Dieser hohe Ruf ist nicht ganz unverdient. Penn war ohne Zweifel ein Mann von großen Tugenden. Er hatte ein starkes Gefühl für religiöse Pflicht und einen heißen Trieb, das Glück der Menschen zu fördern. Über einige Punkte von hoher Bedeutung besaß er richtigere Ansichten, als zu damaliger Zeit selbst Männer von unbefangenem Geiste sie hegten, und als Besitzer und Gesetzgeber einer Provinz, welche anfänglich fast unbewohnt war und ein weites Feld für moralische Versuche darbot, hatte er das seltene und vorzügliche Glück, seine Theorien ohne Rücksicht auf bereits bestehende Einrichtungen in Ausführung bringen zu können. Er wird stets als der Gründer einer Colonie, der das Übergewicht, welches die Civilisation gewährt, bei seinem Verkehr mit einem wilden Volke, niemals mißbrauchte, sowie als Gesetzgeber, der in einem Zeitalter der Verfolgung religiöse Freiheit zum Grundstein der Staatsverfassung machte, in hohen Ehren bleiben; seine Werke jedoch, wie auch sein Leben beweisen hinreichend, daß er kein Mann von großem Geiste war. Er hatte kein Geschick dazu, die Charactere zu erforschen, und sein Vertrauen zu Leuten, die nicht so tugendhaft waren als er selbst, veranlaßte manchen Irrthum und häufiges Mißgeschick. Sein Enthusiasmus für einen großen Grundsatz ließ ihn oftmals anderen großen Grundsätzen zu nahe treten, gegen die er hatte tiefe Ehrfurcht zeigen sollen, auch hielt seine Rechtlichkeit nicht immer den Versuchungen Stand, denen er in jener glänzenden, feingebildeten, aber völlig sittenlosen Gesellschaft, in der er sich bewegte, ausgesetzt war. Intriguen der Galanterie und des Ehrgeizes erhielten den Hof in beständiger Gährung, der Handel mit Ehren, Ämtern und Begnadigungen wurde ohne Unterbrechung getrieben, es war also natürlich, daß man einen Mann, der täglich im Palaste war und von dem man wußte, daß er täglich Zutritt zum König hatte, häufig anlag, seinen Einfluß für Zwecke geltend zu machen, die eine strenge Moral verwerfen mußte. Die Biederkeit Penn’s hatte der Verleumdung und Verfolgung widerstanden, aber jetzt, angegriffen durch das Lächeln des Königs, den Zauber weiblicher Liebenswürdigkeit, gewinnender Überredungskunst und feiner Schmeichelei gewandter Diplomaten und Hofleute fing seine Festigkeit an zu wanken. Titel und Redensarten, welche er oft gemißbilligt hatte, flossen jetzt bei Gelegenheit von seinen Lippen und aus seiner Feder. Es wäre gut, wenn man ihm nichts Übleres vorwerfen könnte, als daß er sich den Gebräuchen der Welt fügte, aber leider ist nicht in Abrede zu stellen, daß er bei einigen Verhandlungen sehr stark betheiligt war, welche nicht nur von der strengen Moral der Gesellschaft, der er angehörte, sondern überhaupt von dem Rechtlichkeitsgefühl aller unverdorbenen Menschen mit Abscheu betrachtet wurden. Er versicherte späterhin feierlich, daß er sich nie durch unerlaubten Gewinn bereichert, und nie Belohnung von Denjenigen angenommen habe, welche ihm verpflichtet waren, obgleich während der Zeit seines Einflusses am Hofe es ihm leicht gewesen sein würde, sich auf diese Weise hundertzwanzigtausend Pfund zu verschaffen.[91] Diese Bereicherung ist nicht in Zweifel zu ziehen, aber Bestechungen lassen sich sowohl der Habgier wie der Eitelkeit anbieten, und es kann nicht geleugnet werden, daß Penn bestimmt wurde, sich bei einigen unverantwortlichen Verhandlungen zu betheiligen, von denen Andere den Gewinn zogen.

[90.] Die Besuche Penn’s zu Whitehall und seine Levers zu Kensington beschreibt — wenn auch in schlechtem Latein — Gerhard Croese mit großer Lebendigkeit. Er sagt: „Sumebat rex saepe secretum, non horarium, vero horarum plurium, in quo de variis rebus cum Penno serio sermonem conferebat, et interim differebat audire praecipuorum nobilium ordinem, qui hoc interim Spatio in procoetone, in proximo, regem conventum praesto erant.“ Über den Zudrang der Bittsteller nach Penn’s Hause sagt Croese: „Vidi quandoque de hoc genere hominum non minus bis centum.“ Historia Quakeriana, lib. II. 1695.

[91.] „Zwanzigtausend in meinen Beutel und hunderttausend in meine Provinz.“ Penn’s Brief an Popple.

Besondere Bevorzugung der Katholiken und Quäker. [Der] erste Gebrauch, den er von seinem Einflusse machte, war sehr lobenswerth. Er schilderte dem neuen König die Leiden der Quäker, und dieser erkannte mit Vergnügen, daß man diesen friedlichen Sektirern und den römischen Katholiken Nachsicht gewähren könne, ohne dieselbe den übrigen Parteien, welche damals noch der Verfolgung ausgesetzt waren, zu Theil werden zu lassen. Es wurde ein Verzeichniß der Personen angefertigt, welche deshalb in Anklagezustand versetzt worden, weil sie die Eide verweigert, oder die Kirche nicht besucht, über deren Loyalität aber die Regierung gültige Zeugnisse empfangen hatte. Diese Leute wurden in Freiheit gesetzt, und befohlen, daß kein ähnliches Verfahren eingeleitet werden solle, bevor der König dazu Belieben tragen würde. Auf diese Art erlangten etwa fünfzehnhundert Quäker und eine noch größere Anzahl Katholiken ihre Freiheit.[92]

