[95.] Barillon, 4.(14.) Mai 1685; Sir John Reresby’s Memoirs.

Zusammenkunft des englischen Parlaments. [Am] 19. Mai wurde die Sitzung eröffnet. Die Bänke der Gemeinen gewährten einen seltsamen Anblick. Jene mächtige Partei, welche in den drei letzten Parlamenten die Oberhand gehabt, war jetzt zu einer kläglichen Minderzahl zusammengeschmolzen und betrug in der That nicht viel mehr als den fünfzehnten Theil des Hauses. Von den fünfhundertunddreizehn Rittern und Bürgern hatten hundertfünfunddreißig früher diesen Platz eingenommen. Es ist klar, daß eine Versammlung so unerfahrener Neulinge in einigen wichtigen Beziehungen weit unter dem durchschnittlichen Werthe unserer repräsentativen Corporationen stehen mußte.[96]

Die Leitung des Hauses hatte Jakob zwei Peers des Königreichs Schottland übertragen. Der Eine, Carl Middleton, Earl von Middleton, hatte früher ein hohes Amt in Edinburg bekleidet, war aber kurz vor dem Tode des vorigen Königs im englischen Geheimen Rath vereidigt und zum Staatssekretär ernannt worden; der Andre war Richard Graham, Viscount Preston, welcher lange Zeit den Gesandtschaftsposten in Versailles innegehabt hatte.

[96.] Burnet, I. 626; Evelyn’s Diary, May 22. 1685.

Trevor zum Sprecher gewählt. [Das] erste Geschäft der Gemeinen bestand in der Wahl eines Sprechers. Wer es werden sollte, war eine im Kabinet schon vielfach verhandelte Frage. Guildford hatte Sir Thomas Meres vorgeschlagen, der, wie er selbst, zu den Trimmern gehörte. Jeffreys, der jede Veranlassung benutzte, dem Lord Siegelbewahrer entgegenzutreten, unterstützte mit allen Kräften Sir Johann Trevor. Trevor hatte eine Erziehung, halb als Rabulist, halb als Spieler erhalten, und Gesinnungen und Grundsätze in das politische Leben mit hinübergenommen, welche dieses doppelten Berufes würdig waren. Dabei war er ein Schmarotzer des Oberrichters geworden, und verstand es, gelegentlich den Strafredenstyl seines Gönners mit ziemlichem Glück nachzuahmen. Jeffreys’ Günstling wurde natürlich von Jakob bevorzugt, von Middleton in Vorschlag gebracht und ohne Widerspruch gewählt.[97]

[97.] Roger North’s Life of Guildford, 218; Bramston’s Memoirs.

Seymour’s Character. [So] weit ging Alles gut, aber ein Widersacher von bedeutendem Muthe wartete seine Zeit ab. Es war dies Eduard Seymour von Berry Pomeroy Castle, Mitglied für die Stadt Exeter. Durch seine Abkunft stand Seymour mit dem vornehmsten Adel Europa’s auf gleicher Stufe. Er war der directe männliche Leibeserbe jenes Herzogs von Somerset, Schwagers Heinrich’s VIII. und Protectors des englischen Reiches. Nach der ursprünglichen Bestimmung der herzoglichen Familie Somerset war der jüngere Sohn des Protectors dem älteren vorgezogen worden, vom jüngeren stammten die Herzöge von Somerset, vom älteren die Familie ab, welche zu Berry Pomeroy wohnte. Seymour besaß ein sehr großes Vermögen und bedeutenden Einfluß im Westen Englands, auch war die Bedeutung, welche ihm Geburt und Reichthum verliehen, nicht die einzige, denn sowohl in der Debatte, wie in den Staatsgeschäften gehörte er zu den vorzüglichsten Männern im Lande. In den vielen Jahren, welche er im Hause der Gemeinen zugebracht, hatte er eine genaue Kenntniß aller Regeln und Herkömmlichkeiten desselben erlangt, und kannte alle Eigenthümlichkeiten desselben von Grund aus. Während der vorigen Regierung hatte man ihn unter Umständen, welche diese Bevorzugung besonders ehrenvoll erscheinen ließen, zum Sprecher erwählt, indem mehrere Menschenalter hindurch nur Rechtsgelehrte auf den Präsidentenstuhl berufen worden waren, und er als der erste Landedelmann, dessen Kenntnisse und Geschick ihn dazu befähigten, diesem alten Herkommen ein Ende machte. Er hatte später hohe Staatsämter bekleidet und einen Sitz im Kabinet inne gehabt, aber sein stolzes und unfügsames Wesen erweckte ihm soviel Widersacher, daß er sich zurückziehen mußte. Als Tory und Hochkirchenmann, welcher zugleich der Ausschließungsbill sich kräftig widersetzt, konnte er sich deshalb mit aller Sicherheit in dem Hause eine Sprache erlauben, für welche jede im Verdacht des Republikanismus stehende Person in den Tower geworfen worden wäre. Lange Zeit war er der Führer einer starken parlamentarischen Verbindung gewesen, welche die „Westliche Allianz“ genannt wurde und viele Gentlemen aus Devonshire, Somersetshire und Cornwall in sich faßte.[98]

In jedem Hause der Gemeinen wird ein Mann, der neben Rednergabe, Kenntnissen, Geschicklichkeit und Reichthum auch noch von vornehmer Abkunft ist, ein hohes Ansehen genießen; aber in einem Hause der Gemeinen, von welchem die vorzüglichsten Redner und parlamentarischen Tactiker jener Zeit ausgeschlossen und das mit Männern angefüllt war, die niemals eine Debatte angehört hatten, mußte der Einfluß eines solchen Mannes furchtbarer Art sein. Sittlichen Werth besaß Eduard Seymour allerdings nicht, er war liederlich, ruchlos, verdorben, zu stolz, die gewöhnliche Höflichkeit zu zeigen, und doch nicht zu stolz, um unredlichen Gewinn zu verschmähen; dabei aber ein nützlicher Bundesgenosse und gefährlicher Widersacher, so daß ihm oft Diejenigen am meisten schmeichelten, welche die gründlichste Abneigung gegen ihn fühlten.[99]

Er befand sich jetzt in gereizter Stimmung gegen den Hof. Durch die neue Organisirung der westlichen Burgflecken hatte sein Einfluß an einigen Orten gelitten, durch die Erhebung Trevor’s auf den Stuhl des Präsidenten hatte man seinen Stolz verletzt, und er ergriff bald eine Gelegenheit zur Rache.

[98.] North’s Life of Guildford 228; News from Westminster.