Die Whigs würden es gewiß am liebsten gesehen haben, wenn man die protestantischen Dissenters duldete und nur die Katholiken der Verfolgung aussetzte, aber die Whigs bildeten jetzt eine kleine, entmuthigte Minderheit. Sie machten sich daher so wenig als möglich bemerkbar, gaben ihren Parteinamen auf, hüteten sich, ihre besonderen Ansichten einem feindseligen Zuhörerkreise aufzudrängen, und bemühten sich, jeden Vorschlag zu unterstützen, der die Eintracht, welche bisher noch zwischen dem Parlamente und dem Hofe bestand, zu stören geeignet war.

Als der König die Verhandlungen des Religionsausschusses in Whitehall erfuhr, gerieth er in heftigen Zorn, auch ist er mit Recht nicht zu tadeln, daß ihn das Verhalten der Tories beleidigte. Hatten sie die Absicht, an der strengen Ausführung der Strafgesetze festzuhalten, so mußten sie unbedingt die Ausschließungsbill unterstützen, denn einen Katholiken auf den Thron erheben und dann verlangen, daß er die Lehrer des Glaubens, in welchem nach seiner Ansicht einzig das Heil der Seele zu erstreben sei, auf den Tod verfolgen solle, wäre ein offenbarer Unsinn gewesen. Milderte der König durch eine weniger strenge Verwaltung die Härte der blutigen Gesetze Elisabeth’s, so trat er keinem verfassungsmäßigen Grundsatze zu nahe, sondern bediente sich nur einer Gewalt, welche stets der Krone zugestanden war; ja er that nichts weiter, als was späterhin eine Reihe von Souverainen, welche mit großem Eifer den Lehren der Reformation huldigten, wie Wilhelm, Anna und die Fürsten des Hauses Braunschweig, gethan haben. Hätte er gestattet, daß katholische Geistliche, deren Leben er ohne Verletzung der Gesetze retten konnte, gehängt, geschleift und geviertheilt wurden, weil ihre Handlungen ihren geistlichen Pflichten entsprachen, so würden selbst Diejenigen ihn mit Haß und Abscheu betrachtet haben, deren Vorurtheilen er dieses verwerfliche Zugeständniß machte, und hätte es ihm genügt, den Mitgliedern seiner eigenen Kirche eine ausgedehnte Duldung zu Theil werden zu lassen, so würde die Nachwelt ihn deshalb einstimmig gepriesen haben.

Die Gemeinen erkannten vermuthlich bei ruhigerem Nachdenken über die Sache, daß sie sich eine widersinnige Handlungsweise hatten zu Schulden kommen lassen, und es erregte ihre Besorgniß, als sie hörten, daß der König, dem sie eine abergläubische Verehrung zollten, sehr erbittert sei. Sie ließen es sich daher angelegen sein, ihre Fehler wieder gut zu machen, verwarfen im Hause einstimmig den Antrag, den sie im Ausschuß einstimmig angenommen hatten, und faßten einen Beschluß des Inhalts, daß sie sich mit vollständigem Vertrauen auf Sr. Majestät Versprechen verließen, die Religion in Schutz zu nehmen, welche ihnen theurer sei als selbst das Leben.[104]

[103.] Journals, May 26, 27. Sir J. Reresby’s Memoirs.

[104.] Commons’ Journals, May 27. 1685.

Bewilligung nachträglicher Steuern. [Drei] Tage nachher zeigte der König dem Hause an, daß sein Bruder einige Schulden hinterlassen habe und die Vorräthe der Flotte und der Artillerie ziemlich erschöpft seien. Es wurde sofort der Entschluß gefaßt, neue Steuern aufzulegen. Die Person, welcher der Auftrag wurde, Mittel und Wege ausfindig zu machen, war Sir Dudley North, jüngerer Bruder des Lord Siegelbewahrers.

