In den Hotels unsrer Zeit findet man manche Annehmlichkeiten, welche im siebzehnten Jahrhundert in Hampton Court und Whitehall unbekannt waren. Im Ganzen genommen aber ist soviel gewiß, daß die Verbesserung unserer Gasthöfe mit den Verbesserungen unserer Straßen und unserer Beförderungsmittel keineswegs gleichen Schritt gehalten hat. Dies kann auch nicht auffallen, denn es liegt auf der Hand, daß unter übrigens gleichen Verhältnissen die Gasthäuser da am besten sein werden, wo die Beförderungsmittel am mangelhaftesten sind. Je schneller man reisen kann, um so weniger bedarf es zahlreicher angenehmer Ruheplätze für den Reisenden. Wer vor hundertsechzig Jahren aus einer entfernten Grafschaft in die Hauptstadt kam, brauchte in der Regel unterwegs zwölf bis fünfzehn Mahlzeiten und fünf bis sechs Nachtquartiere. War er ein vornehmer Mann, so erwartete er überall eine wohlbesetzte Tafel und eine bequeme, ja selbst elegante Wohnung. Gegenwärtig fliegen wir von York oder Exeter nach London beim Sonnenschein eines einzigen Wintertages. Der Reisende hält sich daher jetzt selten bloß der Ruhe und Erfrischung halber unterwegs auf, und die Folge davon ist, daß Hunderte vortrefflicher Gasthöfe gänzlich in Verfall gerathen sind. Binnen Kurzem wird man gute Häuser dieser Art nur noch an solchen Orten finden, wo sich beständig viel Fremde in Geschäften oder zum Vergnügen aufhalten.

[127.] Siehe den Prolog zu den Canterbury Tales, Harrison’s Historical Description of the Island of Great Britain und Pepys’ Beschreibung seiner Reise im Sommer 1668. Auch in den Reisen des Großherzogs Cosmus wird die Vorzüglichkeit der englischen Gasthöfe erwähnt.

Die Briefposten. [Die] Art und Weise der Briefbeförderung zwischen entfernten Punkten mag der jetzigen Generation ein mitleidiges Lächeln entlocken, aber sie würde die Bewunderung und den Neid der gebildetsten Nationen des Alterthums sowie der Zeitgenossen Raleigh’s und Cecil’s erregt haben. Bereits unter Karl I. war eine rohe und mangelhafte Briefpost eingerichtet worden, der Bürgerkrieg aber hatte sie wieder zerstört. Unter der Republik wurde der Plan von neuem aufgenommen. Nach der Restauration ward der Ertrag der Postanstalt, nach Abzug aller Kosten, dem Herzoge von York überwiesen. Auf den meisten Routen gingen und kamen die Briefposten nur einen Tag um den andren; in Cornwall, in den Sümpfen von Lincolnshire und zwischen den Bergen und Seen von Cumberland erhielt man sogar nur einmal wöchentlich Briefe. Während einer Reise des Königs wurde täglich eine Briefpost von London nach dem Orte expedirt, wo der Hof sich eben aufhielt. Ebenso bestand eine tägliche Postverbindung zwischen London und den Dünen, welcher Vorzug zuweilen auch auf Tunbridge Wells und Bath ausgedehnt wurde, während der Monate, wo diese Bäder von den Großen zahlreich besucht waren. Die Postfelleisen wurden zu Pferde, am Tage wie bei Nacht, mit einer Schnelligkeit von etwa fünf Meilen in der Stunde befördert.[128]

Das Briefporto war übrigens nicht die einzige Ertragsquelle dieser Anstalt. Das Postamt war außerdem allein berechtigt, Postpferde zu liefern, und die Zähigkeit, mit der man dieses Monopol aufrecht erhielt, beweist am besten, daß es sehr einträglich war.[129] Hatte indessen ein Reisender eine halbe Stunde gewartet, ohne das gewünschte Pferd erhalten zu haben, so durfte er anderwärts eins miethen.

Die Erleichterung des Briefverkehrs zwischen den verschiedenen Theilen von London gehörte ursprünglich nicht zu den Zwecken des Postamts. Unter der Regierung Karl’s II. aber errichtete ein unternehmender Bürger der Hauptstadt, Namens Wilhelm Dockwray, mit großen Kosten eine Pennypost, durch welche Briefe und Packete in den geschäftsreichen und belebten Straßen zunächst der Börse täglich sechs- bis achtmal, in den entfernteren Stadttheilen aber viermal besorgt wurden. Diese Verbesserung stieß, wie jede andre, auf heftigen Widerstand. Die Austräger beklagten sich, daß man ihren Verdienst schmälere und rissen die Anschläge ab, in denen der Plan dem Publikum mitgetheilt wurde. Die durch Godfrey’s Ermordung und durch die Auffindung von Coleman’s Papieren hervorgerufene Erbitterung hatte damals gerade ihren Höhepunkt erreicht und die Pennypost wurde daher allgemein als eine papistische Erfindung ausgeschrieen. Man behauptete, der große Doctor Oates habe den Verdacht geäußert, daß die Jesuiten hinter dem Plane steckten und daß man die Briefbeutel bei näherer Untersuchung voll verrätherischer Papiere finden werde.[130] Der Nutzen des Unternehmens war jedoch so groß und in die Augen springend, daß aller Widerstand erfolglos blieb. Sobald es sich zeigte, daß die Spekulation einträglich war, verklagte der Herzog von York den Unternehmer wegen Eingriffs in sein Monopol und die Gerichtshöfe sprachen sich zu Gunsten des Ersteren aus.[131]

Der Ertrag des Postamts steigerte sich von allem Anfang an fortwährend. Im Jahre der Restauration hatte ein Ausschuß des Hauses der Gemeinen nach sorgfältiger Prüfung den reinen Gewinn auf ungefähr zwanzigtausend Pfund geschätzt; zu Ende der Regierung Karl’s II. betrug derselbe schon wenig unter funfzigtausend Pfund, und dies galt damals für eine ungeheure Summe. Die Bruttoeinnahme belief sich auf etwa siebzigtausend Pfund. Das Porto für einen einfachen Brief betrug bis zu achtzig Meilen zwei Pence, für eine größere Entfernung drei Pence. Es stieg im Verhältniß zu dem Gewicht des Packets.[132] Gegenwärtig wird ein einfacher Brief bis ans äußerste Ende von Schottland oder Irland für einen Penny befördert und das Postpferdmonopol besteht schon längst nicht mehr. Trotzdem beläuft sich die jährliche Bruttoeinnahme dieses Departements auf mehr als achtzehnhunderttausend Pfund und der Nettoertrag auf siebenhunderttausend Pfund. Es ist daher kaum zu bezweifeln, daß die Zahl der gegenwärtig durch die Post beförderten Briefe siebzigmal so groß ist als sie zur Zeit der Thronbesteigung Jakob’s II. war.

[128.] Stat. 12 Car. II. c. 35. Chamberlayne’s State of England, 1684. Angliae Metropolis, 1690. London Gazette, June 12. 1685, Aug. 15. 1687.

[129.] London Gazette, Sept. 14. 1685.

[130.] Smith’s Current Intelligence, March 30. & April 3. 1680.

[131.] Angliae Metropolis, 1690.