[99.] Burnet, I. 382; Rawdon Papers; Lord Conway an Sir Georg Rawdon vom 28. Dec. 1677.

Rede des Königs an das Parlament. [Am] 22. Mai wurden die Gemeinen vor die Schranken des Oberhauses geladen, und der König, auf seinem Throne sitzend, hielt an beide Häuser eine Rede. Er erklärte seinen Entschluß, die bestehende Verfassung in Staat und Kirche aufrecht zu erhalten, aber er beeinträchtigte den Eindruck dieser Erklärung, indem er eine besondere Ermahnung an die Gemeinen erließ. Er hege die Besorgniß, äußerte er, daß sie geneigt wären, ihm das Geld in Zwischenräumen zuzutheilen, um ihn dadurch zu häufigerer Einberufung zu veranlassen; aber er müsse ihnen ein für alle Mal erklären, daß er sich in dieser Art nicht behandeln lassen würde, und daß sie nur bei einem angemessenen Betragen hoffen dürften, häufiger einberufen zu werden. Da es offenbar unmöglich war, daß die Regierung ohne die nothwendigen Geldmittel fortgeführt werden konnte, so besagten diese Worte ganz einfach, daß, wenn sie ihm weniger bewilligten, als sich mit seinen Wünschen vereinigen ließ, er sich das Fehlende nehmen würde. Merkwürdigerweise wurde diese Rede von den Gentlemen der Torypartei mit lauten Acclamationen begrüßt, doch waren solche Zurufe damals nicht ungewöhnlich. Seit langen Jahren hat jetzt das Parlament die ernste und würdige Sitte angenommen, alle Äußerungen, angenehme wie unangenehme, die vom Throne ausgehen, in ehrfurchtsvollem Schweigen anzuhören.[100]

Es herrschte damals der Gebrauch, daß, nachdem der König in gedrängter Kürze seine Gründe für die Zusammenberufung des Parlaments angegeben hatte, der Minister, dem das große Siegel anvertraut war, dem Hause den Stand der Staatsangelegenheiten ausführlicher auseinandersetzte. Guildford hatte, wie seine Vorgänger, Clarendon, Shaftesbury, Bridgeman und Nottingham zu thun pflegten, eine ausgearbeitete Rede in Bereitschaft, erfuhr jedoch zu seiner großen Demüthigung, daß man seiner Dienste nicht bedurfte.

[100.] London Gazette, May 25. 1685; Evelyn’ Diary, May 22. 1685.

