Ah, sie waren ja so glücklich, so glücklich! Solche winzige Wölkchen heben im Vorübersegeln nur die reine Bläue des Firmaments.

Am Mittag, bei der Table d’hote, als eben der Fisch aufgetragen wurde, machte Wendland seine Frau selbst auf ein ferner sitzendes Paar aufmerksam: »Die jungen Leute vom Dom, nicht?« — »Die jungen Leute« — als wenn er und Anna schon so alt wären, und über Liebeskindereien längst hinaus!

»Wo?«

»Nun, dort drüben! Der Oberkellner stellt eben den Kübel mit der Sektflasche vor sie hin.«

»Ah!«

Anna war ganz Augen, von ihren großen, schönen klaren Kinderaugen. Wahrhaftig, sie sind’s! Ein hübscher Zufall! Sie hätte am liebsten nach dem Paar hinübergenickt? Sind nicht alle Hochzeitsreisende in einer Art Verwandtschaft? Aber sie nahm sich diesmal in acht, sie wollte Fritz gegenüber diese Verwandtschaft nicht betonen.

Wirklich ein nettes Paar! Alles an ihnen strahlt und gleißt und glitzert von ihrem neuen Glück. Die Aufmerksamkeit der Tischgäste richtet sich auf sie, und ihre Champagnerlaune teilt sich der Nachbarschaft mit.

Frau Anna findet, daß sie beide selbst dagegen durchaus keine hochzeitliche Miene zur Schau tragen. Ein paarmal macht sie einen Versuch zu einer Fröhlichkeit, aber es bleibt bei diesem Versuch: seltsam — der Anblick des anderen Paares scheint wie lähmend auf sie zu wirken.

Champagnertrinkende sind anderen ja stets »über«. O, sie, die Wendlands, könnten ja auch einen Kork knallen lassen! Aber sie haben sich für diese erste Reise Genügsamkeit gelobt. Sie sind Anfänger und gedenken es durch Fleiß und Sparsamkeit zu etwas zu bringen in der Welt. Übrigens bedarf denn ihr junges Glück solch prickelnder Anreizung?

Zweimal noch im Laufe des Tages begegneten sie dem Paar, in der Passage und im Theater. »Unser Paar« nannten sie es jetzt scherzend.