Jetzt war die Zeit herangerückt, wo das englische Parlament zusammentreten mußte. Die Mitglieder des Hauses der Gemeinen, welche nach der Hauptstadt gekommen waren, bildeten eine so große Anzahl, daß man zweifelte, der Sitzungssaal in seiner damaligen Einrichtung würde genügenden Raum zu ihrer Aufnahme darbieten. Sie benutzten die der Eröffnung der Sitzung vorangehenden Tage zu Unterredungen über die öffentlichen Angelegenheiten unter sich und mit den Beauftragten der Regierung. Eine große Zusammenkunft der loyalen Partei fand in dem Wirthshause zur Quelle am Strand statt, und Roger Lestrange, dem der König kürzlich den Ritterschlag ertheilt, und den die Stadt Winchester ins Parlament gewählt hatte, betheiligte sich bei der Leitung ihrer Berathungen.[93]

Bald stellte es sich heraus, daß ein großer Theil der Gemeinen Absichten hegte, welche mit den Wünschen des Hofes nicht ganz im Einklange standen. Die toryistischen Landedelleute verlangten fast einstimmig die Aufrechterhaltung der Testacte und der Habeas-Corpus-Acte, und einige von ihnen waren der Ansicht, man solle das Einkommen nur auf eine bestimmte Reihe von Jahren gewähren. Sie zeigten jedoch die größte Bereitwilligkeit, strenge Gesetze gegen die Whigs zu erlassen, und sie würden mit Vergnügen gesehen haben, daß man alle Diejenigen, welche die Ausschließungsbill unterstützten, für unfähig erklärte, ein öffentliches Amt zu versehen. Andrerseits wünschte der König vom Parlament ein lebenslängliches Einkommen, die Zulassung der Katholiken zu Ämtern und die Aufhebung der Habeas-Corpus-Acte zu erlangen. Auf diese drei Punkte richtete sich seine Sehnsucht und er fühlte sich keineswegs geneigt, ein Strafgesetz gegen die Ausschließungsmänner als Ersatz anzunehmen. Im Gegentheile, es würde ihm ein derartiges Gesetz nicht angenehm gewesen sein, indem eine Klasse der Ausschließungsmänner bei ihm in hoher Gunst stand, die Klasse, welche Sunderland repräsentirte, und die während der Tage des Complots nur deshalb mit den Whigs gemeinschaftliche Sache machte, weil diese die Herrschaft führten, mit dem Umschwunge des Glücks aber ihre Gesinnungen wechselte. Jakob sah mit Recht in diesen Renegaten die nutzbarsten Werkzeuge, welche zu seiner Verfügung standen. Von den tapferen Kavalieren, welche in trüber Zeit ihm treu zur Seite geblieben, durfte er in seinem Glück keinen sklavischen, gewissenlosen Gehorsam erwarten. Die Männer aber, welche nicht von dem Gefühl für Freiheit oder Religion durchdrungen, sondern nur von selbstsüchtiger Gier und Furcht getrieben, während seiner Machtlosigkeit zu seiner Unterdrückung mitgewirkt hatten, waren die passenden Leute, um von derselben Gier und Furcht geleitet, ihm jetzt, wo er Gewalt hatte, bei der Unterdrückung des Volkes zur Hand zu gehen.[94] Obgleich rachsüchtig, machte er doch in der Ausübung seiner Rache einen Unterschied. Es giebt kein einziges Beispiel, wo er ein edelmüthiges Mitleid für Diejenigen an den Tag gelegt hätte, die ihm offenherzig und aus politischen Beweggründen entgegentraten; nicht selten aber verschonte und erhob er Andere, welche aus niedrigen Ursachen ihn beleidigt hatten, denn die Schlechtigkeit, welche sie zu brauchbaren Werkzeugen der Tyrannei stempelte, schätze er hoch genug, daß er selbst dann, wenn sie auf seine eigenen Kosten sich geltend machte, Nachsicht eintreten ließ.

Die Wünsche des Königs wurden auf verschiedenen Wegen den toryistischen Mitgliedern des Unterhauses bekannt gemacht. Die Mehrzahl ließ sich leicht bestimmen, jede Absicht auf ein Strafgesetz gegen die Ausschließungsmänner aufzugeben, und einzuwilligen, daß Se. Majestät das Einkommen auf die Dauer des Lebens erhielt. In Bezug auf die Testacte und Habeas-Corpus-Acte konnten die Geschäftsträger des Hofes keine zufriedenstellende Zusicherung erhalten.[95]

[92.] Diese Befehle, von Sunderland unterzeichnet, finden sich in Sewel’s Geschichte. Sie datiren vom 18. April 1685 und sind in einem dunklen und verwickelten Style abgefaßt, doch glaube ich den Sinn richtig wiedergegeben zu haben. Es ist mir nicht gelungen, einen Beweis zu finden, daß eine Person, welche nicht Quäker oder Katholik gewesen, auf diese Befehle hin in Freiheit gesetzt worden wäre. Man sehe: Neal’s History of the Puritans, vol. II. chap. II; Gerard Croese, lib. II. Croese schätzt die Zahl der freigelassenen Quäker auf vierzehnhundertsechzig.

[93.] Barillon, 28. Mai (7. Juni) 1685. Observator, May 27. 1685; Sir J. Reresby’s Memoirs.

[94.] Ludwig schrieb über diese Klasse der Ausschließungsmänner an Barillon: „L’intérêt qu’ils auront á effacer cette tâche par des services considérables les portera, selon toutes les apparences, à le servir plus utilement que ne pourraient faire ceux qui ont toujours été les plus attachés à sa personne.“ 15.(25.) Mai 1685.