare aus, Kärrner schlugen sich und Kohlstengel und verfaulte Äpfel lagen haufenweis vor den Hausthüren der Herzogin von Berkshire und des Bischofs von Durham.[92]