»Komm!« und er fügt ein zärtliches Diminutiv hinzu, das Frau Wendland nicht recht versteht. Etwas burschikos faßt er mit der ringbeschwerten Hand um ihren prallen, in blaugrauen Foulard gespannten Arm und schiebt die junge Frau nach der engen Pforte zurück. Der Treppenraum wiederhallt abermals von dem fröhlichen Gelächter der beiden.
»Ein reizendes Paar!« sagt Frau Wendland. »Wie lustig sie sind!«
»Warum nicht,« meint Herr Wendland matt. Ei, weshalb umfaßt er mit seiner Hand nicht gleichfalls ihren Arm und schiebt sein Frauchen in neckischer Zärtlichkeit nach der Treppe zu?
»Sehr nette Leute« — und ein leiser Seufzer entschlüpft ihr — »besonders er, ein so feiner Mann!« (»So zuvorkommend und lieb!« fügte sie für sich hinzu.)
»Ich habe sie mir darauf nicht angesehen! Komm, Anna!«
Nicht »Ännchen«, nicht »Weibchen« — »süßes Weib« — »kleine Frau« — keines der Attribute aus dem üblichen Sprachschatze für Hochzeitsreisende ...
Diesmal hatte das Echo des Treppenraumes nur die Heiterkeit des einen, nicht des Wendlandschen Paares, zu vervielfältigen.
Im Wagen erst, als sie vom Domportal abfuhren, gab Herr Wendland eine Art Entschuldigung seiner Laune, die er offenbar bereute.
»Weißt du, mein Liebling, ich habe Hochzeitsreisende als solche nie ausstehen können!« platzte er heraus.
Doch gleich, vor ihrer erschreckten Miene, verbesserte er sich, mit den gespreizten Fingern an seinen Schnurrbart fahrend und mit einer gewissen schelmischen Miene dazu lächelnd, der die kleine Frau nur schwer widerstand: »Die Anwesenden natürlich ausgenommen, Ännchen. Weißt du, ein ganz dummes Junggesellenvorurteil!«