Wir sind in der That in einer Täuschung befangen, ähnlich der, welche den Reisenden in der arabischen Wüste irre führt. Unter den Füßen der Karawane ist Alles trocken und kahl, und vor und hinter ihr in weiter Ferne schimmern erquickende Wasserspiegel. Die Pilger eilen vorwärts und finden nichts als Sand, wo sie vor einer Stunde einen See gesehen hatten. Sie wenden sich um und erblicken einen See da, wo sie vor einer Stunde durch den Sand wateten. Eine ähnliche Täuschung scheint die Nationen durch alle Stadien der langen Reise aus Armuth und Barbarei zu den höchsten Stufen des Wohlstandes und der Civilisation zu begleiten. Verfolgen wir aber das Trugbild entschlossen nach rückwärts, so werden wir es bis in die Regionen des sagenhaften Alterthums zurückweichen sehen. Man pflegt jetzt das goldene Zeitalter Englands in eine Zeit zu versetzen, wo der vornehmste Mann Bequemlichkeiten entbehrte, deren Mangel einem modernen Lakaien unerträglich sein würde, wo der Landwirth und Krämer zum Frühstück ein Brod aßen, dessen bloßer Anblick in einem Arbeitshause der Neuzeit eine Meuterei hervorrufen würde, wo die Menschen in der reinsten Landluft früher starben, als jetzt in den verpestetsten Gäßchen unserer Städte, und wo sie in den Gäßchen der Städte früher starben als jetzt auf der Küste von Guiana. Auch wir werden einst übertroffen, auch wir werden einst beneidet werden. Es kann wohl kommen, daß im zwanzigsten Jahrhundert der Landmann von Dorsetshire sich mit fünfzehn Schillingen die Woche für schlecht bezahlt hält, daß der Zimmermann in Greenwich zehn Schillinge den Tag verdient, daß der Arbeiter eben so wenig gewohnt ist, zu Mittag das Fleisch zu entbehren, als er jetzt gewohnt ist, Roggenbrod zu essen, daß Gesundheitspolizei und arzneiwissenschaftliche Entdeckungen die durchschnittliche Dauer des menschlichen Lebens noch um mehrere Jahre verlängern, daß zahlreiche Annehmlichkeiten und Genüsse, die jetzt unbekannt oder doch nur Wenigen zugänglich sind, jedem fleißigen und strebsamen Arbeiter erreichbar werden. Und doch wird man auch dann vielleicht sagen, daß die Zunahme des Wohlstandes und die Fortschritte der Wissenschaft nur der Minderheit auf Kosten der Mehrheit zu Gute gekommen seien, und wird von der Regierung der Königin Victoria sprechen als von einer Zeit, da England wirklich das glückliche England war, wo das Band brüderlicher Sympathie alle Klassen umschlang, wo der Anblick des Reichen das Auge des Armen nicht verletzte und der Arme den Glanz des Reichen nicht beneidete.

Viertes Kapitel.

Jakob II.


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