[100.] Siehe Sir Roger North’s Account of the way in which Wright was made a judge, und Clarendon’s Account of the way in which Sir George Savile was made a peer.

[101.] Die Quellen, denen ich meine Mittheilungen über den Hof entlehnt habe, sind zu zahlreich, als daß ich sie alle hier anführen könnte. Unter anderen sind es die Depeschen von Barillon, Citters, Ronquillo und Adda, die Reisen des Großherzogs Cosmus, die Tagebücher von Pepys, Evelyn und Teonge und die Memoiren von Grammont und Reresby.

Die Kaffeehäuser. [Das] Kaffeehaus darf nicht bloß oberflächlich berührt werden, denn es hätte damals nicht mit Unrecht eine höchst wichtige politische Institution genannt werden können. Seit Jahren war kein Parlament versammelt gewesen; der Gemeinderath der City war nicht mehr der Repräsentant der Gesinnung der Bürger; Volksversammlungen, Reden, Beschlüsse und das ganze übrige neuere Getriebe der Agitation war noch nicht angekommen, es gab noch kein Zeitungswesen, das dem unsrigen ähnelte. Unter solchen Umständen waren die Kaffeehäuser die Hauptorgane, durch welche sich die öffentliche Meinung der Hauptstadt äußerte.

Das erste derartige Etablissement war zur Zeit der Republik von einem mit der Türkei Handel treibenden Kaufmanne errichtet worden, der bei den Muhamedanern Geschmack an ihrem Lieblingsgetränk gefunden hatte. Die Annehmlichkeit, in allen Theilen der Stadt Zusammenkunftsorte zu haben und die Abende sehr wohlfeil in Gesellschaft zubringen zu können, war so groß, daß sich die Mode rasch verbreitete. Jeder Mann aus den höheren und mittleren Ständen ging täglich in sein Kaffeehaus, um Neuigkeiten zu erfahren und darüber zu sprechen, und jedes Kaffeehaus hatte einen oder mehrere Wortführer, deren Reden der große Haufe mit Bewunderung anhörte und welche bald das wurden, als was man auch die Journalisten unsrer Zeit bezeichnet hat: ein vierter Stand des Reichs. Der Hof hatte das Erstehen dieser neuen Macht im Staate schon längst mit mißliebigem Auge betrachtet und es war auch unter Danby’s Verwaltung ein Versuch gemacht worden, die Kaffeehäuser zu schließen; aber Männer aller Parteien vermißten ihre gewohnten Versammlungsorte so schmerzlich, daß ein allgemeines Wehgeschrei ertönte. Die Regierung wagte es daher nicht, so allgemein und entschieden ausgesprochenen Wünschen entgegen eine Verordnung durchzuführen, deren Gesetzmäßigkeit wohl in Zweifel gezogen werden konnte. Seitdem waren zehn Jahre vergangen und während dieses Zeitraums hatte sich die Zahl und der Einfluß der Kaffeehäuser beständig vermehrt. Fremde machten die Bemerkung, daß das Kaffeehaus das sei, wodurch sich London wesentlich von allen anderen Städten unterscheide, daß es die eigentliche Heimath des Londoners sei und daß Derjenige, der einen Gentleman aufsuchen wolle, nicht danach zu fragen pflege, ob er in Fleet Street oder in Chancery Lane wohne, sondern ob er den „Griechen“ oder den „Regenbogen“ besuche. Niemand war von diesen Lokalen ausgeschlossen, der seinen Penny bezahlte. Indessen hatte jeder Rang und Stand und jede religiöse und politische Farbe ihr besondres Hauptquartier. In der Nähe von St. James Park waren Kaffeehäuser, in denen sich Stutzer versammelten, deren Kopf und Schultern mit schwarzen oder weißen Perrücken von nicht geringerem Umfange bedeckt waren, wie sie jetzt der Kanzler und der Sprecher des Hauses der Gemeinen tragen. Die Perrücke stammte aus Paris, eben so auch der übrige Staat des feinen Herrn: der gestickte Frack, die mit Fransen besetzten Handschuhe und die Troddelschnur, die das Beinkleid über den Hüften festhielt. Dort wurde in dem Dialecte gesprochen, der noch lange, nachdem er in den vornehmen Kreisen aus der Mode gekommen war, im Munde Lord Foppington’s die Lachlust des Theaterpublikums reizte.[102] Die Atmosphäre hatte Ähnlichkeit mit der eines Parfümerieladens und der Tabak war in jeder andren Form als in der eines lieblich duftenden Schnupftabaks streng verpönt. Fiel es einem mit den Sitten bei Hauses noch Unbekannten etwa ein, eine Pfeife zu verlangen, so belehrten ihn das höhnische Lächeln der Anwesenden und die kurzen Antworten der Kellner sehr bald, daß er besser thun würde, anderswohin zugehen. Er hatte auch nicht weit zu gehen, denn in den meisten Kaffeehäusern wurde geraucht wie in einer Wachstube und Fremde wunderten sich zuweilen darüber, daß so viele Leute ihre Wohnung verließen, um beständig in einem solchen Nebel und Gestank zu sitzen. Am stärksten wurde in Will’s Kaffeehause geraucht. Dieses berühmte Haus, das zwischen Coventgarden und Bow Street lag, war den schönen Wissenschaften geweiht. Die Hauptgegenstände der Unterhaltung waren dort die poetische Gerechtigkeit und die Einheit von Raum und Zeit; es gab eine Faction für Perrault und die Neueren, eine andere für Boileau und die Alten. Die eine Gruppe diskutirte darüber, ob das „Verlorene Paradies“ nicht hätte in Reimen geschrieben werden sollen, einer andern bewies ein mißgünstiges Poetlein, daß das „Gerettete Venedig“ im Theater hätte ausgezischt werden sollen. Nirgends konnte man unter einem Dache eine größere Mannichfaltigkeit von Gestalten sehen: Earls mit Sternen und Ordensbändern, Geistliche in ihren Priesterröcken, naseweise Templer, schüchterne Knaben von den Universitäten, Übersetzer und Indexmacher in zerrissenen Flausröcken. Das ärgste Gedränge war immer in der Nähe des Platzes, auf dem John Dryden saß. Im Winter war dieser Platz im wärmsten Winkel unweit des Kamins, im Sommer auf dem Balcon. Ihn zu begrüßen und seine Meinung über Racine’s neuestes Trauerspiel oder über Bossu’s Werk über die epische Dichtkunst zu hören, galt für ein Glück. Eine Prise aus seiner Dose war eine Ehre, die einem jungen Enthusiasten den Kopf verrücken konnte. Es gab ferner Kaffeehäuser, in denen man die angesehensten Ärzte consultiren konnte. Der Doctor John Radcliffe, der im Jahre 1685 von allen Londoner Ärzten die ausgedehnteste Praxis besaß, kam täglich um die Zeit, wo es an der Börse am lebhaftesten war, aus seiner Wohnung in Bow Street, damals einem eleganten Stadttheile von London, in Garraway’s Kaffeehaus, wo man ihn regelmäßig, von Wundärzten und Apothekern umgeben, an einem besonderen Tische fand. Auch gab es puritanische Kaffeehäuser, in denen man keinen Schwur hörte, und wo glattköpfige Männer in näselndem Tone von Gnadenwohl und Verdammniß sprachen; ferner jüdische Kaffeehäuser, wo sich schwarzäugige Geldwechsler aus Venedig und Amsterdam versammelten, und endlich papistische, in denen, wie die guten Protestanten glaubten, Jesuiten bei der Kaffeetasse über den Plan zu einem neuen großen Brande brüteten und silberne Kugeln gossen, um damit den König zu erschießen.[103]