Sir Dudley North. [Dudley] North war einer der befähigtsten Männer seiner Zeit. In seiner Jugend hatte man ihn nach der Levante gesandt, wo er sich lange mit kaufmännischen Unternehmungen beschäftigt hatte. Die meisten Menschen würden in dieser Lage ihre Fähigkeiten haben einrosten lassen, da es in Smyrna und Konstantinopel an Büchern und gebildetem Umgange fehlte, aber der jugendliche Geschäftsführer besaß einen starken Geist, der von äußeren Hülfsmitteln unabhängig war. In seiner Einsamkeit gab er sich tiefem Nachsinnen über die Philosophie des Handels hin und schuf sich nach und nach eine Theorie, im Allgemeinen derjenigen gleich, welche hundert Jahre später Adam Smith entwickelte. Nach vieljähriger Abwesenheit von der Heimath kehrte Dudley North mit großen Reichthümern nach England zurück und gründete in der City von London ein Handelsgeschäft nach der Türkei. Seine ausgedehnte theoretische wie praktische Kenntniß des Handels und die klare, lebhafte Auseinandersetzung seiner Ansichten lenkte bald die Aufmerksamkeit der Staatsmänner auf seine Person. Die Regierung entdeckte in ihm einen erleuchteten Rathgeber und gewissenlosen Diener, denn neben seinen außerordentlichen geistigen Vorzügen besaß er weder Character noch ein fühlendes Herz. Als die toryistische Reaction in vollem Gange war, ließ er sich zum Sheriff ernennen, lediglich zu dem Zwecke, dem Hofe bei seiner Rache behülflich zu sein. Seine Geschwornen verabsäumten niemals das „Schuldig“ auszusprechen, und an dem Tage einer gerichtlichen Metzelei wurden zum Entsetzen seiner Gemahlin Karren, auf welchen die Glieder geviertheilter Whigs lagen, vor seinen Palast in Basinghall Street zu weiterer Bestimmung aufgefahren. Der Lohn für seine Dienste bestand in der Ehre des Ritterschlags, einem Aldermans-Mantel und dem Amte eines Zollcommissars. Er war als Abgeordneter für Banbury ins Parlament getreten, und obgleich ein neues Mitglied, hatte doch auf ihn der Lord Schatzmeister rücksichtlich der Leitung der Finanzgeschäfte im Unterhause hauptsächlich sein Vertrauen gesetzt.[105]

Obgleich die Gemeinen den einmüthigen Entschluß gefaßt hatten, der Krone weitere Geldmittel zu bewilligen, so waren sie doch noch durchaus nicht über die Quellen einig, aus denen dieselben geschöpft werden sollten. Man beschloß alsbald, daß ein Theil des nöthigen Geldes durch eine Erhöhung des Zolles auf Wein und Essig, auf acht Jahre hinaus, aufgebracht würde; das war aber nicht ausreichend. Verschiedene unsinnige Vorschläge wurden gemacht. Viele Landedelleute empfahlen, eine bedeutende Steuer auf alle Neubauten der Hauptstadt zu legen. Hierdurch hoffte man der Vergrößerung einer Stadt hemmend entgegenzutreten, deren Wachsthum schon seit längerer Zeit von der ländlichen Aristokratie mit Eifersucht und Abneigung betrachtet wurde. Dudley North’s Plan ging dahin, daß man Zusatzzölle auf Zucker und Tabak acht Jahre hindurch legen solle; darüber entstand aber ein großes Geschrei. Verkäufer von Colonialwaaren, Zuckerbäcker und Tabakshändler richteten Bittgesuche an das Haus und belagerten die Behörden. Die Bewohner Bristol’s, welche mit Jamaika und Virginien in ausgedehnten Handelsverbindungen standen, sandten eine Deputation, welche an den Schranken der Gemeinen gehört wurde. Rochester war einen Augenblick betroffen, aber North’s rascher Verstand und vollkommene Handelskenntniß beseitigten, im Schatzamt wie im Parlament, jeden Widerspruch. Die alten Mitglieder sahen mit Verwunderung, wie ein Mann, der kaum vierzehn Tage im Hause saß und sein Leben größtentheils in fernen Ländern zugebracht, alle Verrichtungen eines Kanzlers der Schatzkammer mit größter Zuversicht und Geschicklichkeit übernahm und befolgte.[106]

Sein Plan ging durch und die Krone kam in Besitz eines aus England allein hervorgehenden Einkommens von einer Million und neunhunderttausend Pfund. Ein solches Einkommen genügte damals vollkommen zur Bestreitung der Regierungskosten in Friedenszeit.[107]

[105.] Roger North’s Life of Sir Dudley North; Life of Lord Guildford 166; M’Culloch’s Literature of Political Economy.