[19.] Burnet I. 628; Lestrange, Observator, Feb. 11. 1684/5.

Stand des Ministeriums. [Durch] die Erledigung des Thrones waren sämmtliche hohe Staatsämter freigeworden, und es wurde nöthig, daß Jakob ihre Wiederbesetzung vornahm. Wenige von den Mitgliedern des vorigen Kabinets hatten Ursache, auf seine Gunst zu rechnen. Sunderland, der Staatssekretär, und Godolphin, der erste Lord des Schatzes, hatten für die Ausschließungsbill gestimmt; und Halifax, der Geheimsiegelbewahrer, hatte sich zwar mit der Kraft der Beweisführung und Beredtsamkeit derselben widersetzt, aber er war ein Todfeind von Despotismus und Papstthum. Mit tiefer Besorgniß sah er den Fortschritt der französischen Waffen auf dem Festlande und die Wirkung des französischen Goldes auf die Rathschlüsse Englands. Hätte man seinen Rath befolgt, so wären die Gesetze streng beobachtet, die besiegten Whigs mit Güte behandelt, das Parlament zusammenberufen und ein Versuch gemacht worden, die inneren Parteien zu versöhnen; die Prinzipien der Triplealliance würden alsdann unsre auswärtige Politik wieder geleitet haben. Dadurch hatte er sich Jakob’s bittere Feindschaft zugezogen. Von dem Lord Siegelbewahrer Guildford ließ sich kaum behaupten, daß er einer der Parteien angehöre, in welche der Hof zerfiel. Er war keineswegs ein Freund der Freiheit und besaß doch eine so hohe Achtung vor dem Buchstaben des Gesetzes, daß er als Werkzeug willkürlicher Herrschaft nicht zu verwenden war. Die heftigen Tories bezeichneten ihn daher als Trimmer und Jakob empfand gegen ihn einen stark mit Verachtung gemischten Widerwillen. Ormond, Lord Oberhofmeister und Vicekönig von Irland, befand sich damals in Dublin. Derselbe hatte gerechtere Anwartschaft auf die Dankbarkeit des Königs, als jeder andre Unterthan. Er hatte für Karl I. tapfer die Waffen geführt, war Karl II. in die Verbannung gefolgt und seiner Loyalität trotz mancher Versuchungen treugeblieben. Obgleich zur Zeit des Übergewichts der Cabale in Ungnade gefallen, hatte er doch niemals einer factiösen Opposition sich angeschlossen und in den Tagen des papistischen Complots und der Ausschließungsbill sich unter den ersten Vertheidigern des Thrones befunden. Jetzt war er alt, und kürzlich hatte ihn das Schicksal schwer betroffen, indem er einen Sohn zu Grabe geleitet, der nach dem gewöhnlichen Gange der Dinge seinem Sarge hätte folgen müssen: den tapferen Ossory. Die anerkennungswerthen Verdienste, das hohe Alter und das häusliche Mißgeschick Ormond’s erregten für ihn die allgemeine Theilnahme des Volkes. Die Kavaliere sahen in ihm ihr Haupt nach dem Rechte des Alters wie des Verdienstes, und den Whigs war wohlbekannt, daß er zwar stets treulich auf Seite der Monarchie gestanden, dabei aber niemals weder dem Despotismus noch dem Katholicismus zugethan gewesen war. Obgleich er aber die allgemeine Achtung genoß, auf die Gunst seines neuen Gebieters durfte er wenig Hoffnung setzen. Jakob hatte, als er selbst noch Unterthan war, seinen Bruder aufgefordert, mit der irischen Verwaltung eine Umänderung vorzunehmen. Karl war darauf eingegangen, und man hatte bestimmt, daß nach einigen Monaten Rochester zum Lord Statthalter ernannt werden solle.[20]

[20.] Die Briefe, welche Rochester und Ormond in dieser Angelegenheit gewechselt, befinden sich in der Correspondenz Clarendon’s.

Neue Anordnungen. [Rochester] war das einzige Mitglied des Kabinets, welches sich der hohen Gunst des Königs erfreute. Man glaubte allgemein, daß er unverzüglich mit der Leitung der Geschäfte beauftragt und daß mit allen übrigen hohen Staatsbeamten ein Wechsel vorgenommen werden würde, aber diese Annahme bewies sich nur zum Theil als begründet. Rochester wurde zum Lord Schatzmeister ernannt und war als solcher erster Minister; jedoch unterblieb die Wahl eines Lord Großadmirals, sowie eines Admiralitätsraths. Der neue König, welcher für die Einzelnheiten der Marineverwaltung eingenommen war und einen vortrefflichen Beamten auf den Werften von Chatham abgegeben haben würde, entschloß sich, sein eigner Marineminister zu werden. Unter ihm wurde die Leitung dieses wichtigen Verwaltungszweiges dem Samuel Pepys übergeben, dessen Bibliothek und Tagebuch seinen Namen bis auf unsre Zeit gebracht haben. Keinen der Räthe des verstorbenen Souverains traf öffentliche Ungnade. Sunderland entwickelte eine solche Schlauheit und Gewandtheit, wußte so viel Gönner in Thätigkeit zu setzen und war in so viele Geheimnisse eingeweiht, daß man ihn im Besitze seiner Siegel ließ. Godolphin’s Gefügigkeit, Fleiß, Erfahrung und Verschwiegenheit ließen sich nicht wohl entbehren, und da er beim Schatzamte überflüssig geworden war, so wurde er zum Kammerherrn der Königin erwählt. Diese drei Lords fragte der König bei allen wichtigen Angelegenheiten um Rath; was aber Ormond, Halifax und Guildford betraf, so nahm er sich vor, sie noch nicht zu entlassen, sondern nur zu demüthigen und zu peinigen.