Diese geselligen Gewohnheiten bildeten einen characteristischen Zug des Londoners der damaligen Zeit. Er war in der That ein von dem englischen Provinzbewohner ganz verschiedenes Wesen, und es bestand damals zwischen diesen beiden Klassen noch nicht der Verkehr, wie gegenwärtig. Nur sehr vornehme und reiche Leute pflegten ihren Aufenthalt zwischen Stadt und Land zu theilen. Wenige Landedelleute kamen in ihrem Leben dreimal nach London, und ebensowenig war es damals Mode, daß die wohlhabenderen Bewohner der Hauptstadt im Sommer einige Wochen lang die frische Landluft einathmeten. Das Londoner Stadtkind wurde auf dem Dorfe angestaunt, als ob es sich in ein Hottentotten-Kraal verlaufen hätte. Wenn auf der andren Seite ein Gutsbesitzer aus Lincolnshire oder Shropshire in Fleet Street erschien, so wurde er von den Stadtbewohnern eben so leicht unterschieden, wie ein Türke oder ein Lascar. Seine Kleidung, sein Gang, seine Sprache, die Art und Weise, wie er die Läden anstaunte, in die Rinnsteine stolperte, gegen die Lastträger anrannte und unter den Dachtraufen stehen blieb, machte ihn zu einem willkommenen Schlachtopfer für Gauner und zu einer trefflichen Zielscheibe für muthwillige Spaßvögel. Raufbolde stießen ihn absichtlich in die Gosse, Miethkutscher bespritzten ihn vom Kopf bis zu den Füßen, und wenn er mit bewunderndem Entzücken den Lord Mayor mit seinem glänzenden Gefolge vorüberziehen sah, untersuchten gewandte Diebe mit alter Bequemlichkeit die weiten Taschen seines Reitrockes. Verschmitzte Gauner, noch wund von der Peitsche des Zuchtmeisters, knüpften ein Gespräch mit ihm an und dünkten ihm die liebenswürdigsten und rechtschaffensten Männer, die er jemals kennen gelernt. Geschminkte Dirnen, der Auswurf von Lewkner Lane und Whetstone Park, gab sich ihm gegenüber für Gräfinnen und Hoffräuleins aus. Wenn er sich nach dem Wege nach St. James erkundigte, schickte man ihn nach Mile End. Trat er in einen Laden, so erkannte man in ihm sogleich einen Käufer für solche Waaren, die kein Mensch sonst haben mochte, und man hing ihm verlegene Stickereien, kupferne Ringe und Uhren auf, die nicht gehen wollten. Ließ er sich in einem eleganten Kaffeehause blicken, so wurde er alsbald die Zielscheibe des rücksichtslosen Spottes der Stutzer und ernsterer Neckereien von Seiten der Studenten. Voll Ärger und Verdruß kehrte er sehr bald auf sein Landgut zurück und fand in der Ehrerbietung seiner Pächter und in der Unterhaltung mit seinen heiteren Genossen Trost für die erlittenen Demüthigungen und Kränkungen. Hier fühlte er sich wieder als Mann von Gewicht und erblickte Niemanden über sich, ausgenommen, wenn er bei den Assisen seinen Platz neben dem Richter einnahm oder wenn er bei der Musterung der Miliz den Lordlieutenant begrüßte.

