Es war jetzt spät am Abend und der König schien durch das eben Geschehene sehr erleichtert zu sein. Man führte seine natürlichen Kinder an das Bett: die Herzöge von Grafton, Southampton und Northumberland, Söhne der Herzogin von Cleveland, den Herzog von St. Albans Sohn der Eleonore Gwynn, und den Herzog von Richmond, Sohn der Herzogin von Portsmouth. Karl gab Allen seinen Segen, behandelte aber mit besonderer Zärtlichkeit den Herzog von Richmond. Aber ein Gesicht fehlte, das hierher gehörte, das älteste und geliebteste Kind war in der Verbannung und streifte heimathlos umher. Sein Name kam nicht ein einziges Mal über des Vaters Lippen!
Während der Nacht empfahl Karl die Herzogin von Portsmouth und ihren Sohn der Fürsorge Jakob’s; „und laß auch das arme Lorchen keine Noth leiden“, fügte er gutmüthig hinzu. Die Königin ließ sich durch Halifax wegen ihrer Abwesenheit entschuldigen, indem sie vorgab, so tief ergriffen zu sein, daß sie sich außer Stande fühle, ihre Stelle am Sterbelager wieder einzunehmen. Sie ließ um Verzeihung bitten für alles Unrecht, das sie ihm unwissentlich angethan haben könnte. „Sie bittet um meine Verzeihung, das arme Weib!“ sagte Karl; „ich bitte um die ihrige mit aufrichtigem Herzen!“
Die Morgensonne fiel durch die Fenster von Whitehall herein und Karl bat die Diener, die Vorhänge zurückzuschlagen, damit er noch einmal den Tag sehen könne. Er machte darauf aufmerksam, daß es an der Zeit sei, eine Uhr aufzuziehen, welche nicht weit von seinem Bett sich befand. Diese unerheblichen Umstände blieben lange im Gedächtniß, weil sie den klaren Beweis lieferten, daß zur Zeit, wo er sich für den Katholicismus erklärte, der König im völligen Besitz seiner Geisteskräfte gewesen war. Er bat alle Diejenigen, welche sein Lager umstanden, während der Nacht um Verzeihung, daß er ihnen so viele Unruhe mache. Er liege eine ganz unverantwortlich lange Zeit im Sterben, sagte er, aber er hoffe, sie würden das entschuldigen. Dies war das letzte Aufblitzen jener unverwüstlichen Heiterkeit, durch deren Macht er so oft den gerechten Zorn seines entrüsteten Volkes hinwegzuzaubern vermocht hatte. Bald nach der Morgendämmerung verlor der Sterbende die Sprache, und noch vor der zehnten Stunde das Bewußtsein. Das Volk hatte sich in Massen zur Stunde des Frühgottesdienstes in die Kirchen begeben, und als das Gebet für den König verlesen wurde, verriethen schwere Seufzer und lautes Schluchzen die allgemeinste innige Theilnahme. In der Mittagstunde, am Freitag den 6. Februar, verschied er ruhig und ohne Kampf.[13]
[1.] Pepys’s Diary, Dec. 28. 1663, Sept. 2. 1667.
[2.] Burnet, I. 606; Spectator, No. 462; Lords’ Journals, Oct. 28. 1678; Cibber’s Apology.
[3.] Burnet, I. 605, 606; Welwood 138. North’s Life of Guildford, 251.
[4.] Ich bemerke hierbei, daß da, wo ich nur ein Datum anführe, ich dem alten Style folge, welcher im siebzehnten Jahrhundert in England gebräuchlich war, aber ich rechne das Jahr vom 1. Januar an.
[5.] Saint Evremont, passim; St. Real, Memoires de la Duchesse de Mazarin; Rochester Farewell; Evelyn’s Diary, Sept. 6. 1676, June 11, 1699.
[6.] Evelyn’s Diary, Jan. 28. 1684/85; Saint Evremont’s Letter to Déry.
[7.] Evelyn’s Diary, Feb. 4. 1684/85.