Dem Halifax wurde befohlen, das Geheimsiegel abzugeben und das Präsidium im Geheimen Rathe zu übernehmen. Er gehorchte mit größtem Widerwillen. Denn obgleich der Vorsitzende des Geheimen Rathes immer im Range über dem Lord Geheimsiegelbewahrer stand, so war doch die Stellung eines Geheimsiegelbewahrers zu damaliger Zeit eine viel wichtigere, als die eines Lord-Präsidenten. Rochester hatte den Witz, der vor einigen Monaten bei seinem Abgange vom Schatzamte gemacht worden, noch nicht vergessen, und genoß nun seines Theils das Vergnügen, seinen Nebenbuhler die Treppe hinaufzuwerfen. Das Geheimsiegel empfing Rochester’s älterer Bruder, Heinrich Earl von Clarendon. Vor Barillon machte Jakob kein Hehl aus seinem heftigen Widerwillen gegen Halifax. „Ich kenne ihn wohl, es ist ihm nicht zu trauen, er soll bei den Staatsgeschäften nicht verwendet werden! Was die Stellung betrifft, die ich ihm angewiesen habe, so wird dieselbe dazu dienen, um zu zeigen, wie unbedeutend sein Einfluß ist.“ Halifax gegenüber hielt man es freilich für gerathener, in ganz andrer Weise zu sprechen. „Alles Geschehene ist vergessen, sagte der König, mit Ausnahme des Dienstes, welchen Sie mir bei der Debatte über die Ausschließungsbill erzeigt haben.“ Diese Bemerkung ist oft als Beweis angeführt worden, daß Jakob nicht so rachsüchtig gewesen sei, als seine Feinde behaupteten; sie scheint jedoch eher darzuthun, daß er durchaus des Lobes nicht würdig ist, welches seine Freunde seiner Offenherzigkeit ertheilten.[21]

Ormond wurde höflich in Kenntniß gesetzt, daß man seine Dienste in Irland nicht länger beanspruche, und aufgefordert, nach Whitehall zu gehen und das Amt eines Lord Oberhofmeisters zu übernehmen. Er fügte sich pflichtgemäß, machte aber kein Hehl daraus, daß die neue Anordnung seine Gefühle tief verletze. Am Abend vor seiner Abreise gab er den Offizieren der Dubliner Besatzung in dem damals eben beendigten Kilmainhamhospital ein glänzendes Mahl. Zu Ende der Tafel stand er auf, füllte einen Pokal bis zum Rande mit Wein und frug, ihn emporhaltend, ob er einen Tropfen verschüttet habe. „Nein, meine Herren, was auch die Hofleute reden mögen, noch bin ich nicht kindisch geworden, noch versagt mir meine Hand nicht den Dienst und meine Hand ist nicht fester als mein Herz. Auf das Wohl König Jakob’s!“ Es war Ormond’s letztes Lebewohl an Irland. Er überließ die Verwaltung den Oberrichtern und ging nach London, wo man ihn mit den auffallendsten Zeichen öffentlicher Hochachtung empfing. Viele Personen von hohem Range kamen ihm entgegen. Eine lange Reihe von Wogen folgte ihm nach dem St. Jamesplatz, wo sein Haus stand, und der Platz war mit einer zahlreichen Volksmenge bedeckt, die ihn mit lautem Jubel empfing.[22]

[21.] Die Veränderungen im Ministerium sind angezeigt in der London Gazette vom 19. Febr. 1684/5. Burnet, I., 621; Barillon, Feb. 9.(19.) 16.(26.) & Feb. 19. (March 1.)

[22.] Carte’s Life of Ormond; Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690; Memoirs of Ireland, 1716.