Debatte bei den Gemeinen. — Rede Seymour’s. [Nachdem] die Gemeinen in ihr Sitzungslokal zurückgekehrt waren, wurde der Vorschlag gemacht, für die Feststellung des königlichen Einkommens einen Ausschuß zu ernennen. Jetzt erhob sich Seymour. Die Bilder, welche noch von ihm existiren, geben uns eine Vorstellung, wie er dastand, er, das Haupt eines ausschweifenden stolzen Adels, mit den künstlichen Locken, die in modischer Fülle über seine Schultern wallten, und den Ausdruck von Üppigkeit und Verachtung in den Augen und auf den Lippen. Er wünsche nicht, sagte der stolze Kavalier, daß das Parlament der Krone die Mittel zur Führung der Regierung verweigere, aber wäre denn wirklich ein Parlament vorhanden? Befänden sich nicht hier auf diesen Sitzen eine ziemliche Anzahl von Männern, die, wie allgemein bekannt, nicht berechtigt wären, auf diesen Bänken einen Platz einzunehmen, viele Männer, deren Wahl durch Bestechung befleckt. Viele, welche man durch Einschüchterung den widerstrebenden Wählern aufgedrungen, und Viele, deren Wahl von Corporationen vollzogen worden sei, die das Gesetz als bestehend nicht anerkenne? Hatte man nicht Wahlkörper trotz königlicher Freibriefe und uralter Verjährung neugestaltet? und wären nicht überall Wahlbeamte die rücksichtslosen Geschäftsträger des Hofes gewesen? Da er erkenne, daß die Grundlage der Volksvertretung so systematisch angegriffen werde, könne er sich nicht entschließen, die ihn umgebende Menge von Gentlemen mit dem ehrenwerthen Namen eines Hauses der Gemeinen zu bezeichnen, und doch wäre es niemals nöthiger gewesen, als jetzt, wo das öffentliche Wohl es erheischt hätte, daß das Parlament Würde und Ansehen in sich vereinige. Die kirchliche und bürgerliche Verfassung des Landes sei von großen Gefahren bedroht, es sei allgemein bekannt und bedürfe keines Beweises, daß man die Testacte, den Schild der Religion, und die Habeas-Corpus-Acte, den Schild der bürgerlichen Freiheit, der Vernichtung anheim geben wolle. Ehe wir zur Verhandlung über Fragen von so bedeutender Wichtigkeit übergehen, wollen wir uns wenigstens Gewißheit verschaffen, ob wir in der That eine gesetzgebende Versammlung sind. Beginnen wir daher mit der Untersuchung, in welcher Art und Weise die Wahlen stattgefunden haben, und laßt uns aufmerksam sein, daß diese Prüfung völlig unparteiisch bleibe. Denn wenn das Volk zu der Überzeugung gelangt, daß keine Abhülfe auf friedlichem Wege erreicht werden kann, dann dürfte vielleicht bald an uns die Gerechtigkeit vollstreckt werden, welche gegen Andere auszuüben wir Bedenken tragen. Er schloß mit dem Antrage, daß noch vor jeder Geldbewilligung das Haus Petitionen gegen die Wahlen in Erwägung ziehen, und daß kein Mitglied, dessen Wahl angefochten werde, stimmfähig sein solle.

Aber kein Zuruf ertönte, nicht ein Mitglied hatte die Kühnheit, den Antrag zu unterstützen. Seymour hatte in der That viel gesagt, was kein Andrer ungestraft hätte sagen dürfen. Der Antrag fiel durch und wurde nicht einmal in das Protokoll aufgenommen, machte aber einen außerordentlichen Eindruck. Barillon schrieb seinem Monarchen, daß Viele, die es nicht gewagt, diese merkwürdige Rede zu unterstützen, sie vollkommen gebilligt hätten, daß sie das Tagesgespräch in London bilde und daß der Eindruck, die sie auf die öffentliche Meinung ausgeübt, ein bleibender sein werde.[101]

[101.] Burnet, I. 639; Evelyn’s Diary, May 22. 1685; Barillon, 23. Mai (2. Juni) und 25. Mai (4. Juni) 1685. Das Schweigen des Protokolls fiel Mr. Fox auf, es erklärt sich jedoch dadurch, daß Seymour keine Unterstützung fand.

Bewilligung des Einkommens. [Die] Gemeinen bildeten unverzüglich einen Ausschuß und bewilligten dem König auf die Dauer seines Lebens das ganze Einkommen, welches sein Bruder genossen hatte.[102]

[102.] Journals, May 22. Stat. Jac. II. I, 1.

Verhandlungen der Gemeinen hinsichtlich der Religion. [Die] eifrigen Hochkirchenmänner, aus denen die Majorität des Hauses bestand, scheinen die Ansicht gehabt zu haben, daß die Schnelligkeit, mit der sie dem Wunsche Jakob’s hinsichtlich seines Einkommens nachkamen, ihnen Berechtigung auf einige Zugeständnisse auch von seiner Seite gebe. Sie sagten, es sei viel zu seiner Zufriedenstellung gethan worden, man müsse nun auch etwas thun, um die Nation zu befriedigen. Das Haus verwandelte sich daher in einen Ausschuß für Religionsangelegenheiten, um die besten Mittel zur Sicherheit der Kirchenverfassung in Erwägung zu ziehen. In diesem Ausschusse wurden einstimmig zwei Beschlüsse angenommen: der eine sprach feurige Anhänglichkeit an die Kirche von England aus, der andre forderte den König auf, die Strafgesetze gegen alle Personen, welche nicht zu dieser Kirche gehörten, in Anwendung zu bringen.[103]