[102.] Die Haupteigenthümlichkeit dieses Dialectes bestand darin, daß in einer Menge von Wörtern das o wie a ausgeprochen wurde. So wurde z.B. stork (Storch) stark ausgesprochen. Siehe Vanbrugh’s Relapse. Lord Sunderland war ein großer Meister in dieser Hofsprache, wie Roger North sie nennt, und Titus Oates affectirte dieselbe, in der Hoffnung, für einen eleganten Gentleman gehalten zu werden. Examen, 77, 254.

[103.] Letters sur les Anglois; Tom Brown’s Tour; Ward’s London Spy; The Character of a Coffee-House, 1673; Rules and Orders of the Coffee-House, 1674; Coffee-Houses vindicated, 1675; A Satyr against Coffee; North’s Examen, 138; Life of Guildford, 152; Life of Sir Dudley North, 149; Life of Dr. Radcliffe, published by Curll, 1715. Die unterhaltendste Beschreibung von Will’s Kaffeehause befindet sich in The City and County Mouse. Eine interessante Stelle über den Einfluß der Kaffeehausredner kommt auch in Halstead’s Succinct Genealogies, 1685, vor.

Schwierigkeiten des Reisens. [Ein] Haupthinderniß für die Verschmelzung der verschiedenen Elemente der Gesellschaft war die große Schwierigkeit, die es unseren Vorfahren machte, wenn sie sich an einen andren Ort begeben wollten. Mit alleiniger Ausnahme des Alphabets und der Buchdruckerkunst haben diejenigen Erfindungen, welche die Entfernung abkürzten, zur Civilisation unsres Geschlechts am meisten beigetragen. Jede Vervollkommnung der Communicationsmittel bringt der Menschheit sowohl in materieller, als auch in moralischer und intellectueller Hinsicht Nutzen und erleichtert nicht nur den Austausch der verschiedenen Natur- und Kunstproducte, sondern trägt auch zur Beseitigung nationaler und provinzieller Vorurtheile und zur engeren Verbindung aller Zweige der großen menschlichen Familie bei. Im siebzehnten Jahrhundert waren die Bewohner von London zu fast jedem praktischen Zwecke von Reading weiter entfernt, als heutzutage von Edinburg, und von Edinburg weiter als jetzt von Wien.

Den Unterthanen Karl’s II. war übrigens die Kraft, die in unseren Tagen eine beispiellose Umwälzung in allen menschlichen Dingen hervorgebracht, welche Flotten in den Stand gesetzt hat gegen Wind und Fluth zu steuern, und Bataillone, mit Gepäck und Geschützen ganze Reiche mit der Geschwindigkeit des besten Renners zu durcheilen, nicht mehr ganz unbekannt. Der Marquis von Worcester hatte unlängst die Expansivkraft des durch Hitze verdünnten Wassers erkannt, und nach vielen Versuchen war es ihm gelungen, eine rohe Dampfmaschine zu construiren, die er Feuerwasserwerk nannte und als eine bewunderungswürdige Fortbewegungsmaschine von außerordentlicher Kraft bezeichnete.[104] Aber man hielt den Marquis für wahnsinnig und überdies war er als Papist bekannt. Seine Erfindungen fanden daher keine günstige Aufnahme; sein Feuerwasserwerk gab vielleicht Stoff zu einem Vortrage in der Königlichen Societät, aber zu einem praktischen Zwecke wurde es nicht angewendet. Schienenwege gab es damals noch nicht, einige hölzerne ausgenommen, von den Kohlengruben in Northumberland bis an die Ufer des Tyne.[105] Die inneren Wasserverbindungen waren ebenfalls noch sehr spärlich; zwar hatte man einige Versuche gemacht, die Flüsse zu vertiefen und zu dämmen, aber mit sehr geringem Erfolge. Kaum ein einziger schiffbarer Kanal war nur projectirt. Die damaligen Engländer sprachen mit einer neidischen Bewunderung von dem großen Kanale, durch welchen Ludwig XIV. den Atlantischen Ocean mit dem Mittelländischen Meere verbunden hatte. Sie ahneten nicht, daß ihr ganzes Land einige Generationen später auf Kosten von Privatunternehmern von künstlichen Strömen durchschnitten sein würde, welche viermal so lang sind als die Themse, der Severn und der Trent zusammengenommen.

[104.] Century of Inventions, 1663, No. 68.