Sir Georg Jeffreys. [Das] große Siegel blieb in Guildford’s Verwahrung, aber eine harte Demüthigung ward ihm zu gleicher Zeit zu Theil. Es wurde der Entschluß gefaßt, einen energischen und tüchtigen Juristen der Verwaltung beizugeben, und hierzu wählte man Sir Georg Jeffreys, Oberrichter des Gerichtshofes der Kings-Bench. Die Verworfenheit dieses Mannes ist zum Sprichwort geworden. Die beiden großen Parteien Englands haben sein Andenken mit wetteifernder Heftigkeit angegriffen, denn die Whigs erblickten in ihm einen grausamen Feind, und die Tories fanden es für angemessen, die Schuld an allen den Verbrechen, durch welche sie ihren Sieg entehrten, auf ihn zu wälzen. Eine genaue und auf Wahrheit beruhende Untersuchung wird darthun, daß einige entsetzliche Geschichten, welche man von ihm erzählt, unrichtig oder übertrieben sind, doch selbst der besonnene Geschichtsschreiber kann von der beispiellosen Menge von Schändlichkeiten, welche das Andenken dieses verworfenen Richters entehren, nur wenige beseitigen.

Er war ein Mann von regsamem, kräftigem Geiste, aber von Natur zur Frechheit und wilden Leidenschaften geneigt. Kaum dem Kindesalter entwachsen, hatte er seine Praxis an den Schranken der Old Bailey begonnen, wo die Rechtsgelehrten immer eine Freiheit der Sprache ausgeübt haben, wie sie in Westminsterhall völlig unbekannt war. Hier war viele Jahre lang seine Hauptbeschäftigung, die Verhöre der verstocktesten Bösewichter der Hauptstadt abzuhalten, und seine tägliche Berührung mit lockeren Dirnen und Dieben weckte und vervollkommnete sein Talent dergestalt, daß er der ausgebildetste Rabulist wurde, den jemals sein Beruf erzeugte. Jede schonende Rücksicht für die Gefühle Anderer, jede Selbstachtung, jeder Sinn für Anstand waren ihm fremd. Er gewann eine unbeschreibliche Fertigkeit in der Ausdrucksweise, in welcher der Pöbel Haß und Verachtung ausspricht. Der Reichthum von Verwünschungen und Schmähreden, aus denen sein Wörterbuch bestand, ließ kaum auf dem Fischmarkt oder im Bärengarten etwas Ähnliches auffinden. Sein Gesichtsausdruck und seine Stimme müssen immer unliebenswürdig gewesen sein, aber diese natürlichen Vorzüge — denn als solche scheint er sie betrachtet zu haben — waren von ihm zu einer solchen Vollkommenheit ausgebildet worden, daß es nicht Viele gab, die ihn in seinen Wuthausbrüchen sehen und hören konnten, ohne heftig erregt zu werden. Frechheit und Wildheit thronten auf seiner Stirne. Der Blick seines Auges übte einen Zauber aus auf das unselige Schlachtopfer, auf das es sich richtete; doch behauptete man, seine Stirn und seine Augen hätten weniger Entsetzliches gehabt, als die verzerrten Züge seines Mundes. Sein Wuthgebrüll klang, wie Jemand sagte, der ihn oft gehört, wie der Donner des Weltgerichts. Diese Eigenschaften brachte er von der Barre mit auf den Richterstuhl. Er wurde sehr bald Gemeindesachwalter und später Syndikus von London. Als Richter bei den Sitzungen der City entwickelte er dieselben Neigungen, die ihm nach der Zeit in einer höheren Stellung einen nicht eben beneidenswerthen Nachruhm verschafft haben. Schon konnte man an ihm das abscheulichste Laster, dessen die menschliche Natur fähig ist, Vergnügen am Elend, lediglich als solchem, wahrnehmen. Es lag eine hämische Wollust in der Art und Weise, wie er den Verbrechern das Urtheil verkündigte. Ihr Jammern und Flehen schien ihm einen angenehmen Kitzel zu verursachen, und es amüsirte ihn, sie bis zu Krämpfen zu peinigen, indem er ihnen mit der weitläufigsten Ausführlichkeit die Einzelheiten der Qualen schilderte, welche sie zu erdulden hätten. Wenn er Gelegenheit fand, eine unglückliche Frauensperson zum Staupbesen zu verurtheilen, so rief er: „Henker! ich verlange, daß Ihr dieser Dame besondere Aufmerksamkeit schenkt. Peitschet derb drauf los, Mann! Haut sie, bis das Blut herunterläuft! Es ist Weihnachten, eine kühle Zeit für Madame, um sich zu entkleiden, bemüht Euch, daß ihr die Schultern warm werden.“[23] Er war kaum weniger scherzhaft, als er den armen Ludwig Muggleton verurtheilte, den trunkenen Schneider, der sich für einen Propheten ausgab. „Frecher Schurke, brüllte Jeffreys, Du sollst eine leichte, eine ungemein leichte Strafe erhalten.“ Ein Theil dieser leichten Strafe war der Schandpfahl, an welchem der arme Fanatiker durch Steinwürfe beinahe getödtet wurde.[24]